Empört, böse und polemisch – Mein offener Brief an die BA wg. Inge Hannemann…

…ich konnte nicht anders, sonst wäre ich „geplatzt“

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Sehr geehrter Herr Alt, sehr geehrte Damen und Herren Pressesprecher,

ich nehme Bezug auf Ihre Presseerklärung vom 14.06.2013, in welcher Sie Stellung nehmen zu den Sachverhaltsdarstellungen bzgl. „der Jobcenter“ – geschrieben und veröffentlicht von der  Bürgerin Inge Hannemann.
Lassen Sie es mich vorweg nehmen:
Ich bin empört. Ich bin empört und zutiefst angewidert. Dies aus mannigfachen Gründen.

Frau Hannemann selbst hat ja bereits zu den einzelnen Punkten Ihrer „Presseerklärung“ dezidiert Stellung genommen, somit reduziere ich meinen Brief auf das, was Sie getrost Polemik nennen dürfen, qui dicit que vult, audit que non vult, nicht wahr?


Meine Empörung ist zu groß, als dass ich mich auf die Sachebene zurückziehen will und im Gegensatz zu den Vertretern Ihrer Anstalt denke, fühle und schreibe ich selbst, bediene mich somit auch keiner unverständlichen Textbausteine.

Was haben Sie – das „wenn überhaupt“ setze ich hier wohlwollend voraus – sich bei dieser Pressemitteilung eigentlich gedacht?
Zunächst einmal bedienen Sie sich eines Duktus‘, welcher nach meinem Empfinden dem „völkischen Beobachter“ oder dem „Stürmer“ durchaus zur Ehre gereicht hätte.
Sie diffarmieren und diskreditieren Frau Hannemann auf eine Art und Weise, die aus meiner Sicht an hetzerische Schmähkritik grenzt.
Warum?
Es steht zu vermuten, dass Frau Hannemann mit ihrer öffentlichen Kritik den neuralgischen Punkt der BA getroffen hat. Es darf Ihnen -nebenbei- konstatiert werden, dass die Bürgerin (!) Hannemann damit lediglich von ihrem grundgesetzlich verbürgten Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat – nicht mehr und nicht weniger –

Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff?

Versuche ich Ihre „Presseerklärung“ nachzuvollziehen, so scheint mir, dass die mediale Aufmerksamkeit – gerichtet auf eine Mitarbeiterin – Ihnen offenbar weitaus unangenehmer ist als die von Betroffenen selbst zahllos aufgezeigten Mißstände.
Es dürfte auch Ihnen klar sein, dass es Nicht-Betroffenen des Verelendungssystems Hartz4 noch immer leichter fällt, einer „Beamtin vom Arbeitsamt“ zu glauben als einem Leistungsbezieher.
Dass nun auch diejenigen „genauer hinschauen“, welche (noch) nicht an der Zitze des Jobcenters saugen müssen.
Dass auch innerhalb der Jobcenter die Mitarbeiter ihr Gewissen (wieder)entdecken.
Dass ein Umdenken stattfinden könnte.
Nur so kann ich mir Ihre, an Boshaftigkeit und (!) trauriger Lächerlichkeit kaum zu übertreffende Pressemitteilung erklären.

Tatsachen ver- und Strick drehen

Abschließend sei Ihnen noch Folgendes in’s Stammbuch geschrieben:
Frau Hannemann gefährdet nicht einen Mitarbeiter, schon gar nicht Tausende. Das Gegenteil ist der Fall.
Allein aus der Tatsache heraus, dass Betroffene endlich (!) erkennen können, die „andere Seite des Schreibtischs“ besteht nicht ausschließlich aus empathielosen, emotionalen Amöben (mit einer Haltung, die Hannah Arnedt vorzüglich in ihrem Buch „Die Banalität des Bösen“ beschrieb) ist für die übrigen Mitarbeiter schon viel gewonnen.
Und noch etwas sei gesagt:
Mit Ihrer stoisch-verweigernden Haltung, die oft grottenschlechte und häufig willkürliche Umsetzung eines ohnehin schlechten Gesetzes anerkennen zu wollen, strafen Sie Tausende und Abertausende Betroffene und deren Helfer nochmals ab.
Indirekt bezichtigen Sie nämlich nicht nur Frau Hannemann der Lüge mit dieser, Ihrer Erklärung, sondern Tausende von Menschen, welche unter den gegebenen Bedingungen Höllenqualen litten und leiden.
Obendrein wollen Sie auch dem (noch) arbeitenden Volk erneut die Mär von „Alles in Ordnung in den bundesweiten Jobcentern“ auftischen.
Das ist nicht nur arrogant, es ist auch dreist sondersgleichen. Glauben Sie wirklich, die Menschen seien noch immer so gutgläubig-naiv, Ihnen das weiterhin abzukaufen?
Lassen Sie sich gesagt sein: Der Stammtisch und die Ewiggstrigen werden weniger!
Daran wird auch eine „Presseerklärung“ nichts ändern.

Ein Positives jedoch hatte Ihr Schreiben:
Heute habe ich gelernt, was das Wort „Fremdschämen“ bedeutet.

Mit durchaus unfreundlichen Grüßen

Bürgerin Ellen Vaudlet

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17 Kommentare zu “Empört, böse und polemisch – Mein offener Brief an die BA wg. Inge Hannemann…

  1. Ich möchte mal auch eine Lanze brechen für all die SachberarbeiterInnen, die schweigend und „heimlich“ ihr bestes geben, um Menschlichkeit zu bewahren.
    Auch ich finde es gut und mutig, das Frau Hannemann an die Öffentlichkeit gegangen ist. Sie hat damit eine Öffentlichkeit geschaffen, die es so vorher nicht gab. Das war und ist gut und wichtig.
    Aber für ihre Kunden ist sie jetzt nichtmehr da, die sind jetzt den Schikanen schutzlos ausgeliefert. Das ist jetzt keinesfalls ein Vorwurf an sie. Aber denkt mal daran, wieviele Leben solche SachbearbeiterInnen schon gerettet haben. Indem sie einen Menschen der sowieso schon depressiv ist eben *nicht* wegen 10 Minuten Verspätung sanktionieren. Indem sie eben *nicht* zwanghaft versuchen aus einer WG eine Beziehung zu basteln, weil dann nämlich einer rausfliegen und auf der Strasse sitzen würde. Ich glaube in fast jedem Jobcenter gibt es mindestens eine/n solchen Menschen, der nicht anders kann als menschlich zu handeln. Auch diese Menschen müssen immer mit Angst leben, vorsichtig sein, nicht auffallen. Aber sie retten damit Menschenleben, jeden Tag.
    Ich bin dankbar dafür, das ich noch hier bin, noch am Leben bin. Und das bin ich *auch* dank meiner Sachbearbeiterin.

    Und wisst ihr was? Ich habe mir vorgenommen, das Prinzip „Fordern und Fördern“ für mich ganz persönlich umzusetzen. Genau wie wir alle, fordere ich auch eine menschliche Behandlung und einen respektvollen Umgang, darüber hinaus zumindest den Versuch von Verständnis. Aber man darf eben nicht nur Fordern, damit würden wir uns auf eine Stufe mit der BA stellen. Was man fordert, muss man auch fördern!

    Deswegen werde ich morgen ganz frech und unangemeldet bei meiner Sachbearbeiterin auftauchen, nur kurz „Hallo“ sagen und ihr ein Stück selbstgebackenen Rührkuchen auf den Tisch legen. Einfach so. Ich hab als Kind gelernt „Wie man in den Wald hineinruft, so klingt es zurück“. Viel zu oft wird das aber nur negativ ausgelegt. Aber wer für sein Verhalten nie eine positive Rückmeldung bekommt, der wird es irgendwann ändern.
    Aber in dem gespannten, geradezu brodelnden Klima, das gerade auch in den Jobcentern vorherrscht, wird es kaum positive Signale geben. Ich kann aus verschiedenen Gründen nicht großartig demonstrieren gehen oder so, aber ich kann vielleicht mit einer kleinen Geste einem Menschen das Gefühl geben, etwas richtig gemacht zu haben.

    • Hallo Steffi,
      Dein Kommentar gefällt mir gut, sehr gut sogar.

      Du schriebst:“… aber ich kann vielleicht mit einer kleinen Geste einem Menschen das Gefühl geben, etwas richtig gemacht zu haben“
      Das ist, finde ich, der richtige Ansatz im menschlichen Miteinanderumgehen. Wenngleich ich es nicht Kuchen mache (ich bin wohl die schlechteste Bäckerin ever 😉 ) so versuche ich doch auch, den ersten Schritt „weg vom Feindbild“ zu machen.An der Mitläufer-Fassade zu kratzen, den Menschen (!) hinter dem Schreibtisch als solchen wahrnehmen, positive Reaktionen umgehend zu bestärken.
      Gerade vorhin hatte ich bei einem anfangs etwas unangenehmen Aufeinandertreffen beim Weggehen ein gutes Gefühl – dazu später mehr im Artikel –

      Machen wir uns aber nichts vor: Wer immer und immer wieder despektierlich und schikanös behandelt wird, dem fällt dieser Schritt sehr schwer. Völlig verständlich, wie ich finde.Viele Menschen sind bereits zerbrochen, diesen „abzuverlangen“, den „ersten Schritt“ zu machen, wäre Zynismus pur.

      Davon ab, „normales“ und rechtskonformes Handeln ist kein Grund für überschwengliches Lob, oder lobst Du den Chirurgen, der Dir nicht (!) das falsche Bein amputiert?
      Menschen wie Inge H. verdienen höchsten Respekt. Respekt verdienen auch diejenigen, die ihre „Macht“ bewusst zugunsten des Betroffenen einsetzen, sei es auch nur heimlich. Auch diese Menschen haben Gutes bewirkt, da gebe ich Dir völlig Recht.
      Dennoch ist zwischen ihnen und der Offensive von Frau H. ein gewaltiger Unterschied, und der liegt nicht im Gerechtigkeitssinn, vielmehr im Mut begraben. Und wir brauchen definitiv noch viel mehr solch mutiger Menschen, als „Aufzeiger von der anderen Seite“, als „Wachrüttler“ und als Gegenpol zu der medialen Hetze, die so viele Hirne und Herzen bereits verseucht hat.
      Dieser -aus meiner Sicht große – Unterschied ist von mir übrigens absolut wertfrei, das muss ich immer wieder betonen.
      Übrigens: Wenn du einige meiner artikel liest, wirst Du sehen, dass ich -zwar selten- aber wenn ich es für angebracht halte, durchaus mit „Lob“ gegenüber pAP’s und SB’s nicht spare. Nur leider sind die Gelegenheiten (noch) selten…

      fG
      Ellen

  2. „Zunächst einmal bedienen Sie sich eines Duktus’, welcher nach meinem Empfinden dem “völkischen Beobachter” oder dem “Stürmer” durchaus zur Ehre gereicht hätte.“

    Wer in der Lage, fähig ist Menschen zu foltern, ist zu 100% auch ein Nazi – das ist meine Sicht und davon weiche ich kein Jota ab.

    Es dürfte doch allgemein auffallen, daß nicht nur oft ein Naziton, ein Nazigebaren in den Argen herrscht, sondern auch teilweise ein Nazisprachgebrauch und sogar Stellenbeschreibungen die an arge Nazi“behörden“ denken lassen.

    So gibt es den SS Leiter. Der heißt zwar bei der Arge nicht Schutzstaffel Leiter, aber Stabstellenleiter.
    Wer sich solch ein Adjektiv für die Beschreibung einer Arbeit ausdenkt, der hat wohl dabei irgendwas gedacht…

    „Letztens hatte ich wieder eine Diskussion, diesmal mit einem Stabstellenleiter vom Herrn Weise (also vom Arbeitsamt).“
    http://kritischerkommilitone.wordpress.com/2013/06/09/meinungsfreiheit-oder-doch-lieber-befehl-ausfuhren/#comment-53

    Von Sb (Sach(be)arbeiter) zu Sa (Sturmabteilung), ist es – rein Aphabetisch natürlich – auch kein wirklich langer Weg…

    Der Souverän

    • Hallo Souverän,
      wenngleich ich etwas anders vorgehe bei der „Einordnung“ von Menschen (es gibt bei „Folterern“ eben auch „nur“ völlig Empathielose, sadistisch Veranlagte ect., bei denen der Terminus Nazi nicht zutrifft), gebe ich Dir in weiten Teilen dennoch Recht.

      Sprachlich gesehen…nunja, da fällt mir zum Duktus der Nazis einiges an Vergleichen ein. Man erinnere sich an das Clement’sche Pamphlet „Vorrang für die Anständigen“, da kommen widerliche Ähnlichkeiten nicht nur bei der Nutzung des Wortes „Parasiten“ zum Vorschein.

      Oder auch der Slogan: „Sozial ist, was Arbeit schafft“
      Ganz übel, denn bei den Faschisten hieß er kaum anders:“Sozial ist, wer Arbeit schafft“
      Geprägt wurde er von Alfred Hugenberg, einem Wegbegleiter Hitlers.
      Am 17. März 2005 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht (AZ: 3 C 20.04) in Leipzig die Rolle Hugenbergs als Wegbereiter der nationalsozialistischen Herrschaft.

      Einen direkten Vergleich mit dem damaligen Faschismus halte ich zwar für nicht angebracht, noch sind die Unterschiede gewaltig. Aber wenn ich mich da an die Tagebücher Klemperers erinnere…auch seinerzeit war es ein,zunächst mit Worten (Propaganda) eingeleiteter, schleichender Prozess…und erfahrungsgemäß wiederholt sich Geschichte, wenngleich nicht unbedingt 1:1

  3. Zitat: „Mit Ihrer stoisch-verweigernden Haltung, die oft grottenschlechte und häufig willkürliche Umsetzung eines ohnehin schlechten Gesetzes anerkennen zu wollen,…“

    Das SGB ist nur in dem Sinne schlecht, daß es die Betroffenen trifft. In einem ganz anderen, perfiden und perversen Sinne ist es ein „gutes“ Gesetz. Nämlich eines, das Willkür ermöglicht und deckt, eines, das Arbeitszwang ausübt und den Billiglohnsektor fördert.

    In dem Sinne der viel zitierten „handwerklichen Fehler“ ist es kein schlechtes (schlecht gemachtes, fehlerhaftes) Gesetz, denn es ist genauso gewollt. Es enthält keine „handwerklichen Fehler“. Wer dieses sagt oder glaubt, macht selber einen Denkfehler, macht Propaganda oder glaubt sie.

    Und noch einmal. Die willkürliche Umsetzung durch die Protagonisten der „Jobcenter“ in deinem Sinne anzuerkennen hieße, sich selber in Frage zu stellen. Das steht aber nicht zud Diskussion für die BfA, das Bundesministerium oder die Schergen in den „Jobcentern“. Denn nur ein reichlich sanktionierender Scherge ist ein guter Mitarbeiter. Da wäre es völlig wider das System und die eigenen Interessen, wenn man der Erkenntnis Raum geben würde, etwas menschlich oder rechtlich falsches zu machen.

    • So, CJB, wie angekündigt, jetzt meine etwas ausführlichere Antwort
      Falls ich (bei Dir) den Eindruck erweckt haben sollte, ich sei der Meinung, dass die „Hartz-Gesetze“ lediglich „schlecht gemacht“ sind, dann habe ich mich im ersten Impuls wohl falsch ausgedrückt.
      Eine solche Ansicht zu vertreten ist genauso fatal, wie zu glauben, die Politiker seien „blöd“, lebten „im Elfenbeinturm“, bekämen von der Lebensrealität weiter Teile des Volkes „nichts mit“.
      Wir gehen absolut konform, wenn Du schreibst, Zitat:
      …“Das SGB ist nur in dem Sinne schlecht, daß es die Betroffenen trifft. In einem ganz anderen, perfiden und perversen Sinne ist es ein “gutes” Gesetz. Nämlich eines, das Willkür ermöglicht und deckt, eines, das Arbeitszwang ausübt und den Billiglohnsektor fördert…“

      Du schreibst ferner…“Die willkürliche Umsetzung durch die Protagonisten der “Jobcenter” in deinem Sinne anzuerkennen hieße, sich selber in Frage zu stellen…“

      Und genau darauf ziele ich ab.
      Ich kann, will und werde die Hoffnung nicht aufgeben, dass es möglich ist, die kleinsten Rädchen des Systems dergestalt zu „aktivieren“, dass sie ihr Tun in Frage stellen und folgerichtig ein/umstellen. Nur mit Hilfe dieser kleinen Rädchen (SB;pAP ect) lässt sich mMn dieses gigantische Uhrwerk sabotieren. Aber, dazu müssen noch viele Mitarbeiter mehr zunächst mit Selbstreflexion beginnen…

      Weißt Du, der Gedanke, dass ein quasi „bundes(europa)weites Milgram-Experiment“ dauerhaft funktionieren wird, ist so ungeheuerlich, so schaurig und für mich derart unvorstellbar…ich könnte ihn nur zulassen, wenn ich im Gegenzug bereit wäre, mein Menschenbild komplett über den Haufen zu werfen. Ob ich aber mit diesem negativen Menschenbild weiterleben und weiter“kämpfen“ könnte/wollte…………………..?

      Ich habe zugegebenermaßen keine Ahnung, was nach der „Erkenntniss“ der derzeitigen „Mitläufer“ geschehen würde.
      Aus eigenem Erleben kenne ich mittlerweile viele kritische bis sehr kritische Mitarbeiter. Dass sie dennoch aus Angst um ihre eigene Existenz resp. die ihrer Familie eher „politisch subversiv“ agieren und nicht wie Frau Hannemann in die Offensive gehen, ist gewiss ein zweischneidiges Schwert.
      Verübeln jedoch kann ich persönlich denjenigen das nicht, dieses Recht steht mir einfach nicht zu.
      Ich hoffe schlicht darauf, dass, wenn das „Feuer um Inge H.“ nicht zu schnell erlischt, noch weitere Mitarbeiter an die Öffentlichkeit treten, den Mut aufbringen, die „Wahrheit“ aufzuzeigen. Und dass noch viel mehr Mitarbeiter „intern“ die menschenverachtenden sog. Amtspflichten unterlaufen.
      Auch so kann man dieses menschenverachtende System schädigen.
      Der Königsweg ist es freilich nicht.

      fG
      Ellen

      • Das kann ich alles mitunterschreiben, sogar, daß es sicher einige Mitarbeiter gibt (habe mich gerade vertippt und „Mutarbeiter“ geschrieben – ja, das wäre gut), die innerlich Abstand haben von den Umständen, an denen sie sich selber beteiligen und sie auslösen/unterstützen.

        Allerdings beobachte ich auch, daß es tatsächlich so etwas wie ein nationales Milgram-Experiment gibt, denn ich habe auch in den letzten Jahrzehnten miterlebt, wie die Mehrheit unserer Gesellschaftsmitglieder immer stromlinienförmiger und unpolitischer, manipulierbarer und unkritischer geworden sind. Sogar in der Rechtsprechung gilt dies, und ich sehe mit Schrecken, wie zum Beispiel Menschen, die anderen Nothilfe geleistet haben, allen Ernstes wegen Körperverletzung nicht nur angeklagt (Staatsanwaltschaft) sondern isogar von einem Richter verurteilt werden. Oder der Fall Mollath, ein ganz ekeleregendes Beispiel von Klassen-, Kassen- oder Herrschaftsjustiz; eigentlich müßte man den passenden Begriff dafür erst noch erfinden. Und das ist eine Folge davon, daß, kurz gesagt, nicht einmal mehr Juristen es gewohnt sind, von ihrem zerebralen Potential Gebrauch zu machen, Schema F muß genügen. – Ich habe jedenfalls die Wissenschaften von Recht (noch) ganz anders kennengelernt, und auch in der Schule und daheim hatte ich das Glück, nicht zu einem Fisch (=stromlinienförmig) gemacht zu werden, zudem bin ich von Natur aus ein kritischer Geist.

        Und wie manipulierbar und manipulierbereit unsere Mitmenschen geworden sind, erlebt man ständig im Kontakt mit den „Jobcentern“. Ständig hört man dort dieselben dummen Phrasen, die sich man sich in dieser Gleichförmigkeit doch nur einprägen und sie nachplappern kann, wenn man vorher einer Art Gehirnwäsche unterzogen worden ist bzw. sich ihr bereitwilig unterzogen hat. – Mich k*tzt so etwas an, ich empfinde für solche Menschen meist Verachtung, weil sie nicht bereit oder fähig dazu sind, von ihren eigenen Potentialen, das Gehirn, das Herz und die Seele betreffend, Gebrauch zu machen.

        Und auch ganz generell, daß bei den meisten Menschen die Einstellung herrscht „Wes‘ Brot ich ess‘, des‘ Lied ich sing'“, kann ich in dieser Konsequenz, wie es die meisten zu leben scheinen, nicht nachvollziehen. – Sicher, ich muß loyal gegenüber meinem Arbeitgeber sein, aber zwischen Loyalität und Duckmäusertum, zwischen Kadavergehorsam und Einordnung besteht doch ein gewaltiger Unterschied. Den kennen die meisten nicht und man sieht allenthalben, was dabei herauskommt.

        • Deine (umfassenden) Beobachtungen teile ich und es hat mich in der „Anfangszeit meiner intensiven Beobachtungen“ einfach nur verstört, das gebe ich zu.Und auch heute noch kann der „innere Mensch Ellen“ nicht so wirklich begreifen, wie gleichgültig und/oder (wissentlich) ausblendend viele Mitmenschen mit den ganzen Schweinereien (strukturelle Gewalt, Polizeigewalt, massivste Verletzungen von Menschenrechten überall,usw usf) umgehen.
          Die Zeit, in der daran innerlich fast zerbrochen wäre, liegt noch nicht sooo weit zurück…
          Schlußendlich musste ich für mich einen Weg finden, um halbwegs unbeschadet „weitermachen zu können“.
          Es ist mein ganz persönlicher Weg, wenn ich versuche, durch mein Handeln meinem Gegenüber dessen positive, menschenfreundliche, anständige Seite „herauszukitzeln“. „Gute“ Handlungen regelrecht versuchen, zu provozieren.Actio-Reactio…im nützlichen Sinne.
          Positive Verstärkung (insbesondere bei -gefühlt- Mitläufern) einzusetzen.
          Es gelingt mir häufig, wenngleich nicht annähernd so häufig, wie ich es mir wünsche.

          Du schriebst „… Mich k*tzt so etwas an, ich empfinde für solche Menschen meist Verachtung, weil sie nicht bereit oder fähig dazu sind, von ihren eigenen Potentialen, das Gehirn, das Herz und die Seele betreffend, Gebrauch zu machen…“

          Ich verstehe dieses Gefühl sehr gut, da gibt es kein Vertun!
          Aber dennoch wehre ich persönlich mich gegen dieses Gefühl der Verachtung, welches auch in mir immer mal wieder aufsteigen will. So gut ich kann, kanalisiere ich meinen Zorn auf die Handlungen dieser Menschen und versuche, den Handlungen entgegen zu treten, ohne den Menschen dahinter zu „werten“.Das hat seine Ursache in „meiner“ Philosophie, die u.a.auf dem Erkennen der Macht der sog. Geistesgifte beruht.
          Aber, das ist nur mein Weg, besser, mein Ausweg, um nicht an dem, was uns umgibt, kaputt zu gehen.Andere Menschen gehen andere Wege.
          Und bekanntlich führen viele Wege nach Rom…

          • Ja, ich bin Zyniker und Menschenfeind. Mein Lieblings-Mit-Zyniker ist Kurt Tucholsky: Ein sehr feinfühliger Mensch gegen seine Mitmenschen, seine Umwelt und sich selber gegenüber. Und – natürlich – ein großer Menschenfreund. Denn ein Zyniker ist zuoberst Menschenfreund und kommt zum Zynismus dadurch (und diese reicht bis zur Verachtung), daß er von den Menschen enttäuscht wird.

            Das hört sich nun alles schlimmer an, als es ist, denn weder werde ich jemandem etwas antun noch mich selber vor Enttäuschung oder Gram entleiben oder in der Ecke versauern. Es ist eben meine Art, mit der Welt und ihren Bewohnern umzugehen. Immerhin habe ich immer wieder und immer noch ein großes, fast naives Grundvertrauen in andere, welches ich ihnen als Vorschuß gewähre. – Deswegen habe ich auch Jahre gebraucht, um das Hatz4-System zu durchschauen.

            Ach so: und das eben gesagte vorausgesetzt, habe auch ich nach wie vor im Grunde die Hoffnung, daß auch das größte … sich läutern und dazulernen kann.

            • Ich hoffe, Du verzeihst mir 😉 , wenn ich Dir den „Menschenfeind“ nicht ganz abzukaufen vermag.
              Zyniker – ja.Durch Enttäuschung – ja.Misanthrop – nein.
              Aber ich bin ja auch so dreist und behaupte, dass die oft zynisch und pessimistisch anmutende Weltsicht von Schopenhauer – übrigens mein Lieblingphilosoph der Neuzeit – ihn keinesfalls zu dem misogynsten Literaten des 19ten Jahrhunderts macht, wie so oft behauptet…
              Also sieh‘ mir meine positivistische Unterstellung einfach nach, bitte.

              Du schriebst:“…Ach so: und das eben gesagte vorausgesetzt, habe auch ich nach wie vor im Grunde die Hoffnung, daß auch das größte … sich läutern und dazulernen kann.“
              Nun, ob es auch das größte ***vermag, sich zu läutern, hängt,so glaube ich, davon ab, worin sich das ***-Sein begründet.Liegen Erkrankungen wie Soziopathie zugrunde, wird es wohl kaum möglich sein.Ist es hingegen „nur“ ein verblendetes ***, dann stehen die Chancen dem Grunde nach gut.
              Vielleicht ist es zudem nützlich, an der eigenen Erwartungshaltung zu arbeiten.Ent- täuscht kann mensch nur sein, wenn eine Täuschung zutage tritt.Doch hat der Andere mich wirklich ge-täuscht? Oder doch eher ich mich selbst aufgrund meiner Erwartung?
              Wie auch immer, ich finde es nützlich und hilfreich, den Vertrauensvorschuß weiterhin auszuzahlen und bleibe für meinen Teil auch dabei.

              lG
              Ellen

    • Hallo Ellen

      Mag sein das nicht jeder empathielose Sadist ein Nazi ist. Aber jeder Nazi ist ein empathieloser Sadist.

      „Einen direkten Vergleich mit dem damaligen Faschismus halte ich zwar für nicht angebracht, noch sind die Unterschiede gewaltig.“

      Das sehe ich auch so. Was heute und hier abläuft, ist – gemessen am humanitärem, sozialem und gesellschaftlichem Fortschritt in 70 Jahren – viel schlimmer als damals.
      Und nein, daß bedeutet keine Herabsetzung der unsäglichen Leiden von Millionen und Millionen ermordeten.

      Ich sehe das im Zuge der menschlichen weiter-Entwicklung. Würde man heute eine „Hexe“ verbrennen, oder ihr bei lebendigem Leibe die Haut abziehen, wöge dieses Verbrechen 1000 mal schwerer als zu der Zeit als es Normalität und gar kein Verbrechen war.

      Der Souverän

      • Wir haben gelernt wie die Vögel zu fliegen, wie die Fische zu schwimmen, doch wir haben die einfache Kunst verlernt, wie Brüder zu leben.
        Martin Luther King (1929-1968)

        Hallo Souverän,
        Du hast mich sehr nachdenklich gemacht.
        Gibt es wirklich eine „menschliche Weiterentwicklung“, oder haben wir es lediglich fertiggebracht, unsere intellektuellen Fähigkeiten zu perfektionieren? Statt (Aber)Glauben eine Fixierung auf Technologien entwickelt, um (vermeintliche) Verbesserungen für unser Leben zu erzielen?
        Und wo hat uns das hingeführt?
        Ich denke, die Verblendung hat innerhalb der Jahrhunderte lediglich ihr Gewand gewechselt, im Wesen ist sie gleich geblieben.
        „Der Mensch“ (puh, schon wieder eine Verallgemeinerung von mir, sorry) war und ist so zugeschüttet mit Geistesgiften, dass die Handlungsmuster, welche daraus erfolgen, immer wieder die gleichen sind.Weil ihnen noch immer die gleichen Geistesgifte zugrunde liegen.
        Ich zitiere mal aus einem Gedankenaustausch:
        ‚eigentlich‘ kommen wir alle mit diesen Fähigkeiten zur Sympathie und Empathie auf die Welt (gerade die zeitgenössischen Neurobiologen und Hirnforscher befördern dazu mehr und mehr zutage: Joachim Bauer z. B. – Prof. in Freiburg – mit seiner, von vielen Neurowissenschaftlern mittlerweile geteilten, Theorie zu den ‚Spiegelneuronen‘).

        Womit sich die Neurowissenschaftler auseinandersetzen, ist nach der buddhistischen Lehre ein „alter Hut“, dort nennt man die eigentlich auf das Gute resp. Unschädliche ausgerichtete Natur des Menschen schlicht Buddhanatur…
        Diese zum Vorschein zu bringen, sollte meiner Ansicht nach das Leben jedes Einzelnen bestimmen, denn klar dürfte sein, dass niemand gerne Leid erfährt. Und was ich nicht für mich möchte, sollte ich auch nicht für andere wollen.Aber an dem Thema haben sich schon die ganz klugen Köpfe versucht (siehe kategor. Imperativ z.B.) und noch immer siegt doch die Verblendung auch über diese -eigentlich so einfache- Einsicht.

        Was ich eigentlich nur mit dem Hinweis auf den Unterschied zwischen damaligem Faschismus und den heutigen Zuständen sagen wollte ist, dass die Millionenfache Schändung und Tötung von Menschen sich noch nicht wiederholt hat.
        Keinesfalls wollte ich Dir damit unterstellen, dass Du das Leid der damaligen Opfer zu relativieren versuchst mittels Abgleich zu den heutigen Geschehnissen.
        Es ist ein sehr sensibles Thema, wie ich finde, und mensch läuft Gefahr, falsch verstanden zu werden (wie Du schriebst, Herabsetzung des Leides) Ich möchte es mal so ausdrücken, mit aller Vorsicht: Die Greuel der damaligen Zeit begannen nicht erst mit den Deportationen…

        • Natürlich haben wir uns weiterentwickelt. Das ist ein ständiger fließender Prozess.
          Nennt sich Veränderung. In welche Richtung ist auch ganz klar. Wir befinden uns immer noch auf dem Weg von einer barbarischen zu einer zivilisierten Gesellschaft.

          Der kulturelle und technische Fortschritt ist per se gut und dem Menschen (erstmal) positiv zu Diensten. Was dann (meist) einige Wenige daraus machen, im Sinne von in’s negative verkehren, ist das was wir angehen müssen.

          Jeder Mensch ist einzig und allein das Produkt seiner Umwelt, seines Umfeldes.
          Insofern führt der einzige Weg hin zu einer zivilen Weltgemeinschaft, über das Bewussein, die Bewusstseinserweiterung der Massen, die keineswegs mit Bildung oder gar Intelligenz zu verwechseln ist – selbige sind zwar schön und sinnvoll wenn man darüber verfügt, aber keineswegs vön Nöten. Im Gegenteil, ich stelle immer wieder fest, das „weniger ungebildete und weniger Intelligente“ (schreibe diese Adjektive in „“ weil das eigentlich undefinierbare Eigenschaften sind) über einen höheren Bewusstseinsstand verfügen als z.B. Akademiker. Wobei meine Wertung natürlich nur rein subjektiv sein kann, da Bewusstsein auch ein weit aufzufassender Begriff mit sehr viel Spielraum ist.

          „Die Greuel der damaligen Zeit begannen nicht erst mit den Deportationen…“

          Wehret den Anfängen – wobei wir (schon wieder) mitten drin sind.

          Der Souverän

  4. Alles Klar auf der “BRD” ???
    In der geistigen Nacht rauscht der Luxusliner “BRD” in sein Verderben. Im dichten Nebel wird das Schiff durch seinen Kapitän Tothschild versenkt. Der Lotse weiß binnen Minuten, daß sein Schiff sinken wird – und startet die größte Rettungsaktion der zivilen Seefahrt. Die Sonne scheint beim Ablegen, natürlich, denn es geht auf der viel gepriesenen “sunshine route” in das verheißungsvolle EUROPA. Eine Vergnügungsreise steht an, mit wenig Wind, viel Bläue und Tanz in allen Klassen. Brot und Spiele!!! Ein Heilversprechen mit fatalen Folgen, wenn wir nicht alles für unsere Heimat unternehmen und die “Deutsche Karte” = Urkunde 146 präsentieren. Nun ist jeder in der Verantwortung, seinen mündigen souveränen Beitrag selbstverantwortlich und bewußt zu leisten!
    Befreien müssen wir uns selber und die Lösung liegt auf dem Tisch : Die “Deutsche Karte” Urkunde 146 – Reha-Antrag!!!
    Sonst nichts. Alles andere sind Täuschungen und wohlgemeinte Versuche, die nicht geeignet sind eine Einigung herzustellen.
    Obendrein ist jeder Einzelne damit in der vollen Verantwortung!
    Das heißt auch: Alle anderen zu informieren und aufzuhören mit den Wunsch konzertierten Heilversprechen !!!
    Entweder kielgeholt oder frei sein!
    In diesem Sinne sollte das langsam allen klar werden !!!
    68 Jahre hatten sich viele versucht ! Jetzt ist Schluß mit rumprobieren !!!
    Jetzt ist jeder aufgerufen seiner persönlichen, allein verantwortlichen Handlungspflicht nachzukommen !
    Sonst werden wir alle in Kürze restlos versenkt !

    http://ag-freies-deutschland.de/

    http://ag-freies-deutschland.de/der-schlussel-fur-das-tor-in-unsere-freiheit/

    https://www.facebook.com/burger.lohmann

    https://www.facebook.com/StudioAgFreiesDeutschland

  5. Liebe Ellen,

    Gratulation zu Deinem Offenen Brief, dem ich ohne Einschränkung zustimmen kann!

    Sämtliche Vorwürfe, die in der sogenannten Pressemeldung gegen Inge Hannemann erhoben werden, sind falsch. Alles, was Inge Hannemann zur Unmenschlichkeit von Hartz IV gesagt und geschrieben hat, trifft zu.

    Und weil es zutrifft, reagieren auch die Obersten der Bundesagentur für Arbeit so getroffen. Sie sollten lieber betroffen sein. Sie hätten schon längst betroffen sein müssen. Denn was dieses furchtbare Gesetzeswerk mit dessen furchtbarem Exekutieren alltäglich Millionen von Menschen antut, müßte noch jeden Menschen betroffen machen: die Verantwortlichen zuallererst, gerade auch die in Nürnberg.

    Ich danke Dir!
    Holdger

    • Lieber Holdger,
      danke für Deine Bekräftigung, ich schrieb, vielmehr hämmerte den offenen Brief direkt vom “Bauch” ausgehend in die Tastatur, ohne groß nachzudenken.
      Mein Zorn ob dieser Arroganz, dieser Verächtlichmachung, dieser nicht vorhandenen Einsicht, dieser unvorhandenen Betroffenheit ist immens groß.
      Dem Grunde nach hat sich der Schreiberling ja selbst ein Armutszeugnis ausgestellt…was aber meinen Zorn nicht mindert.

      Nürnberg, Stadt des Friedens und der Menschenrechte…………………….

      Jetzt muss ich schnellstens sanfte Musik hören, so viele Dinge haben mich in letzter Zeit emotional sehr aufgewühlt, und irgendwie ist kein Ende in Sicht.

      herzliche Grüße
      Ellen

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