Offenbach – 2 Jahre Haft auf Bewährung für Ex-Mitarbeiter der MainArbeit…

…und 3,5 Jahre für den mitbeschuldigten ehemaligen Leistungsbezieher wegen Anstiftung.

Ich versuche 😉 , mich so kurz wie möglich zu fassen.
Wie bereits einige Male geschrieben, ist es mir als juristischem Laien nicht möglich, eine sachgerechte Wertung zu treffen. Es ist (nicht nur!) mein persönliches Rechtsempfinden, welches dieses Urteil  in Teilen als nicht richtig ansieht.
Es ist (nicht nur!) meine Einschätzung, dass wesentliche Tatbestände nicht beachtet wurden, dass dem Angeklagten Sven S. einige Male zuviel „Glaubwürdigkeit“ attestiert wurde.
Es verwunderte (nicht nur!) mich, dass teils völlig divergierende Aussagen bzw. Behauptungen grundsätzlich zu Gunsten des Sven S. und zum Nachteil des Ramin T. gewertet wurden.
Fragwürdig war u.A. der von Staatsanwalt Glab benannte „Einstieg in Verstrickung“, die Behauptung von Sven S., er habe anfangs „Joints“ erhalten und habe sich bereits damit erpressbar gemacht. Seine Lebensgefährtin verneinte jedoch in ihrer Zeugenaussage jedweden Drogenkonsum.

Glaubwürdig geht anders

Dass größere Anschaffungen wie Auto und Wohnungseinrichtung sowie später auch die Rückzahlung veruntreuter Gelder i.H.v. von 80.000 € von Sven S.‘ Mutter finanziert wurden war nach Ansicht des erkennenden Gerichts ebenso glaubwürdig wie die Einlassung der Lebensgefährtin des Beschuldigten.
Im Gegensatz zu den Aussagen der Ex-Kollegen – Sven S. habe einen, seinen Einkünften nicht entsprechenden Lebensstil gepflegt – wurde der „Bescheidenheitsbehauptung“ geglaubt.
Dass es zwei weitere Akten gab, über welche ebenfalls Gelder flossen (wohin, auf welches Konto?) interessierte weder die Kripo seinerzeit noch wurde dieser Tatbestand anlässlich des Prozesses hinterfragt.
Wer also von Zahlungsanweisungen profitierte, welche auf nicht (mehr) existente Leistungsbezieher gebucht wurden, weiß wohl nur die MainArbeit in Gestalt des Herrn Dr. Schulze-Boeing.
Denn, so der Polizeibeamte, man „habe sich auf Ramin T. eingeschossen“ , die anderen Akten nur „angerissen“und sei in Absprache mit der MainArbeit hier nicht weiter tätig geworden.
Zudem wurden diese Akten nicht gesichert, die „abgeschlossenen Fälle“ enthielten weder Quittungen noch Belege.

Glaubwürdig ist demnach aus Sicht des erkennenden Gerichts also auch die Behauptung des Sven S., der Ramin T. habe ihn aufgefordert, weitere Akten zu seinen Gunsten zu „reaktivieren“.
Merkwürdig nur, dass er dies erstmalig bei der Verhandlung erwähnte und nicht bei der Vernehmung durch die Polizei. Aber gut, da dieser Sachverhalt wohl seitens der MainArbeit unter den Teppich gekehrt wurde, wird die Wahrheit unbekannt bleiben…
„Glaubwürdig“ auch die Darstellung des Sven S., er habe sich „verstrickt“ und keinen Ausweg gesehen, er habe niemals Geld eingefordert oder darauf spekuliert…

Gleiche Brüder, gleiche Kappen

Wie eingangs geschrieben entspringt meine Wertung meinem Rechtsempfinden. Ich behaupte jetzt mal einigermaßen dreist, dass dieses nicht wirklich gravierend von der Rechtsauffassung der Verteidigung des Ramin T. abweicht. Und im Gegensatz zu mir ist der Verteidiger Volljurist (und ehemaliger Staatsanwalt)…
Im Schlußplädoyer zeigte der Verteidiger des Ramin T. ziemlich genau die Fragwürdigkeiten auf, die auch mir auffielen. Es war richtigerweise von schlampiger Recherche die Rede, es wurden diverse Unglaubwürdigkeiten schlüssig aufgezeigt.
Da beide Beschuldigten gleichermaßen beteiligt waren, pladierte er auf ähnlich hohe Strafzumessung, im O-ton:
„Gleiche Brüder, gleiche Kappen“
Dem Plädoyer schließe ich mich inhaltlich voll an und zitiere die Verteidigung (deren neuer Beweisantrag  erwartungsgemäß zurückgewiesen wurde, erwartungsgemäß deshalb, weil deutlich zu spüren war, dass dieser Fall endlich zum Abschluß gebracht werden sollte)

Er habe, so der Verteidiger: „...es noch niemals erlebt, dass seitens der Verteidigung eines Mitangeklagten (s)ein Mandant so mit Dreck beworfen wurde, um den eigenen Mandanten reinzuwaschen.
Ramin T. „muss als der große Lügner gelten“ obwohl – und dies betonte er wiederholt – “ der Edelmann Sven S. die Tatherrschaft inne hatte

Dem ist nichts hinzu zu fügen.
Wie die örtliche Presse – völlig erwartungsgemäß – eine tendenziöse Berichterstattung publiziert, ist hier in der Rundschau und – noch „angenehmer“ hier in der Offenbach Post nachzulesen

 

Advertisements

3 Kommentare zu “Offenbach – 2 Jahre Haft auf Bewährung für Ex-Mitarbeiter der MainArbeit…

  1. was hat heute noch mit dem rechtempfinden zu tun , welches im bauch angesiedelt ist ?????????????

    instinktiv wissen die meisten , was gerecht ist ..RECHT ist und /oder eben nicht …nur…auch die rechtssprechung hat sich vom normalen menschenverstand entfernt und…es wird auch einen grund haben .

    es ist auch kein geheimnis..wer kriminell is und clever …nur „handlanger „und vertrauenselige , die eben die möglichkeiten nicht haben , ihre spuren zu verwischen /zu vertuschen ..naja..und den rest erledigt ansehen /status ..zugehörigkeit zu ner bestimmten klasse /gruppe mensch …

    • tja, Carola…es bleibt ein bitterer Nachgeschmack.
      Klar war mir bereits vor Verhandlungsbeginn, dass die div. Vorstrafen dem Ramin T. das sprichwörtliche Genick brechen werden.
      Dahingehend möchte ich auch nichts beschönigen, jedem (einschl. Ramin T.) Anwesenden war bewusst, dass es sich bei dem Beschuldigten Ramin keineswegs um ein „Unschuldslamm“ handelte.
      Ich empfand -insbesondere hinsichtlich der Strafzumessung- jedoch das Umgehen mit Sven S. als (überspitzt) „armes Opfer des ach so pösen und dreisten Ex-Hartzis“ als unangemessen. Schlußendlich hatte dieser wirklich die Tatherrschaft!
      Weder ist bewiesen, dass er genötigt oder erpresst wurde noch ist die „Glaubwürdigkeit“ seiner Einlassungen nachgewiesen.

      Nun ja, dem Grunde nach hatte ich auf 2 Vorgehensweisen gehofft:
      1.Es wäre richtig gewesen, mittels entsprechendem Urteil zu würdigen, dass auch der Ex-Bedienstete hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt hat. So verblieb die A****Karte einmal mehr bei dem Leistungsbezieher – nahezu ausschließlich –
      2.Und es wäre erhellend gewesen, das schlampige Vorgehen innerhalb des Jobcenters aufzuzeigen, welches diese Unterschlagungen wohl extrem begünstigt hat.
      Beides aber schien (politisch?) nicht gewollt….

      • hm….wunderts dich , wer die a…karte zugesprochen bekommen hat ?mich nich ..folgt der allgemeinen stimmung und es gibt keine schlampige arbeit(smoral )auf ämtern 🙂 , ich bitte dich und somit gibts auch nix aufzuklären , aber, das weisst du doch (ironie )

        klar ,,,,jeder amtsmitarbeiter is automatisch e opfer, wenn einer mit ner rose zwischen den zähnen vor ihm steht : ) 🙂 ..überhaupt , wer mitn „pöbel „zu tun hat , MUSS zum opfer werden , das „färbt „doch alles ab !

        naja…gut recherierte beweisführung , die zu ner (einigermassen )gerechten strafe führt , wird in deutschland immer seltener ..was meinste warum die meisten überzeugt sind, das an den „kleinen „die exempel sttuiert werden , während die „grossen „laufen gelassen werden ?

        naja.wo die „grossen „und die „kleinen „anfangen , hängt von den jeweiligen konkreten umständen ab und was die geschichte in der öffendlichkeit für ne lehre verbreiten soll ..hier : ämtermitarbeiter sind menschen , die ggf . „verfehlen „./fehler(kleine ) /ordnungswidrigkeiten begehen /machen .und leistungsempfänger /“kunden „sind kriminell , mit krimineller energie .

Teile uns deine Gedanken mit:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s