Gedanken aus der „Mittelschicht“

Ich bin jedesmal hocherfreut, wenn ich bemerke, dass es unter (Noch)Nicht-Betroffenen des Verarmungssystems nicht nur  die „stammtischlastigen Hartz-Apolegeten“ gibt.

Der nachstehende Kommentar entstammt der Feder eines lieben Freundes, ehemals SPD-Wähler, auskömmliche Rente…also ein Mensch, der sich um soziale Belange und die immer weiter klaffende Schere zwischen arm und reich eigentlich keine Gedanken machen müsste – würde er egozentriert denken –
Schön, dass dies nicht so ist.
Für mich sind solche Selbstdenker ein weiterer Hoffnungsschimmer…und zeitgleich ein „Beweis“ dafür, wie wichtig es ist, zu versuchen, die „Mittelschicht“ zu sensibilisieren. Denn ich stehe unverbrüchlich zu meiner schon oft geäußerten Aussage:
Ohne Schulterschluss mit großen Teilen der nicht-prekär lebenden Bürger wird es keine positive Veränderung für die Arm(gemacht)en geben…

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Silberstedt, d. 16.09.2013

Kommentar zur Situation von Rentnern und Hartz IV Bezieher

Fallende Börsenkurse erregen mehr Aufmerksamkeit bei der Öffendlichkeit als das Thema Armut.

Der Absturz in die Armut kann schnell erfolgen. Bei den rasant ansteigenden Kosten für Lebensmittel, Energie und gestiegene Kosten für Wohnraum. Im Gegensatz dazu die „herausragende“ Rentensteigerung im Westen von 0,25 % und plötzlich, reicht die Rente nicht mehr aus und der Betroffene Rentner muß ggf. wieder arbeiten gehen.

Die Anhebung der Hartz IV Sätze ist auch nicht gerade berauschend unter den vorgenannten Bedingungen, wobei die Wohnraumkosten, wenn die m² stimmen, übernommen werden. Aber die m² sind ein separates Thema. Letztendlich bleibt es dabei, Armut hat viele Gesichter aber keine Lobby.

Ein Vetorecht für Arme gibt es leider auch nicht, aber Demonstrieren können die Armen trotzdem, nur tun sie es noch nicht, und wenn, nicht an der richtigen Stelle. Vor dem Jobcenter nützt es nicht`s. Es müsste sie nur jemand auffordern, Ala Montagsdemo, die zur Wiedervereinigung geführt hat.

Ich hoffe, die Betroffenen werden es an der Wahlurne zeigen, denn da können sie gegen die herrschende Gesetzgebung und das System etwas unternehmen, ohne Unannehmlichkeiten hinzunehmen oder gedemütigt zu werden.

Sind Beamte oder staatlich bedienstete der Job-Center eigendlich Christen oder Atheisten? „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ Muß ich als guter Christ Gesetze, die ich für ungerecht halte und nicht den christlichen Grundsätzen folgen, durchsetzen, obwohl ich ggf. für die Auslegung Spielraum habe. Warum nutzen diese Büttel-Bürger diesen Spielraum nicht aus? Aber man kann als Katholik ja Beichten, damit einem die täglich bewust begangenen Sünden vergeben werden. Als Protestant muß man allerdings mit den getroffenen Entscheidungen leider selbst fertig werden und leben.

Manche können dieses auf die Dauer nicht und verzweifeln oder gehen seelisch vor die Hunde. Die Entscheidungsträger sitzen ja auch nicht vor Ort oder direkt am Geschehen. Sie sehen auch nicht in die verzweifelten Gesichter der Betroffenen Hartz IV Empfänger.

Die meisten Mitarbeiter/innen der Job-Center oder der MA in den Ämtern, die für diesen Bereich der Hartz IV Gesetzgebung zustädig sind, haben auf Durchzug geschaltet und sind im Laufe der Jahre abgestumpft. Das ist eigendlich bereits eine innerliche Kündigung. Diese MA kann man nur bedauern, denn sie haben keine eigene Meinung und kuschen vor Ihrem Vorgesetzten. Es wird ja auch schon die Arbeit von einigen MA verweigert. Auf die Verweigerer wird ein erheblicher Druck aufgebaut dem Sie standhalten müssen und brauchen dafür alle Unterstützung. Sie werden von Ihrer Arbeit ferngehalten und bei den Kollegen werden Sie als Verräter gebrandmarkt.

Es stehen zig Tausende von Wiederrufen und Klagen in der Sozialgesetzgebung an, hauptsächlich zum Thema Hartz IV. Das schafft natürlich Arbeitsplätze in der Justizverwaltung und somit wiederum zu mehr Steuereinnahmen.

Es muß doch die Justizverwaltung eigendlich hellhörig werden, wenn soviele Klagen in einem einzigen Bereich anfallen, da kann doch etwas nicht stimmen! Oder hat das Justizministerium andere Gedankengänge? Mehr Klagen, gleich mehr Richter somit auch mehr Budgetforderung. Auch auf diesen Aspekt sollte man näher eingehen, denn hier geht es um die Umverteilung von Steuergeldern.

In einer Gesellschaft, in der Banken, korupte Staaten (in meinen Augen Zocker und somit Zecken am Körper des gemeinen Bürgers) durch den deutschen Staat mit Milliarden € unterstützt werden. Beamte und Politiker jeden Schaden vom Staat abwenden sollen, aber nicht umsetzen, sondern sich egoistisch verhalten, sind wir nichts anderes als eine Bananenrepublick, die Häuptlinge vom Stamme nimm. Von der einstigen Sozialen Marktwirtschaft sind wir meilenweit entfernt.              Armes Deutschland.

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8 Kommentare zu “Gedanken aus der „Mittelschicht“

  1. Pingback: Gedanken aus der “Mittelschicht” | WIR Der ZeitBote Saarland

  2. Zitat: “Sind Beamte oder staatlich bedienstete der Job-Center eigendlich Christen …“

    Sicher viele davon. Sogar ganz besondere Christen mit besonders inquisitorischem Eifer. Und deren heutiger Hexenhammer heißt SGB II. Der Satan Müßiggang muss schließlich gottgefällig ausgetrieben werden. Mit Totalsanktionen zur Läuterung und als Hexentest. 😉

  3. „Sind Beamte oder staatlich bedienstete der Job-Center eigendlich Christen oder Atheisten? „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ “

    oder , man könnte fragen , ob sich die menschen , die sich zum „büttel „machen selbst lieben /je selbst geliebt haben und worans liegt , das es eben nicht so ist /war ?

    • Och doch, ich denke schon, dass auch bei diesen Menschen der überwiegende Teil zu dem fähig ist, was man so „lieben“ nennt…
      Es dürfte wohl die Einstellung gegenüber dem Leistungsberechtigten eine große Rolle spielen.Wenn dieser (wie immer das auch funktioniert) „entmenschlicht“ wird, muss man ihn eben nicht mehr menschlich behandeln.Da drängen sich Vergleiche aus der faschistischen NS-Zeit förmlich auf, verfolgt man den Gedanken konsequent weiter.
      Wenn „das Gegenüber“ als fühlendes, menschliches Wesen nicht (mehr) wahrgenommen wird, erstaunt es kaum, dass – beispielsweise – die eigene schwangere Frau auf Händen getragen, die schwangere eLB aber zu 100% sanktioniert wird.
      Der „Blickwinkel“ ist es, vermute ich mal…

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