Haben „wir“ keine anderen Probleme?

Um es gerade heraus zu sagen, ich bin genervt.
Als ob es nicht schon ausreichend wäre, dass das Staatsfernsehen unzulänglich berichtet und Wesentliches auslassend  „Heute“ in “ den Tag schaut“
, als ob die Verblödungsmaschinerie der Privatsender nicht schon schlimm genug wäre.

Nein, selbst Printmedien – die ich im Allgemeinen noch schätze  ob manchesmal noch an den Tag tretenden echten Journalismus – wie die Süddeutsche entblöden sich nicht, Themen wie die nachstehenden in reißerischer Manier aufzugreifen.
Da liest der (ab)geneigte Leser dann derart Wichtiges wie

Twitter-Profil: Bushido präsentiert Nah-Ost-Karte ohne Israel

Zunächst einmal dürfte es ausser der Fangemeinde kaum jemanden wirklich interessieren, wie der Musiker zu dem Nah-Ost-Konflikt steht oder um es deutlicher auszudrücken, wtf ist schon ein Bushido? Seine Raps sind (mit wenigen guten Ausnahmen) grenzwertig, sein gesellschaftlicher Einfluss wohl eher marginal.
Ärgerlich ist zum Einen, dass solche Meldungen überhaupt in der seriösen Presse zu finden sind. Noch ärgerlicher ist aber für mich, dass sich aufgrund derartiger Meldungen nun Politiker berufen fühlen, die Backen aufzublasen. Wo war der empörte Aufschrei „unserer“ -wie im SZ-Artikel bezeichneten- Aussenminister, als ein ehemaliger israelischer Aussenminister (Liebermann) äußerte, dass nicht Israel-loyale Araber deportiert [sic!] gehören?
Da nervt es einfach nur noch, wenn derart heuchlerisch nun die „Bushido-Landkarte“ kritisiert wird.

Haben „wir“ wirklich keine anderen Sorgen?

Und dann der Artikel zu Klaus Kinski.

Sturz eines Denkmals

Bei aller nötigen Sensibilität, die dem Thema Kindesmißbrauch gebührt, ich finde es einfach nur schlimm, weit über 20 Jahre nach dem Tod eines Menschen diesen medial auf die Schlachtbank zu schicken. Um es drastisch auszudrücken: Das grenzt für mich fast schon an Leichenfledderei.
Nahezu jeder Kolumnist,  fast jeder Kommentator fühlt sich – trotz Unkenntniss um die Person Kinski – nun berufen, seine persönliche Wertung in die Weltgeschichte hinaus zu posaunen, Tenor…“ dissoziale Persönlichkeit, das haben wir schon immer gewusst, kein Zweifel an der Richtigkeit der Schilderungen Pola Kinski’s ect.pp.“
Ich selbst enthalte mich jedweder Mutmaßung, das steht mir schlicht nicht zu.
Meine persönliche Meinung jedoch zum Umgang der Medien (nicht nur der grenzwertige SZ-Artikel) mit dem Vorwurf Pola Kinki’s ist, dass sich Derartiges einfach nicht gehört. Ein Toter, mag er noch so unsympathisch gewesen sein, kann sich nun einmal gegen Vorwürfe nicht wehren. Und auch für Tote sollte die Unschuldsvermutung gelten, dass diese in den Presseartikeln völlig (!) ausser Acht gelassen wird, hat einen unangenehmen Beigeschmack.
Der neuerliche Umgang der katholischen Kirche mit der Aufarbeitung wesentlich aktuellerer Vorwürfe zum Verbrechen Kindesmißbrauch hat zu weitaus weniger Artikeln veranlasst, daher erneut:

Haben „wir“ wirklich keine anderen Sorgen?

Advertisements

Teile uns deine Gedanken mit:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s