Überlegungen eines ehemaligen Jobcenter-Mitarbeiters zu Solidarität, „Tellerrand“ und mehr

Vorweg von mir:
Ich las diesen bemerkenswerten Beitrag als „Gast-Leser“ in einem Forum. Über Zwischenkontakt holte ich mir bei dem Autoren die Erlaubnis ein, seine Niederschrift hier (entsprechend modifiziert) publizieren und zur Weiterverbreitung freigeben zu dürfen.
Auslöser für seine Überlegungen war, wie ich es verstand, das Unverständnis gegenüber Betroffen des SGB2, wenn sie – ohne Kenntniss der Person –  diese abwerten und ihre positiven Absichten in’s Negative verdrehen.

Auslöser war zunächst also die in Teilen derbe Kritik an Inge Hannemann, kritische Jobcentermitarbeiterin – klick im Ergebnis jedoch geht es weit darüber hinaus. Sehr lang, aber lesenswert.

Mein „Prädikat“ – bemerkenswert und auf den Punkt – bitte urteilt selbst
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einer der Gründe, warum sich auf breiterer Front kein bzw. kaum medial vernehmbarer Widerstand gegen Hartz IV entwickelt, auch daran liegen könnte, dass viele derjenigen, die nicht unmittelbar von Hartz IV betroffen oder bedroht sind, sich durch simplifizierende Dualismen der Art „Wir gegen Sie“ bzw. „Systemfreund gegen Systemfeind“ gerade nicht angesprochen fühlen bzw. diese Feind-Konstruktion sogar als befremdlich und unpassend empfinden?

Nur als Beispiel: Ich arbeite selbst im politischen Bereich, wo es längst nicht nur darum geht, Sozialpolitik zu gestalten, sondern wo es ebenso wichtig – fast sogar noch wichtiger – ist, die eigene Politik entsprechend zu verpacken, sie zu kommunizieren. Schließlich setzt Gestaltungsmacht im Politikbereich immer auch einen Gestaltungsauftrag durch die Wählerschaft voraus. Im Klartext: Ich kann nur gestalten, wenn ich gewählt wurde. Sonst kann ich nur darlegen, was ich tun würde. Gerade hier gibt es seitens der Arbeitsloseninitiativen indes ein riesiges Manko in Form eines Kommunikationsdefizits, welches sich meiner Überzeugung nach aus oftmals völlig falschen Annahmen über das Empörungspotential der Wähler speist.

Ich habe den Eindruck, dass viele der in Arbeitsloseninitiativen engagierte Menschen der Fehlwahrnehmung erliegen, dass sie nur heftig genug auf das System schimpfen und überall Skandal, Menschenrechtsverletzung, Zwangsarbeit, Tod durch Hunger etc. postulieren müssen, dann würden die bisher nicht von Hartz IV Betroffenen endlich „aufwachen“ und die Perversität des Systems erkennen. Dem ist aber nicht so, darauf kann man bis zum Sankt Nimmerleinstag warten.

Was viele Menschen hier im Forum bzw. generell in Arbeitsloseninitiativen nicht zu begreifen scheinen oder vielleicht auch nicht wahrhaben wollen, ist, dass Sozialpolitik sich in Deutschland nicht durch lautstarkes Schimpfen über die Zustände ändern lässt, sondern – wenn überhaupt – nur dadurch, dass man linke, sozialstaatliche Gedanken für die Mittelschicht anschlussfähig macht, welche dank medialer Unterstützung seitens bestimmter Konzerne und Stiftungen momentan eher davon überzeugt ist, dass das neoliberalen Model des from-welfare-to-workfare im Grunde doch gut für Deutschland sei.

Langfristig wird sich keine sozialpolitische Änderung in Deutschland ohne Zustimmung der Mittelschicht durchsetzen lassen. Und ein Großteil der Mittelschichts-Milieus, die statistisch betrachtet häufiger zur Wahl gehen als ärmere Milieus, deren Bürger an Stammtischen über ach so faule Hartzer, zu hohe Sozialabgaben sowie Kopftuchmädchen schimpfen und der Aussage zustimmen, das Leistung nur erhalten solle, wer eine Gegenleistung erbringt, wird für Kritik an Hartz IV gerade nicht empfänglich, indem man das System möglichst schrill und anklagend als menschenunwürdiges Werk neoliberaler Post-Faschisten und Survival-of-the-Fittest-Kapitalisten zu brandmarken versucht.

Im besten Fall verhallt dieses Gekeife über die angeblich menschenunwürdige Perversion Hartz IV ungehört. Im schlechtesten Fall erreicht man dadurch das Gegenteil dessen, was man beabsichtigt hat. Dies dann nämlich, wenn der gemeine Mittelschichts-Angehörige in Reaktion auf einen Online-Artikel oder Foren-Kommentar sich sagt: „Ja haben die denn nichts besseres zu tun, als hier nur rumzustenkern? Sollen sie doch glücklich sein, dass sie überhaupt was bekommen von meinen Steuergeldern. Die müsste man viel härter rannehmen…“

Ein fundamentales Problem scheint mir darin zu liegen, dass viele Hartz IV-Kritiker der Meinung zu sein scheinen, dass sie nur energisch, laut und anklagend genug über Ungerechtigkeiten und Zumutungen des Systems klagen müssten. Dann, so die Annahme, würde man sie schon irgendwann hören, so dass sich der erhoffte Protest dann endlich Bahn brechen würde. Darauf kann man aber lange warten, das funktioniert nicht. Denn wie gesagt: Es geht nichts, wenn nicht auch die Angehörigen der Mittelschichts-Milieus davon überzeugt werden, dass Hartz IV Deutschland längst nicht so gut tut, wie uns das Regierung, große Teile der Opposition und ein Großteil der Medienkonzerne und Industrie-Lobbyisten weismachen wollen.

Wie sich Protest lautstark formieren kann, sieht man am Beispiel Stuttgart 21 und an der Hamburger Schulabstimmung. In beiden Fällen waren es überproportional viele Angehörige der Mittelschicht, die sich für Ihre Belange eingesetzt haben, die Netzwerkarbeit betrieben, die sich in Presse und Politik Gehör verschafften. Im Klartext: Die Wutbürger aus der Mittelschicht werden gehört, weil sie ihren Protest organisieren und marketing-gerecht kommunizieren können. Die Wutbürger aus den armen Milieus werden nicht gehört, was – unter anderem – daran liegt, dass die ärmeren Wutbürger ihre Argumente gegenüber den Denkmustern und Lebenswelten der Mittelschicht-Angehörigen nicht hinreichend anschlussfähig formulieren. (Ein anderer Grund ist freilich auch, dass die besser situierten, oft liberalen Wutbürger nicht in dem Maße medialer Ausgrenzung ausgesetzt sind, wie das viele Menschen sind, die eher linke Ideen vertreten. Das ist aber etwas, was ich hier nicht weiter ausführen möchte, weil darauf schwer einzuwirken ist.)

Sprichwörtlich müssten Mittelschicht-Angehörige mit ins Boot geholt werden. Sie müssten überzeugt werden, dass auch sie ganz schnell in Hartz IV fallen und dann unter einer restriktiven Forder-Politik ohne äquivalente Förderung leiden würden, dass auch sie alsbald konfrontiert wären mit der Forderung, sich für das Amt buchstäblich nackt zu machen, dass auch sie dann ihre Ersparnisse aufbrauchen, gegebenenfalls das Haus verkaufen und sich von unqualifizierten Vermittlern maßregeln lassen müssen, dass sie gefälligst intensiver und dauerflexibler nach Arbeit zu suchen hätten, weil ja schließlich jeder wüsste, dass die, die Arbeit suchen, diese auch finden. Ein Arbeitsloser könne, so die Hartz IV-Logik, folglich nur ein drückebergerischer Sozialschmarotzer sein.

Die Mittelschicht-Angehörigen müssten überzeugt werden, dass auch ihnen ganz schnell ein entwürdigendes Gehirnwäsche-Coaching zu teil würde, bei dem ihnen weisgemacht würde, dass sie allein die Schuld für ihr Scheitern trügen und sie nun keinerlei Ansprüche mehr stellen dürften, damit es bald wieder klappte mit Arbeit über eine Zeitarbeitsfirma für 8,00 € die Stunde, was man dann ja, so es nicht reicht, großzügiger Weise vom Amt aufgestockt bekäme, solange man – trotz Arbeit – immer weiter fleißig Bewerbungen schriebe.

Wie aber, so stellt sich die Frage, erreicht man die Mittelschicht mit Argumenten gegen Hartz IV?

Meiner Überzeugung nach sind mindesten zwei Dinge erforderlich:

1) Charismatische „Frontmänner und Frontfrauen“, die die Funktion von Aushängeschildern und Multiplikatoren der Bewegung verkörpern (auf Anhieb einfallen würden mir Leute wie Sarah Wagenknecht und Ullrich Schneider)

2) Eine zwar energische, aber gleichsam gemäßigte, differenzierte Kritik an Hartz IV, in der Abstand genommen wird von argumentativer Zuspitzung und einer schwarz-weißen Freund/Feind-Zeichnung.

Gerade den Punkt zwei vermisse ich hier im Forum oft schmerzlich. Wenn ich hier manches Mal Sätze lese wie den, dass Hartz IV eine „Sozialpolitische Endlösung“ sei, dass Sachbearbeiter „Systemschergen“ oder „ARGEs Gesindel“ seien, dass überhaupt jeder Jobcenter-Mitarbeiter der „Feind“ sei, dann könnte ich wirklich kotzen, so abwegig ist das. Und wenn ich hier Argumentationsstränge verfolgen, nach denen sich eine Ex-Kollegin nicht habe wundern müssen, dass sie im Büro ermordet wurde, weil sie einen unschuldigen Arbeitslosen (der gar nicht ihr Kunde war), offenkundig so sehr schikaniert haben muss, dass der sich dann quasi genötigt sah, in einem Akt mörderischer Verzweiflung von seinem Notwehrrecht Gebrauch zu machen, dann ist dieses relativistische Geschwurbel, das einen Täter zum Systemopfern hochstilisiert, an perverser Dreistigkeit und Ekelhaftigkeit kaum mehr zu überbieten. Da denke ich wirklich: Geht es noch?

Ich kann es voll verstehen, wenn man seinem Ärger verbal Luft machen will, weil man selbst eine ungerechte Behandlung im Jobcenter erfahren hat, diese als Beistand verfolgt hat oder davon berichtet bekam. Ich kann es nachvollziehen, wenn man verbittert ist und dem Jobcenter als Ganzes bzw. dem System als Solches nicht mehr traut. Aber solche Ausdrücke und Entgleisungen, von körperlicher Gewalt ganz abgesehen, sind für mich völlig inakzeptabel. Ferner tut man anderen erwerbslosen Menschen damit einen Bärendienst, denn wer mit seinem Anliegen, Kritik an Hartz IV zu äußern und Protest zu evozieren, als seriöser Gesprächspartner Anerkennung und medialen Rückhalt finden will, dürfte dies kaum dadurch schaffen, dass er so reißerisch spricht.

Das kann nur nach hinten losgehen, weil sich viele Angehörige der Mittelschicht, die man zu gewinnen versuchen müsste, sich viel eher angewidert abwenden oder die Wut der Erwerbslosen und Hartz-Geschädigten als lächerlich oder gar dummdreist abtun. Dies deshalb, weil Mittelschicht-Angehörige sich eben im Mittel per definition gerade dadurch auszeichnen, dass sie von Extremen eher zurückschrecken. Und das schließt auch Extremformulierungen wie „sozialpolitische Endlösung“ oder „ARGEs Gesindel“ mit ein.

Und was soll es bitte bringen, wenn man sich hier im Forum gegenseitig hochschaukelt und alle Elos, Teil-Elos und Sympathisanten dann ordentlich Beifall klatschen, der umso lauter ausfällt, je heftiger und sprachgewaltiger die Systemkritik ausfällt? Das bringt gar nichts, denn das ist nur „preaching to the quire“. Hier im Forum sind überwiegend ohnehin nur Leute, die nicht mehr überzeugt werden müssen, dass Hartz IV weg muss. Und diejenigen, die noch zu überzeugen sind, lesen weder in diesem Forum, noch sind sie durch den Sprach- und Argumentationsduktus zu gewinnen, der hier vielfach an der Tagesordnung ist.

Wie gesagt: Nicht die Foristen und in ELO-Initiativen engagierten Menschen müssen von der Schattenseite von Hartz IV überzeugt werden, die sind schon überzeugt. Überzeugt werden müssen jene Mittelschicht-Angehörige, die bisher nichts mit Hartz IV am Hut haben. Die aber können mit Zuspitzungen der Art „Wir gegen Sie“ in der Regel nichts anfangen. Mittelschicht-Angehörige wollen das marktwirtschaftliche System vielfach nicht abschaffen (will ich auch nicht), sie sind für marxistisch angehauchte Grundsatzkritik daher gar nicht empfänglich. Um sie für Kritik an Hartz IV zumindest im Ansatz empfänglich zu machen, müsste man wesentlich weniger grundsatz-rhetorisch vorgehen und sich insbesondere mit einer unreflektierten Pseudo-Einteilung der Welt in Systemfreund vs. Systemfeind zurückhalten.

Ich komme zum Ende und damit zum Kern dessen, was ich zum Ausdruck bringen wollte:

Ich finde dieses Form hier eine super Sache. Es ist sehr informativ und bietet eine gute Plattform zum Austausch und zwecks Organisation praktischer Hilfen, damit Menschen zu ihrem Recht kommen.

Was mir aber bisweilen richtig bitter aufstößt, ist die teilweise erschreckende Radikalität, die manche Foristen hier an den Tag legen, was bei einigen schon an Extremismus grenzt. Dieses Gerede von wegen: Wer nicht 100% gegen alles ist, was mit Hartz IV zu tun hat, der ist gegen die Arbeitslosen, der ist ein Neoliberaler, der ist für das System Hartz IV, das geht mir tierisch auf die Nerven. Und es schadet dem Kampf gegen Hartz IV. Und das sage ich als überzeugter linker Realo.
So, ich habe fertig.
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16 Kommentare zu “Überlegungen eines ehemaligen Jobcenter-Mitarbeiters zu Solidarität, „Tellerrand“ und mehr

  1. Der ehemalige JC-Bedienstete mag insoweit recht haben, als er das öffentliche Lamentieren Betroffener über die Hartz-Härten als bestenfalls nutzlos im Hinblick auf die öffentliche oder besser: Medienvermittelte Wahrnehmung einstuft und eine modifizierte Kommunikationsform empfiehlt. Der Knackpunkt ist aber der, den er nicht weiter vertieft. Dafür hat er wohl kein Rezept parat: Der Zugang Betroffener zu den Strippenziehern ist auf mannigfache Weise verbaut. Das fängt in den kommunalen Job-Center-Beiräten an, in denen bestenfalls Gewerkschaftsfuzzis, Parteipöstchenbesetzer, die Organisierte Sozialindustrie usw. sitzen, niemals aber Betroffene. Und setzt sich bis in die Bel Ètage der Bertelsmann-Stiftung fort.
    Ergebnis ist jedenfalls, daß nicht nur in den Medien, sondern auch in den maßgeblichen Zirkeln über SGB-Vollzugssubjekte geredet wird, nicht mit ihnen. Ausnahmen bestätigen die Regel – Man fragt sich also, ab welchem %-Satz Betroffener in der Bevölkerung dieses Phänomen in der öffentlichen Wahrnehmung umschlägt.

  2. Pingback: Es scheint sich ganz zaghaft etwas in die richtige Richtung zu bewegen. | Gegenwind e.V.

  3. @Grilleau, Michael Lange und „NN“

    nachdem sich mein Zorn über Herrn Kallays undifferenzierte und öffentliche Schmähung etwas gelegt (und dem angebrachten Mitgefühl Platz gemacht) hat, ein paar kurze Worte noch:
    Den Gedanken, dass Nicht-Betroffene „in’s Boot“ geholt werden müssen, halte ich nach wie vor für richtig. Ich wiederhole mich ungerne:
    Ernst zu nehmenden Widerstand, gar bundesweite Aktivitäten mit einer Beteiligung von mehr als 1-2000 Betroffenen,habe ich in all den Jahren nicht verzeichnen können. Die Gründe hierfür sind vielfältig, ich glaube nicht, dass ich darauf näher eingehen muss.
    Daher ist die ausführliche Darlegung, weshalb die Anwendung von Kriegsduktus (oder menschenverachtende Bezeichnungen für die Systemdiener) kontraproduktiv sind, aus meiner Sicht schlüssig.
    Wie (un)realistisch die Vorstellung einer übergreifenden „Anti-Hartz-Allianz“ ist, ist daher zunächst sekundär, da die „Fronten“ ohnehin derart verhärtet sind.

    Es ging in diesem Artikel um eine Art „gedankliches Aufbrechen“ der Positionen (auch unter Betrachtung der angewandten Rethorik), nicht mehr, nicht weniger.
    Hieraus ein „da kann man eh nix machen“ oder gar Befürwortung dieses abartigen Systems herauszulesen, ist faktisch falsch.
    Zudem für eine Aktivistin despektierlich und verletzend…

    Dass die Begrifflichkeiten seitens der Betroffenen ein verständlicher (!!) Ausdruck von Wut, Angst, Verzweiflung ff sind, ist völlig klar und nur zu gut zu verstehen.
    Sinnstiftend sind sie trotzdem nicht…
    Klar ist auch, dass die Macher und Ausführer dieses asozialen Gesetzes mit der verbalen Verunglimpfung begannen.
    Grilleau, Deine Liste der Schandmäuler übernahm ich bereits im März 2013 ->
    https://erbendertara.wordpress.com/2012/11/26/am-anfang-war-das-wort/

    Lbnl:
    Ich selbst verweigere mich konsequent, Menschen zu entmenschlichen (das macht die andere Seite bereits zur Genüge)
    Die Hintergründe, weshalb in Gesetz gegossene Menschenverachtung zum Teil sogar gerne umgesetzt wird, sind so vielfältig wie die Menschen selbst.
    Es sei ein Hinweis auf Hannah Arendt’s „Banalität des Bösen“ genauso gestattet wie ein Verweis auf auf Milgram oder Stanford Prison. Aktuell hier noch ein Buchtipp diesbzgl. http://www.springer.com/springer+vs/psychologie/sozialpsychologie/book/978-3-8274-3027-4
    Sich hiermit auseinander zu setzen, Hintergründe zur „Psychologie des Bösen“ ergründen zu wollen, im Bewusstsein, dass AUCH ein solches Verhalten Menschen potentiell innewohnt, hat nichts mit Relativierung zu tun, es dient der Erklärung.
    Erklärung wiederum hält die Ratio in Schwung und schützt vor unangebrachtem Beißreflex, wie ihn Herr Kallay hier anwandte.

    • Ich mag subtilen Humor! 😉 Aber ich fürchte, Du meinst es wieder mal ernst. Darum schreit das förmlich nach einem satirischen Federstrich.

      Ist Dir aufgefallen, dass Dein Kommentar ausgerechnet am 20. Juli verfasst ist, dem 70. Jahrestag des Stauffenberg-Attentats? Damals hat so ein undifferenziert denkender Kerl in einem unangebrachten Beißreflex einen bestimmten Menschen nicht nur entmenschlichen, sondern gezielt um die Ecke bringen wollen. Vier Männer wurden dabei getötet, neun weitere zum Teil schwer verletzt (pfui!).

      Unser Bundesgauckler ehrte heute Stauffenberg und seine Mitverschwörer als „Lichtgestalten der Geschichte“. Wie tief sind wir gesunken, dass ein scheinheiliger Pfaffe im Unruhestand einen Vierfachmord und begleitend unzählige Mordversuche und schwere Körperverletzung öffentlich verherrlichen darf, ohne nach § 140 Strafgesetzbuch für drei Jahre in den Bau zu müssen?

      Schön, dass sich Dein Zorn etwas gelegt hat. Schließlich hat Kallay ja nicht Ali aus Neuss zur Lichtgestalt erklärt, sondern lediglich ein Gedankenverbrechen begangen (pluspfui!) … und dies dann auch noch ausgesprochen (doppelpluspfui!): Kein anständiger Mensch setzt Hartz-IV um! Kein anständiger Mensch arbeitet in einem Jobcenter o.ä.!

      • Frank, es freut mich, Dir eine Steilvorlage geliefert zu haben 😉
        Was Du daraus allerdings machtest, ist für mich eher nicht zu verstehen.
        Mein Zorn war:
        1. in der Heimtücke zu suchen. Heimtücke deshalb, weil ein despektierlicher Artikel erschien, auf den ich nicht Bezug nehmen kann (sachlicher Diskurs und so) da es bei scharf-links keine Kommentarfunktion gibt. Ich bin für faire Diskussionen, derart Hintervotzigkeit ist schlicht ungehörig.
        Herr Kallay hätte sich auch/zunächst/zusätzlich hier positionieren können
        2. gerechtfertigt! Ich reiße mir seit Jahren für Betroffene den Anus auf, erwarte keine Lobhudelei oder Dank. Mich dann als Befürworter dieses Dreckssystems darzustellen, ist schon von daher nicht in Ordnung.

        Unterschwellig hier mit Orwell’schen Begriffen zu arbeiten, ist ebenfalls nicht schön. Aber offenbar hast Du mich ebenfalls als Abnicker des Systems und damit als Neusprech-Nutzer einsortiert.
        Schade eigentlich. In Foren und auf Plattformen, in welchen dieser Artikel durchaus kontrovers, aber sachlich diskutiert wurde, ist von solchen Unterstellungen nichts zu lesen (jaaa, da diskutieren Betroffene,Linke,Aktive ect. – keine „Schergen“ )
        Aber ein jeder liest eben das heraus, was er lesen will…ich sehe allerdings darin, dass einige, wenige Menschen von ihrem Hass gesteuert sind.
        Zwar heißt es:
        In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz.
        Um wieviel größer muss dann aber der Verlust sein, wenn Hass die Triebfeder des Handelns/Schreibens ist ?
        Das Ergebnis sind dann offenbar solche Ergüsse…bedauerlich

        • Tja, so unterschiedlich sind die Wahrnehmungen. Du betrachtest es als „Heimtücke“, wenn Kallay in einem Nebensatz einen tatsächlich unsäglichen Forenbeitrag, den Du in eigener Verantwortung in Deinem Blog (wieder)veröffentlicht hast, abwatscht und keine Lust hat, mit Dir darüber vorab in Deinem Wohnzimmer zu diskutieren. Heimtückisch ist sicher nicht, dass er damit neue Blogbesucher generiert hat. 😉

          Ich teile Kallays Kritik und halte es auch mit dem Satz von Grilleau: „Was will uns der Schreiber (bezahlter?) damit sagen? Außer, dass Erwerbslose mit den Peinigern respektvoll umgehen sollen – und auch Verständnis für das System aufbringen.“

          Zugegeben, der Text ist in gewisser Weise „brillant“. Schafft er es doch auf treffliche Weise, dem potentiell wehrhaften Hartz-gebeutelten Leser eine gewisses Verständnis zu heucheln, ihn mit wohlklingenden Scheinargumenten einzulullen und ihm – ganz in klassicher Agenda 2010-Manier – die Schuld für eine wenig erfolgreiche Gegenwehr zuzuschieben.

          Mehr als dieser gar nicht mal so undurchschaubare Text ist allerdings die harmoniesüchtige Bereitwilligkeit erstaunlich, die Bereitschaft von Hartz-Opfern und – Kallay nennt sie „Gutmenschen“ – sich von vorgeblich ex-argen Schreiberlingen hinter die Fichte führen zu lassen. Du schreibst: „… ein jeder liest eben das heraus, was er lesen will…“. Stimmt. Und manche Leute überlesen in Ihrer Harmoniesucht eine ganze Menge.

          Die Mittelschicht in´s Boot holen können? Welch ein von einem Systemprofiteur soufflierter feuchter Wunschtraum für die Unterschicht. Und wenn das absehbar nicht gelingt, liegt es am „Gekeife über die angeblich(!) menschenunwürdige Perversion Hartz IV“. Daran, dass es keine „energische, aber gleichsam gemäßigte, differenzierte Kritik an Hartz IV, in der Abstand genommen wird von argumentativer Zuspitzung“ gibt. An der „Anwendung von Kriegsduktus“. Daran dass man ganz infam kein Blatt vor den Mund nimmt, Hartz IV “Sozialpolitische Endlösung” und die Täter hinter den Schreibtischen “Systemschergen” oder “ARGEs Gesindel” nennt.

          Es wird auf Vergessen spekuliert, nämlich dass die Umarmungstrategie Richtung Mittelschicht schon vor Jahren versucht wurde und krachend gescheitert ist. Ich erinnere mich noch bestens an den „Europäischen Aktionstag“ am 3. April 2004 (Hauptveranstalter DGB), denn ich war dabei. Was hat beispeilsweise die „größte Demonstration der Kölner Stadtgeschichte“ mit 40.000 Menschen gebracht? Ein Gewerkschaftsboss schwang farblose Reden, Norbert Blüm (er wurde leider ausgepfiffen) redete sich tatsächlich in Rage und Nena durfte ein paar belanglose Liedchen trällern. Geht denn noch mehr Anbiederung an die Mitte?

          Menschen wie Kallay sind zurecht desillusioniert und haben die Nase voll von rhetorischen Weichspülgängen.

          • Fast hatte ich die Hoffnung, auf einen sachlichen Diskurs zu treffen. Bedauerlich, dass Du Dir erneut Seitenhiebe nicht erspart hast -> …Heimtückisch ist sicher nicht, dass er damit neue Blogbesucher generiert hat
            Da Du des Lesens mächtig bist, dürfte Dir nicht entgangen sein, dass der Blog keine neuen Besucher generieren muss, weil er ohnehin brach liegt…und von Wiederveröffentlichung kann auch keine Rede sein.
            Aber Hauptsache, einer „weichgespülten Harmoniesüchtigen“ ’ne Schelle verpassen, vermute ich mal.
            Ich geb’s auf, Frank, eine weitere Diskussion ist aus meiner Sicht verschwendete Lebenszeit. Schade das…

  4. Kein anständiger Mensch setzt Hartz-IV um!

    Kein anständiger Mensch arbeitet in einem Jobcenter o.ä.!

    Kürzlich las ich, daß es doch nichts brächte, gegen Hartz-IV zu kämpfen und dagegen zu opponieren, um dieses soziale, menschenrechts- und verfassungswidrige Unrecht der breiten Bevölkerung als solches verständlich zu machen…

    Man lese diese Propaganda hier und schüttele sich vor Ekel:
    https://erbendertara.wordpress.com/2013/03/12/uberlegungen-eines-ehemaligen-jobcenter-mitarbeiters-zu-solidaritat-tellerrand-und-mehr

    mehr:

    http://www.scharf-links.de/41.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=45902&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=345ab867e6

  5. Wenn man davon ausgeht, dass Auschwitz das Modell der Selektion ist, wird wohl die Frage gestattet sein, an welchem Modell sich die Agenda 2010 und die damit eingeführt Hartz IV Reform orientiert?

    Um den Befürwortern der Sanktionen vor Augen zu führen, in welchem geistigen Umfeld sie sich bewegen – schließlich ist selbst das Regierungsmotto von CDU und CSU- „sozial ist, was Arbeit schafft“ – der nationalistischen Propaganda entlehnt, wo es hieß: – „Sozial ist, wer Arbeit schafft“ – nachstehend Zitate von der sogenannten Leistungselite, die aufzeigen, wie die heutige Diskriminierung der Erwerbslosen nach dem SGB II vonstattengeht, die im Übrigen in keinster Weise von der Diskriminierung der Erwerbslosen im Dritten Reich sich unterscheidet. Zum Vergleich verweise ich auf die Gestapo-Aktion gegen sog. Arbeitsscheue hin, die auf einen Erlass des Reichsführers SS, Heinrich Himmler vom 26.1.1938 zurückging.

    Nach einem Zitat von Prof. Dr. Wolfgang Ayaß in seiner 1988 verfassten Schrift über die Aktion „Arbeitsscheu Reich“ definierte der Erlass von Himmler ‚Arbeitsscheue‘ als „Männer im arbeitsfähigen Lebensalter, deren Einsatzfähigkeit in der letzten Zeit durch amtsärztliches Gutachten festgestellt worden ist oder noch festzustellen ist, und die nachweisbar in zwei Fällen die ihnen angebotenen Arbeitsplätze ohne berechtigten Grund abgelehnt oder die Arbeit zwar aufgenommen, aber nach kurzer Zeit ohne stichhaltigen Grund wieder aufgegeben haben.“ Die örtlichen Arbeitsämter wurden angewiesen, die ihnen bekannten ‚Arbeitsscheuen‘ festzustellen und den Staatspolizeistellen zwecks Verhaftung zu melden. Heute und ganz Besonderem durch die Kommunalisierung der Armut werden die Arbeitsscheuen nicht mehr der Staatspolizei übergeben, sondern vielmehr wird Ihnen mit der sukzessiven Zerstörung des Existenzminimums gedroht und auch durchgeführt.

    • Henner Schmidt, FDP-Fraktionsvize meint: Hartz-IV-Empfänger sollen Ratten jagen.

    • SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering meint: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.

    • AltkanzlerGerhard Schröder meint: Es gibt kein Recht auf Faulheit.

    • FDP-Chef Guido Westerwelle meint: Es gibt kein Recht auf staatlich bezahlte Faulheit und
    Hartz IV-Empfänger sind eine Gruppe, die anstrengungslosen Wohlstand genießt, und
    bezeichnete diesen Zustand als „spätrömische Dekadenz“.

    • Michael Glos, CDU Bundesminister für Wirtschaft und Technologie meint: Arbeitspflicht für alle Arbeitslosen muss eingeführt werden.

    • Genozidsforscher Professor Dr. Gunnar Heinsohn, meint: Man müsse der Unterschicht den Hahn zu drehen, denn nur ein ungeborenes Kind aus diesem Milieu, ist auch ein gutes Kind, denn es schlägt einem schon keinen Baseballschläger den Kopf.

    • Grünenpolitikerin Claudia Hämmerling meint: Hartz IV Empfänger könnten als
    Hundekotkontrolleure eingesetzt werden.

    • Vorstandsmitglied der Bundesbank, Thilo Sarrazin (SPD) meint: Finanznot wäre angeblich t nicht das zentrale Problem bei Hartz IV-Beziehern, sondern ihr übermäßiger TV-Konsum, ihre Wortarmut und Fettleibigkeit.

    • CDU-Philipp Mißfelder meint: Kinder von ALG II BezieherInnen solle es keine Anhebung des Regelsatzes geben, denn diese Maßnahme würde ja nur zu einer Absatzsteigerung führen bei Alkohol- und Tabakindustrie.

    • FDP-Dr. Oliver Möllenstädt meint: Die Empfängerinnen würden das Geld eher in den nächsten Schnapsladen tragen, als es in Vorsorge und selbstbestimmte Familienplanung zu investieren.

    • CDU-Vorsitzende Roland Koch meint: Hartz IV eine „angenehme Variante” des Lebens und fordert eine Arbeitspflicht für Arbeitslose zur Not in Billig-Jobs.

    • Wolfgang Clement SPD vergleicht Hartz IV Empfänger mit Parasiten.

    • Heinz Buschkowsky Bezirksbürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln und seit 1973 Mitglied der SPD meint: Elterngeld sei Fortpflanzungsprämie für Unterschicht.

    • Gesundheitsexperten, Peter Oberender meint: Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren. So muss er seiner Meinung nach die Möglichkeit haben, durch den Verkauf von Organen dies zu sichern.

    • Frank Steffe CDU-Politiker meint: „Hartz IV-Familien“ die Bildungsgutscheine aus dem Bildungspaket nicht wollen, weil diese sich nicht „zu Bargeld machen lassen“ „Die Bildungsgutscheine sind ausschließlich für das Wohl der Kinder, man kann sie nicht für Nikotin und Alkohol benutzen. Sie lassen sich eben nicht verrauchen und versaufen.“

    Die bayrische Arbeits- und Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) meint: Fordert härtere Sanktionen bei Hartz IV. Nach ihrer Ansicht gebe es bei Hartz IV noch „zu wenig Leidensdruck“ für die betroffenen Menschen.

    • Frank Steffe CDU-Politiker meint: „Hartz IV-Familien“ die Bildungsgutscheine aus dem Bildungspaket nicht wollen, weil diese sich nicht „zu Bargeld machen lassen“ „Die Bildungsgutscheine sind ausschließlich für das Wohl der Kinder, man kann sie nicht für Nikotin und Alkohol benutzen. Sie lassen sich eben nicht verrauchen und versaufen.“

    • Dr. Dietmar Bartsch Die Linke meint: In Zeiten schlechter Wahlergebnisse die Mandate knapper seien, würden sich die Abgeordneten der Linkspartei um die Posten streiten wie die“ die Hartzvierer um den Alkohol“.

    • Ehemaliger Hessischer Justizminister Dr. Christean Wagner meint: Die elektronische Fußfessel bietet damit auch Langzeitarbeitslosen und therapierten Suchtkranken die Chance, zu einem geregelten Tagesablauf zurückzukehren und in ein Arbeitsverhältnis vermittelt zu werden. Viele Probanden haben es verlernt, nach der Uhr zu leben, und gefährden damit gerade auch ihren Arbeitsplatz oder ihre Ausbildungsstelle. Durch die Überwachung mit der elektronischen Fußfessel kann eine wichtige Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden.“

    In einem Interview gibt der scheidende Vorsitzende des Vermieter-Arbeitskreises „Stadtspuren“, Ulf Hahn, zu, dass durchgespielt wurde, „wie es wäre, alle Potsdamer Hartz-IV-Empfänger“ umzusiedeln und in leer stehenden Plattenbauten unterzubringen. Auf Nachfrage gibt er zu, dass dieses Gedankenspiel zwar „absurd“ sei, aber angesichts der Tatsache, dass in Potsdam „jährlich 2.000 Menschen zuziehen“ und es an entsprechenden Wohnungen mangele, sei „querdenken“ erlaubt und Lösungen müssten gesucht werden. Durch eine Umsiedlung der Hartz-IV-Empfänger, so Hahn, würden dann wieder Wohnungen in Potsdam frei und die Umgesiedelten hätten es von Brandenburg/Havel auch nicht allzu weit nach …

    Die Agenda 2010 und die damit einhergehende Hartz IV-Reform ist nicht dazu gedacht um Arbeitsplatz zu schaffen, sondern vielmehr um Arbeitslose zu bekämpfen bzw. eine Dienstbotengesellschaft zu etablieren – in denen man ihnen die Burgerrechte sowie 52 Grundrechteartikel entzieht.

    • Mit Verlaub, diese Unterstellung ist…eine schlichte Unterstellung.
      Verehrte/r Grilleau,
      wenn Du den letzten Beitrag im Blog gelesen hättest, wüsstest Du, dass ich gesundheitlich sehr angeschlagen bin und bis zur vollständigen Wiederherstellung meiner Gesundheit jedwede Aktivität auf Eis gelegt habe.
      Dazu gehört auch das Schreiben von Blogartikeln.
      Nebenbei, um 22.50 Uhr hast Du kommentiert und ich frage mich, bist Du selbst 24/7 online? Kurz vor 23.00 Uhr pflegen Menschen oft zu schlafen.
      Zu Deiner Kritik werde ich mich mom. nicht äußern, das hole ich nach. Es war mir aber wichtig aufzuzeigen, wie schnell Negativ-Urteile über wildfremde Menschen gefällt werden können…und damit beweist es sich, dass noch immer unter den Betroffenen/deren Vetretern/sozialpolitisch Aktiven ein Klima herrscht, welches ECHTE Solidarität verhindert.
      Wenn mensch bereits Rückschlüsse auf den Schreiberling zieht, weil Kommentare nicht „just in time“ freigeschaltet werden, ist das ein schlichtes Trauerspiel.
      Und genau derlei Trauerspiele verhindern echte Gemeinsamkeit. Sehr schade.

  6. An zahlreichen Punkten kann ich dem hier formulierten Text zustimmen. Verbale Attacken bringen wenig und stoßen oft ab und führen letzten Endes in eine noch tiefere Ausgrenzung und vor allem soziale Isolation. Dennoch stelle ich mir aber die Frage wohin sollen die Betroffenen hin mit Ihrer Wut und Verzweiflung. Ständig produzierte Demütigungen ob in den Jobcentern, in den Tafeln aber auch den Medien führen eben zu einer ständig andauernden Drucksituation, die immer öfter zur Explosion kommen muss. Da sind verbale Entgleisungen noch die harmlosenden Dinge die hier zu beklagen sind. Mich wundert eher, dass es inzwischen nicht schon sehr viel mehr zu Toten und Schwerverletzten gekommen ist. Wenn diese Situation sich nicht bald entspannt, befürchte ich immer mehr amerikanische Verhältnisse und ein Leben das für alle Beteiligte und damit auch der vermeintlichen Mittelschicht sehr grausam werden kann. Eine gespaltene Gesellschaft zwischen denen: „Deutschland geht es gut“ und den Betroffenen die hier kritisiert werden, ist schon lange nicht mehr zu übersehen.

    Und an dieser Stelle muss der Autor des Kommentares auch deutlich kritisiert werden. Entlastet er nicht in gefährlicher Weise die Mittelschicht, wenn er ihr so einfach erlaubt sich wegen verbaler Entgleisungen einfach so abzuwenden, ohne die gesamtgesellschaftlichen Folgen zu bedenken. So wage ich es zu bezweifeln, dass die Verzweifelten auf Dauer ruhig bleiben und in ihrer Resignation der Verzweiflung dauerhaft die bestehende Situation erdulden werden. Längst wird bei vielen Betroffenen darüber nachgedacht, sich der Afd und rechtsradikalen Organisationen zu zu wenden. Die ersten Ansätze waren gerade hier in Hamburg bei der letzten Europawahl und den gleichzeitigen Bezirkswahlen zu erkennen. Die Sozialdemokraten verloren dabei bis zu 10 % auf einen Schlag. > Natürlich weil die Wahlen mal wieder zu kompliziert waren!!!! Immer deutlicher diskutieren die Betroffenen über das Thema Rechtsradikalismus. Nicht weil sie davon aus gehen, von rechtsradikalen Gruppierungen Hilfe und Unterstützungen erwarten zu können, sondern weil sie davon und das nicht zu unrecht überzeugt sind, dass rechtsradikale Parteien in den Parlamenten für die notwendige Unruhe bei den etablierten Parteien auslösen könnten. Diese Entwicklung hatten wir schon einmal in diesem Land in einer sehr ähnlichen Situation und im europäischen Ausland wie z. B. in Frankreich und England ist dies schon ebenfalls zu erkennen.

    Der Niedergang der Sozialdemokraten als ehemalige Volkspartei ist dabei nicht nur ein Ausdruck dafür, sondern hat eine gefährliche Entwicklung dazu eingeleitet. Millionen Menschen haben sich angewidert abgewandt und sind für diese Partei für immer verloren.

    Also nicht nur die Betroffenen selbst sind hier gefordert, sondern gerade auch die Mittelschicht sollte hier schleunigst wach werden und das nötige Bewusstsein entwickeln. Ob da allerdings ein Ullrich Schneider die richtige Person dafür ist, daran habe ich doch erhebliche meine Zweifel.

  7. Ob dieser Text den Auschwitztest besteht? Was will uns der Schreiber (bezahlter?) damit sagen? Außer, dass Erwerbslose mit den Peinigern respektvoll umgehen sollen – und auch Verständnis für das System aufbringen. Der Schreiber ist ein Überzeugungstäter in dem Sinne, dass er glaubt, dass wir in einer Demokratie leben – man mit demokratischen Mitteln etwas bewegen könne. Dann versucht mal weiterhin, mit Blumen- und Lichterketten was zu erreichen. Die Mittelschicht überzeugen – ich lach mich kaputt. Das Hartz-IV-Elend muss erst im Wohnzimmer ankommen – dann passiert was. Siehe Stuttgart 21 – das ist angekommen -, im Wohnzimmer.
    Wenn man davon ausgeht, dass Auschwitz das Modell der Selektion ist, wird wohl die Frage gestattet sein, an welchem Modell sich die Agenda 2010 und die damit eingeführt Hartz IV Reform orientiert?

    Um die Brisanz der Drohkulisse, die von den Jobcentern gefahren wird, noch einmal vor Augen zu führen, zeige ich Ihnen die Auswirkungen von Sanktionen und Sanktionsandrohungen auf die physische Lage der Betroffenen in signifikanten und zahllosen Fallbeispielen nach.(Vgl. z .B. u.a. Ames 2009, S.43; S.1611; Berliner Kampagne 2008, S.47; S.57; S.63; Griesmeier 2009, S.19ff; Daseking 2009, S.57).
    Die Folgen reichen von Schlafstörungen, Depressionen bis hin zu massiven Schuldgefühlen, die bei vielen Betroffenen schlimmer empfunden werden als „Hunger“ (Ames 2009, S.43 f.). Sanktionen im Zusammenwirken mit weiteren ungünstigen Situationskonstellationen führen meist zu schwerwiegenden psychosomatischen Erkrankungen.
    Die Berliner Kampagne stellt in ihrer Analyse fest: „Die Auswirkungen des Fehlens von gesellschaftlicher Erwerbsarbeit auf die Befindlichkeit des Einzelnen sind gravierend. Diese Belastungen werden noch verstärkt, wenn die Menschen ständiger Sanktionsgefahr ausgesetzt sind:
    Minderwertigkeitsgefühle, Depressionen, Zwänge, Suchtverhalten, soziale Ängste, psychosomatische Erkrankungen“ (vgl. Daseking 2008, S. 57). Alle Studien, die sich mit Sanktionen auseinandersetzen, weisen zumeist auf die hohe psychische Belastung hin. Dies ist insofern nicht verwunderlich, da wie schon beschrieben, bereits die Möglichkeit dass Sanktionen ausgesprochen werden können eine disziplinierende Drohkulisse darstellt.
    Es sei an dieser Stelle auch auf die internationale Definition von Gesundheit der
    Weltgesundheitsorganisation (Word Healt Organisation, WHO5) hingewiesen. Gesundheit wird definiert als „ein Zustand vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens, der sich nichtlediglich durch die Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung auszeichnet“.Beim Vergleich der Studien über den Sanktionsmechanismus sind häufig die Begriffe wie „Angst“ verwendet worden (Existenzangst, Angst vor Verlust der Wohnung, Angst nicht zu wissen, wie man an Nahrungsmittel kommt, Gefühl der Überforderung und Hilflosigkeit sowie Ohnmachtsgefühle). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die negativen Auswirkungen von Sanktionen auf die psychische Gesundheit von Betroffenen in den unterschiedlichen Studien klar belegt sind. Im Extremfall führen sie zu Suizidversuchen. Das Milligramm Experiment lässt grüßen.
    Und da soll man nicht die Fassung verlieren dürfen …

    • Danke für das freischalten!

      Als ich meinen Beitrag verfasst hatte, war noch kein Kommentar zu sehen – einige Zeit später wurde von dem User mit dem Namen -Kat- der Kommentar freigeschalteten, meiner hingegen war immer noch in der Warteschleife. Aus diesen Fakten habe ich geschlossen, dass wieder mal kritische Kommentare, eben nicht, freigeschalteten werden – danke dafür.

      Beste Grüße: Grilleau

  8. Pingback: Überlegungen eines ehemaligen Jobcenter-Mitarbeiters zu Solidarität, “Tellerrand” und mehr | WIR Der ZeitBote Saarland

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