MainArbeit Offenbach – Ein Déja Vu der obdachlosen Art

Irgendwie ist es fast „unfassbar“.
Vor fast genau einem Jahr hatte ich die bislang härteste, „erfolgreiche“ Auseinandersetzung mit der MainArbeit.Es ging um ein obdachloses Pärchen U25, welches ich schlußendlich vorübergehend bei mir aufnahm, da sich die MainArbeit mit Zähnen und Klauen gegen eine rechtskonforme, schnelle Hilfe für die beiden wehrte.
Etwas abgemildert (die Schikanen waren wirklich unsäglich) hier nachzulesen Zermürbende Odyssee, FR vom 22.05.2012

Heute erreichte mich eine NotMail. Wieder ist es ein sehr junges Pärchen, welches auf der Straße steht. Wenngleich bei dem jungen Mann die Voraussetzungen hier etwas anders sind als bei dem Betroffenen letztes Jahr (vermutlich schwieriger 😦 ), so ist doch das grobe Geschehen identisch.
Wieder bejaht das Jugendamt die häuslichen Probleme bei der weiblichen Betroffenen und damit eine eigene Wohnung, wieder ist die junge Frau eine Schwangere, wieder haben zwei Mitmenschen kein Dach über dem Kopf, wieder stecken zwei junge Leute knietief in der *****, wieder werden die letzten Groschen in ein Billighotel investiert und

Wieder hat die MainArbeit nichts Besseres im Sinn, als abzuwimmeln!

Bei der Vorsprache in der Zentralen Anlaufstelle heute, so die Schilderung, wurde sie vertröstet auf Montag. Sooooo schnell könne man keine Unterkunft bereitstellen, sie solle doch bei Freunden versuchen, unterzukommen. Das Mädel hat aber nur eine Freundin, und die kann ihr aus häuslichen Gründen keinen Unterschlupf gewähren.
Ich frage: Was soll das? Die „Behörde“ ist in der Pflicht, bei Obdachlosigkeit sofort (!) nach einer Unterkunft zu suchen!
Und überhaupt, da sie ja „unerlaubt“ ausgezogen sei, müsse man zunächst den Anspruch dahingehend prüfen, ob ihr überhaupt irgendwelche Leistungen zustünden. Und ’ne Wohnung könne sie gleich ganz vergessen. Der Hinweis auf die Schwangerschaft wurde mit einem Achselzucken quittiert und dass nur noch Geld für zwei Hotelübernachtungen da ist, interessiert hier auch niemanden, insbesondere die Mitarbeiterin nicht, welche sich in der ZAS schon immer durch ihre besonders „liebliche“ 😦 Art hervorgetan hat.
Einen „Beistand“ hatte die junge Frau zwar mit (Zeugenfunktion gewährleistet) aber ausrichten konnte diese ebenso junge Begleitung auch nichts, wie auch…

Ob die MainArbeit aus der Vergangenheit gelernt hat?

Der hier zuständige Herr E. war auch der TL im Falle des Pärchens aus 2012. Wirklich einzuschätzen weiß ich ihn nicht, lediglich seine kühle Sachlichkeit (Sachlichkeit ist ja immerhin schon besser als das, was ich dort schon häufig erleben musste, they often take it personally) ist mir in Erinnerung.
Ich hoffe inständig, dass sich hier nicht wieder eine Art „Kräftemessen“ entspinnt, denn letztes Jahr ging es zum Schluß nur noch mit Hilfe eines klugen Richters des SG Darmstadt, der sich nicht zu schade war, den „Fall“ am Telefon zu besprechen und so auch intensiv auf die zuständigen Mitarbeiter der MainArbeit einwirkte. Bis dahin hatten alle Beteiligten ( bis hin zum Geschäftsführer) der MainArbeit gemauert, ich hatte das untrügliche Gefühl, man wolle an den beiden jungen Leuten ein Exempel statuieren gemäß des Mottos:
Wir sitzen am längeren Hebel und pfeifen sowohl auf Rechtskonformität als auch auf Menschlichkeit. Das gefällt Dir nicht? Dann klag doch…
Nebenbei ging mir persönlich das Ganze enorm an die Substanz, auch körperlich, denn fast drei Monate mein Bett abzutreten und selbst auf einer 2er Couch zu schlafen war nicht eben „leidensgerecht“ für eine SchmerzChronikerin. Ein zweites Mal pack‘ ich das nicht…

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Ich weiß ja, dass mittlerweile viele Mitarbeiter der MainArbeit in diesem Blog lesen und auch der „Flurfunk“ im Anschluss gut funktioniert 😉
Meine Vorgehensweise in Bezug auf Hilfe für Betroffene ist ebenfalls nicht ganz unbekannt. Wenn es um Unrecht geht, werde ich zeitnah ungemütlich, d.h., der Sozialausschuß aller Fraktionen, der Sozialdezernent und auch die Presse/ Internetmedien werden informiert. Eine Eilklage ist ebenso selbstverständlich.
Das Alles muss aber nicht sein, wenn die Entscheidungen gesetzeskonform erfolgen!
Ich hoffe daher, dass es bei einem Déja Vu der Fallähnlichkeit bleibt und sich das sinnlose Mauern nicht auch wiederholt.
Dies wäre für alle Beteiligten kräftezehrend und völlig unnötig.
Daher hier mein erster Appell an die Involvierten: Herr S-I (pAP), Frau S (SB) und Herr E (TL)

Lassen Sie uns bitte gemeinsam diesen unwürdigen Zustand des Pärchens beenden, schnellstmöglich! Es geht um zwei junge Menschen und um ein ungeborenes Leben!

In diesem Sinne, bis Montag in der MainArbeit…

 

 

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3 Kommentare zu “MainArbeit Offenbach – Ein Déja Vu der obdachlosen Art

  1. Pingback: MainArbeit Offenbach – Ein Déja Vu der obdachlosen Art | WIR Der ZeitBote Saarland

  2. Was will man da sagen/schreiben … man ist zunächst sprachlos.

    Meine eigenen Erfahrungen mit argen Behörden reichen zwar nicht so lange zurück, aber soweit ich vom Hörensagen weiß, wäre so ein beabsichtigtes „Behördenversagen“ vor 10, 15 Jahren nicht vorstellbar gewesen. Das neoliberale Rattenpack hat seitdem wirklich ganze Arbeit geleistet.

    Bevor man einem jungen Menschen in Not hilft – schwanger oder nicht – muss man also erstmal prüfen, ob sich dieser junge Mensch nun „erlaubt“ von einer für´s Amt kostenfreien, in eine ggf. leistungsauslösende Not begeben hat. Sauber!

    Btw.:

    Zitat: „Nebenbei ging mir persönlich das Ganze enorm an die Substanz, auch körperlich, denn fast drei Monate mein Bett abzutreten und selbst auf einer 2er Couch zu schlafen war nicht eben “leidensgerecht” für eine SchmerzChronikerin. Ein zweites Mal pack’ ich das nicht…“

    Nicht falsch verstehen: Ok, ich kenne Deine Wohnsituation nicht – aber da Dir solche Härtefälle förmlich nachzueilen scheinen – es gibt doch solche zusammenklappbaren Gästenbetten, die im nicht benutzen Zustand nicht so sehr viel Platz wegnehmen. Wäre das nichts für Dich? Liegt´s am Geld?

    • Wir sind da ganz „beieinander“, Frank.
      Zwar war im alten BSHG auch nicht alles unproblematisch, derartige Menschenverachtung und Gleichgültigkeit bzw. wissentliche Inkaufnahme von Hunger/Obdachlosigkeit bis hin zum Tod sind mir nicht erinnerlich.
      Ich selbst hatte kaum Berührung mit der damaligen Sozialhilfe, kenne aber einige Menschen (beide Schreibtischseiten), die mir unabhängig voneinander dies als das bei weitem menschlichere „System“ bezeichnet haben.Diverse Studien haben ja dazu noch aufgezeigt, dass es rein finanziell ebenfalls um Längen gerechter war (Sonderbedarfe, 2x jährlich „Kleidergeld“ ect.pp.)

      Ich treffe mich morgen Mittag mit den beiden jungen Menschen, dann weiß ich mehr. Info’s werde ich früher oder später wohl veröffentlichen, denn ich habe die Befürchtung, dass es auch diesmal ein zähes Ringen wird. Und Unsäglichkeiten müssen öffentlich gemacht werden. Wenngleich ich auf schnelles Einsehen hoffe, sehe ich das Problem im zarten Alter der jungen Frau und im extrem rigiden Vorgehen der MainArbeit, was bestimmte Landsleute betrifft. Hier gibt es eine „Sonderbehandlung“ für Osteuropäer. Der junge Mann hat zwar eine Arbeitserlaubnis und ist ganz frisch erwerbslos, aber er ist nun mal osteuropäischer Staatsbürger…diesbzgl. läuft hier die Methode „Alle über einen Kamm“

      Die Idee mit dem Klappbett ist gut (könnte mir in den Hintern beißen, dass ich mein früheres verschenkt habe). Aber auch jenseits des Bettes ist meine Wohnsituation überhaupt nicht WG-geeignet, schon gar nicht mit ganz fremden Menschen.1-2 Notnächte, ja. Aber länger…nein, ich habe aus letztem Jahr gelernt. Keinerlei Privat/Intimssphäre ist sehr belastend, für alle Beteiligten.
      Am Geld für ein Notbett würde es nicht scheitern, bei ebay gibt es die Teile schon für wenige Teuros 😉
      Wenn alle,alle Stricke reißen nehme ich die Beiden auf, aber max. 1-2 Tage (dann leih‘ ich mir so ein Pustebett) Ich kann und will als private Person jedoch nicht dazu beitragen, dass der Rabenvater Staat sich mehr und mehr aus seiner Pflicht verabschiedet. Bei aller Hilfestellung, Solidarität und Mitmenschlichkeit darf ich diesen Aspekt nicht aus dem Auge verlieren. Wäre irgendwie kontraproduktiv. Die MainArbeit MUSS ganz zügig in die Puschen kommen, das zu erreichen,verstehe ich als meinen „Auftrag“ und Auftrag einer (A)Sozialbehörde ist es nun mal, Bedürftigen gesetzeskonform Hilfe zu gewähren.

      Wir sind vor Ort jetzt dabei, die Kommunalpolitiker „wachzurütteln“. Bislang verließen die sich (3 weise Affen-Prinzip) auf die Beschönigungen des GF. Mal sehen, wie es sich nach der Sommerpause so entwickelt, der Anfang ist gemacht.
      Es gibt viel zu tun…

      lG
      Ellen

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