Das Glück und die Freude – eine Geschichte…

…welche eine liebe Bekannte verfasst hat und die ich sehr gern veröffentliche.
Eine Bitte:
Sollte diese Geschichte Euch gefallen und Ihr möchtet sie weiterverbreiten, bitte fragt zuvor bei mir an, so dass ich die Anfrage weitergeben kann, denn das copyright liegt ausschließlich bei der Autorin Regina H.
Danke dafür.

Das Glück und die Freude

Eines Tages begegneten sich das Glück und die Freude zufällig auf der Straße.
Das Glück schillerte in allen Farben und wusste sich prächtig zu präsentieren.
Es zog jede Menge Leute an, die ihm in Scharen folgten: Glücksritter, Lottospieler, Pechvögel mit großer Hoffnung, das Glück endlich zu erreichen, Gaukler, Mitläufer und Statisten, ein buntes Sammelsurium.
Das Glück schillerte, lachte, sang und rief laut. „Kommt her! Hier findet ihr mich!“

Die Freude kam eher unscheinbar daher. Sie kleidete sich in ein taubengraues Gewand, lächelte still vor sich hin und summte ab und zu leise eine kleine Melodie.

„Ich“, sagte das Glück voller Stolz, „bin reich und bin zu beneiden. Mir folgen die Leute. Du dagegen, schau dich doch an. Ganz allein gehst du deines Weges“.

„Ach“, sagte die Freude, „das ist schon in Ordnung. Wer mich sucht, wird mich finden. Ich brauche keine Gefolgsleute. Es reicht, dass ich da bin, dass es mich gibt“.

„Das glaubst du doch wohl selbst nicht“, lachte das Glück die Freude aus. „Wenn dir niemand folgt, wie willst du dann wissen, dass du überhaupt existierst?“

„Ich bin“, antwortete die Freude, „denn sonst könnten wir jetzt nicht miteinander reden.“

„Und wenn schon!“ tönte das Glück. „Gefolgschaft ist alles! Je mehr Leute mir folgen, desto besser. Bei mir spielt die Musik! Hier ist immer was los!“

„Wie lange werden sie dir folgen?“ fragte die Freude. „Ist es nicht so, dass sie sich von dir abwenden werden, wenn du dein Gesicht vor ihnen verbirgst? Noch haben sie die Hoffnung, dir zu begegnen und dich zu ergreifen. Doch auch die Hoffnung wird eines Tages sterben, und du wirst allein sein.“

„Na und? Lasst uns den Tag leben, so wie er kommt! Jetzt lacht das Glück! Was morgen ist, ist doch egal!“

„Wenn du dich da mal nicht täuschst“, sagte die Freude leise. „Was bleibt denn, wenn du nicht mehr da bist? Unglück? Pech? Katastrophen? Ich, die Freude, werde all das überdauern“.

„Unsinn“ konterte das Glück. „Ich bleibe auch da. Auch wenn ich vielleicht nicht aktiv bin. Oder ich bin grade woanders und bringe jemand anderem Glück“.

„Bist du nicht von vielen äußeren Faktoren abhängig?“ fragte die Freude. „Die Leute sagen ‚oh wir haben Glück, denn die Sonne scheint’ oder ‚ich hatte Glück, ich habe in der Lotterie gewonnen’. Doch wie gewonnen, so zerronnen. Ist es denn ein Unglück, wenn die Sonne mal nicht scheint, sondern es regnet? Ist der Regen nicht ein Glück für die Landwirtschaft? Ist es denn ein Unglück, wenn das Los, das du in der Lotterie gezogen hast, eine Niete ist? Ist deine Niete nicht ein Glück für den Lotteriebetreiber?“

„Quatsch“ sagte das Glück „du willst mich nur durcheinander bringen“. Aber es sah schon viel unsicherer aus den Augen und sein Schillern ließ ein wenig nach.

„Ich“, sagte die Freude „bin da, auch im Unglück. Ich kann einen Menschen trösten, wenn er äußerlich gesehen kein Glück hat. Ich mache den Menschen Mut, wenn sie verzweifelt sind. Manchmal bin ich nur wie ein ganz kleiner Funke. Man übersieht mich gerne in meinem grauen Kleid, mit meiner leisen Stimme und meinem stillen Lächeln. Aber ich bin da. Ganz tief drinnen, im Inneren des Menschen. Wenn der Mensch still wird und sich auf mich besinnt, wird er mich entdecken. Er wird mich entdecken im Lachen eines Kindes, in den Worten eines Liedes, in den Farben einer Blume am Wegrand.

Er wird mein Lächeln sehen, und wenn er mich eine Weile anschaut, wird er selbst beginnen zu lächeln. Er wird mich leise meine Melodie summen hören, und wenn er eine Weile zuhört, wird er ebenso leise in meine Melodie einstimmen. Er mag nach außen hin weiterhin unglücklich und grau erscheinen. Nichts Schillerndes von dir, dem Glück, wird an ihm sein. Und dennoch wird mein Lächeln aus ihm heraus leuchten und meine Melodie aus ihm heraus klingen. Das wird viele Menschen erreichen und berühren.“

Das Glück wusste, wann es sich geschlagen geben musste. Es wurde ganz still, drehte sich um und ging leise davon. Doch bevor es den ersten Schritt tat, schaute es noch ganz schnell der Freude ins Gesicht. Es öffnete seine Ohren weit für die leise Melodie, und es öffnete sein Herz.
So ging die Freude mit, als das Glück weiter seines Weges zog.

© Regina H.

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