Bildungsgutschein und Umsetzung – die unendliche Geschichte der Unfähigkeit

Mit Verlaub, ich bin sauer!
So sauer, dass mir derzeit eine sachliche Darstellung dieser Geschichte gegenüber dem Beschwerdemanagement der Agentur für Arbeit (mit freundlichem cc an Herrn Alt) noch nicht möglich ist.

Die Vorgeschichte zum Bildungsgutschein bzw. der Problematik, was das Thema adäquate Behandlung durch sog. Arbeitsvermittler angeht, ist hier, klick nachzulesen.
Das einzig in Frage kommende Institut (vor Ort) für diese spezielle Weiterbildung ist, in meinen Augen, einer der vielen Bildungsträger, denen es egal scheint, was aus dem Erwerbslosen wird, Hauptsache, die Fördergelder können abgegriffen werden. Wer mag, kann Teil zwei der Vorgeschichte hier, klick nachlesen.
Nach diesem Desaster ist eine einmonatige,intensive Kurzschulung mit anschließender Prüfung zwingend erforderlich, das leuchtete auch der neuen Vermittlungsfachkraft ein.
Sie stellte für diesen Intensivkurs einen weiteren BG aus. So weit, so gut. Wäre da nicht die Entfernung. Denn der nächstgelegene Bildungsträger ist in Braunschweig, von hier aus sind das 350 KM.

Weiterbildung nur mit finanziellem Polster möglich?

Der neue BG wurde Mitte April ausgestellt, die notwendigen Übernachtungskosten wurden darin nach §86 SGB3 auf 340.-€/pM gedeckelt.Dass es für 11,30€/pT kein Pensionszimmer gibt, dürfte jedem verständigen Menschen klar sein. Auch eine kurzfristige Anmietung eines Untermietzimmers war nicht möglich.
Studentenwohnheim gibt es in dieser Stadt nicht und „Couch-hopping“ birgt nun doch gewisse Risiken für eine alleinstehende Frau…
Meine Bekannte war somit bereit, in den sauren Apfel zu beißen und die ungedeckten Übernachtungskosten aus eigener Tasche zuzuzahlen (unabhängig davon streben wir eine Klage an, um ggfs. einen Präzedenzfall zu schaffen, da es aus unserer Sicht nicht sein kann, die Lücke, die der Gesetzgeber da offen gelassen hat, mit Eigenmitteln „zu schließen“. Es greift kein anderer Rechtskreis, und was machen Menschen, die nicht mal auf die Schnelle ein paar Hundert Euro locker machen können ?)

Lesen will gelernt sein

Anfang Mai stellte meine Bekannte dann den Fahrtkostenantrag, der Termin hierfür wurde von der Vermittlungsfachkraft vorgegeben. Ich hatte schon etwas Bauchschmerzen, denn bis zum 31.05. muss das Geld verfügbar sein und ich kenne die schleppende Arbeitsweise der AfA. Vereinbart wurde, dass, sollte bis 24.05. kein Geldeingang zu verzeichnen sein, meine Bekannte sich melden sollte. Dann würde vor Ort eine schnelle Lösung gefunden werden…
Was soll bei einem Fahrtkostenformular schon schief gehen? Alles, wie sich gestern bei Nachfrage
( Hotline ) herausstellte.
Denn die LeistungsbearbeiterIn war offenbar mit dem Sachverhalt, dass die Hinfahrt mit PKW (meinem) und die Rückfahrt mit dem Zug stattfinden soll, grenzenlos überfordert. Wobei der Unterschied in den Kosten hierzu lediglich 5.-€ beträgt!
Statt aber flugs eine Nachfrage per Brief zu starten (oder e-mail) resp. die Arbeitsvermittlung vor Ort zu kontaktieren, fischte man eine längst inaktive Handynr. von vor 5 Jahren heraus und hinterließ da eine Nachricht auf der mailbox! Meine Bekannte hatte bei Antragstellung die telefonische Erreichbarkeit verneint und auf Schriftverkehr bestanden. Es gibt keine aktuelle Telefonnummer!

Antrag nicht bearbeitet

Weder die Fahrtkosten wurden bearbeitet, noch die Übernachtungskoste. Die nächste Woche hat nur 4 Werktage, das reicht zeitmäßig hinten und vorne nicht aus.
Sollte nicht ganz schnell vor Ort, völlig unbürokratisch spätestens bis Freitag eine Auszahlung vorgenommen werden, platzt die so notwendige Weiterbildung, weil es schlicht unmöglich ist, alle Kosten (grob gerechnet 750.-€) vorzustrecken + noch eine Zuzahlung zu den nicht gedeckten Unterkunftskosten zu leisten!
Es ist empörend.
Die psychische Verfassung meiner Bekannten könnte man mit „auf dem Zahnfleisch gehen“ beschreiben. Sie ist durch den letzten Bezug von Hartz4 hinreichend traumatisiert, hat diese Erfahrung bis heute nicht weggesteckt. Und in 2 Monaten droht genau das, obwohl sie eine Einstellungszusage vorliegen hat, wenn die Prüfung erfolgreich absolviert wird!
Alternativ könnte sie ja die Miete nicht bezahlen und dieses Geld in die Bildung investieren. Doch das kommt nicht infrage, denn die Gefahr der Obdachlosigkeit billigend in Kauf zu nehmen, nur weil die -mittlerweile dezentralisierte – Leistungsabteilung (irgendwo in Deutschland) unfähig ist bis Abwinken, ist nun wirklich keine Option.

Die Hoffnung stirbt zuletzt…

…es sind noch vier Arbeitstage bis Abreise und eine schnelle Lösung vor Ort ist also noch möglich. Dass die Nerven blank liegen, dürfte klar sein. Das bisherige Vorgehen entsprechend ent-emotionalisiert in der Beschwerde darzustellen, überfordert mich derzeit. Noch bin ich zu sauer…

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Ein Kommentar zu “Bildungsgutschein und Umsetzung – die unendliche Geschichte der Unfähigkeit

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