Das grüne Workfare-Konzept – aus dem Wahlprogramm der Partei „Die Grünen“

Für Selbstdenker 😉

Gut, es ist kaum davon auszugehen, dass die Grünen nach dem 22ten September das Berliner Brotkörbchen wirklich erreichen.
Dennoch sei an dieser Stelle auf eine Diskrepanz im grünen Wahlprogramm hingewiesen. Da wird auf Seite 90 noch vollmundig auf einen geforderten, gesetzlichen Mindestlohn i.H.v. mindestens 8,50 € hingewiesen, Zitat

Darum streiten wir für einen flächendeckenden gesetzlichen
Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro
Dies bedeutet bei durchschnittlich 160 Arbeitsstunden im Monat einen Bruttolohn von
1360.-€, je nach Steuerklasse also etwa 1000.-€ netto, ca. 6,25€ netto die Stunde
Stichwort Klasse:
Nach dem grünen Wahlprogramm wird die arbeitende Bevölkerung dann in zwei Klassen
eingeteilt. Denn für zuvor Langzeiterwerbslose gilt dieser Mindestlohn nicht.
Zitat von Seite 96:
Zu viele Menschen sind trotz guter Konjunktur dauerhaft ohne Chance auf dem
Arbeitsmarkt. Deshalb wollen wir mit einem verlässlichen sozialen Arbeitsmarkt Teilhabe schaffen und Arbeit statt
Arbeitslosigkeit finanzieren.

Dafür sollen die passiven in aktive Leistungen umgewandelt werden. Aus dem Arbeitslosengeld II und den Kosten der Unterkunft wird so ein Arbeitsentgelt für ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Arbeitsplätze im sozialen Arbeitsmarkt können von allen Arbeitgebern angeboten werden.

Damit verabschieden wir uns von den Kriterien der „Zusätzlichkeit“,des „öffentlichen Interesses“ und der „Wettbewerbsneutralität“. An deren Stelle tritt der lokale Konsens. Mit unserem sozialen Arbeitsmarkt machen wir Langzeitarbeitslosen ein neues, zuverlässiges und freiwilliges Angebot mit Perspektive. Es ist die Chance für diejenigen, die von der Merkel-Koalition über Jahre im Stich gelassen wurden.

http://www.gruene.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Gruenes-Bundestagswahlprogramm-2013.pdf

Das bedeutet im Klartext Workfare = Arbeiten für die „Stütze“

Geht man von durchschnittlich 400.-€ KdU aus plus dem derzeitigen Regelsatz von 382.-€, teilt man diese Summe dann durch die Stundenanzahl von 160 kommt man auf einen Nettostundenlohn von 4,88 €. Da dann der (a)soziale Arbeitsmarkt von allen Arbeitgebern genutzt werden könnte, wäre wohl Champagnerstimmung für die Arbeitgeber angesagt. Was die „Freiwilligkeit“ betrifft, gestatte ich mir ein müdes Lächeln…

Ungenügender „Mindest“lohn für die einen, Brosamen für die Anderen.

Alle Tiere sind gleich.Aber manche sind gleicher als die Anderen.
George Orwell – Farm der Tiere

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6 Kommentare zu “Das grüne Workfare-Konzept – aus dem Wahlprogramm der Partei „Die Grünen“

  1. ein kleiner Nachtrag zum Workfare Programm der Grünen:
    Ich will mal den von mir hochgeschätzten Stephan Gärtner zitieren:
    „Nichts haßt der deutsche Bürger so sehr wie das Proletarische, gegen das er sich zeit seiner Geschichte mit der Obrigkeit verbündet hat, und nichts verschafft seinem in Generationen verkorksten Sozialcharakter soviel Befriedigung wie die Verachtung für die kleinen und kleinsten Leute, neuerdings verstärkt durch die Angst, in nächster Zukunft einer von ihnen zu sein. (Daß „Prolet“ im Deutschen ein Schimpfwort geworden ist, ist durchaus kein Zufall.)“

    Deswegen wähle ich auch die Linkspartei!

    • (…) Deswegen wähle ich auch die Linkspartei!

      (Nicht nur)in Ermangelung irgendwelcher Alternativen – ich auch –
      Und was den „verkorksten Charakter“ angeht…ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass, wenn dieses System sich endgültig selbst den Hahn abgedreht hat, ein neues Bewusstsein einkehren wird. Allerdings bezweifle ich, dass ich das noch erleben werde.
      Ansonsten hat sich seit dem Mann’schen Untertan bisher wohl kaum etwas geändert…

  2. war so frei das mal via social media zu verbreiten.
    geht ja mal gar nicht diese idee!
    problem ist: diese idee könnte von anderen parteien übernommen werden, die dann auch die möglichkeit hätten sie umzusetzen.

    und nun bin ich beim würgen.

    • Danke für’s Verbreiten 🙂

      Das von Dir erkannte Problem ist definitiv vorhanden. In einer schwarz-grünen Koalition könnte es dann in Richtung…
      Kein Mindestlohn, dafür workfare OHNE die postulierte „Freiwilligkeit“…ausarten.
      Wie ich bereits vor Jahren unkte: Die Spirale nach unten ist noch sehr weit offen

      • „postulierte Freiwilligkeit“, bruhaha, erinnert mich an meine Bundeswehrzeit als der Feldwebel zu mir sagte, sie sind Freiwilliger. Sozusagen ein Befehl.
        Nebenbei mal was aus der Farbenlehre: Welcher Farbton entsteht wenn Schwarz, Rot und Grün zusammen verrührt werden?
        Kleiner Hinweis, den Farbton kannten unsere Eltern schon.

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