Tod = Tod?

 

Willst Du ein Sinnbild wissen für Leben und Tod, so nimm zum Beispiel Wasser und Eis.
Wasser erstarrt zu Eis, Eis schmelzt zu Wasser.
Was einmal starb, muß sicher wieder leben.
Und was geboren ward, das kehrt zurück zum Tod.
Wasser und Eis die tuen sich nicht weh,ins Leben wie zum Tod zu kehren ist beides gut.

HanShan, 150 Gedichte vom kalten Berg.

Die Anschaulichkeit von der Idee des permanten Übergangs der einen in die andere Existenzform und vice versa (umgekehrt) ist, wie ich finde, in diesem alten Gedicht gegeben.
Daher ist die Trauer um einen verstorbenen Menschen (nach buddhistischen Maßstäben) eher nicht sinnvoll. Unser Mitgefühl sollte vielmehr bei denen sein, die durch den Verlust eines Menschen großes Leid erfahren.

Manch Tod macht fassungslos

Ich habe heute von der Ermordung einer sehr weitläufigen Bekannten erfahren. Mord -wie überhaupt Tod durch Gewaltanwendung eines Menschen gegenüber (einem) anderen – ist so etwas ungeheuer Grausames, so „unvorstellbar“, so unendlich sinnlos. Die Sinnlosigkeit ist es, die fassungslos macht. Einen Unfall, eine tödliche Erkrankung, all das kann vielleicht noch tröstlich „abgefangen“ werden. Bei einem Gewalttod fällt aber auch mir es sehr schwer, Trost im Gedanken des Kreislaufs aus Werden und Vergehen und wieder Werden ff zu finden. Zu wenig Natürliches liegt darin………

Zorn vs. Ignoranz

Und als ob diese Nachricht nicht bereits genug sei, springt mich beim Lesen der allgemeinen Nachrichten folgender Satz an:

Kritik an Facebook-Video über Erschießung in Berlin
So etwas dürfe nicht gepostet werden. Wenn es so etwas gebe, müsse Facebook sofort reagieren, damit die Bilder aus dem Netz genommen werden. Das sagte der CDU-Medienexperte und Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer dem «Focus». Die Bilder seien menschenverachtend.

 

Man beachte, nicht das Vorgehen als solches, nein, die Bilder davon einzustellen sei menschenverachtend! Diese Aussage macht mich zornig!

Es geht um dieses Video -http://www.youtube.com/watch?v=HQoJ4qE-VPc> , welches ich jetzt nicht verlinke, um meinen Lesern die Wahl zu lassen, es sich anzutun oder eben nicht.

Bereits dieser 2012 klick videodokumentierte, tödliche Einsatz der Polizei war höchstumstritten. Und auch an die Erschießung Christy Schwundecks sei an dieser Stelle einmal mehr erinnert.
Um das, im Fall des Nackten erneut an Dilletantismus nicht zu überbietenden, Vorgehen seitens der Polizei geht es mir -auch –

Mich widern aber ebenso  solche scheinheiligen Äußerungen wie die des „Medienexperten“ Kretschmer an. Und auch die Äußerungen sehr (!) vieler Kommentatoren, die angesichts von Unprofessionalität, Dilletantismus und unverhohlener Menschenverachtung seitens der Polizei diese Vorgehensweisen noch beklatschen.

Menschenverachtend ist der Vorgang, nicht dessen Veröffentlichung und Verbreitung

So ist zumindest mein Empfinden (wenngleich ich weiß, dass sicherlich eine ganz geringe Anzahl Menschen auch ihren sehr speziellen Voyerismus mit solchen Filmen bedienen)
Der unverhältnismäßige, brutale , im Höchstmaß dilletantische Umgang vieler sog. „Bürger in Uniform“ mit Menschen (!!) muss noch viel häufiger an das Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden.
Ich breche nun wahrlich keine Lanze für die Polizei, auch wenn ich jetzt vermute, dass  das Spardiktat mitursächlich verantwortlich ist, für das, was immer häufiger in Bezug auf Polizeibrutalitität zu lesen ist.
1.Vernünftige Eignungstests, um Soziopathen und „Sadisten“ gar nicht erst auszubilden?
Vermutlich gibt es die nicht.
2.Unterstützung derer, die schwarze Schafe in den eigenen Reihen anprangern?
Wohl kaum.
3.Personelle Ausstattung, um dem Überlastungsfaktor entgegen zu treten?
Fehlanzeige.
4.Sachdienliche Ausstattung der Beamten (Statt Kevlarwesten der Schutzklasse 1 <- nur schuss-sicher, die der SK4 <- auch schneid-und stichfest)? Das Ganze in Verbindung mit Punkt 5 wäre lebensrettend (für beide Seiten), ist aber
Fehlanzeige
5.Intensive „Nahkampfausbildung“, die es einem/zwei Beamten ermöglichen, einen mit Stichwaffe ausgestatteten,potentiellen (!) Aggressor zu entwaffnen, ohne ihn zu erschießen?
Das darf getrost bezweifelt werden
Last but not least
Was, ausser einem verachtenden Menschenbild, welches erlaubt, zu töten, stünde eigentlich einer Betäubungspistole statt einer scharfen Waffe entgegen?
Analog der im (Wild)Tierschutz angewandten Hellabrunner Mischung genügte es gewiss häufig, wenn eine schnelle Narkotisierung mittels Betäubungswaffe ausgelöst werden könnte!
Auch der Einsatz von Tasern wäre eine Option. Beide (Narkoseschuss und Taser) können (!)  unter Umständen tödlich sein, ein Bauchschuss oder Brustschuss ist es (!) in den allermeisten Fällen.

Übrig bleibt das Menschenbild

Ein Menschenbild, welches wertet, welches sich erdreistet, nach „werten und unwertem“ Leben zu unterscheiden, scheint wieder auf dem Vormarsch zu sein.
Vor jeder Handlung steht der Gedanke.
Wenn bereits im Geiste unterschieden wird zwischen „Penner,Junkie,Geisteskranker“ – um welche es nicht schade sei, wenn sie getötet werden -und „unschuldigen“ Menschen, und wenn das, was aus Kommentaren quergelesen, wirklich „Volkes Stimme“ ist, dann herrscht wohl (noch immer oder wieder?) eine altbekannte Einstellung vor. Dann verwundern auch Gewalttaten gegenüber „Andersartigen“ nicht, egal, wer sie nun verübt.
Das -abseits der Taten, welche mich gestern und heute so schockierten- ist für mich kaum erträglich.
Denn es scheint, Rassismus (hier: Sozialrassismus) ist auch in Deutschland längst wieder hoffähig.
Dieser Gedanke macht mich einmal mehr sprach-und hilflos…

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2 Kommentare zu “Tod = Tod?

  1. Pingback: Tod = Tod? | WIR Der ZeitBote Saarland

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