Aufruf zur Revolte – Es reicht! Eine Rezension von Holdger Platta

Aufruf zur Revolte

Seit vorgestern kann im Internet der “Aufruf zur Revolte” von Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. kostenlos nachgelesen und runtergeladen werden: eine ca. 40-seitige “Polemik” gegen die derzeit weltbeherrschende Politik und eine Ermutigung zum Widerstand.

Aufruf zur Revolte download

Ich hätte diese Streitschrift gerne selbst besprochen ;) doch Holdger war schneller. Und mir bleibt, wie so oft schon, nichts hinzuzufügen.
Einen Satz möchte ich aber doch noch hervorheben:
Für mich die große Kraft dieses Textes: hier wird nicht nur von Kopf zu Kopf gesprochen, sondern wieder und wieder, auf furiose Weise, von Herz zu Herz.
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Nein, kein Zufall: auch mit Blick auf die Landtagswahlen in Bayern und Hessen sowie auf die Bundestagswahlen veröffentlichen die beiden Liedermacher Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. am 15. September ihren „Aufruf zur Revolte“ als kostenloses E-Book im Internet. Doch Anlässe wie Intentionen dieser „Polemik“ (Untertitel der Kampfschrift) reichen weit über diese Termine hinaus. Es geht um Darstellung der Weltzustände insgesamt – und um die Frage, was dem entgegenzusetzen ist.

 

Es war im März dieses Jahres, daß sich die beiden Künstler nach einem gemeinsamen Konzert zu diesem Aufruf entschlossen. Noch beglückt vom Publikumsecho, gestanden sich die beiden Sänger „in einer denkwürdigen, coming-out-artigen Situation“, daß ihre „Intuition immer lauter Alarm“ zu schlagen beginnt. Die Autoren wörtlich:

 „…wenn man alle Faktoren zusammenrechnet, die ökologische Situation, die wirtschaftliche Lage, den gigantischen, präventiv ausgebauten Repressionsapparatund auch, ja, leider, die zunehmende Verrohung und Entsolidarisierung der Menschen untereinander, dann muß einem Himmelangst werden.“

Hier nun also das Resultat: ein 40-seitiges Manifest gegen den Kapitalismus – und gegen unsere Mutlosigkeit. Es ist, natürlich, ein literarischer Text, kein kleinteilig, mithilfe marxistischer Kategorien, die Gegenwart durchanalysierender Text. Es ist aber, gleichwohl, ein Text, der mit dialektischer Akribie die Verhältnisse der Gegenwart durchleuchtet, ein Text, der die weltweiten Zusammenhänge der Krise anders, nämlich individuell wahrnehmungsnah, darzustellen vermag.

 

Typisch in dieser Hinsicht schon der Textbeginn: die Verfasser setzen an bei unserer Alltagserfahrung, bei dem, was der Erkenntnis der Zusammenhänge im Wege steht, den weltweit praktizierten Verdrängungsmechanismen,  „Illusionsabfällen und Betäubungsmittel aller Art“, dem nächsten „Sportgroßereignis oder einer neuen Terrorwarnung“ etwa. Um dann vorzustoßen zu eben diesen verdrängten Problemen. Da werden dann zum Beispiel die Finanzkrise angesprochen und die Weltnaturkatastrophe, die Kriegstreibereien und der Überwachungsskandal, das Flüchtlingselend und die illegitime Macht der Weltkonzerne. Und dieses jeweils im Kontrast zur propagandistischen Verdrängungsschreiberei.

 

Zum Beispiel: über die Brutalität Erdogans gegen Occupy Gezi in Istanbul empöre man sich „unisono“, doch der „himmelschreiend brutale Polizeieinsatz gegen Blockupy in Frankfurt am Main (…) mit mehr als 400 Verletzten“ sei fast totgeschwiegen worden. Oder: man beklage immer noch die 139 Berliner Mauertoten –  28 Jahre danach -, aber wo läse man in gleicher Extensität von den rund 2000 Toten, die heutzutage an den europäischen Grenzen ums Leben kommen, jährlich –  Flüchtlinge, gegen die eine Kriegsflotte der EU auf dem Mittelmeer ihre barbarische Arbeit verrichtet?

Der Aufruf zeigt: hier stimmen die Maßstäbe nicht. Er zeigt: hier funktioniert ungeheuer vieles im Dienste westlicher Profitinteressen. Und er zeigt: dem muß nicht nur Gesellschaftstheorie entgegengesetzt werden – da bleiben Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. eher vorsichtig -, sondern vor allem auch aufgeklärte Menschlichkeit. Für mich die große Kraft dieses Textes: hier wird nicht nur von Kopf zu Kopf gesprochen, sondern wieder und wieder, auf furiose Weise, von Herz zu Herz.

Deswegen ist dieser Aufruf auch beides: ein aufwühlender Text und klug! Deswegen schürt das Manifest mit seinem Doppelcharakter nicht nur die Hoffnung, sondern er spart auch die Gefahr unseres Scheiterns nicht aus. Deswegen begegnen wir hier immenser Empathie und Realismus. Zum Beispiel:

 „Nüchtern betrachtet sind die Risiken der Revolte weitaus geringer als die mitmathematischer Sicherheit katastrophalen Ergebnisse eines weiteren tatenlosenZuschauens uns Mitlaufens. Und wenn wir endlich auch in Deutschland den Mut zurRevolte fassen (…), dann werden wir eine andere Intensität des Lebens erfahrendürfen (…): den Zauber wirklicher Freiheit.“

Dabei versteht sich von selbst: die Autoren setzen nicht nur auf Wahlen – der Zeitpunkt dieser Veröffentlichung stellte insofern ein Missverständnis dar -, sondern vor allem auf eine neue große außerparlamentarische Bewegung. Und sie setzen auf die Inspiration und Intelligenz der vielen Einzelnen in dieser Bewegung, nicht aber auf sogenannt-charismatische Führerfiguren. Ein humaner Anarchismus ist kennzeichnend für diesen Aufruf, Orientierung an Graswurzelarbeit, ohne sich in Kontraposition zu bringen auch – auch! – zu parlamentarischer Tätigkeit. Hier geht es nicht um ein Entweder-Oder, sondern um ein im besten Sinne hellwaches Sowohl-Als auch. Bei allem Blick auf das Große und Ganze schreiben Wecker und Prinz Chaos II. nicht über das Kleine und Kaputte hinweg, aber bei allem Ernstnehmen der Alltagserfahrungen ganz unten wird auch das Treiben derer da oben analysiert. Das ist Gesellschaftskritik ohne das gewohnte Wissenschaftsvokabular und dennoch wissenschaftlich hochinformiert (Beispiel: die Analyse der Situation im vor-revolutionären Frankreich gegen Ende des 18. Jahrhunderts). Hier werden Geschichte und Politik auf allen Ebenen zur Sprache gebracht, und auf allen Ebenen sollten wir uns dem verkehrten Gang der Dinge in den Weg stellen – für mich die Kernaussage, um die es bei diesem Aufruf zur Revolte geht. Im Interesse einer Welt ohne Freiheitsberaubungen und Menschenschinderei, ohne Herrschaft des Geldes und abgehobener Cliquen, ohne Elend und Angst.

Zweifellos: ein packendes und aufklärendes Manifest. Und ich füge hinzu: ein Glücksfall, daß es noch solche politisch-engagierten Künstler gibt. Mögen viele Menschen diesem Beispiel folgen.

Demokratie lebt von unten her oder gar nicht.

 

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25 Kommentare zu “Aufruf zur Revolte – Es reicht! Eine Rezension von Holdger Platta

      • Hallo Ellen, ich hab versucht auf Deine Mail zu antworten. Dein Mailprovider schickt ne englische Fehlermeldung, sinngemäß: Postfach voll.

        • Auch Deine 2. Mail bekommen, Antwort wieder fehlgeschlagen. Identische Fehlermeldung. Gib´s zu, ich steh auf der Ignore-Liste. 😉

          • die meldung krieg ich auch …allerdings auch auf deutsch :

            „Dies ist eine automatisch generierte Nachricht des E-Maildienstes von
            (Postfix auf mail-in-XXXXX-online.net.)
            Die von Ihnen versendete E-Mail konnte nicht zugestellt werden.
            Die betroffene E-Mail finden Sie im Anhang dieser Fehlermeldung.

            Bitte ueberpruefen Sie ob der Empfaenger korrekt eingegeben wurde.
            Weitere Unterstuetzung zu der Fehlermeldung und eine Kontaktmoeglichkeit
            finden Sie hier:

            Ihr XXX Maildienst Postfix “

            empfänger is richtch eingeben, denn funktioniert schon lange ..internet habch och 🙂

            ich würde mal sagen …“die wanne is voll “ 🙂

            oder….da war der chaos-hackerclub dran …hm 😦 😦

            • Ui, ui …

              Zitat von Carlola: „empfänger is richtch eingeben, denn funktioniert schon lange ..internet habch och :)“

              … wie´s scheint, hat mein Proxyserver in Dräsden neuerdings eine Übersetzungsroutine eingebaut. Ich bin entzückt. 😉

            • oder….da war der chaos-hackerclub dran …hm 😦 “

              Carola, da hast Du aber richtig Glück, dass ich von Paranoia weit entfernt bin.Es soll ja Menschen geben, die bei jedem Knacksen in der Telefonleitung bereits die NSA vermuten 😉
              Nee, so wichtig, um das auch nur im Ansatz zu vermuten, nehme ich mich nicht.
              Ich habe schlicht zuviele Mails aufbewahrt, denn bei meinem alten account (AOL, der i.d.T. nachweislich gehackt wurde) hatte ich unbegrenzeten Speicherplatz.
              Dass dies bei Arcor nicht so ist, bzw. kostenpflichtig, muss ich erst noch verinnerlichen…

            • bloss gut , das vor völligen kontaktabbruch jemandem ein „licht „aufging 🙂 🙂 denn , „blondi „hätte sich gewundert , warum ihr keiner schreibt 🙂 🙂

              🙂 🙂 🙂 🙂 (konntch mir nich verkneifen )

            • [url=http://www.smiliesuche.de/zunge-raus/][img]http://www.smiliesuche.de/smileys/eingeschnappte/eingeschnappte-smilies-0002.gif[/img][/url]

              Nee, ich bin nicht eingeschnappt, i wo 🙂 Bin ich doch bekennende PC/Technik-Plontine…

          • Gib´s zu, ich steh auf der Ignore-Liste. 😉

            Never ever, Frank 🙂
            Ich weiß echt nicht, wieviel jemand „anstellen“ müsste, um auf meiner Ignore-Liste zu landen.
            Insgesamt habe ich seit Beginn des bloggens genau 3 Kommentare nicht freigeschaltet, wovon 2 aus sehr persönlichen Beziehungen resultierten und auch privat abgehandelt wurden.Der dritte war eine Schmäh-Geschichte und kam aus „früheren Aktivisten“- Kreisen.
            Und ja, ich weiß, dass Du nur gescherzt hast 😉

    • Guten Tag.
      Neuer Clip-neue Aktion.
      Freue mich über alle Mithelfenden.
      #jobcenter #HarzIV #ALGII

      … und durchaus auch inspiriert von Wecker und Co.!
      MfG
      BTB

          • Nicht dafür 😉 sehr gern geschehen!

            Allerdings habe ich große Zweifel, dass ich -speziell- in Offenbach damit auch nur ein Stück weiterkomme.
            Die Einsicht und Kritik ist hier durchaus bei einigen Mitarbeitern vorhanden, so ist es ja nicht. Aber es bleibt bei „hinter vorgehaltener Hand“, es bleibt bei (allerhöchstens) leicht subversivem „Hintertreiben“ mancher unsäglichen Vorgaben.
            O.K., das ist schon mal besser als nichts, ich freue mich ja schon bannig über diejenigen, die rechtskonform handeln und das ohnehin menschenverachtende SGB2 nicht noch zusätzlich zulasten der Betroffenen ausdehnen.
            Vermutlich würde sich hier aber nur wirklich effektiv etwas ändern, wenn die Führung wechselt.
            Und das ist leider nicht in Sicht, unser GF ist einer der bundesweit führenden Köpfe und überzeugter Befürworter des Systems und sitzt sehr fest und peitschenschwingend im Hartz4-Sattel. Auch Dir dürfte der Name Matthias Schulze-Boeing etwas sagen…
            Was soll ich sagen, wenn selbst eine Buddhistin (!) sich „anpasst“ und Sanktionen verhängt, jenseits der ethischen Grundlagen unserer Erkenntnisslehre…das ist schon sehr traurig und desillusionierend.
            An dieser Arbeitsvermittlerin hatte ich innerlich mehr zu knabbern als an manch Überzeugungtäter…

            lG
            Ellen

            Nachtrag: Als Kommentar geht das eher unter, ich werde „sich spiegeln“ in einen Beitrag umwandeln

  1. Guten Tag. Ich stimme der Rezension zu und habe dafür gesorgt, dass die Schrift auch im cyberspace, in Second Life, verfügbar ist.

    Burkhard Tomm-Bub
    aka
    BukTom Bloch (SL)

    • Second live…hmmm…
      Ich gebe zu, dass ich davon so überhaupt keine Ahnung habe (war nie der Zocker, weder X-Box noch PC oder was auch immer)
      Vermutlich wird es den Machern wurscht sein, auf welchen Wegen sich der Aufruf verbreitet, aber mal so aus meiner – diesbezüglich sehr naiven – Sicht:
      Sind dort viele Menschen „vertreten“ und wenn ja, interessieren die sich auch im zweiten Leben für die Probleme im ersten?
      Ich kann mir unter 2nd Live so gar nichts vorstellen (ausser der Zockerei, die ich von meinem X-Box-Nutzer-Sohn so kenne)
      Wenn Du Lust dazu hast, kannst Du mich ja mal schlaumachen, aber Vorsicht, bin PC-Blond 😉

      • Guten Tag.
        Second Life. Wer überhaupt schon mal etwas davon gehört hat, nach ca. Mitte 2008 – der weiß einiges mit unverrückbarer Sicherheit:
        * Second Life ist ein Spiel
        * Second Life besteht aus Kommerz, Sex und Gewalt
        * Second Life ist schon seit Jahren tot.
        Doch nun zu etwas völlig anderem. Der Realität.
        Auch nach dem künstlich Boom 2007 / 2008 herum, nachdem die Medien SL zunächst in einen Hype schrieben und dann den Trend gnadenlos wieder umkehrten und nachdem einige große, aber unbedarfte Firmen sich wieder zurück zogen, hat SL mehrere Millionen registrierte User. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt sind ca. 40 000 von ihnen eingeloggt. In SL gibt es Spiele (so wie im RL ( = real life ) auch – aber SL ist keines. Es ist eine Welt, die allein von den Nutzer_innen erschaffen wurde und die seit 2003 im Aufbau ist.
        Wer Geld ausgeben WILL – wird nicht daran gehindert. Wer Schmuddelangebote SUCHT, wird sie finden. Alles wie im echten Leben.
        Der Basic – Account (der für fast alles ausreicht) ist kostenlos und es gibt viele Waren auch umsonst.
        Als Beispiel für Aktivitäten, möchte ich hier einmal einige Links aufführen.
        Bei Interesse gern ansehen.
        MfG
        BTB
        http://buktomblog.blogspot.de/2013/08/2teil-sl-secondlive-lesung-cyberpunk.html
        http://buktomblog.blogspot.de/2013/07/sl-sf-secondlife-kreativdorf-event.html
        http://buktomblog.blogspot.de/2013/06/eine-andere-welt-von-grandeville-in.html
        http://www.boersenverein.de/de/portal/Session_D1/606353
        http://buktomblog.blogspot.de/2013/05/erganzungen-zum-bericht-des-buchcamp.html

        ( = Gedenkminute zur Bücherverbrennung )

        ( = LyrikWalk)

        ( = Vergil )

        ( = Philosophie Event Ernst Bloch in SL Erstbericht Fotos )


        ( = charity für Fukushima )
        http://www.omniavincitamor.de/41411/home.html
        ( = Infos Freie Bibliothek Pegasus)

        Dies sind nur einige, kleine Beispiele.
        MfG
        BTB

        • Danke sehr, jetzt bin ich doch um einiges schlauer 😉

          Also ist 2nd Live nicht nur ein Spiel. Weißt Du, Burkhard, ich bin bei Tetris stehengeblieben und finde das 40 Jahre alte „Space-Invaders“ noch immer spannend.
          Oder um es anders zu formulieren: Ich bin einfach altmodisch 🙂 und habe mich mit den neuen Erungenschaften („Neuland“, gemäß der „Muddi“ 🙂 ) nie wirklich auseinandergesetzt.
          Selbst FB ist für mich weitestgehend ein böhmisches Dorf…
          Meine Nachfrage war daher – ich hoffe, dass es auch so rüberkam – keinesfalls eine Art unterschwellige Kritik!
          lG
          Ellen

          • Guten Tag Ellen.
            Nein ich habe es nicht als Kritik verstanden. Bin nur etwas dünnhäutig evtl. in der Hinsicht. Viele urteilen ohne jede Information und Recherche – dafür umso heftiger, auch Journalisten … und auf die Dauer kratzt das dann etwas an den Nerven (ich bin seit 2007 aktiv).
            Eine Bemerkung erlaubst Du noch? SL ist nicht nur “ … nicht nur ein Spiel …“.
            Es ist überhaupt keines! Da es eine zweite Welt, ein zweites Leben ist -gibt es dort aber auch einige Spiele, ja. Wäre ja auch seltsam, wenn nicht. Gibt es im ersten Leben ja auch. Ich mag z.B. die Amazonen, eine Rollenspielgruppe in SL, mit herrlichen SIMs (Inseln), etc. Spiele aber selbst nicht mit, dazu hätte ich gar keine Zeit.
            Eine zweite Welt, ein zweites Leben, schrieb ich. Das ist auch richtig. Viele, insbesondere aus den Bereichen eLearning, charity, Kunst, Literatur, u.ä. nutzen es aber einfach als eine Erweiterung des ersten Lebens mit zusätzlichen Mitteln.
            So auch ich. Die dritte Dimension bietet gegenüber dem „Flachnetz“ (normalen Internet) ungeheuere Vorteile und wird letztlich die Zukunft des Internets sein.
            MfG
            BTB

            • Das mit der „Dünnhäutigkeit“…ich kann es Dir (rundum) nicht verdenken.
              Bezogen auf 2nd Live wage ich den Vergleich mit der seinerzeitigen „Dünnhäutigkeit“ meines Sohnes, wenn das Thema „Ballerspiele/Ego-Shooter“ wieder einmal medial hochgekocht wurde.
              Jenseits valider Beweise waren nach jedem Massacker die „Zocker-Szene“ bzw. die Spielemacher mitverantwortlich.
              Mein Nachwuchs war zum Schluß dauerhaft auf Verteidigung gepolt, denn auch er spielte Assassins Creed (?) ect. und wurde dennoch nicht zu dem, was fälschlicherweise oft als „Amokläufer“ bezeichnet wurde.
              Wie geschrieben, ich habe null Plan von dem Ganzen (habe aber jetzt begriffen, dass 2nd Live kein Spiel ist 😉 )
              Meine Vermutung geht daher in die Richtung, dass, analog der Schuldzuweisung in Richtung „Ballerspiele“, eine eher wenig substantiierte Pauschalkritik an 2nd Live verübt wurde.
              D.h., ich könnte mir vorstellen (zum googeln bin ich echt zu faul), dass es 2nd Live in die Schuhe geschoben wurde, wenn Menschen sich gänzlich von der Realität entfernten UND im zweiten Leben zu Hause waren.
              Dass es dafür vermutlich ebenfalls gewisse „Dispositionen“ braucht (wie eben auch, andere, bei den Tätern von Massackern)geht der Journaille zu sehr in’s Detail und würde eine Pauschal-Schelte verunmöglichen.
              So könnte es evtl. sein…

            • Guten Tag. Ja, genau, das hast Du sehr gut analysiert – und die korrekte Auflösung dieses Vorurteils ebenso genau dargestellt. Natürlich hat es einen Reiz, selbst Welten schaffen zu können, für schier jedes Hobby eine Gruppe Gleichgesinnter finden zu können, Kontakte zu knüpfen, zu jeder beliebigen Uhrzeit Menschen aus aller Welt kontaktieren zu können, etc.
              Jede Richtung menschlichen Interesses kann süchtig entarten.
              So auch SL.
              Anlässe, Gründe, Ursachen – müssen dafür aber vorhanden sein. Und sie liegen VOR dem Kontakt mit SL, die Dispositionen sind vom mißbrauchten „Mittel“ fast unabhängig. Wobei es sicher Tendenzen gibt.
              Die Menschen sind unterschiedlich.
              Anekdote am Rande. Es kamen immer mal Leute „reinschnuppern“ , z.B. von WoW (ähnlich dem Spiel Deines Sohnes).
              Die schauten dann immer etwas hilflos umher und frugen: „Ja, gut … was muß ich denn jetzt zuerst machen?“
              Die Antwort „Nichts“ verwirrte dann meist noch mehr …
              Es gibt halt keine Level, Gegner, Punktestände, Lebensenergie, etc. pp.
              (Fast) alles kann – nix muß.
              Es gab noch ein, zwei andere Sachen. Mit großem Getöse waren bekannte Firmen seinerzeit eingestiegen. BILD, die POST, Mercedes, wasweissich.
              Deren Strategien waren aber. Nun. Innovationslos, sachunkundig, unterfinanziert, etc.pp.
              Irgendwann zogen sich die meisten wieder zurück. Und für diesen Rückzug konnte es ja nur EINEN Schuldigen geben … SL, klar.
              Eine kleine Schwierigkeit, die im Zeitverlauf aber unwichtiger wurde: wirkliche Onlinegames sind in der Grafik besser und laden schneller, etc.
              Grund ist schlicht der, dass SL von den Benutzer_innen erbaut wurde!
              Bei Spielen gibt es in weiten Teilen vorgegebene Weltelemente, die dann auch auf die individuelle Festplatte herunter geladen werden können. Das geht bei SL nicht – SL ist eine stetige Baustelle. Komplett. Heißt: alles ist auf den Servern der Firma und muß während des Aufenthalts in SL von DORT geladen werden.
              Das erforderte anfangs überdurchschnittliche Hardware und ein überdurchschnittlich schnelles DSL. Das hat sich mit den Jahren aber nivelliert – die durchschnittlichen User HABEN mittlerweile zumeist das nötige, da die Entwicklung der Technik und des DSL ja nicht stehen blieb.
              Eine Zeit später gab es auch noch einen (vorgeblichen?) „Kindersex – Skandal“.
              Da wurde von allen Seiten sofort und hart und nachhaltig durchgegriffen, das wirkt sich aber leider auch bis heute noch aus. Was einmal in den Köpfen ist …
              Ansonsten ist aber alles munter. Im Oktober machen wir im deutschsprachigen Raum wieder unser jährliches Mega -Kulturevent. Bei mir auf der SIM wird eine SF -Lesung sein und zwei Krimi – Lesungen, sowie ein Konzert. Ich hoffe, ich bekomme die Musiker und Literaten dazu, in der Nähe von Ausstellungen bei mir (Grandville, Arcimboldo, Dresdner Zwinger – Hommage) aufzutreten – dann geraten die auch wieder mehr ins Blickfeld. 🙂
              Insgesamt geht es über mehrere Tage auf etlichen SIMs (Inseln / Landstrichen).
              MfG
              BTB

  2. es wird keine „revolte „geben …ich bin mir sicher , schon aus dem grunde , weils ne psychologisch begründete tatsache ist , das sich menschen immer vor neuem /unbekannten fürchten ..denn was käme /kommt danach ? UNSICHERHEIT , jetzt weiss man , was man hat und hat sich eingerichtet /arrangiert .

    ausserdem , ich bin überzeugt , das der ökonomische druck bei weitem noch nicht ausreichend ist ..denn (ich betone )im verhältnis(!!) gesehen ,beschäftigt sich die mehrzahl der bevölkerung (noch )mit luxusproblemen .und die, die keine sind, werden von der mehrzahl der bevölkerung nicht beGRIFFEN )

    • Realistisch gesehen…ich komme nicht umhin, Dir Recht zu geben.
      Stichwort Nietzsche, die Revolution und der Bahnsteig 😉
      Dennoch, in Anlehnung an ein anderes Zitat:
      Wer versucht, kann verlieren
      wer nichts versucht, hat schon verloren

      oder (zum wiederholten Male, weil es einfach passt 🙂 )

      Wenn Du glaubst, Du bist zu klein, um etwas bewirken zu können,
      versuche einmal, mit einer Moskito im Zimmer zu schlafen.
      Dalai Lama

      • es wird immer einige „risikofreudige “ 🙂 geben(hats immer gegeben ..menschen , mit visionen ) , denen das „danach „eher wie ein abenteuer vorkommt(oder , die nach dem motto handeln „schlimmer geht nimmer „) und /oder menschen , denen der existenzdruck einfach zuviel wird…aber, machen wir uns nichts vor , es sind MINDERHEITEN !

        und wie „gruppenzwang „(KONFORMITÄTSzwang )funktioniert , muss ich dir ja nich erklären 🙂

        http://de.wikipedia.org/wiki/Gruppenzwang

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