Hartz IV – Chemie in unseren Köpfen – Ein Artikel von Holdger Platta

Vorab: Auf diesem Weg ein herzliches Dankeschön an Holdger Platta, der mir einmal mehr „aus der Seele schrieb“
Eine Bitte an meine Leser: Nehmt Euch einfach Zeit für den ganzen Artikel.

Zitat
(…) Und die Wahlforschung belegt schon seit längerem: die wachsende Anzahl jener Menschen, die nicht mehr wählen gehen, nimmt insbesondere unter den Armen und Arbeitslosen zu. Beides – Zunahme des Nichtinteresses an Politik sowie steigende Nichtwählerzahlen – wird von Sozialforschern nahezu einhellig als Ausbreitung der politischen Apathie bezeichnet.

Und gut verstehen kann man deshalb, daß vor allem aktive MitbürgerInnern aus den sozialen Bewegungen sehr oft zutiefst enttäuscht sind, derartig erfolglos zu bleiben bei ihren Aktivierungsversuchen der Betroffenen (von ähnlicher Enttäuschung hört man aus der LINKS-Partei). Zuweilen steigert sich diese Enttäuschung sogar und wird zum moralisierenden Vorwurf an die Adresse der Hilfebedürftigen: „Ihr seid ja selber schuld, daß sich nichts ändert zu Euren Gunsten! Ihr kriegt ja nichtmal den Arsch mehr hoch, um wählen zu gehen!“ Nun, verstehen kann man auch diese Enttäuschung von Menschen – von MitbürgerInnen, die sich oft bis zum Umfallen abrackern, um die Verhältnisse für die Armen und Arbeitslosen wieder zu verbessern in der Bundesrepublik. Zustimmen kann ich diesen Kritikern aber nicht, wenn sie sich auf diese Weise diese Apathisch-Gewordenen und NichtwählerInnen vorknöpfen. Sie greifen damit Opfer, nicht die eigentlichen Täter, an.

Wahre Worte, Herr Platta

Genau diese Art der Enttäuschung (resultierend aus der durchaus verständlichen Erwartungshaltung der Aktiven) ist dann entsprechend auch ursächlich für den Rückzug Vieler aus dem Hilfespektrum.
Meiner Ansicht nach darf sich diese Enttäuschung nicht derart verfestigen, dass neutrale Hilfestellung nicht mehr gewährleistet werden kann oder will.
Dass man entnervt die Brocken hinwirft.
Oder gar – wie „Kampfrentner Dettie“ (Detlev Rochner) – nur noch einen letzten Ausweg sieht…

Auch hier kann ich nur einmal mehr an das Mitgefühl und die intellektuelle Einsichtigkeit der Aktivisten appellieren, trotz aller (vermeintlicher) Lethargie vieler Betroffener den „Stellvertreterkampf“ nicht aufzugeben.
Vergessen sollte mensch auch Eines nicht:
Kein Individuum gleicht dem anderen und was „wir Aktive“ vielleicht noch einigermaßen wegstecken, gereicht einem anderen Menschen bereits zum vollständigen Zusammenbruch.
Das Prinzip: „was ich kann, sollte der Andere auch können“ ist meiner Meinung nach gerade in der „sozialen Betätigung“ völlig fehl am Platz.

Zitat
(…) so haben einige Sozialmediziner und Sozialpsychologen doch mittlerweile etwas ganz anderes nachweisen können: die Tatsache nämlich, daß Armut und Arbeitslosigkeit seelisch erkranken lassen. Und zwar vor allem an Depressionen (…)
(…) Die biologischen Folgewirkungen der Depression
Hier ist nicht der Platz, das medizinisch-detailliert zu erläutern. Aber wenn man in dem Standardwerk zur Bestimmung seelischer Erkrankungen, dem Handbuch „Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen. DSM-III“, lesen muß: ein Hauptmerkmal depressiv erkrankter Menschen sei, „daß ihnen alles egal ist“: dann sollte das  auch in unserem Zusammenhang aufhorchen lassen. Und wenn sich an gleicher Stelle die Information findet, dass Depressionserkrankte nicht einmal mehr imstande sind, sich selber Hilfe zu suchen, und nicht selten sogar Hilfe von außen ablehnen, dann haben diese Diagnosen der Wissenschaftler eben auch eine politische Dimension!
der ganze, lesenswerte Artikel – klick –

Alte und neue Studien

Da der Originalartikel lang ist, möchte ich nicht allzu viel kommentieren. Ein Hinweis jedoch noch zu der depressiven Apathie:
Bereits 1933 erkannte man anhand einer Langzeitstudie die sozio-psychologischen Wirkungen von Erwerbslosigkeit  und  lieferte quasi den Beweis dafür, dass Langzeitarbeitslosigkeit eben nicht – wie vielfach vermutet – zum  Widerstand oder gar „Revolution“, sondern zu passivem Resignieren führt.
Der Name dieses Projektes aus Österreich ist

Die Arbeitslosen von Marienthal

Interessierte werden hierzu auch bei youtube fündig

Advertisements

Teile uns deine Gedanken mit:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s