Interview mit Prof.Dr.Klaus Dörre – Hartz IV = für Betroffene wie ein Stigma

Es ist schon irgendwie bezeichnend:
Unzählige anerkannte Wissenschaftler, Soziologen, Richter (a.D.) ff haben mittlerweile – jenseits eigener Betroffenheit – den, durchaus als empirisch nachgewiesen zu bezeichnenden, Beweis erbracht, dass „Hartz4“ auf ganzer Linie versagt hat.

Viele der Millionen „namenlosen“ Betroffenen haben ihr Leid nach aussen kommuniziert. Sie sind quasi der lebende Beweis für dieses Versagen. Kritische Stimmen von Mitarbeitern bei BA und Jobcentern sind deutlich zu hören und unterstreichen damit nochmals die Glaubwürdigkeit bzgl. des Versagens dieses (A)Sozial-Systems.

Dass dennoch seitens der ReGierenden mit aller Macht daran festgehalten wird, dass Mißerfolge als Erfolge gefeiert und getreu Orwell’schem Neusprech auch ansonsten mit seltsamen, wohlfeilen Worthülsen die (Noch)Nichtbetroffenen eingelullt werden (sollen), spricht nur eine Sprache:

Es ist die Sprache der Menschenverachtung

Es scheint mir manchmal fast schon müßig, weitere Erkenntnisse ähnlich lautenden Inhalts von weiteren, ähnlich versierten Köpfen hier zu verbreiten.
Es dennoch zu tun (wie so Vieles, was auf den ersten Blick nutzlos erscheint), ist in meinen Augen  richtig.
Wenngleich Worte (egal von wem) zunächst auch wirkungslos erscheinen mögen, so ist es doch „das Wort“, welches immer fast am Anfang steht.
Aus Gedanken werden Worte, aus Worten oft Taten.
Nicht mehr zu schreiben oder Geschriebenes nicht mehr zu verbreiten, käme der Verhinderung potentieller Veränderung durch Taten gleich. So  sehe zumindest  ich das…

Daher hier das Interview mit Prof.Dr. Klaus Dörre, der sich mit seinen Aussagen in guter Gesellschaft (Spindler,Nescovic,Butterwegge ect.) befindet. Und deutlichst die Empfindungen sehr vieler Betroffener wiedergibt.

Zitate

(…)Den Hartz-Reformen liegt das Bild zugrunde der faulen, passiven Langzeitarbeitslosen, die es sich in der Hängematte des Wohlfahrtsstaates bequem machen. Das können wir nicht feststellen.

(…)Es gibt lediglich eine kleine Gruppe mit einem Anteil von acht bis zehn Prozent der Leistungsbezieher, die nicht mehr kann und nicht mehr will. Bei ihnen kann man auch mit Sanktionen nicht viel bewirken. Deswegen ist ein solch teurer Überwachungsapparat unsinnig. Eine reiche Gesellschaft muss so eine Gruppe aushalten.

(…)Man strampelt enorm, wendet enorme Energie auf, kommt aber nicht von der Stelle. Es gibt eine größer werdende Gruppe von Menschen, die an oder unterhalb der Schwelle der Respektabilität lebt – das ist Hartz IV – und sie kommen da nicht mehr heraus.

(…)Man trifft sich immer häufiger mit seinesgleichen und entwickelt einen Überlebenshabitus, der der Gesellschaft die Stigmatisierung erleichtert. Das führt dazu, dass man sich immer weiter isoliert und es immer schwerer wird, zur Mehrheitsgesellschaft zu gehören. Das ist eine Spirale nach unten.

(…)Der erste Schritt müsste sein, die Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger aufzuheben. Ein solcher Gängelungsapparat, der bis in private Lebensbereiche hineinwirkt, ist unsinnig und rechtfertigt die Kosten nicht. Der zweite Punkt ist: Es muss sinnvolle Beschäftigung geschaffen werden. Es gibt im Dienstleistungssektor großen Nachholbedarf bei pflegenden, erziehenden und bildenden Tätigkeiten. Und wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn.

 

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