Schaffe lasse – Löhne spare, ein Schwaben-Angebot aus der Jobbörse der Arbeitsagentur

Eine liebe Bekannte machte mich auf das nachstehende Angebot der Jobbörse aufmerksam.
Die ist unter Erwerbslosen einigermaßen bekannt dafür, dass die Jobangebote
– übrigens, wieso eigentlich Job? Die meisten Erwerbslosen möchten einen Arbeitsplatz…-
hinsichtlich Qualität und Zulässigkeit so gut wie nie überprüft werden.

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Praktikum Lager (Lager- und Transportarbeiter/in)

Alternativberufe

Büroassistent/in
Bürogehilf(e/in)

Stellenangebotsart: Praktikum oder Traineestelle (nicht sozialversicherungspflichtig)

Arbeitgeber

 

Branche: Großhandel mit Karton, Papier, Pappe, Schreibwaren, Bürobedarf, Büchern, Zeitschriften und Zeitungen, Betriebsgröße: zwischen 6 und 50

Stellenbeschreibung Die Braspack Verpackungen H. Latein GmbH beliefert Gewerbekunden aus Handel, Industrie und Behörden mit Verpackungen in Top-Qualität und steht in allen Fragen beratend zur Seite.

Für unser Lager in Ladenburg suchen wir Praktikanten für allgemeine Lager- und Transporttätigkeiten wie:

– Kommisionierung
– Warenannahme
– Transportfahrten
– Versand
Arbeitszeit
Vollzeit, Teilzeit – flexibel
Vergütung und Zusatzleistungen
unentgeltlich
Befristung
Unbefristetes Arbeitsverhältnis

Jobbörse Agentur für Arbeit

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Es ist unfassbar – hätte ich fast geschrieben –
Doch leider ist unter dem Deckmäntelchen des „Förderns“ der Wildwuchs in Sachen Ausbeutung von Erwerbslosen zur Normalität verkommen.
Davon abgesehen, dass es sich bei unbezahlten Praktika  im eigentlichen Sinne nur dann handelt , wenn das Praktikum von einer Prüfungsordnung zwingend als studien- bzw. ausbildungsbegleitend vorgeschrieben ist, meine Güte, wofür braucht es in diesem Arbeitsbereich überhaupt Pseudo-Praktikanten?
Doch wohl nur, um die ohnehin schmale Entlohnung ungelernter Lagerarbeiter gänzlich einzusparen.

Geiz ist ungeil

Dieses Stellenangebot ist ein real gewordener Schwaben-Witz. Nur bleibt mir dabei das Lachen im Hals stecken. Dass solche „Angebote“ ungeprüft eingestellt werden – und vielleicht sogar unter Sanktionsandrohung von Arbeitsvermittlern vorgeschlagen? – ist empörend.
Einen „Shitstorm“ loszutreten, wäre gewiss nicht die schlechteste aller Reaktionen :).
Hier der Vorschlag meiner Bekannten:

Eine Beschwerdemail schreiben an:
Service-Haus.Kundenreaktionsmanagement@arbeitsagentur.de

außerdem an: den GKV-Spitzenverband
kontakt@gkv-spitzenverband.de <kontakt@gkv-spitzenverband.de

Und an den GKV-Landesverband:
Der Vorstand ist Konrad Ehing: kehing@bkk-bw.de
und allgemein an info@bkk-bw.de

Zum Beispiel textmäßig etwas in diese Richtung:
Betr.: Verdacht auf Beihilfe zum Sozialbetrug

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großer Verwunderung musste ich bei meiner Recherche in der Jobbörse nach einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit feststellen, dass die Braspack Verpackungen H. Latein GmbH in 68526 Ladenburg über die Jobbörse Arbeitskräfte für unbefristete, unentgeltliche Praktika sucht.

Sie sucht unter der Referenznummer 10000-1097662287-S unentgeltlich arbeitende Lager- und Transportarbeiter und unter Referenznummer 10000-1097523331-S kostenlose Bürogehilfen / Büroassistenten.
Beide Stellenangebote sind als unbefristet und unbezahlt gekennzeichnet.

Mit derartigen Angeboten wird eine Vermittlung in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis vereitelt. Ferner dürfte es sich bei diesen Angeboten um die Aufforderung zu Schwarzarbeit und somit zum Sozialbetrug handeln (…)

weiterlesen in diesem Board, klick

Weil ich eine faule Socke bin 😉

habe ich den Text mit copy/paste „abgekupfert“ und bereits versandt. Nur empören bringt niemanden weiter und auch wenn Mails vielleicht jetzt (!) noch nichts ändern, könnte dennoch auch hier steter Tropfen den Stein höhlen…

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6 Kommentare zu “Schaffe lasse – Löhne spare, ein Schwaben-Angebot aus der Jobbörse der Arbeitsagentur

  1. Leider gab es keine weitere Reaktion der Behörden, außer dass der GKV-Landesverband meinte, er sehe keinen Handlungsbedarf – dieses Arbeitsangebot sei rechtskonform. Auch auf eine sehr deutliche Mail meinerseits ob das denn hieße, dass der GKV-Landesverband rechtswidriges Verhalten somit unterstütze, kam keine Reaktion mehr.

    Von der AfA habe ich gar nichts gehört, und das Stellenangebot ist noch immer in der Jobbörse zu finden, ist also noch offen (geschlossene oder nicht mehr aktuelle Stellenangebote werden nämlich -irgendwann …- aus der Jobbörse entfernt.)

    Vielleicht sollte man also nun Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft einreichen?
    1. Gegen Fa. Braspack wegen Verdachts auf Sozialbetrug und
    2. Gegen die Bundesagentur für Arbeit sowie den GKV-Landesverband wegen Verdachts auf Beihilfe zum Sozialbetrug?

    Es dürfte wohl die Staatsanwaltschaft Heidelberg zuständig sein:
    Staatsanwaltschaft Heidelberg
    Kurfürsten-Anlage 15
    69115 Heidelberg
    Telefon: 06221-59-0
    Telefax: 06221 59-2009
    eMail: poststelle@staheidelberg.justiz.bwl.de

    Für alle, die sich mit dem Gedanken einer Strafanzeige tragen:
    Es ist immer wichtig zu schreiben: „Wegen Verdacht“ – da man sonst ganz schnell selbst eine Anzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede bekommen kann.

    Falls diese nicht zuständig sein sollte, ist sie von Rechts wegen verpflichtet, die Strafanzeige an die zuständige Stelle weiter zu leiten.

    Wer macht mit?

    Liebe Grüße
    Ecem

    • weitere Antwort ist gut 😦
      Ich erhielt lediglich die formale Mitteilung, dass seitens der GKV meine Mail angekommen sei und man mich ggfs kontaktieren würde…
      Es juckt einfach niemanden…
      lG
      Ellen

      • Von der AfA kam jetzt die Meldung, dass die Angelegenheit zur Prüfung bei der entsprechenden Abteilung in Nürnberg sei und dass man solche Meldungen über Verstöße sehr ernst nehme und auch entsprechende Konsequenzen ziehen würde, wenn denn ein Verstoß vorliege … dann sollten die mal langsam in die Puschen kommen mit ihrer Prüfung !

        Aber wie heißt es so schön …

        Steter Tropfen höhlt den Stein
        und
        Gottes Mühlen mahlen langsam aber fein …

        LG
        Ecem

        • Uppps, wir haben da wohl den identischen Textbaustein erhalten 🙂
          Aber egal, Hauptsache irgendetwas bewegt sich…irgendwann.
          Viel wenig ergibt auch viel und wie Du mag ich die Hoffnung (und den Willen, mein Möglichstes dafür zu tun) auf Veränderung nicht begraben.
          lG
          Ellen

  2. Pingback: Schaffe lasse – Löhne spare  | WIR Der ZeitBote Saarland

  3. Meine Mails sind auch bereits raus.

    Reaktion der BA:
    Sie habe es an das Arbeitsamt, das für mich zuständig ist, weiter geleitet. Nun wohne ich nicht in Baden-Württemberg, wo diese Firma Braspack ansässig ist, sondern in Hessen.

    Da hat wohl beim Beschwerdemanagement jemand nicht richtig gelesen!
    Bei so viel Inkompetenz kann ich nur noch den Kopf schütteln …

    Evtl. könnte man diese Mail auch noch an die DRV schicken:
    http://www.bund.de/DE/Behoerden/D/DRV/Deutsche-Rentenversicherung-Bund.html
    (das ist die in Berlin)
    Mail-Adresse: drv@drv-bund.de

    oder die DRV Baden-Württemberg:
    post@drv-bw.de

    Liebe Grüße
    Ecem

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