MainArbeit vs. Obdachlose – Hamsterrad, kaum Erfolg und eine kleine Korrektur

Dies ist Teil 2 der Geschichte um die jungen, wohnsitzlosen Menschen. Teil 1 zum Nachlesen nochmals hier,klick

Vorab aber eine Berichtigung, denn wenn ich (!) eine Fehleinschätzung/Unterstellung vornehme, welche sich als unrichtig erweist, dann korrigiere ich (!) mich selbstverständlich umgehend. Dieses Vorgehen halte ich für normalen „Anstand“, egal, wer mein Gegenüber ist. Egal ist ebenso, ob mein Gegenüber diesen „Anstand“ gleichfalls praktiziert …oder eben nicht…
Unberührt davon bleiben aber meine übrigen Feststellungen bzgl. des geschilderten Vor-und Umgehens

Meine Vermutung, dass es eine willkürlich getroffene Entscheidung seitens der SB war, die junge Frau nicht in dem Einzelzimmer des Hotels, welches zuvor privat bezahlt wurde, zu belassen, war eine Fehleinschätzung.
Korrekt ist, dass für dieses Hotel das der MainArbeit zur Verfügung gestellte Kontingent ausgeschöpft es. Es gibt einen, von dem Inhaber angeordneten, Belegungsstop. Die übrigen Zimmer sind privaten Anmietern vorbehalten.
Der Versuch, eine „Erweiterung“ zu erwirken (also zu erreichen, dass der Besitzer ein weiteres Zimmer der MainArbeit zur Verfügung stellt, scheiterte daran, dass er zur Zeit in den USA urlaubt.
Seine Vertretung ist nicht berechtigt, eine Ausweitung vorzunehmen.

Es gibt in ganz Offenbach kein Einzelzimmer in einer Notunterkunft

Mir qualmen die Füße, denn die ich war den ganzen Tag unterwegs, um irgendetwas zu organisieren. Die „Treberhilfe“ der Diakonie sucht selbst für einen ähnlich gelagerten „Fall“, das Jugendamt (ASD) sieht keinerlei Möglichkeit, Mutter-Kind-Heim kommt wg. des frühen Schwangerschaftsstadiums nicht in Frage, Frauenhaus ist belegt.
Die Idee meiner Freundin Carola, eine Einweisung in die Klinik vornehmen zu lassen (Kommentar aus Teil 1), scheiterte an auch nur irgendeiner Diagnose, welche dies im Ansatz berechtigt.
Zum soz.med. Dienst – Gesundheitsamt – komme ich später.

Kurzfristig privat untergekommen…

…nein, nicht bei mir, aber beide haben die nächsten Tage ein Dach über dem Kopf. Der junge Mann wird sich in Kürze wieder als Schausteller-Sklave verdingen (müssen), als rumänischer Bürger genießt er volle Freizügigkeit leider erst ab 2014. Es bleibt also nur erneute Saisonarbeit, dotiert mit etwa 2,20 € die Stunde…
Und die Suche für das Mädel nach -dringend- einem Einzelzimmer/Notunterkunft geht weiter, die Suche nach einer Wohnung läuft paralell dazu.

Noch eine Anmerkung zum ärztlichen Dienst bzw. „Gesundheitsamt“

Trotz Gynäkologen-Attest, dass eine Unterbringung in einem Mehrbettzimmer mit unbekannten Personen wegen Infektionsgefahr NICHT angezeigt ist, ersuchte die ansonsten sehr bemühte und unverändert freundliche Bereichsleitung telefonisch um die „Einschätzung“ seitens der Ärztin des Gesundheitsamtes.
Diese (mir aus früheren Begegnungen in unangenehmer Erinnerung gebliebene) Frau Dr. konstatierte, dass eine solche Unterbringung auch im frühen Stadium der Schwangerschaft völlig unproblematisch sei…
Hierzu verkneife ich mir jedweden Kommentar…

Lebensmittelgutscheine statt Bargeld, die schriftliche Begründung

Wer mag, kann sich die 2 Seiten selbst durchlesen, scans hängen anonymisiert an. Doch auch zwei voll beschriebene  Seiten machen die Begründung nicht richtiger.
Stichpunktartig hier die „Rechtsauffassung“ des TL, in Klammern meine Einschätzung:

…“in Partnerschaft leben“ (ei, wo denn? BSG  zu Tatbestandsmerkmale Einstandsgemeinschaft)
…“Verweis  auf beantragte, noch nicht bewilligte vorrangige Leistungen“ (Zuflußprinzip und aktuelle Mittellosigkeit)
…“unzureichend nachgewiesener Hilfebedarf“ (Obdach-und Mittellosigkeit reichen nicht aus?)
…“akuter Bedarf durch LM-Gutscheine vollumfänglich gedeckt“ (kein Kommentar wg. Gefahr von akutem 😉 Zynismus)

Su.JC  

Scan0036

Widerspruch geht natürlich raus, Antrag auf eA auch.

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5 Kommentare zu “MainArbeit vs. Obdachlose – Hamsterrad, kaum Erfolg und eine kleine Korrektur

  1. Pingback: Offenbach – Obdachlos, schwanger, Unterbringung – mein offener Brief an den Magistrat | WIR Der ZeitBote Saarland

  2. Knallhart Strafanzeige stellen gegen beteiligten Personen. die Behörde hat die absolute Pflicht für Abhilfe einer Obdachlosigkeit. Und sei es durch Anmietung von Hotelzimmern. Es wird mehr als ein Hotel geben in der Gegend.

    • Liebe Petra,
      das Problem wird sein, dass man ihr ja ein Mehrbettzimmer bewilligt hat. Durch das Frühstadium der Schwangerschaft bedingt hat die Gynäkologin dringend davon abgeraten (Attest) wg. der Infektionsgefahr.
      Die „interviewte“ Ärztin des Gesundheitsamtes hingegen hat der MainArbeit gegenüber geäußert, dass es aus ärztlicher Sicht zumutbar sei.
      Würde ich für das Mädel diesen äußerst harten Schritt gehen wollen, käme es gewiss sofort zum Gutachterzoff, denn „ein Dach überm Kopf“ wurde ja angeboten…
      Strafanzeige muss daher entfallen, keine ausreichende Grundlage.
      Und ja, es gibt 6 offizielle Notunterkünfte und diverse Kontingent-Hotels in Offenbach.
      Alles (teils über)belegt.
      Dass dies nicht zuletzt auf die bis vor Kurzem rechtswidrige Praxis bzgl. Mietobergrenzen zurückzuführen ist, dürfte jedem denkenden Menschen klar sein.

      Selbst-und hausgemachte Probleme nennt man so etwas!

      Aber macht ja nichts, die Stadt kann es sich ja offenbar noch immer leisten, parasitäre Vermieter privater „Notunterkünfte“ zu subventionieren (zwischen 600 und 900 Euro pro Bett/Monat), Hauptsache, Mietangebote konnten bis zum April rechtswidrig abgelehnt werden.
      Nach wie vor werden horrende Summen in – insbesondere – private Notunterküfte investiert.
      Was spielt es da für eine Rolle, dass Offenbach unter dem Rettungsschirm ist? Pleite,sozusagen!

      Auch aktuell (neue und realistische MOG) wird Bewohnern von Notunterkünften die Zustimmung zur Anmietung versagt, wie ich gestern in der Wohnsitzlosenhilfe erfuhr.
      Beispiel: 3.-€ (!!!) über der MOG! Über diese Frau darf ich derzeit nicht nachdenken, denn da hängt ein ganzer Rattenschwanz dran, u.A. Inobhutnahme von Kindern. Aber auch ich kann mich weder klonen, noch zerreißen…

      frustrierte, dennoch liebe Grüße
      Ellen

  3. Eines steht fest: Du hast (durch frühere Aktionen?) beim argen Volk Deiner Heimat bleibenden Eindruck hinterlassen. Schriftlichen Antrag gestellt, bereits am Folgetag geht ein schriftlicher Bescheid zu. Das dürfte, wenn man den Inhalt des Bescheides aussen vor lässt, absoluter Rekord sein. Habe sowas weder jemals erlebt, noch von ähnlichem gehört. Offensichtlich ist man sehr bemüht, die Eiseskälte des argen Handelns mit Paragraphen abzusichern.

    Natürlich ist die Argumentation nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch rechtlich.

    Wenn man eine (als zulässig reklamierte) Ermessensentscheidung in einer bestimmten Weise trifft, bedeutet das immer, dass man sehr wohl auch eine andere/menschlichere Entscheidung hätte treffen können, die von gesetzlichen Grundlagen gedeckt gewesen wäre. Soviel zum moralischen Aspekt.

    Rechtlich fragwürdig ist imho die Auslegung des § 42 SGB I. Wie frei ist man in der Auslegung von „dem Grunde nach“? Sozialgesetze sollen Menschen für die Wechselfälle des Lebens absichern. Insbesondere das SGB II/SGB XII soll das Existenzminimum sicherstellen. Bei einer Absicherung des absoluten Existenzminimums muss aber die Zugangsschwelle so niedrig sein, dass eben nicht mit der Bewilligung gewartet werden kann, bis alle Details zum Leistungsanspruch erschöpfend geklärt sind. Warum sonst sollte es „vorläufige Bescheide“ geben? „Dem Grunde nach“ besteht also eine Leistungspflicht schon bei plausibler Darlegung einer Notlage, was hier eindeutig (Obdachlosigkeit!) gegeben ist.

    Genausowenig (bzw. erst recht nicht) überzeugt die Phrase, der „Bedarf“, dessen Vorhandensein man ja noch gar nicht abschließend für existent befunden hat, sei durch Bereitstellung einer Unterkunft und Ausgabe von Lebensmittelgutscheinen gedeckt. Wäre der Bedarf von Bedürftigen tatsächlich durch Bereitstellung einer Unterkunft und Ausgabe von Lebensmittelgutscheinen zu decken, würde das SGB II genrell keine Geldleistungen vorsehen.

    • Hallo Frank,
      „bleibender Eindruck“ ist gut 😉
      Kann durchaus sein, sagen wir mal so, ich bin gewiss keine Unbekannte. Über das Warum läßt sich trefflich spekulieren…ich schiebe es mal auf meine markante Stimme, deren Wiedererkennungswert mir durch – mir selbst völlig unbekannte, mich mit Namen ansprechende – Mitarbeiter bestätigt wurde 😉

      Moral, Mitgefühl und MainArbeit, da prallen (überwiegend) Welten aufeinander, zumindest in der „Aussenwirkung“.
      Es gibt durchaus Mitarbeiter, welche mir gegenüber direkt oder durch „verräterische Mimik und Körpersprache“ signalisieren, dass ihnen nicht wohl ist, wenn sie entscheiden, wie sie entscheiden müssen.
      Zum Müssen: Der Fisch stinkt IMMER vom Kopf her…
      Es gibt auch solche, die sich zugunsten der betroffenen Bürger ziemlich weit aus dem Fenster lehnen.Leider gibt es aber keine Offenbacher Fabienne resp. Hannemann.
      Ich erwarte das auch nicht, das wäre vermessen. Aber die Hoffnung gebe ich dazu auch hier nicht auf, denn einige MA sind durchaus mitfühlend und wirk(t)en teils sogar beschämt oder sind ehrlich empört, wenn sie von „krassen“ Vorgehensweisen Kenntniss haben. Es gibt sogar welche, welche das System als Ganzes durchblicken und zum Kotzen finden,und das ihnen mögliche tun, Auswüchse zu verhindern.
      Was aber, wenn im Falle offenen Widerstandes die andere Schreibtischseite droht? Was, wenn man bereits 50 Lenze zählt und Kinder zu versorgen hat? Was, wenn man selbst alleinerziehende Mutter ist?
      Wie geschrieben, ich erwarte keinen beruflichen „Suizid“ bei einem Mitarbeiter.
      Was ich aber erwarte ist:

      Korrektes Benehmen, Professionalität („Widerstandshandlungen“ nicht persönlich nehmen) ausreichend Kenntnisse, um sachlich richtige Entscheidungen zu treffen, den Ermessensspiel zugunsten (!!) der Bürger einzusetzen un lbnl

      Ich erwarte, dass das Selbst-Denken vorherrscht und nicht blind(stellend) jeder (Sparwut)Blödsinn via Dienstanweisung stupide abgenickt wird!

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