Gustl Mollath – Bis „auf Weiteres“ weggeschlossen

Wenn mensch denkt: „schlimmer geht’s nimmer“, so wird er doch eines Besseren belehrt.

Ich möchte dem umfangreichen Artikel von Gabrielle Wolff nichts hinzufügen ausser wenigen,  ganz persönlichen Anmerkungen bzw. Fragen:

Wie können Menschen, die sich mit dem Fall Mollath oder ähnlich gelagerten auseinandersetzen, noch vertrauensvoll auf „die Psychiatrie“ blicken?
Wenn aus der – von Frau Wolff hervorragend ausgearbeiteten – Analyse ersichtlich ist, dass „Wagenburgmentalität“ offenbar stärker ist als als das Streben nach Wahrheitsfindung?
Wenn die Hierarchie einer Anstalt genutzt wird, durch „Beobachtungen“ des Personals (derer, die in der Hierarchie ganz unten stehen) als „Bestätigung der Wahnvorstellungen“ seitens Mollath in die „Beurteilung“ einzubringen?

 
Zitat:  (…) Die Dokumentation auf der Website der Kanzlei von Rechtsanwalt Strate ist erweitert worden. Und da befindet sich eine Trouvaille, die schlagartig das Biotop »forensische Psychiatrie« erhellt. Ich meine das Schreiben des Bezirkskrankenhauses Bayreuth vom 16.4.2013, das sich als „Ergänzung der Stellungnahme vom 04.03.2013“ versteht.
Hier die Stellungnahme vom 4.4.2013:

http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-BKH-2013-03-04.pdf


Und hier die Ergänzung vom 16.4.2013, die zwei Tage vor der Anhörung verfaßt wurde:
http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-BKH-2013-04-16.pdf
Die erste bot lediglich einen Verlaufsbericht, ohne Konkretes zur aktuellen Gefährlichkeitsprognose darzulegen. Insoweit war eine Ergänzung also nicht nur geboten, sondern dringend erforderlich.

Aber nein, die Ergänzung behandelt mit keinem Wort eine Gefährlichkeitsprognose. Sie bringt dem Gericht zu Gehör, was Pflegekräfte und Mitpatienten der „Referentin“, die diesen Bericht zu Papier gebracht hat – mithin die auf S. 1 benannte Leitende Oberärztin mit DDR-Diplom, die auf S. 4  rechts unterzeichnet hat – so alles in den letzten Tagen zugetragen haben. Die Klinikleitung spielt in diesem Zuträgernetz die Rolle von Ankläger, Richter und Vollstrecker in einer Person – ohne Anhörung desjenigen, um den es geht.

Schaurig, wenn der Narzißmus sog. „Experten“ so stark ausgeprägt scheint, dass diese niemals ihre erstellten Diagnosen korrigieren wollen?
Zwar sollte mensch sich davor hüten, zu pauschalisieren…der Fall Gustl Mollath jedoch zeigt, dass gegenüber „der Psychiatrie“ als neutral-wissenschaftlicher Instanz ein gesundes Mißtrauen überaus angebracht ist, siehe -> Zitat:

(…)  Ein intellektuelles Armutszeugnis sondergleichen. Für beide Parteien, das BKH Bayreuth wie die StVK Bayreuth. Politisch erwünschte Routine im Dienst des Sicherungsbedürfnisses der Öffentlichkeit statt Erkenntnisinteresse.

 

Nun soll es also Prof. Dr. Pfäfflin richten. Der darf allerdings nicht ergebnisoffen die aktuelle Aktenlage begutachten, sondern der kriegt Vorgaben:

 

Die Strafvollstreckungskammer und der Sachverständige haben dabei weiterhin davon auszugehen, dass der Untergebrachte die Taten, wegen derer das Landgericht Nürnberg-Fürth am 08.08.2006 rechtskräftig die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet hat, begangen hat.

Wie das? Weiß die StVK nicht, daß es keine Bindung an die Urteilsfeststellungen gibt? Weiß sie nicht, daß auch in der Vollstreckung Wahrheit und Aufklärung Grundlage der Entscheidung ist?

unbedingt lesenswert, klick

die Süddeutsche dazu ->

http://www.sueddeutsche.de/bayern/entscheidung-ueber-freilassung-mollath-muss-vorerst-in-psychiatrie-bleiben-1.1661084

 

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