Berlin – Sozialpolitisches Forum 2013: Inklusion von Menschen mit Handicaps

Zunächst hier ein, aus meiner Sicht wichtiger, Veranstaltungshinweis:

KREATIVHAUS Theaterpädagogisches Zentrum und Kultur- und Begegnungsstätte,
Fischerinsel 3, 10179 Berlin,  Tel.: 030 23 80 91 – 3. Fax: 030 23 80 91 – 50  http://kreativhaus-berlin.de/
(Für Rollstuhlfahrer_innen geeignet!)

Für das Forum Sozialpolitik sind Anmeldungen erforderlich! Anmeldeformular hier

Worum geht es?

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Politische Strategien
Der Vize-Vorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit, H. Alt schlug am 15.4.2012 „maßgeschneiderte Lösungen“ für den harten Kern der 400.000 „Langzeitarbeitslosen“ in Hartz-IV – Menschen mit Handicaps, Kranke und alte, nicht mehr so ganz Leistungsfähige – vor. Die sollen in Werkstätten für Behinderte zwangsbeschäftigt werden. Die BAG der Werkstätten für behinderte Menschen begrüßte dies am 20.4.2012. Das ist „Einschließung in Arbeit unter Aufsicht“ bzw. unfreie Arbeit unter Zwang bei arbeitsmarktpolitischer Isolation und miserabler Entlohnung. Die SPD NRW stellt dem ein Konzept eines „Sozial-integrativen Arbeitsmarktes“ entgegen, wie die Bündnis90/Grünen in ähnlicher Weise einen Sonderarbeitsmarkt. Die LINKE will „arbeitnehmerähnliche“ Beschäftigungen im SGB IX/ XII mit Erwerbsarbeit gleichstellen und Werkstätten für Behinderte für alle Menschen mit Handicaps öffnen. Neben den Menschen mit körperlichen Handicaps und mit seelischen Beeinträchtigungen sind Psychiatriebetroffene bzw. Psychiatrisierte, gegen die die Gewaltausübung in Psychiatrien neu gesetzlich geregelt wurde und Trans*-Personen, die als „psychisch Gestörte“ gelten, besonders betroffen. Was heißt das politisch, gesellschaftlich und individuell?

Unsere Ansicht

Nach unserer Ansicht werden die Selbstbestimmungsmöglichkeiten dieser Menschen in ihrer freien Wahl des Berufes und des Arbeitsplatzes beendet. Sie werden gezwungen, Arbeit unter Aufsicht zu verrichten, wobei die Wohlfahrts- und Sozialverbände sowie deren Träger als autoritäre Hierarchien eine besonders unrühmliche Rolle spielen. Damit wird der jahrzehntelange Kampf dieser Menschen um Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu Lasten von Bevormundung und Demütigung zunichte gemacht. Wir wollen wir nicht kampflos zu sehen, sondern ihnen ein Forum für Diskussion, Kritik, der Erarbeitung von Alternativen, der Organisation von Gegenwehr und Selbstorganisation bieten (… )

vollständiger Artikel spak

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Auch Trans*-Personen?

Die „sozialpolitische“ Ausrichtung könnte schlimmer fast nicht sein, da stimme ich zu. Etwas geschockt war ich allerdings, als ich durch diese via mail erhaltene Einladung erfuhr, dass auch transsexuelle Menschen als psychisch gestört gelten (ICD 10 – F64)
Dass mittlerweile nahezu alles, was irgendwie „emotionales“ Verhalten betrifft, versucht wird, zu pathologisieren/psychologisieren ect., darüber schrieb ich bereits in Was ist eigentlich normal

Zitat:
Früher trauerte man nach dem Tod eines geliebten Menschen mitunter ein ganzes Jahr, demnächst gilt man nach zwei Wochen Trauer als psychisch krank. Früher gab man sich ab und zu dem Heißhunger hin. Demnächst ist man dann ein Kandidat für eine „Fressattacken-Störung“. Und früher hatte das Kind einfach nur eine Trotzphase, demnächst leidet es unter „disruptiver Launenfehlregulationsstörung“.
Im Mai erscheint das neue Diagnose-Handbuch der Psychiatrie „DSM-5“. Und in dem ist auch wirklich für jeden eine Störung dabei. So zumindest die Meinung des amerikanischen Psychiaters Allen Frances.

Quelle

Dass Homosexualität erst in den 90ern aus dem Katalog der psych. Störungen verschwand, wusste ich übrigens auch nicht.
Ich bitte auch herzlich, mich nicht falsch zu verstehen:
Grundsätzlich unterscheide ich nicht zwischen „Betroffenen und Betroffenen“.
Es gibt auch aus meiner Sicht keinerlei vernünftigen Grund, beeinträchtigte Menschen in das SGB12 abzuschieben und sie dort mit „Arbeit in geschützter Umgebung“ zwangszubeglücken.
Das Verdienst-und Einsparpotential von „Sozial“behörden und Werkstättenbetreibern sehe ich nicht als wichtigen Grund an, da wiegen Menschenrechte wohl um einiges schwerer.
Weshalb ich dennoch an dieser Stelle ganz besonders auf die Problematik Transsexuelle Menschen vs. Abschiebung in das SGB12 (mit evtl. Zwangs“Arbeit“ in beschützenden Werkstätten) aufmerksam machen möchte, ist der Tatsache geschuldet, dass Trans*Menschen keine „eigenständige psychische Problematik“ aufweisen (aus meiner Laiensicht).
TransMenschen können (!) depressiv sein, sie können Neurosen ect.haben wie jeder andere Mensch auch. Das Problem aber, im falschen Körper zu stecken, ist keine nachgewiesene (!) psychische Erkrankung. Es gibt keine empirischen Beweise für diese Theorie.
Auch denke ich, dass dieses „Randgebiet“ noch viel zu wenig publik gemacht wurde. Hier dürfte es ähnlich sein wie noch bis vor Kurzem in „Sachen Hartz4“. Fast nur Betroffene und politisch interessierte Menschen kannten die wirklichen Auswüchse. Wie in unserer aufgeklärten Zeit mit Trans*Menschen noch immer umgegangen wird, wissen auch vermutlich eher nur sie selbst und wenige Insider…

Grauenhaft

Wenn ich mir vorstelle, dass „gehandicapte“ Menschen vermehrt in das SGB12 (und Werkstätten) abgeschoben werden sollen, dann schaudert es mich.
Weil ich dazu noch eine Bekannte ein Stück weit „begleitete“ auf ihrem Weg zur „anerkannten Frau“, weiß ich ein wenig um diesen zermürbenden Prozess. Der Gedanke, dass man sie während ihrer „Transformation“ hätte abschieben wollen, ist regelrecht grauenhaft.
Sie war niemals psychisch krank, litt aber enorm unter dem Unverständnis ihres Umfeldes. Bei einer „Zwangszuweisung“ wäre sie zerbrochen, da bin ich mir sicher.
Daher unterstütze ich die nachfolgend eingestellte

Petition

Ich bin nicht krank, ich bin großartig

Aber die Weltgesundheitsorganisation (WHO) besteht darauf, mich als „psychisch krank“ zu bezeichnen. Transsexualität ist immer noch auf der WHO-Liste unter psychischen Krankheiten gelistet. Transsexuelle Menschen als „psychisch krank“ zu nennen, verstärkt die Diskriminierung.

Zahlreiche Länder haben die WHO bereits aufgefordert, den Begriff von der Liste zu streichen. Sogar das Europäische Parlament hat im September 2011 eine Resolution verabschiedet, in der die WHO aufgefordert wird, Transsexualität nicht länger als psychische Krankheit zu betrachten. Trotzdem hat sich bis heute nichts geändert.

Die WHO ist aktuell dabei, die Klassifizierung erneut zu prüfen. Es ist an der Zeit, laut und deutlich zu fordern: Transsexuelle Menschen sind NICHT psychisch krank. Genauso wie Homosexualität 1990 von dieser Liste gestrichen wurde, ist jetzt der Moment gekommen, transsexuelle Menschen nicht länger zu diskriminieren (…)

Wie immer bitte ich herzlich um Mitzeichnung, danke!

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