Foodwatch – An den Lebensmittelskandalen ist nur der Verbraucher schuld…

…so zumindest die Erklärung von Frau Aigner und co.

Mail von Thilo Bode/Foodwatch:
Hallo und guten Tag, haben auch Sie ein schlechtes Gewissen?

Unsere Verbraucherministerin Ilse Aigner und ihre Verbündeten der
Lebensmittelindustrie haben eine Standarderklärung für Lebensmittelskandale, die
mich regelmäßig auf die Palme bringt: Schuld am Pferdefleisch in der
Rindfleisch-Lasagne, an falsch deklarierten Bio-Eiern und an Dioxin Futtermitteln
seien letztlich die Verbraucher. Die bräuchten sich schließlich nicht zu wundern,
wenn sie immer nur billig wollen.

—————————————————————————————————————————————

Eine Anmerkung von mir dazwischen:
Bei aller berechtigten und richtigen Kritik darf nicht unerwähnt bleiben, dass es für weite Teile der Bevölkerung schlicht unmöglich ist, sich vollwertig und gesund zu ernähren. Dies nicht nur mangels Kochkenntnissen (nicht jeder hat gelernt, sich jenseits von Fertigprodukten zu ernähren), vielmehr, weil das Geld für täglich frisches Obst/Gemüse einfach nicht ausreicht.
Nicht nur die Verbraucherschelte und der schmeichelnde Umgang mit der Lebensmittel-Lobby ist anzuprangern!
Verantwortlich sind auch die, dies es durch Befürwortung von Lohnsenkung/Stagnation und der  – Agenda 2010 – zu verantworten haben, dass viele Menschen zu Billig-Futter greifen müssen.
Nicht zu vergessen:
Einem Jugendlichen beispielsweise stehen derzeit 3,41€ pro Tag für Essen und Trinken zu, wenn die Eltern(teile) im Leistungsbezug stehen.
Danach bitte einfach mal rechnen:
Zitat (…) Insgesamt stiegen die Lebensmittelpreise um durchschnittlich 5,4 Prozent an binnen eines Jahres, und überholten damit sogar die Preissteigerungen im Bereich Energie, die im Juni 2013 bei 3,0 Prozent im Durchschnitt lagen. Erhöht haben sich die Preise bei den Speisefetten und Speiseölen um 13,0 Prozent, wobei Butter an der Teuerung den meisten Anteil hatte mit gleich 27,1 Prozent. Gestiegen sind auch die Preise für Gemüse um 10,4 Prozent, woran die Kartoffeln mit gleich 35,2 Prozent ihren Hauptanteil daran trugen. Beim Obst stiegen die Preise um 9,2 Prozent, mit 21,1 Prozent stiegen hierbei die Preise für Äpfel am meisten. Und auch für Molkereiprodukte und Eier gingen die Preise mit 5,3 Prozent nach oben, beim Fleisch und Fleischwaren stiegen die Preise binnen eines Jahres um 5,0 Prozent an. Beim Brot und bei Getreideerzeugnissen gab es einen Anstieg von 2,2 Prozent.
Quelle und Volltext

—————————————————————————————————————————————-

Nein, nicht die Billigmentalität der Verbraucher ist das Problem, sondern es ist
diese billige Ausrede der Politiker und Hersteller. Mit einem einzigen Zweck:
abzulenken von notwendigen politischen Maßnahmen! Verstehen Sie mich bitte nicht
falsch, natürlich haben wir Verbraucher Verantwortung. Aber bitte dann, wenn wir
diese auch wahrnehmen können. Ich muss wissen, was ich wirklich kaufe! Und ich
muss mich drauf verlassen können, dass Hersteller und Händler mich nicht
ungestraft täuschen können. Das ist aber beileibe nicht der Fall!

BEISPIELE GEFÄLLIG?

BEISPIEL EINS: PFERDEFLEISCH IN DER RINDFLEISCH-LASAGNE! Beim letzten großen
Lebensmittelskandal fand sich Pferdefleisch in Lasagne, Tortellini, Cannelloni
und Ravioli. Und wer wurde zur Verantwortung gezogen? Etwa die großen
Handelsketten, die uns diese Produkte unter ihrem eigenen Namen verkauften? Nein,
weit gefehlt. Angeblich ist der eigentlich Schuldige der Verbraucher. Denn wer
Lasagne für 1,80 Euro kauft, muss nach dieser Logik damit rechnen, dass nicht
drin ist, was drauf steht.

ABER WUSSTEN SIE, DASS DIE HANDELSKETTEN SELBST BEI EIGENMARKEN NICHT GEZWUNGEN
SIND, DEN INHALT ZU ÜBERPRÜFEN, UND DESHALB WEGEN PFERDEFLEISCH IN DER
RINDFLEISCH-LASAGNE AUCH NICHT BESTRAFT WERDEN KÖNNEN?

BEISPIEL ZWEI: ZUCKERBOMBEN STATT GESUNDER LEBENSMITTEL! Sogar in der Schule
heizen die Lebensmittelkonzerne den Konsum von Süßigkeiten und Softdrinks an, mit
Unterrichtsmaterialien, gesponserten Schwimmabzeichen und Abenteuer-Camps.
Verantwortlich für Übergewicht und Fettleibigkeit? Natürlich die Eltern!! Weil
sie angeblich nicht in der Lage sind, der aufdringlichen Allgegenwart dieser
Werbung selbst in Schulen genügend erzieherisches Geschick entgegen zu setzen!

ABER WUSSTEN SIE, DASS SPONSORING DER LEBENSMITTELKONZERNE IN SCHULEN NICHT
VERBOTEN IST UND DASS ES FÜR KINDERTAGESSTÄTTEN ÜBERHAUPT KEINE GESETZLICHEN
VORSCHRIFTEN GIBT, UM SICH GEGEN DIE ÜBERGRIFFIGKEIT DER LEBENSMITTELKONZERNE ZU
WEHREN?

BEISPIEL DREI: WIR VERBRAUCHER, DIE LEBENSMITTELVERSCHWENDER! Ein harter Vorwurf:
Weil wir zu viele Lebensmittel wegschmeißen, schaden wir der Umwelt und trügen
auch noch zum Welthunger bei. Das ergibt eine „Studie“ von Ilse Aigner. Demnach
sind nämlich die Privathaushalte mit stattlichen 61 Prozent die
Haupt-Lebensmittelverschwender. Die Großverbraucher und die Industrie schlagen
mit jeweils nur 17 Prozent zu Buche, der Handel soll mit gerademal fünf Prozent
an der Verschwendung beteiligt sein.

ABER WUSSTEN SIE, DASS FRAU AIGNER IN DIE LEBENSMITTELABFÄLLE AUCH UNVERMEIDBARE
RESTE WIE BANANEN- ODER EIERSCHALEN, KÄSERINDEN, TEE-ABFÄLLE UND KAFFEESATZ
HINEINGERECHNET – UND DEN ANTEIL DER PRIVATEN HAUSHALTE DAMIT KÜNSTLICH
AUFGEBLÄHT HAT?

Bei der Ermittlung der Müllmengen von Industrie, Großverbraucher (Gastronomie,
Hotels, Kantinen) und Einzelhandel war unsere Ministerin jedoch weniger gründlich.
Mangels eigenen Datenmaterials legte sie bei Letzteren eine Hochrechnung auf Basis
der Daten des EHI-Retail-Instituts zugrunde, das unter anderem von REWE, Edeka,
Tengelmann, Metro – also vom Lebensmittelhandel selbst (!) – getragen wird!

DIE STRATEGIE VON ILSE AIGNER IST SO BEQUEM WIE ZYNISCH. DENN DAMIT MUSS DIE
POLITIK SICH NICHT MIT DER LEBENSMITTELINDUSTRIE UND DEM HANDEL ANLEGEN.

Wenn der Einzelne Verantwortung übernehmen kann, muss er es auch tun. Aber uns zu
Sündenböcken dafür zu machen, dass die Politik vor den Lebensmittelkonzernen in
die Knie geht, das werden wir nicht akzeptieren. Deshalb ist der Druck auf
Politik und Lebensmittelkonzerne so wichtig! Deshalb, liebe
foodwatch-Interessenten, habe ich foodwatch gegründet. Helfen Sie uns und werden
Sie Förderin/Förderer  von foodwatch:

http://mailings.foodwatch.de/c/11571061/914636b658911

Advertisements

Teile uns deine Gedanken mit:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s