Und da war es plötzlich wieder …

…dieses fast vergessene Gefühl.

Dieses unangenehme Gefühl, welches früher in mir aufkam, wenn ich glaubte (ob zu Recht oder Unrecht sei dahingestellt) ungerecht behandelt worden zu sein. Dieses Gefühl, sich erklären oder rechtfertigen zu müssen.

Zunächst aber: Dies ist mein letzter Beitrag zum Thema eigene Gesundheit – es liest sich hier ja mittlerweile bereits wie in der Rentner-Bravo , Verzeihung, Apotheken-Umschau 😉 –

Dass es mir die letzten Tage echt dreckig ging, schrieb ich ja. Sicherheitshalber werde ich morgen doch noch mal den Arzt aufsuchen, schaden wird’s nicht.
Darum geht es mir jetzt aber nicht. Es ist (und dafür bin ich dankbar) die Lehre, die ich aus den „Begleiterscheinungen“ rund um das Thema -Ellen ist krank- ziehen durfte.
Wenn nur die Dankbarkeit das derzeit unangenehme Gefühl mildern könnte…

Ja, ich musste krankheitsbedingt mein Engagement „runterfahren“. Dass Betroffene, denen ich -aus welch unvernünftigen Gründen auch immer- als einzig Vertrauenswürdige erscheine, mich trotz deutlicher Bitte um Schonung dennoch mit Anrufen/mails zuschütten, o.k., ich verstehe es…
…die Last des Nachbarn scheint immer leichter als die eigene.

Dass sich dieses Verhalten im engsten Kreis fortsetzt, verstehe ich auch. Ich gab mir wohl viele Jahre „redlich Mühe“, als -Vorsicht Werbe-Neusprech 😉 – Unkaputtbare wahrgenommen zu werden – Saat und Ernte also –

So weit also „gut“, denn bis dahin hatte ich mein (unterschwelliges) „Murren“ ja auch noch im Griff. Doch heute hatte ich schlagartig den Eindruck, ich müsse mich für den Teil der Ellen, welcher derzeit (krankheitsbedingt) nicht funktioniert, auch noch maßregeln lassen

Das ist, wenn es gleich 4x am ersten Tag der Genesung geschieht, schon bemerkenswert. Und keinesfalls angenehm…
Ausgerechnet heute werde ich angepampt, warum ich mir die Beantwortung von Fragen Zeit lasse, viel Zeit.
Ja verflixt noch eins, ich war tagelang nur im Bett und auch davor schon nicht eben pumperlgesund!
Ausgerechnet heute wirft man mir an den Kopf, „zickig“ [sic] zu sein, weil ich stinksauer war, als ich von den Worten „Ich schalte beim TV mal die Zeitschaltuhr ein“ geweckt wurde, nach nur 3 Stunden Schlaf um 9.00 Uhr morgens.
Ja Menschenskind, ich bin froh für jede Sekunde Schlaf, die ich habe, da brauche ich solch‘ unüberlegte Aktionen nun wirklich nicht.
Ausgerechnet heute durfte ich mir anhören, wie viel Mühe es mache und wie unangenehm es sei, für mich zum Discounter zu gehen. Ich würd‘ ja selbst, nur hat derjenige noch Bargeld im Haus (im Gegensatz zu mir und die Bank ist auch viel zu weit entfernt)
Bargeld übrigens, welches ich Monatsanfang „zur Überbrückung von 2-3 Tagen“ verliehen habe…
Ausgerechnet heute zeigt sich ein Freund sehr deutlich sehr ungehalten, u.A., weil ich im Gespräch  nicht schnell genug „auf den Punkt“ kam.
Aber so spreche ich nun mal, so bin ich…und nicht erst seit gestern.

In der Summe fühlte sich das für mich nach langer Zeit wieder so an wie früher, so, als ob die meisten meiner Mitmenschen nur mit einer funktionierenden Ellen etwas anfangen könnten. Eine „etwas angeschlagene“ mit vielleicht abweichendem, „törichten“ Verhalten hingegen scheint nicht so vorbehaltlos angenommen  werden zu können.
Mich rechtfertigen zu „müssen“, warum ich was, wie sagte , meinte, machte oder auch auch nicht, ist deshalb auch so unangenehm, weil ich statt „Anpfiff“ eher „Umarmung“ gebraucht hätte. Ausgerechnet heute, wo der Gedanke – Hey, Du könntest theoretisch steinalt werden -erstmalig so richtig „gesackt“ ist.
Das Alles ausgerechnet durch Menschen veranstaltet, die mir teils sehr nahe stehen, das schmerzt doch ziemlich…aber vielleicht bin ich einmal mehr nur zu dünnhäutig. Klar, keiner der Betreffenden konnte wissen, dass ich bereits Anpfiffe kassiert habe bzw. noch kassieren würde.Und gewiss wollte mich auch niemand mit Absicht „verletzen“, aber auch „nur Unachtsamkeit“ kann weh tun…

Gelernt habe ich aus den letzten Tagen/Wochen:
1.Ich werde mit keiner Erkrankung mehr „hausieren“ gehen – ich kam mir eh schon vor wie eine uralte Frau, welche kein anderes Thema mehr hat. Ernstzunehmende Erkrankungen waren für mich bis vor kurzem neu und daher erschreckend…
(Be)sprechen hilft vielleicht bei Warzen 😉 für alles Andere aber gilt: (Be)Handeln, wenn es geht, ansonsten als Lehre annehmen und sich damit befrieden. Und vor Allem: Mund halten…

2.Fendrich hatte also auch diesbezüglich wieder Recht Songtext Immer weiter

3.Ebenfalls wurde mir klar, wie hoch meine Erwartung an meine Mitmenschen noch immer ist. Ja, ich hatte idT wohl „erwartet“, dass „man“ jetzt etwas Rücksicht nimmt…
Ich vermutete bereits viel früher, dass Erwartung eine der am schwersten abzulegenden Anhaftungen ist. Das wird in diesem Leben kaum zu wuppen sein 😉 dennoch werde ich üben üben üben …

4.Allein allein (in der Fremde) oder unter Vertrauten allein, ich habe für mich beschlossen, dass der Unterschied hier lediglich in einer landschaftlichen Verbesserung liegt. Sollte es auch nur den Hauch einer Chance geben, werde ich einen Ortswechsel vornehmen.

5.Kranksein will gelernt sein. Unabhängigkeit auch. Ich habe gelernt, mich nicht auf andere verlassen zu können und dürfen und werde künftig sofort am Monatsanfang alles Lebensnotwendige  für Mensch und Tier/Monat kaufen.  Lagermöglichkeit habe ich zwar fast keine in der Mini-Bude, aber es gibt ja noch ein Treppenhaus, schmalen Schrank hingestellt, fertig.

So, das war’s in Sachen „Tanz um den eigenen Nabel“, ab morgen geht es dann wieder bei den (für mich) wirklich wichtigen Themen wie gewohnt verschwurbelt 😉 zur Sache.
Danke für’s lesen.

PS
Es betrifft nur den heutigen Tag und ist keinesfalls als Verhalten „Aller zu jederzeit“ während meiner „Unpässlichkeit“ zu verstehen! Ich erfuhr ansonsten sehr viel Mitgefühl, das möchte ich betonen.
Aber der heutige Tag war einfach  extrem merde…

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4 Kommentare zu “Und da war es plötzlich wieder …

  1. Danke für Euren Zuspruch, liebe/r HWN und Ercem :).

    Liebe Ecem,
    die Geschichte ist sehr weise 😉 Es geht um nicht weniger als um Gleichmut.
    In vielen Belangen habe ich diesen ja schon, daher ist mir unbändiger Zorn oder gar Hass sehr fern. Und auch vergeben -wenn denn ich (!) überhaupt zu vergeben habe- ist, wie ich finde, auch nicht die schwierigste Übung. Aber ich war eh noch nie nachtragend…
    Kritik von Menschen, die mir nichts bedeuten (im persönlichen Sinne) nehme ich zwar an, boshafte mir aber schon lange nicht mehr zu Herzen.
    Auch Beleidigungen oder Spott von Fremden geht mir an der gewissen Rundung vorbei 😉
    Die Krux ist, dass mein Gleichmut da aufhört, wo freundschaftliche/familiäre Geflechte mit ihren positiven Emotionen wie Zuneigung beginnen.
    Ich bin ja weder sauer, noch angep*** oder ähnliches, ach i wo, ich bin einfach nur verletzt. Dabei weiß ich (Kopf), dass gewisse Dinge sind wie sie sind, dass gewisse Verhaltensformen zu den jeweiligen Menschen einfach dazu gehören, dass sie „es“ nicht böse meinen, dass sie selbst „unter Strom“ stehen ect ect ect.
    Aber es ist eben „nur“ der Kopf, der dies begreift. Das Gefühl empfindet es als schmerzhaft. Und aus diesem Widerspruch, so denke ich, hilft nur Gleichmut heraus.
    Zum großen Schwierigkeitsgrad des Gleichmutes und der Geduld gibt es eine „klassische“ buddhistische Lehrgeschichte, welche ich sehr gerne mag, sie ist auf Seite 9 des E-books:http://www.steppenspiel.at/relunterricht/ebooks/Dalai%20Lama%20-%20Der%20Mensch%20der%20Zukunft.pdf

    Also, es hilft nur sich zu üben üben üben….

    Ich drück Dich auch ganz dolle, meine Liebe, es ist mir wirklich ein Leichtes, nachzufühlen, wie derart Sprüche so rüberkommen (schließlich hatte ich auch einmal Anteil am Erwerbsleben und kenne diese Art verständnisvolle Chefs oder, wie bei mir meist, Kunden).

    Sich so einen mißlungenen Tag einfach nur runter zu schreiben hilft mir übrigens auch schon, das ist wohl eine recht wichtige Funktion des Schreibens, Kanalisieren statt in Impulsen baden…zumindest ich empfinde es so.

    glG
    Ellen

  2. Hier mal meine virtuelle Umarmung für Dich
    (((((Ellen)))))

    Oh ja, Tadel und Vorwürfe, wenn eigentlich Verständnis angebracht ist,
    das tut sehr weh.
    In einer solchen Situation, in der man noch sehr dünnhäutig ist,
    ruhig zu bleiben,
    alle Rechtfertigung sein zu lassen,
    einfach zu sagen „es ist so“
    und zu vergeben
    ist schwer.

    Du bist nicht allein, mit dem Angepampt-Werden.
    Ich durfte mir heute von meinem Chef am Telefon anhören,
    dass seine Firma kaputt geht,
    weil ich aktuell AU bin …

    Ich verlinke Dir mal einen Text, den ich in dieser Situation sehr passend und hilfreich finde:
    http://www.zeitzuleben.de/20404-du-darfst-mich-doof-finden/

    Gaaaaaanz liebe Grüße
    Ecem

    • Oh Ellen,
      deine Worte, deine gefühle kann ich so etwas von nachvollziehen, denn du hast zu 100% Recht wir dürfen nicht krank werden.
      Ich habe nachdem ich aus dem Krankenhaus gekommen bin nicht gedacht, dass meine Mitmenschen u. Freunde in Teilen so dumm sind u. es nicht begreifen wollen, auch wenn man es ihnen X-Mal sagt „ich werde nicht wieder richtig gesund“, sie glauben es nicht. Ich werde mir auch abgewöhnen müssen überhaupt noch Worte darüber zu verlieren, wenn du stehen u. gehen kannst musst du auch funktionieren, so ist die Denke. Genau wie dir es ergeht, es guckt auch keiner auf den Tag o. auf die Uhr, wenn jemand merkt, dass er/sie Hilfe braucht, Telefon o. Mail
      u. die Erwartung, Soforthilfe. Da ich es jetzt auch fertig bringe mal zu fragen, „haben sie mal an die Uhr o. an den kalender geguckt“, da ist aber dann was los, unfreundlich, warum sind sie denn da, da wird man abgewimmelt, das sind dann noch so die einfachsten Einschätzungen. Wenn ich aber 22.00 Uhr angerufen werde und eine ALG II-Leistungskürzung beackern soll, da ist bei mir jetzt Ende der Fahnenstange.
      Mein Gefühl sagt mir jetzt, versuch dich zurück zunehmen Vertrauen zu haben u. zu sagen, mir geht es heute nicht gut, nehmt mal bisschen Rücksicht glaubt keiner oder will keiner glaben u. nicht einmal die, mit denen man zusammen arbeitet.
      Ellen du hast es auf den Punkt gebracht.
      Viele, viele Grüße

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