Offenbach – Beschäftigungsträger GOAB ist ein Insolvenzfall

Ich bemühe mich derzeit nach Kräften, nicht in eine überhebliche „Ätsch-Haltung“ abzudriften…dennoch spüre ich eine leicht gehässige Regung in mir 😉

Offenbach Post – Insolvenzverwalter hat das Sagen

Nein, nicht alles war schlecht bei der GOAB.
Ein Teil der Projektarbeit „Jugend“ wie die Ausbildungswerkstatt ist sogar ausdrücklich zu belobigen.
Da die GOAB aber in vielen Teilbereichen als unschlagbar günstiger Mitbewerber am „Markt“ indirekt auch für wirtschaftliche Einbrüche und Pleiten kleiner Einzelunternehmer mitverantwortlich zeichnet, hält sich mein Mitgefühl in sehr überschaubaren Grenzen.

Zitat (…) „Im Bund hat sich die Ideologie geändert. Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren, ist nicht mehr in.“ Die Bundesregierung hat seit 2010 die Mittel für Arbeitsbeschaffung und Eingliederung halbiert. Arbeitsagentur und städtische Jobcenter finanzieren weniger Maßnahmen, von denen GOAB und vergleichbare Einrichtungen in erster Linie leben

Eine sprachliche Pervertierung…

…des Begriffs Arbeit, wie ich meine. Zwangsrekrutierte Ein-Euro-Jobber waren und sind keine Arbeitnehmer!
Tatsächlich war GOAB als Anbieter aller nur denkbaren Dienstleistungen deshalb so unschlagbar günstig, weil diese in hoher Anzahl von zwangsbeglückten Ein-Euro-Jobbern verrichtet wurden.
Mit weiteren – zu Recht reduzierten – Maßnahmen ließ sich auch ein erkleckliches Sümmchen auf dem Rücken der „Zwangs-Vermaßnahmten“ aka Leistungsbezieher erwirtschaften. Diese Maßnahmen unterschieden sich im Wesentlichen nicht von dem üblichen Bewerbungs/PseudoPsycho/Selbstvermarktungs-Schwachsinn, der bundesweit von den Jobcentern eingekauft wird.

Wasch mich, aber mach‘ mich nicht nass…

…so funktioniert der Kapitalismus eben nicht unbedingt. Wenn ich als *g*GmbH in Konkurrenz trete zu anderen Anbietern und mich überwiegend dennoch aus Fördermitteln des Bundes finanzieren muss, dann ist aus unternehmerischer Sicht wohl einiges schief gelaufen. Tja, so sind sie halt, die „Gesetze des Marktes“ 😉 der Schwächere wird vom Stärkeren aufgefressen.
Wer im kapitalistischen Spiel mitspielen will, sollte zumindest die herrschenden Regeln kennen…

Zitat (…) Zehn Millionen Umsatz macht die gemeinnützige GmbH. Seit 2010 fehlen jedes Jahr bis zu 850.000 Euro. An die 400.000 Euro allein, weil das Recyclingzentrum wegen eingebrochener Erlöse und zu hoher Lohnkosten fürs Stammpersonal nicht mehr wirtschaftlich arbeiten kann.

Ja nee, is klar. Gerade das Recycling-Zentrum war ein sehr beliebter Zuweisungsort für die Ein-Euro-Sklaven.
In Glanzzeiten waren bei der GOAB bis zu 600 EE-Jobber untergebracht, geht man von 300.-€ (niedrig gegriffen) p/M und Zugewiesenem aus, kommt man auf eine Brutto-Einnahme von 180.000€ p/M.
Wenn jetzt Fehler beklagt werden…nun ja, wer beklagte denn zuvor das Schicksal der Zwangsrekrutierten? Wer beklagte, dass Schrotthändler nicht mehr von Ihrem Erlös leben konnten, dank GOAB? Wer beklagte die Entmündigten, die zum GOAB-Projekt „Zebra“ geschickt wurden, um minderwertigen „Schrott“ als Möbel-Erstausstattung nur dort erwerben zu müssen?
Und wer beklagte den Zustand, der getrost als Offenbacher Filz bezeichnet werden kann?

Nachtrag: Die Kommentare von „Charlotte2“ in der FR sprechen auch ein Stück weit Bände… http://www.fr-online.de/offenbach/offenbach-goab-goab-meldet-insolvenz-an,1472856,24370118.html

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6 Kommentare zu “Offenbach – Beschäftigungsträger GOAB ist ein Insolvenzfall

  1. Frank und Carlo,
    auch Ihr habt so gar keinen Funken des Bedauerns für GOAB über? Wie soll ich denn jetzt bloß Mitgefühl entwickeln? Menno, Ihr seid ja mal so gar keine Hilfe… 🙂 🙂

    • Na so was … 😦

      Da will man Dich mit anmutigen und poetischen Worten aufmuntern, weil Du vermutlich nach eigenem Empfinden neben irgendeinen edlen Pfad gedabbt bist … und dann ist´s auch nicht recht. 😉

      • 🙂 Du dauerst mich…aber rein karmisch gesehen war Dein anmutiger Versuch eine nützliche Tat, war sie doch reinen Herzens getan.
        Will heißen, für Dich selbst hast Du damit schon etwas erreicht 😉

  2. Zitat von Ellen: „…dennoch spüre ich eine leicht gehässige Regung in mir“

    Aber, aber! Echte Freude, vom Herzen kommend, über eine gute Nachricht kann doch gar nicht gehässig sein. 😉

    Mögen derartige Missgeburten, genährt am Busen der hässlichen Mutter Hartz IV endlich verschwinden. Nicht nur in Offenbach.

    Btw. besonders köstlich:

    Zitat aus dem op-online-Artikel:

    „Als Vorsitzender des Aufsichtsrats hat Schwenke Ende August dem langjährigen GOAB-Chef Jürgen Schomburg den Stadtwerke-Controller Christoph Nufer zur Seite gestellt, um kaufmännische Kompetenz in das 1985 bescheiden begonnene Unternehmen zu bringen.“

    Da möchte man rufen: Gratulation! Mehr als 27 Jahre ohne kaufmännische Kompetenz überlebt, das ist doch was! 😉

  3. Eigentlich war das ganze Konstrukt ja mehr als Versorgungsposten für Sozialpädagogen und Sozialarbeiter mit dem richtigen Parteibuch vorgesehen.

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