Quo vadis, Jugend ? Die Wehrlosigkeit der erwerbslosen „U25“

Ich bin ratlos. Ich bin traurig und empört.Und ich bin froh, dass ich der „älteren Generation“ angehöre.

Vor drei Tagen rief mich eine frühere „Klientin“ an. Ihrem Sohn droht eine 100% Sanktion. Weder sie noch der Betroffene selbst haben begriffen, was der Grund für einen existenzbedrohenden Leistungsentzug sein solle.
Vorweg genommen: Nach Durchsicht der Unterlagen bin ich der Meinung, dass es keinen Sanktionstatbestand gibt. Die Antwort auf das Anhörungsschreiben ist dementsprechend verfasst. Und sollte die Mitarbeiterin der MainArbeit sich meiner Sachverhaltsdarstellung nicht anschließen können
– oder eher wollen – werde ich den Betroffenen unterstützen und begleiten bis hin zum Sozialgericht Darmstadt.
Ich habe ja Zeit, so als Rentner …und rein karmisch gesehen, sind hilfreiche Taten nicht nur dem dienlich, dem sie widerfahren, sondern auch dem, der sie ausübt 😉

Rechte? Was für Rechte, bitte?

Dass landauf, landab (nicht nur!) gegenüber jungen Erwerbslosen rechtswidrig verfahren wird, ist hinreichend bekannt.
Dass Existenzen dadurch vernichtet wurden und werden, auch.
Dass durch den Entzug der existenziellen Grundlage in Deutschland Menschen sterben, ist seit -spätestens- 2007 eine widerwärtige Tatsache.
Da nämlich verhungerte in Speyer der 20jährige Andrè Kirsch
Grund: 100% Leistungsentzug verbunden mit (vermutlich bedingt durch eine geistige Einschränkung) absoluter Hilflosigkeit und der daraus resultierenden mangelnden Wehrhaftigkeit.
Doch auch durchschnittlich intelligente junge Menschen hinterfragen (häufig) keinerlei Entscheidung. Schafsgeduldig wird Alles hingenommen, es regt sich selbst bei eklatantesten Verletzungen der Persönlichkeitsrechte kein Widerspruch.
Und das kann und will ich nicht verstehen. Denn eigentlich ist es doch eine natürliche „Eigenschaft der Jugend“, die Vorstellungen der „Alten“ in Frage zu stellen, sich dagegen zu wehren, sich abzugrenzen, es besser wissen zu wollen…

Hirnwäsche vollzogen?

„Hartz4“ setzt auf Gewöhnung. Das, was noch vor wenigen Jahren undenkbar war, wird heute häufig auch von den Betroffenen als Normalität empfunden.
Insbesondere die jungen Menschen im Leistungsbezug scheinen oft völlig „hirngewaschen“.
Wenn ich zurückdenke an meine „Sturm-und Drangzeit“…da hätte es ein „Alter“ wagen sollen, mich zu duzen. Der hätte helle Freude an mir gehabt.
Taschenkontrollen zustimmen beim Maßnahmeträger, Generalverdacht also mit der eigenen Unterschrift anerkennen?…mit mir, auch schon damals, gewiss nicht.
Fremde sollen hausieren gehen dürfen mit meinen privaten Daten, das „muss“ unterschrieben werden?
Die Liste der unwürdigen und rechtswidrigen Behandlung junger Leistungsbezieher lässt sich beliebig fortsetzen, durch die mir übergebenen Unterlagen wird es – wieder einmal – sehr deutlich.
Und für die Betroffenen ist das alles normal?
Ich empfinde dieses Hinnehmen als völlig unnatürlich. Seit altersher war doch „die Jugend“ erst einmal „prinzipiell dagegen“, oder?
Es macht mich sprachlos, wenn ein junger Mensch -verängstigt- nachfragt, ob er eine Sanktion bekomme, weil er einen Termin bei der Bank nicht wahrgenommen hat…
So sehr also haben sie die „Mitwirkungspflichten“ bereits verinnerlicht, dass nicht mehr unterschieden wird zwischen Freiwilligkeit und Pflicht? Das Wort „Termin“ reicht aus, um sofort eine gedankliche Verknüpfung zu Sanktionen herzustellen?
Solche und ähnliche Ereignisse sind keinesfalls „Einzelfälle“. Ich erlebte derartiges mannigfach.
Von daher gebe ich ausnahmsweise der Politik in einer Aussage Recht:

Bildung tut Not

Ich spreche – im Gegensatz zu unseren Politdarstellern – aber von gesellschaftspolitischer Bildung, von Wissensvermittlung bezogen auf grundlegende Menschenrechte usw usf.
„Bildung“ dieser bevorzugten Art ->

 

meine ich damit nicht

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Quo vadis, Jugend ? Die Wehrlosigkeit der erwerbslosen „U25“

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