FAZ-Artikel: Vierzig Stunden in der Kita – und ein paar Gedanken zur schönen, neuen (Arbeits)Welt

Kitabetreuung rund um die Uhr…24/7, davon las ich heute in der FAZ
Nicht, dass ich das nicht bereits vor Jahren schon geunkt hätte und eher abwertende Reaktionen (von: „ach, Du siehst das alles zu schwarz“ bis hin zu „…das ist eben so, da kann man nix machen“) erfuhr.

Das gilt im Übrigen auch für viele andere Unkenrufe, da ich vor Jahren äußerte. Ich wurde belächelt und war teilweise recht verzweifelt, dass in meinem Umfeld alle Bedenken so lapidar weggewischt, teils auch als „linke, hirngewaschene Spinnerei“ abgetan wurden. Cassandra lässt grüßen…
Es tat fast schon körperlich weh, dass die Menschen überwiegend lemmingsgleich irgendwelchen vorgebeteten Ideologien und Behauptungen Glauben schenkten und scheinbar nicht begriffen, welcher Prozeß da im Gange war und ist. Nicht sehen konnten oder wollten,wie sehr „wir“ uns mehr und mehr vom Mitmenschlichen entfernen, und dass es nur ein weiteres Etappenziel der Profiteure von Armut sein kann, bis in den kleinsten Kern – die Familie – vorzudringen.
Die Familie im herkömmlichen Sinne ist ein Störfaktor, denn sie bindet Kräfte – Kräfte, die der Mensch gefälligst in Lohnarbeit zu stecken hat- so zumindest sehe ich den Hintergrundgedanken zu dieser Entwicklung.
Irgendwie passt das doch Alles zusammen:
Der ausgedehnte Niedriglohnsektor verunmöglicht ein familiäres Leben, wie es noch Ende der 70er/Anfang der 80er möglich war. Damals konnte eine Familie noch wählen, ob sie das herkömmliche Modell des (meist männlichen) Alleinernährers bevorzugt, die Mutter vielleicht (!) mit ein paar Stunden Arbeit das Familienbudget aufbessert. Bescheiden „gut“ leben war nach diesem Modell noch möglich.
Zum Niedriglohn passend dann die Angst-Maschine „Hartz4“, die  Optionen (insbesondere für Alleinerziehende) schlicht verunmöglicht. Auch hier, wenngleich es zu Zeiten des alten BSHG auch nicht eben rosig war, sah es in den 80ern für Betroffene doch um Längen besser aus.
Und heute? Lest selbst

Vierzig Stunden in der Kita

13.01.2013 ·  Yannics Mutter arbeitet Schicht bei McDonald’s. Sein Vater stapelt bis in den Abend Paletten. Ihr Kind bringen sie in eine 24-Stunden-Kita. Die Einrichtung rettet solchen Eltern den Arbeitsplatz. Doch Familien und Erzieher bringt sie an ihre Grenzen…

hier der gesamte FAZ Artikel

Und noch eine Überlegung zu dieser frühkindlichen Vorbereitung auf die  Nutzmenschhaltung.
Ich denke, dass sich bereits vor geraumer Zeit die emanzipatorische und/oder feministische Bewegung hat vor den neoliberalen Karren spannen lassen.
Nein, ich bin gewiss kein Befürworter der These, dass das Wirken der Frau sich auf die 3 K’s (Kinder,Küche,Kirche) beschränken sollte 😉 .
Wenn aber im Zuge der „Selbstverwirklichung“ und „Gleichstellung“ Frauen von ihren Geschlechtsgenossinnen förmlich angeprangert wurden, weil sie sich bewusst für die Rolle Hausfrau/Mutter entschieden, dann hat dies mMn auch mit dazu beigetragen, dass sich das Selbstverständnis der Frauen ungünstig geändert hat.
Der emanzipatorische Gedanke wurde, so denke ich, verfälscht. Ein emanzipierter Mensch ist dem Wortsinne nach gleichgestellt, d.h. auch, er hat auch die Wahl. Es bedeutet, er kann frei entscheiden, weil er anderen nicht formal „unterlegen“ ist…gleichgestellt eben.
Und das heißt für mich, ich bin ein ebenso wertvolles Mitglied der Gesellschaft, wenn ich mich für „Mutter-Arbeit“ anstelle von Lohnarbeit selbst (!) entscheide.
Indirekt trug also die (fast) Ächtung der „Nur-Hausfrau“ durch ihre Geschlechtsgenossinnen mit dazu bei, dass Frauen Erwerbsarbeit als so erstrebenswert ansehen, ein Hauch vermeintlicher Freiheit…
Somit wurde aus meiner Sicht der deutsche Feminismus zu einem der vielen (ungewollten) Steigbügelhalter des Kapitalismus.

Und – es kann nicht oft genug wiederholt werden – ein in Armut + Hamsterrad gehaltenes Volk, in welchem permanent Begehrlichkeiten (Konsum“terror“) geweckt werden, ist extrem manipulierbar. Es gleicht wohl dem Esel, dem der kluge Bauer die Karotte am Faden vor der Nase baumeln lässt. So sehr der Esel auch trabt, er wird sie nicht erhaschen…und die wenigsten Esel begreifen das.
Wie sagte die Kita-Leitung  es so schön im Artikel:“ Am Ende nutzen diese Kitas nur den Unternehmen“

Schöne, neue Welt – oder um George Orwell aus 1984 zu zitieren:
Auf lange Sicht war daher eine hierarchisch geordnete Gesellschaft nur auf einer Grundlage von Armut und Unbildung möglich.

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Ein Kommentar zu “FAZ-Artikel: Vierzig Stunden in der Kita – und ein paar Gedanken zur schönen, neuen (Arbeits)Welt

  1. Hier ist eigentlich alles gesagt. Aber es tut gut, mal jemanden zu hören (oder lesen) der sowohl die in die falsche Richtung gelaufene sogenannte Emanzipation der Frau als auch deren fatale Folgen für Kinder, Familie und natürlich – der Frau ganz klar sieht und ausspricht.
    Ich finde es richtiggehend erschreckend, wenn ich heutzutage von relativ jungen Leuten (bis Mitte vierzig) höre, „das ist halt so, da kann man nix machen…

    Allerdings hatte ich die letzten Tage einen dieser Schulterzucker getroffen und auf einmal andere, kritischere und harschere Worte gehört, nachdem er selbst bereits die zweite Kündigung seiner ArbVerhältnisses erhalten und gemerkt hat, wie es ist, wenn unsereins – Alleinerziehenden allemal – der Arsch auf Grundeis geht.
    Und das fängt nicht erst bei Hartz IV an, sondern wie gesagt, bei der nicht stattgefundenen Emazipation sowohl im Familien,- Sozial- wie auch Arbeitsrecht.

    Ehrlich gesagt: Wenn ich heute die Wahl hätte, würde ich mich sehr gerne an den Herd stellen und Nachmittags Zeit für meine Kinder haben!

    Alles Gute und Liebe für Euch und den Rest der Welt

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