Andere Wege? Der „Sozialstaat“ Deutschland und die (Verwaltungs)Ethik

Lesern, die diesen Blog mitverfolgen, dürfte aufgefallen sein, dass (durchaus unter Einbeziehung der buddhistischen Ethik-Grundsätze) meine Gedanken häufig darum kreisen, wie zunächst (!) ein rechtskonformer und „anständiger“ Umgang mit Betroffenen des Agenda-Wahnes – SGB – angestoßen werden kann.

Damit wird sich die verordnete „Armut per Gesetz“ natürlich nicht ad hoc beenden lassen, darauf möchte ich auch hier und heute nicht hinaus. Zur Verwirklichung dieses „hehren Zieles“ braucht es selbstverständlich weitaus mehr kritische Akteure und Aktive, die der gewollten Volksverdummung entgegenwirken. Leider ist diese (u.A. mediale) Verdummung sehr erfolgreich gewesen und hat die Spaltung zwischen den einzelnen Bevölkerungsschichten fest in den Köpfen der Bürger verankert- auf beiden (!) Seiten, wohlbemerkt -.

Monetäre Armut oder Demütigung – was wiegt schwerer?

Diese Frage allgemeingültig beantworten zu wollen, kann nicht funktionieren. Es ist vermutlich ähnlich wie bei der „Huhn oder Ei – was war zuerst da – Frage“. Ich denke, wenn in den Teilen der noch nicht von Armut betroffenen Bevölkerung ein Umdenken eintritt, schwindet auch die Gleichgültigkeit/Akzeptanz/Bejahung gegenüber diesen (finzanziellen) Zuständen, die den Betroffenen zugemutet werden.
Daher denke ich, dass zunächst die häufig als „richtig“ oder „normal“ wahrgenommene Diffarmierung, die Demütigung angegangen werden muß. Erst wenn Nicht-Betroffene wissen, nachvollziehen und verstehen, was wirklich (!) mit den Betroffenen geschieht, wenn echte (!) Empörung folgt, dann entsteht auch die dafür notwendige Solidarität zwischen „Normal-Bürgern und Ausgegrenzten“.
Erst dann  wird auch die Forderung nach einem menschenwürdigen Einkommen für Nicht-Arbeitende auf breitere Akzeptanz treffen und Unterstützung finden.
Solange das diffarmierende Bild des „Schmarotzers“ in den Köpfen ist, wird das nicht geschehen.

Positive Impulse

Ja, ich wiederhole mich 😉 und ich wiederhole auch die Darstellung eines Ex- Jobcenter-Mitarbeiters nur zu gerne, Zitat:
„…Ein fundamentales Problem scheint mir darin zu liegen, dass viele Hartz IV-Kritiker der Meinung zu sein scheinen, dass sie nur energisch, laut und anklagend genug über Ungerechtigkeiten und Zumutungen des Systems klagen müssten. Dann, so die Annahme, würde man sie schon irgendwann hören, so dass sich der erhoffte Protest dann endlich Bahn brechen würde. Darauf kann man aber lange warten, das funktioniert nicht. Denn wie gesagt: Es geht nichts, wenn nicht auch die Angehörigen der Mittelschichts-Milieus davon überzeugt werden, dass Hartz IV Deutschland längst nicht so gut tut, wie uns das Regierung, große Teile der Opposition und ein Großteil der Medienkonzerne und Industrie-Lobbyisten weismachen wollen…“
„…Meiner Überzeugung nach sind mindesten zwei Dinge erforderlich:
1) Charismatische “Frontmänner und Frontfrauen”, die die Funktion von Aushängeschildern und Multiplikatoren der Bewegung verkörpern (auf Anhieb einfallen würden mir Leute wie Sarah Wagenknecht und Ullrich Schneider)
2) Eine zwar energische, aber gleichsam gemäßigte, differenzierte Kritik an Hartz IV, in der Abstand genommen wird von argumentativer Zuspitzung und einer schwarz-weißen Freund/Feind-Zeichnung.

Gedanken zu Solidarität, Tellerrand und mehr

Es macht auch aus meiner Sicht daher großen Sinn, zu versuchen, den „Mittelstandsbürger“ positiv in Richtung Unmoral, Unanständigkeit und unethische Umgangsweise mit den Armen zu sensibilisieren.

Auch der Mitarbeiter im Jobcenter, der pAP, der SB, der Fallmanager ist in den allermeisten Fällen (gefühlt) dem Mittelstand zugehörig.
Warum also nicht da auch (!) ansetzen?

Verwaltungsethik

Dieser Begriff war auch mir neu. Zur Erklärung:

Verwaltungsethik ist ein Teilbereich der angewandten Ethik. Sie befasst sich mit der kritischen Reflexion über „gute“ öffentliche Administration. Verwaltungsethik ist damit der Rechtsanwendung und dem Handeln (in) der öffentlichen Verwaltung in gewisser Weise vorgelagert. Verwaltungsethik kann darüber hinaus die Erarbeitung und Verwirklichung korrekter, gut begründeter Verhaltensstandards in öffentlichen Verwaltungen ermöglichen.
Im deutschsprachigen Raum ist der Begriff „Verwaltungsethik“ bislang wenig verbreitet. Gründe hierfür liegen vor allem in der stark auf Legalität (und weniger auf Legitimität) ausgerichteten Verwaltungskultur. Insoweit wird ethisch-kritischen Reflexionen traditionell eher mit Zurückhaltung bzw. gar mit Misstrauen begegnet.
(…) In jüngster Zeit indes befassen sich Verwaltungen im deutschsprachigen Raum zunehmend mit Fragen der Ethik. So wurden etwa in mehreren österreichischen Bundesländern erste Handreichungen zur Ethik in öffentlichen Verwaltungen erarbeitet.
Generell sind die Ursachen für das gewachsene Interesse vor allem in folgenden, sich teilweise überschneidenden Problembereichen zu erblicken:
(…) Ethisch fragwürdige Anwendung physischer bzw. psychischer Gewalt (z. B. bei Polizei und Bundeswehr)
Anmerkung von mir: Der Tatbestand der psychischen Gewalt ist im Sinne von struktureller Gewalt in den Jobcentern auch gang und gäbe.
Quelle

Sisyphosarbeit oder: Wenn Du merkst, Du reitest ein totes Pferd, dann steig‘ ab

Ob es flächendeckende Veränderungen nach sich ziehen könnte, wenn eine Seite damit anfinge, dem „Feindbild“ abzuschwören, weiß ich natürlich nicht. Wie auch, wenn von beiden Seiten das Feindbild kultiviert wird?
Jedoch besagen positive Erfahrungen („Erfolge“) hier vor Ort, dass es eben nicht sinnlos ist, zu versuchen, als „Mensch vor dem Schreibtisch“ den „Menschen (!) hinter dem Schreibtisch“ anzusprechen. Ein solches Vorgehen kann durchaus auch mit der „Moralkeule“ erfolgen 😉 , sich in Sätzen äußern, wie beispielsweise: „Stop! Wie würden Sie, Frau X , sich fühlen, wenn jemand so mit Ihnen spricht? Würde Sie das nicht verletzen?
Gewiss ist das Sisyphos-Arbeit, aber ist es nicht einen Versuch wert?
Das kann aber nur gelingen, wenn das Gegenüber nicht reduziert wird auf „SB“, sondern als Mensch wahr-und angenommen. Mit all seinen Verblendungen, denen auch andere Nicht-Betroffene unterliegen.

Wenn bisherige Methoden nicht zum Erfolg führen, was hindert „uns“ daran, einen anderen Weg auszuprobieren? Erste Gedanken im Hinblick auf mögliches, ethisches Handeln in den „Amtsstuben“ sind doch offenbar da, warum also nicht versuchen, da anzuknüpfen?
Wir können nur gewinnen, denn schlimmstenfalls ändert sich nichts. Im günstigen Fall erreichen wir Nachdenklichkeit und ggfs. auch Nachhaltigkeit. Im allergünstigsten Fall handelt „der SB“ künftig anders und wirkt ansteckend auf das Kollegium…

Zusammengefasst:
Ein solches Vorgehen in der direkten „Erwerbslosenarbeit“, flankiert von Öffentlichkeitsarbeit – bunt, laut, direkt – aber dennoch nicht über Gebühr polemisch – und sachlichem Einbringen in die kommunale politische Arbeit könnte in der Summe erfolgversprechend sein.
Erfolg heißt in diesem Fall:
Umdenken erzielt zu haben. Neue Gedanken ziehen neue Handlungen nach sich. Nebenbei: Jeder, dem künftig Demütigung erspart bleiben würde, ist einen solchen Versuch wert.

Ich denke da an den alten Spruch:
„Stellt Euch vor es ist Krieg, und keiner geht hin“.
Vielleicht könnte der später (nach einer „ethischen Revolution“ 😉 ) so lauten:
„Stellt Euch vor, es gibt Repression, und keiner setzt sie um“…

Advertisements

7 Kommentare zu “Andere Wege? Der „Sozialstaat“ Deutschland und die (Verwaltungs)Ethik

  1. Repressionen, die durch Mitarbeiter(innen) nicht umgesetzt werden, werden dann zu arbeitsrechtlichen Schritten gegen diese Mitabeiter(innen) führen (s. Inge Hannemann) …

    Auch Arbeitsethik in der Verwaltung (und überhaupt) muß (weiter-)entwickelt werden …

  2. Liebe Ellen, ich fürchte, da ist zuviel Wunschdenken in der Packung.

    Wenn man beispielsweise das Statement des Ex-Jobcenter-Mitarbeiters liest, möchte man dem zustimmen. Betrachtet man seinen Hintergrund etwas genauer (kräftig Erwerbslose mit Sanktionen schikaniert, wegen Ablauf seines Zeitvertrages aus dem Dienst ausgeschieden, würde bei Gelegenheit das Unrechtssystem Hartz IV für Geld jederzeit wieder unterstützen, wieder sanktionieren -> auch alles eigene Aussagen von ihm, fragt man sich, warum er wohl den von Dir zitierten Text so verfasst hat.

    Das erste was ich bei meinem ersten Eintritt in die Hartz IV-Welt gelernt habe: Vergiss alle ethischen Maßstäbe, die bisher dein Leben bestimmt haben. Nichts ist mehr gültig, ab jetzt bist du vogelfrei. Am Anfang war ein inhumanes Gesetz. Mit Leben haben es die erfüllt, die bereit waren es aus niederen Motiven zu exekutieren. (Das Motiv der Bereicherung zählt bei Tötungsdelikten zu den Mordmerkmalen.) Willfährige Helfer wie jener Ex-Jobcenter-Mitarbeiter.

    Auch „den Menschen“ hinter dem Schreibtisch sehen, sagst Du. Sitzt da auch einer? Mir sind in meinem 40-jährigen Leben vor Hartz IV und auch nach Verlassen der Hartz IV-Welt, nicht ein Bruchteil der bösartigen Kreaturen begegnet, die ich bei meinem Gastspiel dort kennenlernen und ertragen musste.

    Nicht mehr selbst betroffen zu sein rückt einen auf eine andere Ebene, auf der man durchaus hilfreich für weiterhin Betroffene sein kann. Ich kann sie konkret in ihren Ämterauseinansdersetzungen durch Begleitung, Formulierungshilfen, etc. unterstützen. Bis zu einem gewissen Grad kann ich dann auch politisch tätig werden. Politik aber muss immer auch den Konsens suchen. Problematisch wird es, wenn es im Interesse des unterstützten Betroffenen keinen Konsens geben kann. Dann kollidiert die Geschichte. Und auch dann muss ich den Unmenschen noch Unmenschen nennen dürfen. Und nicht politically correct nach einem Menschen suchen müssen, wo keiner ist.

    „Verwaltungsethik“, hmmm …., hört sich für mich nach der Worthülsenfamilie a la Vermittlungshemmnisse, passgenau, Tagesstruktur, etc. an. 😉

    • Lieber Frank, lieber Emil (ich antworte mal in einem Aufwasch)

      klar ist da meinerseits eine Menge Wunschdenken drin, aber ich bin ja ’ne knallharte Träumerin 😉 und halte an meinem – die meisten/nicht alle Menschen betreffenden – positiven Menschenbild fest.
      Da ich nur noch sporadischer Gastleser im Elo bin, stieß ich eher zufällig auf den Beitrag von b.t. und bat eine befreundete userin, nachzufragen, ob ich ihn verwenden darf. Über die Hintergründe b.t.’s weiß ich somit fast nichts.
      Was er in diesem Beitrag allerdings äußerte, unterschreibe ich in mehrfacher Hinsicht.
      Da wäre zum einen die eigene, langjährige Erfahrung. Du weißt, ich menschele seit ehedem, da hat sich seit vergangenen Elo-Zeiten nichts geändert. Es war von Anbeginn meine Strategie,immer (!) den Menschen hinter dem Schreibtisch anzusprechen, anfangs, weil ich eben „so bin“, später durchaus auch mal mit Kalkül.
      Du schriebst selbst vor nicht allzu langer Zeit, dass ich bei der MainArbeit wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen habe. Dass ich die meisten Dinge zügig im Sinne des Betroffenen durchsetzen konnte.
      Meine Erfahrung ist, dass es schneller zum Erfolg führt, wenn man nicht aufhört, immer wieder den Mensch anzusprechen, statt sofort (!) mit §en um sich zu werfen.
      Beispiel: Barauszahlung für eine Betroffene mit psychischen Problemen und Nicht-Muttersprachlerin.Der SB fing mit den üblichen Sprüchen an von LM-Gutschein ect. Ich, lächelnd: OK, wenn SIE mir jetzt haarklein erklären, wie SIE mit diesem Gutschein das Bahnticket, die Medikamente und das Eintrittsgeld zum Doc bezahlen würden, dann nehmen wir den an.
      Stutz, Pause. Dann kam:“Jaa, Sie haben ja Recht, aber es ist eine Anweisung von oben“ worauf ich ergänzte:“Das dachte ich mir. Aber diese Anweisung ist nicht nur rechtswidrig, sie ist auch lebensfremd, nicht wahr? Ihnen als erfahrenem Mann ist das doch klar, auch wenn Sie das hier natürlich nicht sagen dürfen,gelle ?“ (Mit personalisierten Fragen die „Gesprächsführung an sich reißen“)
      Er:“Sie sind ein schwerer Brocken“, grinste dabei und fragte, wieviel Bargeld ausgezahlt werden solle.
      Und dann brach es aus ihm raus: Dass er mit der Arbeit nicht nachkomme, da ein komplettes Team nicht da sei seit Wochen, dass er früher im Sozialamt besser und eigenständiger hätte entscheiden können usw usf. Na klar habe ich ihm zugehört und nur angemerkt, dass „andere Anweisungen“ ihm doch sicher das Leben erleichtern würden.
      Ich ließ ihn sich quasi ausko***. Tja, wir stimmten irgendwann überein, dass „der Fisch vom Kopf her stinkt“ 😉 und er um seinen Arbeitsplatz fürchte, wenn er denn nicht folge…
      Die Betroffene sprach später alleine vor und erzählte mir, dass dieser MA noch immer höflich zu ihr sei, so habe sie ihn vor meinem „Auftritt“ nie erlebt.

      Hier haben wir das Paradebeispiel eines Mitläufers.Und es ist ein (Kleinst)Beweis dafür, dass es gelingen kann, verschüttete menschliche Qualis wieder wachzukitzeln.
      Dieser SB ist nicht der Einzige…
      Dies gilt natürlich nicht für Menschenfeinde, Egomanen mit Profilneurose und Sadisten.Da stelle ich dann sofort nach dem ich diese Einschätzung habe, auf formal um.
      Meine Hoffnung ist die, dass es gelingt, bei einem hohen Prozentsatz der Mitarbeiter Nachdenken/Umdenken zu erreichen. Selbst wenn sie aus „egoistischen“ Motiven heraus (Arbeitsersparnis) erkennen, dass ihnen Rechtskonformität und ein höflicher Umgang das Leben erleichtern, soll mir das zunächst(!) recht sein. Mit derart Argumentation habe ich neulich eine drohende 100% Sanktion vom Tisch gefegt…
      Daher ja meine Idee, dass die Aktiven/Beistände/Bevollmächtigten es vielleicht im ersten Anlauf auf der menschlichen Schiene versuchen sollten.Im Gegensatz zu vielen Betroffenen können wir häufig noch souverän auftreten und Augenhöhe signalisieren.
      Nebenbei:Wenn der Rückhalt hinter unserem technokratischen GF wegbräche, wehte hier ein ganz anderer Wind…

      Den politischen Konsens betreffend, gebe ich Dir Recht.Da bin ich gespannt, wie es im Sozialausschuß funktioniert, denn Kompromisse zulasten der Leistungsberechtigten wird von unserer Seite her niemand eingehen.Unser Ziel ist, unseren „Forderungskatalog“ mit Statistik UND realen Beispielen mit Leben zu füllen (Beweisführung) und die Stadtverordneten davon zu überzeugen, dass derzeit bzgl. Rechtskonformität/bürgernahe Institution und MainArbeit Welten aufeinander treffen.
      Letztlich sind die Sozialausschüssler die Bosse des Dr. Schulze-Boeing, da wir ja optieren.Und wenn die Bosse überzeugt sind, dass eben nicht alles so dolle läuft, wie der GF es postuliert, dann könnte es auf die „Finger geben“ (und günstigstenfalls könnte da irgendwann im JC ein Thrönchen wackeln 😉 = erklärtes Fernziel unsererseits)

      Verwaltungsethik könnte „Neusprech“ sein, aber zumindest mit einer angenehmen Vorgabe/Zielsetzung…

      • Zitat von Dir: „Daher ja meine Idee, dass die Aktiven/Beistände/Bevollmächtigten es vielleicht im ersten Anlauf auf der menschlichen Schiene versuchen sollten.Im Gegensatz zu vielen Betroffenen können wir häufig noch souverän auftreten und Augenhöhe signalisieren.“

        Ja, Du bringst Du es auf den Punkt: Aktive, Beistände und Bevollmächtigte haben ein anderes „Standing“ als Betroffene. Agieren sozusagen von einer privilegierten Position aus, während sich unmittelbar Betroffene mit der „menschlichen Schiene“ oft in Teufels Küche bringen, weil sie damit zwangsläufig zu viel von sich selbst preisgeben/der Gegenseite Munition liefern müssen und als faktisch ziemlich ausgelieferte Verfügungsmasse keinen Respekt genießen.

        Darum tu ich mir auch so schwer mit Deiner Idee. Klingt wie eine abgedroschene Phrase, trotzdem behaupte ich, dass gut „99 Prozent“ der unmittelbar Betroffenen keine direkte Unterstützung von Aktiven, Beiständen und Bevollmächtigten zu Verfügung haben (Stichwort: Vereinzelung auf dem „flachen Land“). Daran wird sich wohl auch nicht wirklich entscheidend etwas ändern lassen. Darum neige ich in aller Regel dazu, diese Betroffenen zumindest mit §§ auszustatten, mit denen sie wenigstens „sofort um sich werfen“ können. Oft deren einzige Chance. Dazu können Internetforen auch beitragen.

        • Ja, das flache Land…
          Meinst Du wirklich, es sind noch immer 99% Betroffene, die ohne Beistand auflaufen?
          Das wäre i.d.T. sehr erschreckend (ok, ich habe hier vielleicht etwas den Tunnelblick, weil wir ja ständig als Beistände unterwegens sind)
          Klar hilft dem Betroffenen, der sich allein zur Wehr setzen muss, nur Bildung Bildung Bildung 😉 nicht, wie unsere Polithansels das meinen, sondern im SGB.
          Genau die Betroffenen sollten keinesfalls menscheln, denn das führt u.U. in die Bittstellerfalle, ganz fatal.Da hast Du natürlich völlig Recht!
          Ich meinte daher von Anbeginn an nur die Berater/Begleiter

  3. Tja, da bin ich doch eher der Pessimist, obwohl ich ja eigentlich grundsätzlich sehr optimistisch bin. Es gab noch nie einen Krieg, wo keiner hin gegangen ist. Ich denke das Problem ist der Egoismus der Menschen. Jeder denkt nur an sich. Und da will man mit armen Menschen nichts zu tun haben, die kosten einen ja Geld. Ich glaube nicht, dass man es schafft den Großteil der Menschheit zu sensibilisieren, nicht nur an sich zu denken, sondern auch mal Mitgefühl mit anderen zu haben. Ich habe ein Patenkind in Afrika. Ich habe sicherlich nicht viel Geld, aber das behalte ich bei. Ich weiß nicht wie vielen Leuten ich schon eine Broschüre gegeben habe, die weitaus mehr Geld haben als ich, die aber kalt sagen, dass sie sich das nicht leisten können. Menschen denen es gut geht, entwickeln eine gewisse Hochnäsigkeit. Sie meinen sie sind so toll, dass sie ihr Leben so gut im Griff haben und die Anderen müssen halt auch was aus ihrem Leben machen. Hochmut kommt vor dem Fall. Ein altes Sprichwort, was aber stimmt. Erst wenn sie gefallen sind, ist der Hochmut plötzlich weg. Aber solange sie ganz oben sind, sind der Egoismus und der Hochmut da.

    • Tja Monika, der Vergleich mit dem Kriegszitat von C. Sandburg ist, was auch das Original ist („stell Dir vor…“) :
      Eine Vorstellung, eine Vision.
      Und wenngleich Altkanzler Schmidt einmal meinte, Menschen mit Visionen sollten einen Arzt aufsuchen, denke ich doch, dass die „Visionäre“ – besser, Träumer 😉 – ihre Träume niemals aufgeben sollten. Und möglichst versuchen, sie auch zu leben…
      Du wirst allerdings – leider – Recht behalten, was das zeitliche Eintreffen (wenn überhaupt) angeht: Es wird noch lange dauern bis zum Umdenken.
      Aber jeder noch so beschwerliche Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Was die „Realisten“ aus dieser Welt gemacht haben, erleben wir täglich auf’s Neue. Was wir brauchen, sind daher ein paar Verückte 🙂
      http://www.das-eselskind.com/2011/05/was-wir-brauchen-sind-ein-paar.html

      Was den grassierenden Egoismus und die Gier, gepaart mit zunehmender sozialer Kälte betrifft, noch ein sehr kluges Wort:
      Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen,
      werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.
      Weisheit der Cree-Indianer (sagt man)

Teile uns deine Gedanken mit:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s