Von Ängsten und Ärzten, Schildkröten und Goldhamstern

Einige Male schrieb ich in letzter Zeit (mehr oder weniger andeutungsweise) über meinen nicht wirklich zufrieden stellenden Gesundheitszustand.
Das Erfreuliche vorab:
Dem Kauf einer Schildkröte = Tier mit hoher Lebenserwartung, steht offensichtlich nichts mehr im Wege 😉 Eine Zeit lang sah es (dank einer, einmal mehr offenbar völlig kompetenzbefreiter Schnell-Schuss-Diagnose) eher so aus, als müsse ich mich für einen Goldhamster (= kurzlebiges Tier) entscheiden.

Nun, diese -natürlich nur symbolisch angedachten- „Käufe“ waren das geflügelte Wort innerhalb meines Freundeskreises, wenn es um mögliche, lebensbedrohende Krankheiten ging. Ich neige dazu, Dingen, die (ausschließlich) für mich problematisch werden könnten, mittels flapsiger Wortwahl etwas an Schärfe zu nehmen.

Ausgelöst durch  äußerst unangenehmes Herzstolpern mitten in der Nacht habe ich mich erstmals intensiv mit meiner Sterblichkeit auseinander gesetzt. Wenngleich ich ein Abtreten von der irdischen Bühne auch keinesfalls als „schlimm“ erachte – der Kreislauf ist nun einmal kommen, sein und vergehen – so erschreckte mich doch in dieser Nacht sehr das mögliche „Wie“, denn die Herzaussetzer waren beängstigend und schmerzhaft.

Wer mich auch nur ansatzweise kennt, weiß, dass ich Ärzten gegenüber ein sehr hohes Mißtrauen an den Tag lege. Das ist nun keinesfalls eine Art „irrationale Phobie“ 😉 vielmehr begründet sich dies in den schlechten Erfahrungen, die ich jedesmal dann machte, wenn ich denn mal einen Doktor aufsuchte, weil es mir wirklich schlecht ging.
Und das war nicht oft der Fall, aber wenn…ich geriet wohl mit schöner Regelmäßigkeit an Absolventen einer Baumschule –  Koniferen – und leider nicht an Koryphäen.
Irgendwann war auch der letzte Rest von „Urvertrauen“ dahin und ich lebte die letzten Jahre/Jahrzehnte nach dem Motto: Kam von selbst, geht von selbst…weil eben Ärzte
(witzigerweise nur Kassenärzte, denn zahlte ich private Doktoren, stimmten Diagnose und Behandlung immer… nur, das kann ich mir jetzt nicht mehr leisten)
mir nicht „helfen“ konnten.
„Lustig“ – mal nur so als Beispiel- war da, dass eine Internistin eine Bauchwandhernie (Bruch) nicht erkannte und auf „Zug geholt“ tippte. Ein Privatarzt, den ich in einer ganz anderen (in Eitelkeit begründeten 😉 ) Gelegenheit aufsuchte und mit dem ich eher zufällig auf diese Schmerzen zu sprechen kam, meinte damals empört, die Kollegin solle sich die Studiengebühren erstatten lassen, da man dies bereits in den Anfangs-Semestern lerne…

Gut, da die Pumpe doch Beachtung verdient, suchte ich einen mir wärmstens empfohlenen Diagnostiker auf.
Dass dieser nun als einzig richtige Diagnose Herz-Rythmus-Störungen erkannte, sei lobend erwähnt.
Wieso er mir aber einen „mit großer Wahrscheinlichkeit zutreffenden Anfangsverdacht“ auf Lungenkrebs an den Kopf warf, weiß nur er allein.
Dass die diagnostizierte Lebervergrößerung („trinken Sie und wenn nein, hmm, da könnten sich auch Metastasen gebildet haben…“) im Zusammenhang mit einer „wahrscheinlichen“ Krebserkrankung steht, mochte er nicht ausschließen.
Von den IGEL-Leistungen (auch, weil ja meine Blut(fett)werte sooo exorbitant schlecht sind), die er mir zugleich anbot, schreibe ich besser nicht.
Peng.
Das saß zunächst einmal. Die „äußerst mitfühlende und extrem sensible Art“, mir die Wahrscheinlichkeit einer schlimmen Erkrankung zu übermitteln, ließ mich über Vieles nachdenken.
Vor allem darüber, wie ein Mensch, der große Angst vor Leiden/Sterben/Tod hat, mit so etwas nun umgehen würde ( die wenigsten glauben ja an ein nur „temporäres Ausscheiden“, an Wiedergeburt und das Lebensrad)
Meine Ängste hielten sich entsprechend meines „Glaubens“ in Grenzen bzw. waren eher in Richtung meiner Mitmenschen ausgerichtet, für mich war also rationales Vorgehen wie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung sowie Testament und gewünschte Ausgestaltung der Beisetzung angesagt.
Dennoch hatte auch  ich Angst, wenngleich eher vor Schmerzen und würdeloser Behandlung als vor dem Tod als solchem.
Ich denke auch, dass sich die Menschen, die mich mögen, einen ziemlichen Kopf um mich gemacht haben, auf die „Allerengsten“ aus meinem Kreis musste ich gar beruhigend und beschwichtigend einwirken.

Das hätte alles nicht sein müssen

Die nunmehr ausgewerteten Befunde der hinzugezogenen Fachärzte (2te Meinung) sahen ganz anders aus.
Gut, ich sehe das Ganze nun mehr als Lehre an, werde mir und meinem Körper damit mehr Achtsamkeit schenken. Somit birgt dieses unschöne Ärzte- und Ängstegeschehen durchaus Positives. Positiv ist natürlich , dass ich ausser den medikamentös gut „auf Stand“ zu haltenden Herzstörungen über eine zu fast 60% volumige, krebs und Ödemfreie Lunge verfüge, keine Leberschäden, keinen Krebs mit Streuungen habe. Und die Oberbauchprobleme lassen sich bald mittels Spiegelung abklären (nein, da ich nicht Susahn Stahnke bin, werde ich DAS gewiss nicht veröffentlichen 😉 )

Alles in allem bin ich froh, denn jetzt kann ich mich unbelasted – wenngleich im „Schon-Modus“ – wieder den vorübergehend auf Eis gelegten, wichtigen Aufgaben widmen.

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Ein Kommentar zu “Von Ängsten und Ärzten, Schildkröten und Goldhamstern

  1. naja….aber, nun überleg mal , wenn du dir KEINE 2-te meinung geholt hättest und dich auf die ergebnisse des „feldschers 🙂 „verlassen hättest ..hm….bei der „sensiblen“ ersten diagnose, das du dir keine schildkröte kaufen brauchst , aber auch keinen hamster ..naja, manch anderer hätte ein fenster auf gemacht und wäre gesprungen 😦

    was lehrt dich das ?kommt dir was komisch vor, wechsle den arzt..so kurz kann ein leben nicht (vorraussichtlich )sein , das man sich keine 2-te meinung holen kann …und wie du siehst : der holzmichel lebt noch 🙂 (und wird vorraussichtlich auch noch älter 🙂 )

    naja…nun bin ich froh …du kommst durchn TÜV 🙂 🙂

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