Jetzt erst recht – etwas unsortierte Gedanken ;)

Ich weinte, weil ich keine Schuhe hatte,
bis ich einen traf, der keine Füße hatte.(Verfasser unbekannt)

Die einleitenden Worte mögen gleichsam eine Art der Entschuldigung bei den Menschen sein, denen der hiesige Beitrag vorkommen mag wie „jammern auf hohem Niveau“.
Mir ist bewusst, dass das höchstpersönliche „Problemchen“, welches mich umtreibt, wie Hohn klingen muss in den Ohren derer, denen es noch viel bescheidener geht als mir.
Die Menschen, welche wohnungs-oder obdachlos/davon bedroht sind, werden es gewiss als „Luxusproblem“ ansehen, wenn ich jetzt schreibe:
Ich halte dieses Umfeld nicht mehr aus, es macht mich krank, ich will hier weg!
Ich will diese Stadt nicht mehr sehen, ich will den Lärm nicht mehr hören, ich will endlich in Einklang mit der Natur dort leben, wo man noch durchatmen kann und ein Zitronenfalter keinen Seltenheitswert hat.
Dorthin, wo die Farbe Gelb für blühende Rapsfelder steht und nicht für Urinspuren an ehemals weißen Häuserwänden.
Bereits im Sommer schrieb ich mein Empfinden, diese Stadt betreffend einmal auf, erwähnte dabei jedoch nicht, dass ich am Rande des schlimmsten Brennpunktes und umgeben von lärmender Industrie wohne.
Seit langem heißt diese Stadt bei mir schon wie hier beschrieben, Zombietown.

Bei aller Bescheidenheit, die ich von mir behaupte zu haben, so denke ich doch, dass es einen gewaltigen Unterschied macht, ob mensch arm, aber vergleichsweise zufrieden dort lebt, wo er sich wohlfühlt oder verarmt in einem Umfeld, das ihn täglich mehr mit Grausen erfüllt.

Viele Gespräche habe ich geführt, alle möglichen und unmöglichen Varianten durchgedacht und dem Grunde nach haben die Zweifler und die „Bedenkenträger“ in meinem Freundeskreis Recht, wenn sie sagen, es wird schwer bis unmöglich diesen Wunsch zu realisieren und es ist mit Risiken verbunden (insbesondere bezogen auf die sich verschlechternde Gesundheit und das fortschreitende Alter).
Aber genau WEIL ich weiß, dass dieses Leben nicht ewig währt, ist es JETZT Zeit, das zu versuchen, umzusetzen, was ICH als lebenswert erachte.
Liebe Freunde, wart Ihr es nicht, die mir immer wieder geraten habt, ich solle endlich einmal an mich und nicht nur an andere Menschen denken? Dass dies kein Egoismus sei?
Nun, ich habe lange nachgedacht und bin zu dem Schluß gekommen, dass ich zwar einige unabänderliche Dinge bereits gelassen hinnehmen kann, dass aber ein Verbleib in Offenbach eben KEIN gleichmütig hinzunehmendes Schicksal ist. Zumindest so lange nicht, bis restlos alle Versuche, die Situation zu ändern, gescheitert sind. Dann erst werde ich versuchen, auch hierauf bezogen gleichmütig zu sein, vorher nicht!
Der autark von einer Freundesgemeinschaft betriebene Bauernhof (ja, ich hatte einen solchen „Walden2-ähnlichen“ Traum 😉 )  lässt sich nicht verwirklichen? O.K., akzeptiert.
Eine WG mit einem oder mehreren Vertrauten ist aus den verschiedensten Gründen nicht realisierbar? In Ordnung.

Dann muß es eben eine andere Lösung geben!
Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Wenn ich einen grünen Zweig im Herzen trage, wird sich ein Vogel darauf niederlassen“
Daran glaube ich -wieder-

Ziemlich passend dazu Gitte Haenning:

Jeder Baum, sagst du mir, läßt vom Wind sich biegen
Weil du siehst, daß ich mich nicht biegen möcht‘
Ohne Flügel, sagst du, soll man nicht mehr fliegen
Aber ich sag‘ jetzt erst recht

Wenn ich abgestürzt bin steh‘ ich auf
Und steig nochmal hinauf
Grade jetzt und jetzt erst recht

Wer sich fügt, sagst du mir, dem kann nichts passieren
Und der Karpfen lebt besser als der Hecht
Wer verlorn hat, meinst du, soll nichts mehr riskieren
Aber ich mein jetzt erst recht

Lieber träumen als immer schlafen
Lieber Wolf als Schaf unter Schafen
Lieber Federn lassen als kriechen
Grade steh’n
Jetzt erst recht…
🙂 😉

http://www.myvideo.de/watch/8367875/Gitte_Haenning_Jetzt_erst_recht_1988

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3 Kommentare zu “Jetzt erst recht – etwas unsortierte Gedanken ;)

  1. Liebe Freundinnen,
    danke Euch herzlichst für Euren Zuspruch (kann ich derzeit gut brauchen 😉 )
    Helen, insbesondere Dir sei Dank, denn ich habe mal wieder Zugesichertes „verpeilt“ (wird aber noch heute erledigt)…irgendwie auch so etwas wie „Egoismus“, wenngleich kein beabsichtigter oder gar bösartiger…
    Und ja, das Lösen von (Pseudo)Abhängigkeitsverhältnissen hat einen hohen Stellenwert, aus diesem Grund macht es weder mit der einen Freundin noch mit Sohn (inkl. seiner „Familie“) wirklich Sinn, ein neues bzw. eigentlich altes, enges Geflecht zu erstellen…nach längerem Nachdenken und langem, angenehmen Telefonat ist diese Problematik herausgearbeitet…ich tendierte ja zunächst zum Beschönigen 😉
    Gut, wenn man echte Freunde hat!
    Problematisch wird es halt wegen der KdU, da ist jetzt viel Recherche-Arbeit angesagt, denn die MOG sind ja höchst unterschiedlich.
    Bevor ich die nicht alle -topaktuell- gelistet habe, machen weitere Schritte keinen Sinn.
    Erst kommt das Fundament und dann der Hausbau, alles Andere wäre töricht.
    Seid lieb gegrüßt
    Ellen

  2. probeleme sind zum lösen da . wenn du dir sicher bist , das du etwas WILLST ..na, warum sollst dus dir nicht erfüllen ?

    ansonsten , schliesse ich mich helen an …entfernungen sind heute nicht mehr unüberwindbar ..naja, wenn man nicht unbedingt auf körperkontakt :)wert legt …ausserdem, freundschaften sind keine „einbahnstrassen „..also, beide seiten müssen den erhalt auch wollen …mitunter trennt sich ganz schnell „spreu vom weizen „, wenn man ggf. nicht mehr DIREKT vonenander profitieren kann (wegen der räumlichen entfernung )und so manches „abhängigkeitsverhältnis „:)löst sich in die berühmte luft auf .

    naja…wenn ich auf jedes bedenken , was man bei meinen vorhaben geäussert hat , gehört hätte, da sässe ich jetzt noch am „a…der welt „:)..wenn du 80 bist , brauchste nich mehr umziehen …höchstens noch 1.80 tiefer 🙂

    also, auf was willste warten ?

    frei nach dem motto „machs mit , machs nach , machs besser „:) 🙂 🙂

    http://www.mdr.de/damals/archiv/machmit100.html

  3. man sollte und kann leiden nicht relativieren. das halte ich für quatsch zu sagen „na du mit deinen luxusproblemen, dir geht es nciht richtig schlecht“.
    bullshit, du hast das recht zu sagen: ich leide, es geht mir auf den keks, ich bin genervt. und du mußt nicht denken, das es leute gibt, denen es schlechter geht. den schlecht gehen ist alles relativ!

    so!

    zu deinen umzugswünschen und -plänen kann ich nur sagen: tu es!
    zieh in den norden, zieh ans meer. denke auch das gewisse gesundheitliche probleme dort erträglicher sein werden!

    soweit ich weiß ist dein kind nicht mehr schulpflichtig ;D … und wenn es die mama so braucht, dann kann es hinterher ziehen. evt. auch ein guter input für.s kind.

    alte freunde: sollten zum teil auch auf eigenen füßen stehen, auch hier kann ein radikaler schnitt deinerseits wahre wunder bewirken. und andereseits, wir leben im zeitalter von flatrates und dsl. also check vorher was telefontechnisch am wunschort machbar ist. skype mit webcam wäre da ein absolutes muß. aber das kannste hinkriegn.

    neue freunde: findest du! evt. ist ja in der nähe des wunschortes auch eine buddhistische gemeinschaft. wobei in den kleinen städten und dörfern des nordens auch weltliche treffen in kirchengemeinden oder in anderen organisationen zum kennenlernen beitragen 🙂

    nimm lieber ne kleinere stadt denn ein dorf, da biste flexibler was ärzte und einkaufen anbelangt.

    ansonsten: go for it. hol dir den besseren teil des lebens JETZT!

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