Bedingungsloses Grundeinkommen – Gero Jenners ätzende Polemik und ein paar Gedanken dazu

Vorweg, ich bin nun wahrlich kein Experte auf dem Gebiet des BGE. Da gibt es klügere Menschen als mich 😉 vor Allem, was knallharte Rechengrößen, wirtschaftlich solide Berechnungen hinsichtlich des Wie der Finanzierbarkeit betrifft.

Was ich jedoch glaube zu wissen, ist, dass ein Umdenken, ein Umstrukturieren schon allein deshalb dringend notwendig ist, weil immer mehr Teile der Bevölkerung von der immer weniger werdenden Erwerbsarbeit abgekoppelt werden. Ich halte es ferner für wichtig, dass Menschen nicht unter dem Damoklesschwert der existenziellen Vernichtung zu Erwerbsarbeit getrieben werden, welche sich mit einem humanen Menschenbild kaum in Einklang bringen lässt (jüngstes Beispiel – eines von Unzähligen – Amazon). Es gibt -unstrittig- nicht mehr genug Erwerbsarbeit für Alle. Und es gibt noch viel weniger Erwerbsarbeit, die den Menschen noch ernährt, seine Leistungen angemessen bezahlt, ihm ein Leben in bescheidener Zufriedenheit ermöglicht.
Was also tun mit dem Teil der Menschen, dem der Tanz um das goldene Kalb Erwerbsarbeit für immer verunmöglicht ist?
Die „Lösung“ ist hierfür seit Jahren das entwürdigende und menschenverachtende Hartz4.

Hartz4 ist offener Strafvollzug, so äußerte sich Goetz Werner (Inhaber der DM-Drogerien, Befürworter des BGE und Philanthrop) bereits vor Jahren. Seinem Menschenbild gemäß – welches ich  teile und  sich durch diverse Studien auch als durchaus realistisch erweist – würde sich kaum jemand „auf die faule Haut“ legen, hätte er ein Einkommen auch ohne Lohnarbeit. Mit Arbeit verbindet der Mensch viel mehr als nur Geldverdienen. Arbeit bedeutet auch Anerkennung, das Gefühl des Gebrauchtwerdens, des Nützlichseins, des „Gutes tun“.
Ich bin der Meinung, dass durch ein BGE der Mensch zu mehr Entfaltungsmöglichkeiten gelangen würde, künstlerisches Potential entdecken, seine Nächstenliebe ausleben, sich um unsere tierischen Freunde kümmern, die Natur wieder wahrnehmen und schützen könnte…Aufzählung unvollständig.
Soviel zum positiven Menschenbild.

Und nun pöbelt ein Gero Jenner ausgerechnet von der Unmoral eines BGE, ich zitiere

 
[…] Ich halte es für sehr wohl möglich, dass die Empfänger eines BGE sich in ihrer überwiegenden Mehrzahl als höchst nützliche Mitglieder der Gesellschaft erweisen, doch die bloße Möglichkeit, dass es von nun an dem Belieben jedes einzelnen anheimgestellt bleiben soll, ob er auch ein Gebender ist oder sich auf das bloße Nehmen beschränkt, setzt dieses soziale Grundprinzip außer Kraft. Ihr moralisches Fundament wird aufgelöst.
und
[…]Das war schon in der Vergangenheit so, wenn herrschende Schichten nur noch genommen haben, aber nicht mehr geben wollten, also nur noch parasitär agierten (der Auftakt zu Revolutionen). Es macht die Sache keinesfalls besser, wenn jetzt auch die benachteiligten Schichten dieses Recht für sich reklamieren. Parasitäres verhalten kann unmöglich zu den Menschenrechten gehören.

Quelle und kompletter, unsäglicher Artikel

Man kann die Diskussion über Für/Wider des BGE gewiss hitzig und kontrovers führen. Mit Sätzen wie:
Es gibt kein Menschenrecht für parasitäres Verhalten
verliert aber jede Einlassung an Sachlichkeit. Wenn dazu noch in geradezu hetzerischer Manier Götz Werner als Sektenführer und Guru bezeichnet wird, die Befürworter des BGE als unmoralische Sekte abqualifiziert werden, dann ist dies in meinen Augen einfach nur noch unappetitlich und im Höchstmaß unanständig.

Und, wtf, ist eigentlich dieser  Gero Jenner, klick  ?

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Ein Kommentar zu “Bedingungsloses Grundeinkommen – Gero Jenners ätzende Polemik und ein paar Gedanken dazu

  1. ich habe den artikel von GJ nicht gelesen, ich werde es mir auch nicht antun.
    aber die aussagen, die du zitiert hast, spiegeln gedanken der gesellschaft wieder.
    nur der ist wertvoll, der arbeiten geht und wenn er einen noch so kleinen lohn mit nach hause bringt.
    je besser der lohn desto angesehener, weil eben nicht „parasitär“.

    selbstausbeutung ist en vogue, weil man ja damit angeblich zeigt, das man der gesellschaft was zurück gibt.
    gibt man ihr? oder doch eher einem ausbeuterischen arbeitgeber?

    womit gebe ich der gesellschaft was?
    ich denke durch die erziehung von kindern,
    indem ich mich mit den schwächsten beschäftige und ihnen eine helfende hand reiche
    im prinzip so vieles was wir heute unter dem begriff eherenamtliche arbeit packen, einfach weil die tätigkeiten notwendig sind und nicht wirklich bezahlbar sind.

    und wo ist das problem, dem menschen zu erlauben, sich zu entfallten, außer vielleicht das glückliche menschen nicht mehr kontrollierbar sind …

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