D/F: Die dunkle Seite des „deutschen (Beschäftigungs)Wunders“

Le côté obscur du miracle allemand

So titelt die französische „Sud Ouest“ von heute.

Inge Hannemann, agent des services du travail, a perdu son emploi pour avoir dévoilé les conséquences des réformes de l’ex-chancelier Schröder

Inge Hannemann poursuit en justice l’administration qui l’a relevée de ses fonctions pour avoir dénoncé des injustices.

Das Aufzeigen der anderen Seite des „exportträchtigen Erfolgsmodells Agenda 2010“ erobert in Gestalt Inge Hannemanns jetzt erstmals die europäische Presse.

Das ist in der Tat ein „Exportschlager“!

Wem es mit dem Übersetzen so ergeht wie mir (das Schulfranzösisch ist mittlerweile merde 😉 ) dem sei der etwas skurille google Übersetzer empfohlen. Oder die liebe Kommentatorin Ecem erbarmt sich… 🙂

http://www.sudouest.fr/2013/09/15/le-cote-obscur-du-miracle-allemand-1169263-2361.php

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6 Kommentare zu “D/F: Die dunkle Seite des „deutschen (Beschäftigungs)Wunders“

    • Hallo Inge,
      danke für die Richtigstellung. Vermutlich hat dies bereits aber die franz. Zeitung irgendwie falsch dargestellt?
      Wie auch immer: Wer sich für Dich/Dein Engagement wirklich interessiert, weiß, wie Du „tickst“.
      Und das Schöne ist: Wenngleich Du polarisierst, Du hast es geschafft, dass Betroffene öffentlich viel mehr „Gehör finden“, Du hast damit Bewegung in die „Bewegung“ gebracht.
      Dafür einmal mehr – Danke –

      lG
      Ellen

    • Hallo Inge,
      dann war das in dem französischen Artikel falsch.
      Da steht: „… qu’aux prochaines municipales, elle votera pour la CDU …“ also: „elle votera“ = „sie wird wählen“.
      Vielleicht sollte man die französische Zeitung bitten, den Satz zu ändern und diese von mir gerade zitierte Passage einfach aus dem Artikel zu löschen. Dann passt es so, wie Sie es tatsächlich gemeint haben.
      LG
      Ecem
      (P.S. Ehrlich gesagt: Ich hätte mich auch sehr gewundert, wenn Sie die CDU wählen würden … 🙂 )

  1. Puuuh, das war ganz schön umfangreich …
    Bitteschön – hier die Übersetzung:

    *Die dunkle Seite des deutschen Wunders*

    Inge Hannemann, Angestellte der Bundesagentur für Arbeit, hat ihre Arbeitsstelle verloren, weil sie die Konsequenzen der Reformen von Ex-Kanzler Schröder aufgedeckt hat

    (Bild)

    Inge Hannemann verfolgt gerichtlich die Geschäftsführung, die sie ihrer Ämter wegen der Aufdeckung von Ungerechtigkeiten enthoben hat
    Als Inge Hannemann, 45 Jahre, im April 2012 ihren Blog schuf, wusste sie ganz genau, dass sie das Risiko einging, ihre Arbeit zu verlieren. Sie hat dort die Hintergründe der Hartz IV-Maßnahmen aufgedeckt, der Reformen am Arbeitsmarkt, die durch Ex-Kanzler Schröder initiiert wurden und die die Leistung an Arbeitslose und Mittellose auf der Basis von 382 Euro monatlich pro Person reglementieren. Inge arbeitet selbst im Jobcenter – wie dieses offziell genannt wird – in Hamburg, im Dienste des Arbeitsamtes welches gerade beauftragt ist, diese verhassten Maßregeln durchzusetzen.

    Ihre Direktion hat diese Transparenz nicht lange toleriert. Inge wurde im März suspendiert, unter Fortzahlung ihres Gehalts. „Ich habe keinen Ruf zur Märtyrerin“, erklärt sie. Aber ich bin in Arbeit erstickt wegen dieser enormen Ungerechtigkeiten, denen die Leistungsempfänger ausgesetzt sind. Meiner Meinung nach gibt es wirklich zu viele Auffälligkeiten und Betrügereien. Die Gewerkschaften, die sozialen Verbände, die Hilfsorganisationen bemängeln dies seit Jahren, aber niemand will ihnen zuhören. Ich habe mir gesagt: Probieren wir etwas anderes, vielleicht wird man mich hören, weil ich als Mitarbeiterin des Arbeitsamtes spreche. Ich kann das, was ich sage, jedes Mal auf meinem Blog beweisen, mit entsprechenden Dokumenten.

    *Betrügerei *
    Am 28. August 2013, in Hamburg-Altona, dem bunten Stadtteil der Hansestadt, in der Inge wohnt. Während unseres Gesprächs bringt ihr Laptop regelmäßig Unterstützungsmitteilungen aus allen Teilen Deutschlands. Einige teilen ihr ihre Ankunft für den Nachmittag mit. Aus Kiel, Köln oder Dortmund kommend, ist es ihnen wichtig, bei der ersten Anhörung des Prozesses, den Inge Hannemann gegen ihren Arbeitgeber vor dem Arbeitsgericht führt, dabei zu sein. Sie möchte ihre Arbeit wieder aufnehmen. Eine Entschlossenheit, die sie mit ihrer exzellenten Beurteilung bekräftigt. Sie beherrscht ihre Arbeit perfekt, wurde sogar für eine Stelle in der Direktion vorgeschlagen . . . bevor ihr Blog erschien.

    Wenn sie von den Ungerechtigkeiten berichtet, deren Zeugin sie war, wird sie gesprächig. Zum Beispiel kann das Jobcenter qualifizierte Menschen, die seit vier Jahren nicht gearbeitet haben, zwingen, eine Arbeitsstelle mit niedrigem Einkommen anzunehmen, nachdem sie ihr Recht auf Weiterbildung ein Ende gesetzt haben. Sie werden also für eine Zeitarbeitsfirma rekrutiert, die dem Angestellten des Arbeitsamtes ganz beiläufig eine Vermittlungsprovision bezahlt. „Das ist schon nicht normal, aber es geht noch schlimmer“ betont sie. Der Arbeitgeber kann vorgeben, dass diese Person wegen eines nicht vorhandenen Führerscheins nur als Assistent mit Abschlägen eingestellt werden kann und bei dem er mit 8,19 Euro durchschnittlich entlohnt wird. Dann verleiht sie ihn als „Techniker“ zu 10,20 Euro die Stunde an eine Firma, die davon nichts weiß. „Das ist wirklich Betrug“ empört sich Inge.

    Die großen Unternehmen stehen dem nichts nach, fährt sie fort. Wenn Airbus Hamburg zum Beispiel einen Arbeitslosen im Rahmen eines Wiedereingliederungs-Vertrages für drei Monate oder länger einstellt, bekommt die Firma eine Subvention in Höhe von mindestens 30% der Lohnkosten. Während die eingestellte Person als Überbrückungskraft zu 30 – 40 % geringen Lohnkosten als dem Firmenlohnspiegel eingestellt ist, wird das Unternehmen den Arbeitsvertrag nach Beendigung der Subvention nicht verlängern sondern einen anderen Arbeitslosen aus einem anderen Jobcenter einstellen.

    *Gutscheine*
    Da sie eine soziale Arbeit ausführen wollte, eine Dienstleistung, hat Inge im Jahr 2005 angefangen, im Arbeitsamt zu arbeiten „in aller Naivität“ erkennt sie. Im Laufe der Jahre hat die Lawine der Sanktions-Anweisungen für Hartz IV-Empfänger für das Versäumen einer Einladung oder die Weigerung eine abstoßende Arbeitsstelle anzunehmen, sie empört. Diese Sanktionen können das Minimaleinkommen von 382 Euro um 40 bis 100 % verringern. Am Ende der Strecke bleibt dem betroffenen Arbeitslosen nur, Einkaufsgutscheine in Höhe von 176 Euro monatlich anzunehmen, um den Bedürfnissen des täglichen Lebens Genüge zu tun, zuzüglich Beihilfe für Wohnung und Heizung. „Wie soll man damit leben?“

    Inge hat immer versucht, die Angelegenheiten zu regeln anstatt blind zu sanktionieren. Sie zieht es vor, eine Person, die einer Einladung nicht gefolgt ist, zuhause zu besuchen, um den Grund der Abwesenheit zu verstehen oder die Person im Krankheitsfall zu einem Arzt zu schicken, um ein ärztliches Attest zu erhalten. Von diesem Gesichtspunkt aus, bekennt sie, ist die Streichung der 10 Euro Praxisgebühr pro Quartal ein großer Schritt vorwärts. Mangels finanzieller Ressourcen „sind die Hartz IV-Bezieher nicht mehr zum Arzt gegangen“.

    „Im Jahr 2009 habe ich 6 Monate unbezahlten Urlaub genommen“ fährt sie fort. „Ich habe den Druck auf meiner Arbeit nicht mehr ertragen. Ich habe die Rechte und Reglementierungen im Arbeitsleben in Europa, in Frankreich, in England recherchiert, die Länder, von denen Deutschland sich hat inspirieren lassen“.
    Dann, im Oktober 2010 hat das Verfassungsgericht in Karlsruhe geurteilt, dass die Höhe von Hartz IV nicht so berechnet ist, dass es seinen Empfängern vernünftige Lebensbedingungen erlaubt – eine Pflicht, die die Verfassung vorschreibt -, dies hat sie in ihren Überzeugungen bestärkt. „Dieses Urteil, das schon sehr schwer zu verstehen ist, hat uns das Jobcenter nicht einmal mitgeteilt. Wir haben auf eigene Faust verstehen müssen, was dies für unsere Arbeit bedeutet“. Der Gerichtshof sagt nicht, dass die Sanktionen verfassungswidrig sind, wie es viele Hartz IV-Empfänger glauben“ führt sie näher aus. „Aber er unterstreicht, dass die Leistungen nicht niedriger sein dürfen als das notwendige Existenzminimum, um vernünftige Lebensbedingungen zu haben. Dem ist man aber mit 176 Euro eindeutig fern.

    Inge wird am 22. September Die Linke wählen, „die einzeige Partei, die sich für Hartz IV-Bezieher einsetzt. Ich komme aus einer Familie von Sozialdemokraten und ich habe sehr lange Zeit die SPD gewählt, aber seit den von Ex-Kanzler Schröder eingeführten Reformen ist das vorbei“. Wenn sie in 2011 noch Olaf Scholz, den sozialdemokratischen Ministerpräsidenten von Hamburg gewählt hat, hat dieser sie dermaßen enttäuscht, dass sie bei den nächsten Kommunalwahlen die CDU wählen wird, die sie heute sozialer einschätzt als die SPD.

    • Mannomann, Du hast Dir echt die Mühe gemacht!
      Hammerhart, liebe Ecem, hammerhart (weiß ich doch um Deine Arbeitsbelastung)
      Ganz, ganz lieben Dank dafür!! 🙂

  2. ich habs übern übersetzer laufen lassen …ich sags mal so :

    bei dem übersetzten textergebnis (und der rückübersetzung ins deutsche )liegen nich nur die franzosen flach vor lachen …das dürfte inge hannemann eher nicht erreicht haben wollen…obwohl,manches im „exportschlager „zaubert einem durchaus ein lächeln ins gesicht , wenn die folgen für die betroffnen nich so traurig wären

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