Fumus albus

Wörter zum Sonntag 😉

Limburg, muss man das kennen? Eine pittoreske kleine Stadt in einem westlichen Zipfel Südhessens, rund 34.000 Einwohner, wenn man die eingemeindeten Dörfer mitzählt.

Doch dort tut sich Bemerkenswertes. Limburg ist nämlich auch die „Hauptstadt“ des katholischen Bistums Limburg, zu dem neben Wiesbaden auch Frankfurt gehört. Und in diesem Bistum geht es derzeit turbulent, für katholische Verhältnisse beinahe revolutionär zu.

Als Franz-Peter Tebartz-van Elst Anfang 2008, rund ein Jahr nach der Pensionierung seines eher unauffälligen und biederen Vorgängers, als jüngster deutscher Bischof – berufen von Pabst Ratzinger – eingeführt wurde, waren die Erwartungen groß. Man dachte wohl: „jung“ = frisch = progressiv.

Heute: Tebartz war und ist alles andere als progressiv, eher rückwärtsgewand. Manche sagen, er verhalte sich wie ein Fürstbischof des 18. oder 19. Jahrhunderts. In den kurzen gut fünf Jahren seines „Wirkens“, hat er es wie kein anderer Bischof der neueren Zeit verstanden, sich bei seinen Gläubigen, seinen (Mit-)Priestern und der veröffentlichten und öffentlichen Meinung unbeliebt zu machen.

Beinahe vergessen ist der Prügelprinz der katholischen Kirche, Ex-Bischof von Eichstätt und Augsburg Walter Mixa, der immerhin 14 Jahre brauchte, um zum Rücktritt bewegt zu werden. Nun ja, man erinnert sich vielleicht noch an den (gewollten) Versprecher von Urban Priol „Alter Wixa … äh … Walter Mixa“. 😉

Die Geschichte grob zusammengefasst: Tebartz-van Elst hat ihm nicht genehme kritische Mitarbeiter hinausgeworfen oder weggemobbt, seine prunkvollen und weihrauchtriefenden Gottesdienste gehen selbst hartgesottenen Katholiken gegen den Strich, die protzige Umgestaltung seines Bischofssitzes entwickelt sich kostenmäßig zum „Stuttgart 21“ der deutschen katholischen Kirche. Als Tebartz jüngst wieder einmal versuchte, einen kritischen Priester, diesmal den beliebten Frankfurter Stadtdekan aus dem Amt zu mobben, wurde die Unruhe im Kirchenvolk zur offenen Revolte. Über 4000 Unterschriften trägt ein kritischer offener Brief an den Bischof. Bischöfliche Kollegen distanzieren sich, Priester geben in Zeitungen Interviews , in denen Tebartz-van Elst offen als untauglich für´s Bischofsamt und als nicht lernfähig bezeichnet wird.

Besonders übel könnte für den Limburger Bischof aber sein First Class Lufthansa-Flug nach Bangalore, zwecks Besuchs indischer Slums ausgehen. Von Journalisten darauf angesprochen, versuchte er zunächst eine Vernebelungstaktik, die dann aber in eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Spiegel mündete. Dummerweise gab er darin eine „Eidesstattliche Erklärung“ ab, die der Spiegel durch ein Filmdokument widerlegen konnte. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen den Gottesmann.

Sehr lesenswert ist die Dokumentation der Vorganges von der „SPIEGEL-Rechtsabteilung“. Sie beginnt so:

„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

So steht es in der Bibel. Und daran, sollte man glauben, halten sich gerade Glaubensbrüder. Doch womöglich gelten für manche kirchlichen Würdenträger eigene Maßstäbe. Wie möglicherweise für den Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst?“ (Quelle)

Dumm für Tebartz-van Elst ist auch, dass am 13. März 2013 für Jorge Mario Bergoglio aka Pabst Franciscus weißer Rauch aus dem Schlot der Sixtinischen Kapelle in Rom stieg. Der mag, anders als Polen-Paule und Ra(n)tzinger zuvor, so überhaupt keinen Luxus und Protz. Nun hat er ein Helferlein im Kardinalsrang nach Limburg geschickt, das im „brüderlichen Gespräch“ am entstandenen gordischen Schadenknoten herumnesteln soll. Ein einmaliger Vorgang.

Ich bin nicht katholisch, nicht einmal Christ. Aber ich finde, Kirchengeschichte kann manchmal ganz schön spannend sein. Besonders wenn sie gerade passiert. Ich bin gespannt auf den nächsten Teil der Geschichte.

So, nun ist es bald Zeit für die Vorbereitung des sonntäglichen Mittagessens. In diesem Sinne:

Aglio e olio e aceto balsamico sacrosanto, amen. 😉

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