Obdachlos? Die Problemlösung heißt Computerskurs…

…und zum Antritt dieser vom Jobcenter ProArbeit Dietzenbach (LK Offenbach) verordneten Maßnahme sind bitte die vollständigen Bewerbungsunterlagen mitzubringen.

Nein, ich scherze nicht!

Am Sonntag lernte ich einen Menschen ohne festen Wohnsitz kennen. Nach 17 Jahren auf „Platte“ ist er, nachvollziehbar, gesundheitlich ganz unten angekommen. Psychisch wie physisch.
Im Januar stellte er einen Antrag auf Leistungen, Hilfe hatte er von der Mitarbeiterin des caritativen Werkes, in welchem auch die täglichen Bargeldauszahlungen für ofW’ler vorgenommen werden.
Warum diese nun im Antrag ankreuzte, er sei über 3 Stunden täglich erwerbsfähig, kann ich nicht nachvollziehen. Ein „unter 3 Stunden“ hätte genügt, um den Kreislauf Ärztlicher Dienst-> erwerbsunfähig->Sozialhilfe in Gang zu setzen. Aber ok, Fehler passieren…

Wohin mit den Habseligkeiten und dem Hund?

Sieht man von der halbseitigen Erblindung und weiteren körperlichen Gebrechen ab, stellt sich dem denkenden Menschen die Frage, welchen Teil des Wortes obdachlos der Sachbearbeiter nicht verstanden hat.
Ein regelmäßiges Aufsuchen einer der „beliebten Maßnahmen“ ist doch gar nicht realisierbar! Wo sollte – setzen wir theoretisch voraus, gesundheitlich wäre der Betroffene in der Lage, einem solchen „Angebot“ zu folgen – in der Zwischenzeit der einzige Freund, ein alter Hund, untergebracht werden? Wohin mit Rucksack und Handkarre, deren Inhalt die einzigen Besitztümer sind?
In Anlehnung an Ludwig Thoma – glaub‘ ich zumindest – fällt mir nur ein

„Er ist SB und auch sonst bei mäßigem Verstande“ 😉

Wie auch immer, Vorwürfe helfen niemandem weiter.
Bezeichnend jedoch ist einmal mehr, wie wenig Beachtung dem Menschen hinter der Akte geschenkt wird. Und daran kann und will ich mich niemals gewöhnen. Jetzt heißt es zunächst, eine Verschiebung in das SGB12 zu erreichen. Und danach – der Betroffene möchte das selbst – muss eine Wohnung gefunden werden.
Seit der Ermordung eines  ihm gut bekannten obdachlosen Mannes, siehe Bericht über den Strafprozess in Darmstadt, lebt er in permanenter Angst, selbst zum Opfer zu werden.

Zu Zeiten des „guten, alten“ BSHG (Bundessozialhilfegesetz)…

…wäre es mir als Aussenstehender vermutlich leichter gefallen, schnellstmöglich Ansprechpartner und ggfs. Lösungen zu finden. Das SGB2 hingegen zeigt in diesem Fall einmal mehr seinen Widersinn auf, es beweist sich erneut, dass es schlicht pervers ist, Menschen nach den vorgegebenen Kriterien „rastern“ zu wollen.
Menschen wie Inge Hannemann oder auch andere Arbeitsvermittler, die hinter der BG-Nr. das Individuum wahrnehmen können und (!) wollen, sollte man klonen können.
Zumindest  für den Zeitraum, bis das entmenschlichende „Hartz4“-Prinzip durch ein menschenwürdiges und gerechtes System ersetzt wird.
Mensch wird ja wohl mal träumen dürfen… 😉

 

 

 

 

 

 

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2 Kommentare zu “Obdachlos? Die Problemlösung heißt Computerskurs…

  1. Vielleicht bekommen die auch noch Hausaufgaben äh Zelt, Brücken, Bankaufgaben. Er ist SB und auch sonst bei mäßigem Verstande, diese Aussage ist richtig.

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