Beleidigungen – oder warum ein Übeltäter gleichzeitig auch Dein Lehrer ist

Vorwort

Ich bedanke mich auf das Herzlichste bei Dina D. für die Erlaubnis, die von ihr erstellte deutsche Übersetzung einer lehrreichen Geschichte von Paul Coelho in meinen Blog übernehmen zu dürfen.
Weitere Übersetzungen von Werken dieses einzigartigen  Schriftstellers – am bekanntesten dürfte wohl sein wunderbares Buch Handbuch des Kriegers des Lichts, klick sein – findet der geneigte Leser im Blog von Dina Gute Nachrichten, klick. Der Titel ist hier übrigens Programm, diese Seite kann mensch getrost als „Balsam für die durch permanente Hiobs-Botschaften gestresste Seele“ bezeichnen…

Es gibt viele kluge Aphorismen und Zitate

Der Volksmund sagt:
Wenn Hans über Hänschen spricht, erfährt man dadurch mehr über Hans als über Hänschen.
Von Goethe stammt:
Der Pfeil des Schimpfs kehrt auf den Mann zurück, der zu verwunden glaubt (Tasso)
Laotse’s Worte (Tao te king ):
So sind die guten Menschen die Lehrer der Nichtguten, und die nichtguten Menschen sind der Stoff für die Guten. Wer seine Lehrer nicht werthielte und seinen Stoff nicht liebte, der wäre bei allem Wissen in schwerem Irrtum

Wie Du mir, so ich Dir?

Wieso können Beleidigungen und Provokationen lehrreich sein? Und warum ist es so unglaublich sinnlos, „Gleiches mit Gleichem“ vergelten zu wollen?
Betrachten wir unsere Emotionen, die in uns hochsteigen, wenn uns jemand beleidigt, dann sind es allesamt keine angenehmen Gefühle. Wut, Zorn,Ärger stellen sich ein.
Und viel zu häufig reagieren wir dann aus dem ersten Impuls heraus, wir beleidigen zurück, die Situation schaukelt sich hoch. Das beste Beispiel ist da wohl der „berühmte Maschendrahtzaun“ 😉
Ergebnis: Uns geht es nicht besser als zuvor, häufig schlechter.
Und die Beleidigung des „Aggressors“ wird ja auch nicht ungeschehen dadurch, dass wir sie „quittierten“.
Irgendwie logisch, nicht wahr?

Geduld kommt von dulden

Praktizieren  wir hingegen Geduld, reagieren wir nicht spontan, ist der negative, kausale Zusammenhang (Ursache und Wirkung) schon unterbrochen. Eine „Maschendrahtzaun-Fehde“ kann folglich nicht stattfinden.
Und der Angreifer?
Nun, vielleicht geben wir ihm damit die Chance, seine künftigen Handlungen anders zu gestalten. Denn irgendwie muss sich ein Mensch ja „doof“ vorkommen, wenn seine Taten ohne Ergebnis bleiben, seine Kränkungen wie ein Lufthauch hinter dem Ohr desjenigen vorbeiziehen , den sie doch treffen sollten.
Ich denke, allzu oft möchte mensch dieses Gefühl dann doch nicht haben, wer steht schon gerne wie ein „Trottel“ da?
Den Gewinn und die Lehre ziehen dann aber beide Parteien daraus:
Denn auch der Gekränkte erfährt eine Lehre:  In Geduld.
Somit – gemäß Laotse – war das Ungute der Lehrstoff für den Guten…

Jetzt aber (endlich 😉 ) die Geschichte von Coelho

n der Nähe von Tokio lebte ein mittlerweile alt gewordener großer Samurai, der sich dazu entschied jungen Menschen Zen-Buddhismus zu lehren.

Eines Nachmittags suchte ihn ein Krieger heim – der für seine Skrupellosigkeit bekannt war. Der junge und ungeduldige Krieger hatte noch nie einen Kampf verloren. Er hörte von dem Ruf des Samurai und war gekommen, um diesen zu besiegen und seinen eigenen Ruhm zu steigern.

Alle Schüler waren gegen die Idee, doch der alte Mann nahm die Herausforderung an.

Alle versammelten sich auf dem Stadtplatz, als der junge Mann damit begann den alten Meister zu beleidigen. Er warf ein paar Felsbrocken in seine Richtung, spuckte in sein Gesicht, schrie jede Beleidigung aus, die er kannte – er beleidigte sogar seine Vorfahren.

Fünf Stunden lang tat er alles, um ihn zu provozieren, doch der alte Mann bleib unberührt. Am späten Nachmittag, fühlte sich der ungestüme Krieger erschöpft und gedemütigt, so dass er wieder ging.

Enttäuscht von der Tatsache, dass der Meister so viele Beleidigungen und Provokationen über sich ergehen ließ, fragten ihn die Schüler:
– “Wie konntet Ihr solch eine Entwürdigung ertragen? Warum habt Ihr nicht Euer Schwert benutzt, auch wenn Ihr wusstet, dass Ihr den Kampf eventuell verlieren würdet, habt Ihr vor uns allen Eure Feigheit zur Schau gestellt?”

– “Wenn jemand zu euch mit einem Geschenk kommt, und ihr akzeptiert es nicht, wem gehört das Geschenk dann?”, fragte der Samurai.
– “Demjenigen, welcher es verschenken wollte”, antwortete einer seiner Schüler.

– “Das Gleiche gilt für Neid, Zorn und Beleidigungen”, sagte der Meister.
– “Wenn sie nicht beachtet werden, werden sie weiterhin zu denen gehören, die sie tragen.”

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4 Kommentare zu “Beleidigungen – oder warum ein Übeltäter gleichzeitig auch Dein Lehrer ist

  1. Liebe Ellen,

    geht es uns selbst nicht auch manchmal so?
    Es muss ja nicht einmal ein lang andauerndes oder sich immer wiederholendes Abweisen von Liebe sein.
    Es gibt in unserem / meinem Leben so viele einzelne kleine Situationen.

    Beispiel:
    Da bin ich sauer auf meinen Partner. Er macht einen Versöhnungsversuch, bringt Blumen, macht ein leckeres Essen oder kommt einfach nur auf mich zu und will mich umarmen. Ich bin noch immer so sauer, dass ich die Blumen und das leckere Essen als „Bestechungsgeschenk“ und „unechte, nicht ehrlich gemeinte Entschuldigung“ ansehe, mit der sich mein Partner das Recht erkaufen will, mich in Zukunft erneut zu verletzen, und wende mich bei dem Versuch seiner Umarmung ab.

    Meine Wut bleibt.
    Und mein Partner, der mein Abwenden und die Ablehnung des Geschenks nicht nachvollziehen kann, wird ebenfalls wütend oder zumindest traurig. Er fühlt sich durch mein Verhalten verletzt.

    Und die Abwärtsspirale beginnt ….

    Wäre es da nicht sinnvoller, das Blumengeschenk, das Essen oder die Umarmung als Anlass für ein klärendes, sachliches Gespräch zu sehen und zu nehmen?
    Zu besprechen, was mich wütend gemacht oder gekränkt hat?
    Und gemeinsam darüber nachzudenken, wie wir in Zukunft solche Situationen vermeiden oder verändern können?

    Lasst uns den Anfängen wehren!
    Und lasst uns offen sein für alle Zuneigungs-Beweise aus unserer Umgebung.

    Liebe Grüße
    Ecem

    • Liebe Ecem,
      ich laufe jetzt vielleicht Gefahr, für extrem überheblich oder naiv bis hin zum Schwachsinn (oder beides) gehalten werden zu können.
      Dennoch ein klares statement von mir:

      Ich bin dieser Negativspirale entkommen, die Du in Deinem Beispiel aufführst.
      Warum ich das von mir denke?
      Zum Einen, weil ich überhaupt auf nicht auf den Gedanken kommen würde, dass eine Versöhnungsgeste „aufgesetzt“, unehrlich oder gar berechnend sein kann.
      Frag mal Carola 😉 ich bin da -nach ihrer Ansicht- himmelschreiend naiv, weil ich eben meine Gedanken-und Gefühlswelt im positiven Sinn auf meine Mitmenschen übertrage.
      Und weil ich (!) eben niemals einen Versöhnungswunsch faken würde, ist der Gedanke, ein anderer könnte das aber sehr wohl tun, so abwegig, dass er mir nicht kommen kann.

      Wut
      Ist auch so ein Thema, das mir zunehmend fremder wird. Nein, ich bin sehr selten wütend, wenn, ist es eher Empörung, und die hängt nahezu immer mit (gefühlter) Ungerechtigkeit zusammen.
      Wut – mit Ausnahme der, die zu konstruktivem Handeln veranlasst, um die wütend -machende Situation zu verändern – ist eine ebenfalls sinnlose Emotion. Zumindest für mich, meine Einstellung.
      Wut macht unachtsam, sie verblendet. Und das macht sie schädlich, denn wie oft wird „aus der Wut heraus“ verletzend geredet oder gehandelt und mit welchen Folgen?
      Nee, da liegt kein Segen drauf.

      Kränkungen sehe ich differenziert.
      Mir kann fast jeder fast alles an den Kopf werfen, es sind NUR Worte.
      Meine Grenze ist dann erreicht, wenn der Mensch mir viel bedeutet. Mein Nachbar kann selbst mit bösesten Worten mich niemals verletzen, mein Sohn (beispielsweise) mit nur unbedachten/ungerechten schon.
      Ich suche, wie Du richtig als guten Weg beschriebst, dann mit diesem mir wertvollen Menschen das Gespräch, versuche, ruhig aufzuzeigen, WAS mich WARUM verletzt hat.
      Meist funktioniert das auch.
      Verzeihen (überwiegend auf Basis des rationalen Nachvollziehens -> unter Beachtung der „Macht der Geistesgifte“. Odes eben des emotionalen Verstehens) ist ohnehin bei mir nach kürzester Zeit angesagt, weder würde ich vergangene Verletzungen dem Menschen „auf’s Brot schmieren“ noch unversöhnlich sein, selbst wenn dieser nicht versteht, warum ich mich verletzt fühle.
      Verzeihen macht IMMER Sinn, so meine Überzeugung. Verzeihe ich dem Reuigen nicht, ist das nicht gut für ihn, verzeihe ich dem Nicht-Reuigen nicht, schadet es meinem Seelenfrieden.

      Was allerdings bleibt, wenn der „Aggressor“ nicht begreifen KANN (nicht, nicht will, denn die Geistesgifte hindern eben am können!) ist dann lange Zeit Traurigkeit.
      Da ändert auch ein klarer (manchmal selbst gewählter) cut nichts daran.
      Mich macht es traurig, weil eben jedwede Kränkung und Verletzung letztlich so überflüssig ist wie ein Kropf.
      Verschwendete Energie, verschwendete Lebenszeit, entgangene künftige Freuden sind die Begleiter bzw. Folgen.
      Aber manchmal muss man es einfach hinnehmen, es gibt eben Menschen, die nach Negativem förmlich suchen, selbst in der Bergpredigt noch Fehler fänden.
      Eine langjährige Freundin hat sich durch übermäßigen Alkoholkonsum in diese Richtung entwickelt. Sie hat zum Schluß ihr eigenes, negatives Gedankengut übertragen auf das Gegenüber, also quasi…Beispiel:
      Ich erzählte, mich um die kranke Nachbarin zu kümmern.
      Sie hielt mir vor, ich würde das aus Berechnung tun.
      Grund für ihren Vorwurf: Sie selbst hatte schon mal Pflege übernommen, weil sie auf Belohnung spekulierte.
      Sie KONNTE also gar nicht anders, als mir zu unterstellen, mein Motiv sei identisch (also berechnend) mit ihrem.
      Es hat mich verletzt, doch (vermutlich insbes. wegen des Alk) mein Versuch, ihr das zu erklären, scheiterte. Sie sah sich „im Recht“, wurde verbal sehr ausfallend.

      Ich habe ihr längst verziehen, und doch bleibt eine gewisse Trauer, denn sie bedeutete mir mal viel. Ein Schlußstrich war hier Selbstschutz.
      Und doch, würde sie mich -als Mensch, nicht als Freund – um Hilfe ersuchen, wäre ich für sie da. Helfen, und dann getrennte Wege.

      Langer Sermon, sehe ich grad 😉
      Dabei könnten so viele zwischenmenschliche Dinge so einfach sein…

      glG
      Ellen

  2. Schöööööön!
    Diese Weisheit gilt auch für andere Dinge.
    Ich habe die Geschichte diesbezüglich etwas umgeschrieben:

    Fünf Stunden lang tat er alles, um ihn zu provozieren, doch der alte Mann bleib unberührt. Er lächelte den jungen Mann sogar an und betete laut für ihn. Am späten Nachmittag, fühlte sich der ungestüme Krieger erschöpft und gedemütigt, so dass er wieder ging.
    Enttäuscht von der Tatsache . . .

    – “Wenn Ihr jemandem ein Geschenk machen wollt, und der andere akzeptiert es nicht, wem gehört das Geschenk dann?”, fragte der Samurai.
    – “Demjenigen, welcher es verschenken wollte”, antwortete einer seiner Schüler.

    – “Das Gleiche gilt für Liebe und Zuneigung”, sagte der Meister.
    – “Wenn diejenigen, denen Liebe und Zuneigung geschenkt werden wollen, dieses Geschenk nicht annehmen, werden sie weiterhin zu denen gehören, die einsam und ohne Zuneigung durchs Leben gehen.”

    LG
    Ecem

    • “Das Gleiche gilt für Liebe und Zuneigung”, sagte der Meister.
      – “Wenn diejenigen, denen Liebe und Zuneigung geschenkt werden wollen, dieses Geschenk nicht annehmen, werden sie weiterhin zu denen gehören, die einsam und ohne Zuneigung durchs Leben gehen.”

      Liebe Ecem,
      danke für die Ergänzung. Es sind so wahre Worte…und so traurige zugleich. Ein Leben ohne Zuneigung und Liebe, ist das ein lebenswertes Leben? Ich denke, nein.
      Somit ist es ein ganzes Stück weit töricht, liebevoll entgegengestreckte Hände zurück zu weisen. Aber auch das liegt vermutlich daran, dass diese Menschen nicht erkennen können – nicht! wollen – dass und welchen Geistesgiften sie unterliegen.
      Sie sehen häufig nur das Schädliche (Schlechte) – selbst im Nützlichen (Guten). Weil sie gar nicht anders können.
      Ich habe ja nie behauptet, dass es leicht fällt, sich solcher Gifte (Neid, Gier,Hass ect) zu entledigen. Und selbst das Erkennen ist ist vergleichsweise schwer, weil mensch ja seit vielen Jahren „programmiert“ ist und diese Gifte als „dazugehörig“ empfindet.
      Und so greift eines in’s andere, vielleicht zu vergleichen mit „sich selbst erfüllende Prophezeihung“.
      Also möglicherweise eine Art Domino-Effekt:
      Zurückweisung erhalten-> Zorn (Geistesgift!) -> Mißtrauen (Geistesgift!) ->entsprechendes Verhalten daraus anderen gegenüber->damit bei anderen negative Gefühle auslösen->erneute Zurückweisung erfahren->“alle sind so“ oder „keiner meint es ehrlich“-Gedanken-> Angst bzw. latente Wut ->zurückweisendes Verhalten ->
      Einsamkeit.
      So etwas stimmt mich traurig, denn diese kausale „Kette“ könnte durchaus auch durchbrochen werden…aber den Weg dahin muß jeder selbst finden.
      Und manche brauchen dazu eben etwas länger, vielleicht so weitere 20-30 Wiedergeburten 😉

      Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende 🙂

      In diesem (karmischen) Sinne herzliche Grüße
      Ellen

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