Gustl Mollath – Abgehörte Telefonate und das Festhalten an der Wahndiagnose

Die Anwältin von Gustl Mollath ist empört: Im Bezirkskrankenhaus Bayreuth sollen Teile aus Telefonaten zwischen ihr und ihrem Mandanten mitgehört und protokolliert worden sein.

http://www.sueddeutsche.de/bayern/fall-gustl-mollath-anwaeltin-beklagt-abgehoerte-telefonate-1.1654514

Inhalte aus den Gesprächen fänden sich in einer Stellungnahme der Klinik ans Landgericht Bayreuth, in der die Auffassung der Anstalt, Mollath sei weiter gefährlich, untermauert werden soll.

Dieses wichtige Dokument vom Bezirkskrankenhaus Bayreuth, von der Klinik also, in der Mollath unterbracht ist, bekräftigt die in 2005 von Dr. Leipziger erstellte „gutachterliche Stellungnahme“.
Einmal im Jahr verfasst die Klinik eine Stellungnahme. Erneut kommt sie im Fall Gustl Mollath  zum selben Ergebnis: Auch in 2013 weicht man vom Anlassgutachten aus 2005 nicht ab und hält an vorgeblichen „Wahnvorstellungen“ Mollaths fest.

Ich kann nicht so viel essen, wie ich…

das Liebknecht-Zitat bringt es auf den Punkt. Es ist schlicht zum Ko****, wie hier der Zirkelschluß funktioniert.
Eine erneute, sich selbst bestätigende gutachterliche Stellnahme – erstellt ohne jede Exploration, dafür mit hochgradig rechtswidrigen Ab/Mithörmethoden – entscheidet offenbar erneut über den Verbleib Mollaths in der Forensik.
Das eigentlich Schlimme ist, dass Gustl Mollath nur die öffentlich gewordene „Spitze des Eisbergs“ ist. Ich mag mir nicht ausmalen, wie viele der Gutachten, welche zum Wegschluss der Betroffenen führten, ebenso fragwürdig sind.
Trauriges Beispiel wäre unter Umständen

Der Fall Peggy

Auch hier spielt ein bestimmter Gutachter, Hans Ludwig Kröber ,eine wichtige Rolle. Der geistig behinderte Ulvi Kulaç gestand zunächst, das Mädchen Peggy getötet zu haben, widerrief sein Geständnis aber.
Ein Gutachten des Psychiaters Kröber, war zu dem Ergebnis gekommen, dass Kulacs Schilderungen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf realen Erlebnissen beruhten. Gerade wegen seiner verminderten Intelligenz (bei Kulac war ein IQ von 68 ermittelt worden) sei er nicht in der Lage, sich einen so schlüssigen und detailreichen Tathergang auszudenken und sich länger zu merken. Es sei auch kein Motiv für eine falsche Selbstbelastung erkennbar, außerdem gebe es keine Hinweise darauf, dass Kulac der Inhalt des Geständnisses suggeriert worden sei.

Ulvi Kulaç (* 13. Dezember 1977 in Naila) ist ein Verurteilter wegen Mordes an einem 9-jährigen Mädchen. Das Aufsehen erregende und bis heute umstrittene Verfahren endete am 30. April 2004 mit einem Schuldspruch, das Strafmaß war lebenslange Haft. Außergewöhnlich war, dass es für den Mord weder eine Leiche noch sonstige Spuren als Beweis gab und die Verurteilung lediglich aufgrund eines widerrufenen Geständnisses des geistig Behinderten erfolgte. Aktuell ist die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt.

Quellen: Wiki

Zurück zum Fall Gustl Mollath

Hier erstellte Kröber 2008 ein Gutachten, mit dem er einem Gutachten des Oberarztes im Bezirksklinikum Mainkofen widersprach, welcher bei Mollath zuvor eine wahnhafte Störung „nahezu ausgeschlossen“ hatte.Die Beauftragung Kröbers soll nach Medienberichten eine Reaktion der zuständigen Strafvollstreckungskammer auf die für Mollath positive Stellungnahme gewesen sein. Kröber hatte sein Gutachten ohne persönliche Untersuchung des Probanden erstellt.

Wenn selbst der „Psychiatrie-Pabst“ selbstkritisch reflektiert,

wie viele seiner Kollegen müssten es ihm dann gleichtun? Was der „gesunde Menschenverstand“ noch vor wenigen Jahren als „exzentrisch“ bezeichnete, gilt heutzutage bereits als psychisch auffällig.
Wir leben offenbar in einer Zeit der Inflation von psychischen Störungen.
Das  Interview mit Allen Frances sollte auch den deutschen Psychiatern als Anregung zur Selbstkritik gereichen.
Und käme dazu noch – rein theoretisch –  ein Funken Anstand im Leib und das, was  Spanier „Cojones“ nennen, müssten sich insbesondere die Bayreuther Klinikmitarbeiter umgehend  dem Skandalgutachten entgegen stellen.
Whistleblowing zeugte hier von Moral, Ethik und Anstand…
Aber vermutlich ist auch dem Klinikpersonal das Hemd (= Arbeitsplatz) näher als die Jacke (= das Schicksal Mollaths) …

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