Manifest gegen die Arbeit

Schwere, sehr schwere Kost.
Ich anempfehle das Lesen nur, wenn sehr viel Zeit zum Lesen und noch viel mehr Zeit zum Reflektieren „genommen“ werden kann.


Obwohl bereits 1999 erschienen, ist dieses Manifest aktueller denn je. Einige der „Visionen für eine (bessere) Zukunft“ mögen auf den ersten Blick „anarchistisch“ erscheinen. Vielen Ausführungen kann ich – mangels „Fach“wissens – nur unter dem Gesichtspunkt dessen, was ich unter „gesundem Menschenverstand“ verstehe, zustimmen. Zuzüglich gestatte ich mir eine große Portion Bauchgefühl…
Einiges liest sich wie eine Spiegelung aus der buddhistischen Ethik, die „Lösungswege“ sind teils ähnlich visionär wie die Utopie des amerikanischen Psychologieprofessors Skinner,Walden 2, die Vision einer besseren Gesellschaftsform, klick

Zu Letztgenanntem einige Zitate aus dem Manifest:

(…) Man wird den Gegnern der Arbeit vorwerfen, sie seien nichts als Phantasten. Die Geschichte habe erwiesen, daß eine Gesellschaft, die nicht auf den Prinzipien der Arbeit, des Leistungszwangs, der marktwirtschaftlichen Konkurrenz und des individuellen Eigennutzes basiere, nicht funktionieren könne. Wollt ihr, Apologeten des herrschenden Zustands, also behaupten, daß die kapitalistische Warenproduktion tatsächlich der Mehrheit der Menschen ein auch nur im entferntesten annehmbares Leben beschert hat? Nennt ihr es “funktionieren”, wenn ausgerechnet das sprunghafte Wachstum der Produktivkräfte Milliarden von Menschen aus der Menschheit stößt und sie froh sein dürfen, auf Müllhalden zu überleben? Wenn Milliarden andere das gehetzte Leben unter dem Diktat der Arbeit nur noch ertragen, indem sie sich isolieren und vereinsamen, indem sie ihren Geist genußlos betäuben und physisch wie psychisch erkranken? Wenn die Welt in eine Wüste verwandelt wird, nur um aus Geld mehr Geld zu machen? Nun gut. Das ist in der Tat die Art und Weise, wie euer grandioses System der Arbeit “funktioniert”. Solche Leistungen allerdings wollen wir nicht vollbringen!

(…) Ihr werdet einwenden, mit der Aufhebung des Privateigentums und des Zwangs zum Geldverdienen werde alle Tätigkeit aufhören und eine allgemeine Faulheit einreißen. Gebt ihr also zu, daß euer gesamtes “natürliches” System auf purem Zwang beruht?

(…) Doch keine Angst. Keinesfalls wird alle Tätigkeit aufhören, wenn die Zwänge der Arbeit verschwinden. Allerdings verändert alle Tätigkeit ihren Charakter, wenn sie nicht mehr in eine selbstzweckhafte und entsinnlichte Sphäre von abstrakten Fließzeiten gebannt wird, sondern ihrem eigenen, individuell variablen Zeitmaß folgen kann und in persönliche Lebenszusammenhänge integriert ist; wenn auch in großen Organisationsformen der Produktion die Menschen selber den Ablauf bestimmen, statt vom Diktat der betriebswirtschaftlichen Verwertung bestimmt zu werden.

(…) Wir sagen nicht, daß jede Tätigkeit dadurch zum Genuß wird. Einige mehr, andere weniger. Natürlich gibt es immer Notwendiges, das getan werden muß. Aber wen wollte das schrecken, wenn das Leben nicht davon aufgefressen wird? Und es wird immer viel mehr geben, was aus freier Entscheidung heraus getan werden kann. Denn die Tätigkeit ist ja ebenso ein Bedürfnis wie die Muße. Nicht einmal die Arbeit hat dieses Bedürfnis ganz auslöschen können, sondern es für sich instrumentalisiert und vampirisch ausgesaugt.

http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit

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3 Kommentare zu “Manifest gegen die Arbeit

  1. Anspannung Entspannung, Stress und Muße, Arbeit und Erholung gehören zu sammen wie Pott und Deckel oder Yin und Yang.

    :::::::L e s e t i p p

    Wer beruflich dauernd gute Laune zeigen soll, kann im äußersten Fall sogar seine Gesundheit schädigen. Besonders betroffen sind Berufsgruppen wie Flugbegleiter, Verkäufer und Telefonisten in Call-Centern. Folgen können Depressionen und Kreislaufprobleme sein. Doch es gibt auch Auswege. Von Tobias von Heymann

    http://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article2143651/Wenn-verordnetes-Dauerlaecheln-krank-macht.html

  2. Pingback: Manifest gegen die Arbeit | WIR Der ZeitBote Saarland

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