Götz Eisenberg: Vernetzung – Gedanken über Worthygiene und mehr

Das Essay von Götz Eisenberg hat mich einmal mehr sehr nachdenklich gemacht.

Dem Grunde nach gehöre ich ja zu der „Sorte Mensch“, die die Macht, welche von Worten ausgeht, keinesfalls unterschätzt. Ich störe mich an zu vermeintlichem Bewusstsein gewordenen Phrasen, ich glaube ebenso, dass mir die Gefahr der Manipulation durch Worte durchaus bewusst ist.
Auch weiß ich um die möglichen Verletzungen, die wir unserem Gegenüber zufügen können, wenn Gedanken – ohne notwendige Achtsamkeit und ohne ein kurzes Innehalten – als schnelle Worte formuliert, „herausgerotzt“ werden.
Kurzum, ich bin ein Fan der Worthygiene 😉
Und dennoch fühle ich mich nach Lesens des Essay ertappt. Denn auch ich hatte das Wort „vernetzt“ bisher ausschließlich positiv besetzt und habe mich wohl auch sonst manch fragwürdiger Phrase bedient…

Zitat (…) Es geht um die Etablierung neuer und universaler Überwachungssysteme. Vernetzung ist der Zentralbegriff einer geschmeidigen Herrschaft, die sich als Technik und Sachzwang tarnt. Vernetzung ist für die meisten Leute ein positiver Topos, während der „böse Blick“ des Kritikers in ihr ein neues „Dispositiv der Macht“ im Sinne Foucaults erblickt. Die Macht, die ehedem darauf fußte, dass sie zerteilte, zerlegte, segregierte, stellt nun auf einer höheren Ebene zwischen den Segregierten und Atomisierten auch wieder Verbindungen her, telekommunikative Vernetzungen, die zugleich der Kontrolle von Herrschaft unterliegen und ihrer Aufrechterhaltung und Verfeinerung dienen.
Geschickter und perfider geht’s kaum.

Subjekt oder Objekt?

Gestern hatte ich nach dem Treffen unseres Arbeitskreises noch ein hochinteressantes Gespräch. Zwar ging es dabei um die immer mehr um sich greifende Haltung von Erwerbslosen und Prekären, sich selbst als Subjekt nicht mehr wahrnehmen zu können und  dementsprechend sich mit der Rolle des „Objekts“ zunächst zu befrieden, diese Rolle später dann so zu verinnerlichen, dass Taubheit gegenüber jedem Einwand eintritt. Schlimmer noch bei manch Niedriglöhner, welche eine Art pervertierten Positivismus an den Tag legen und sich häufig mit ihrem Ausbeuter identifizieren.
Lese ich ich jetzt das Essay, stelle ich fest, dass sich diese Haltung offenbar in allen Lebensbereichen breit macht. Wohlbemerkt, natürlich nicht bei Jedem.
Irgendwie erschreckend…

Zitat (…) Die Menschen haben das Bewusstsein ihrer Entfremdung eingebüßt und fühlen sich in ihr heimisch. Damit ist Entfremdung auf eine zynisch-perverse Art und Weise aufgehoben. Statt dass die Subjekte sich die entfremdeten Gestalten ihrer gesellschaftlichen Praxis wieder aneignen, gehen sie selbst in den Formen der Entfremdung auf und erleben die Funktionsimperative des Systems als ihre ureigensten Impulse und intimsten Leidenschaften. Die Subjekte sind, heißt es bei Adorno, „bis in ihre innersten Verhaltensweisen hinein mit dem identifiziert, was mit ihnen geschieht. Subjekt und Objekt sind, in höhnischem Widerspiel zur Hoffnung der Philosophie, versöhnt. Der Prozess zehrt davon, dass die Menschen dem, was ihnen angetan wird, auch ihr Leben verdanken. Die affektive Besetzung der Technik, der Massenappell des Sports, die Fetischisierung der Konsumgüter sind Symptome dieser Tendenz. Der Kitt, als der einmal die Ideologien wirkten, ist von diesen einerseits in die übermächtig daseienden Verhältnisse als solche, andererseits in die psychologische Verfassung der Menschen eingesickert.“

Quelle und vollständiges Essay

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