„Hartz4“ Konstruktiv im Schulterschluss – eine Utopie?

Dieser Beitrag ist ein Versuch, dort fortzufahren, wo der (vorerst) letzte Kommentar zum Beitrag Aufruf, vorm Spiegel zu verweilen endete.
Burkhard Tomm-Bub, Ex-Fallmanger schrieb:

Ich fände, es wäre an der Zeit zu schauen, ob man konstruktiv und konkret zusammenarbeiten kann.“

Es folgen (lest bitte selbst nach) Vorschläge, auf die ich jetzt im Einzelnen nicht eingehen werde. Der grundsätzliche Tenor liegt auf der sog. Vernetzung innerhalb und übergreifend von „sozialen Netzwerken“.
Nun, ich selbst habe (nicht nur, weil ich ein funktionaler PC-Analphabet bin 😉 ) beispielsweise keine allzu großen Sympathien für FB,Twitter und co.
Dennoch halte ich den Vorschlag für diskussionswürdig.

Wesentlich interessanter für mich wird es hier:

Die “Gretchenfrage” ist aber eigentlich IMHO immer:
Wie kann es konkret nutzen?
Nutzen über reines lesen, schreiben, klagen, usw. hinaus?Der reale, anwendungsbezogene Nutzen, – was kann man in der Praxis damit machen?

Immer nur „klein-klein“?

Die Frage, wie man als einzelner Mensch dazu beitragen kann, aktiv auf einen „Sturz des Hartz-Systems“ hinzuarbeiten, ist obsolet.
Es geht nur im Miteinander. Und das Miteinander sieht in der Praxis (noch) trübe aus. Ich erspare Euch und mir jetzt Auslassungen über das von mir vermutete „Warum“…das lässt sich in vielen Beiträgen hier nachlesen.

Wie also lässt sich – mannigfach im Netz auffindbares – Wissen also im echten Leben verwenden?
In dem man es „Nicht-Networkern“ auf direktem Weg zugänglich macht.
Auf der Strasse, im Supermarkt, im Park…
Beispiel Arbeitslosenstatistik:
Mit den echten Zahlen, kurz und knackig zusammengefasst und ggfs. mit einem Slogan versehen á la:
Jetzt kennst auch Du die Zahlen – sagst Du noch immer, wer arbeiten will, findet Arbeit?

Das als Flyer ausgedruckt und für den Fall der Fälle („Stammtisch“) immer ein Päckchen mitführen.
Oder einen Infostand – regelmäßig! – mit (wahlweise) provokativem/vordergründig „positiven“ Bannerspruch. Neugier wecken!
Ein Herz für Kinder! Wirklich?
Den Interessierten dann Flyer in die Hand drücken, wieviel im Regelsatz für Kinder beispielsweise für Essen vorgesehen ist. Lässt sich mit einfachen Mitteln zusätzlich auch auf einem mitgebrachten Tisch darstellen…

Ganz wichtig – die „Hirngewaschenen“ Noch-Malocher sensibilisieren

Viele der Geringverdiener sind – zu Recht – frustriert. Nur entlädt sich deren Frust auf die „Schmarotzer, die genausoviel haben und nix tun“. Und nicht auf die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik.
Diese Zielgruppe halte ich für die eigentlich wichtigste, weil gefährlichste.
Diesen Menschen muss klar werden, welch großer Lüge sie aufgesessen sind!

Hierbei könnten – in direkter Aktion vor Ort – auch (Ex)Jobcentermitarbeiter mithelfen. Das Dumme ist ja, dass dem „Amts-Mensch“ noch immer mehr geglaubt wird als den Betroffenen selbst. „Outing“ setzt das natürlich voraus…

Der erste Schritt wäre dann für die Aussteiger, sich mit Ini’s kurzzuschließen und den aktiven Schulterschluss anzubieten.
Vielleicht würde dies, was das Ausgebranntsein der Aktivisten betrifft, kleine Wunder bewirken, neuen Auftrieb geben.
In unserer Ini könnte ich das beispielsweise sehr gut vorstellen…

Ja, es scheint zunächst bei „klein-klein“ zu bleiben

Es bedarf dazu auch einer gewissen Offenheit, auf Menschen zuzugehen, ohne aufdringlich zu wirken. Das liegt nicht jedem, klar.
Es braucht Mut. Nicht jeder Angesprochene wird angenehm reagieren…
Aber ich bin mir sicher, dass es eine Veränderung nur geben wird, wenn viel, viel mehr Menschen erkennen, was in unserem Land schief läuft.
In diesem Fall also eher Masse statt Klasse…
Sicher ist auch, dass dies ein mühseliges Unterfangen würde, dazu mit ungewissem Ausgang.
Aber mal Hand auf’s Herz:
Was haben „wir“ noch zu verlieren?

Weitere Gedanken folgen…weitere Ideen sind willkommen 🙂

 

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5 Kommentare zu “„Hartz4“ Konstruktiv im Schulterschluss – eine Utopie?

  1. Pingback: “Hartz4″, Kapitalismus und Veränderung – ich bin verwirrt… | WIR Der ZeitBote Saarland

  2. Guten Tag.
    Auch von anderer Seite hörte ich schon ähnliches und habe auch in dürren Worten versucht, da schon etwas in meine „Zwischenbilanz – Presse – Erklärung“ ein zu bauen. (Siehe im Anschluss.)
    Ein Faden den man aufnehmen und verfolgen kann und sollte.
    MfG
    B. Tomm-Bub

    *******

    Stand der Aktion „JOBCENTER: Aufruf vorm Spiegel zu verweilen!“
    – Bilanz nach einer Woche des Bestehens –

    Am 27. September 2013 wurde dieser Aufruf von Burkhard Tomm – Bub, M.A., einem Ex – Fallmanager aus Ludwigshafen am Rhein erstmals veröffentlicht.
    Im Vorfeld hatte bereits der „Kritische Kommilitone“, Marcel Kallwass, seine Solidarität und Unterstützung erklärt.
    http://kritischerkommilitone.wordpress.com/about/
    Dem folgten innerhalb weniger Tage Inge Hannemann, Ralph Boes, Prinz Chaos II und Konstantin Wecker, letzterer mit einer ausführlichen Würdigung auf facebook. Auch stoersender.tv (Stefan Hanitzsch, Dieter Hildebrandt, u.a.) kommentierte den zugehörigen Clip auf youtube anerkennend.
    Viele private Blogs und webseiten von Initiativen übernahmen oder verlinkten den Text.

    Tomm-Bub betreibt seinen eigenen Blog „tombbloggt“ (welcher der Information über die Hartz IV – Problematik und ausdrücklich auch der Unterstützung von Inge Hannemann dient) seit dem 01. August 2013.
    http://tombbloggt.blogspot.de/

    Die Aktion „JOBCENTER: Aufruf vorm Spiegel zu verweilen!“ wird insbesondere durch einen Videoclip auf youtube, alternativ auf Vimeo betrieben (Volltext dort im Kommentar auch schriftlich).

    Wunsch ist aber, dass möglichst viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von jobcentern Kenntnis über den Inhalt erhalten.
    Der Aufruf liegt daher im oben erwähnten Blog in verschiedenen Dateiformaten auch nochmals schriftlich vor (für Faxe, Briefe, eMails, Flugblätter, etc.)
    http://tombbloggt.blogspot.de/p/blog-page.html

    Die Zugriffszahlen auf den youtube – clip lagen mit Stand 04.10.2013, 16:00 Uhr bei 4335, die bei Vimeo bei 27. Die externen, gezielten Zugriffe auf die spezifische Blog – Unterseite beliefen sich zum selben Zeitpunkt auf 1008.

    Etliche Kundinnen und Kunden der jobcenter, etliche Menschen taten in diversen Foren und Blogs bereits kund den Aufruf an ihre jobcenter gesandt, gefaxt und gemailt zu haben, bzw. diesen demnächst aushändigen zu wollen.

    „Es gibt viele wichtige Themen, die unbedingt mehr in die Öffentlichkeit müssten“, so Tomm-Bub, „darunter die Tatsache, dass fast eine Jede und ein Jeder leicht zum ALG II – Empfänger werden kann – dies geht viel schneller, als man denkt! Die `Kundengruppen` sind hier ganz wesentlich vielschichtiger, als es sich so mancher überhaupt erst vorstellen kann. Ebenso wichtig ist die Aufdeckung der `Keiltreiberei` die hinsichtlich der Niedriglöhner und der ALG II – Bezieher betrieben wird. Es ist schon richtig: da stimmt etwas ganz gewaltig nicht! Allerdings: mit den Löhnen! Nicht mit der Höhe des verfassungswidrig auch noch kürzbarem Existenz – Minimum der als `Hartzler` geschmähten Menschen!“

    Um all` dies geht es vordergründig bei der Aufruf – Aktion zunächst noch nicht. „Es ist ein Aufruf zur Menschlichkeit,“, erklärt Tomm – Bub, „zum offenen oder informellen Widerstand gegen alles, was dieser Menschlichkeit zuwider läuft. Nicht nur an Stichworte wie Würde und Anstand ist hier zu denken. Sehr vieles was im heutigen System geschieht, steht im scharfen Kontrast zu dem was etwa in den ursprünglichen Fallmanagement – Konzepten beabsichtigt und vorgegeben war. Der ursprüngliche Sinn ist völlig verloren gegangen, verkehrte sich in Unlogik und völlig unsachgerechtes Handeln. Das ist auch ökonomisch absolut nicht mehr zu rechtfertigen!“

    Die Aktion wird weiter gehen.
    Schön wäre natürlich eine weiträumige Verbreitung via E-Mail, jedoch scheinen rechtliche Bedenken hier nicht völlig ausgeräumt.
    Burkhard Tomm – Bub besitzt zwar mittlerweile eine Liste, die, insbesondere auf den legalen „Thome – files“ basierend, etwa 1275 jobcenter Adressen umfasst.
    Anhand der nicht geklärten Rechtslage will er diese aber nicht gesondert veröffentlichen oder für eine Massen – Aktion nutzen und empfiehlt dies auch anderen nicht.
    Wer diese Liste allerdings privat erhalten möchte, etwa um „nachzublättern“ ob der eigene Fallmanager / Sachbearbeiter hier schnell zu finden ist, kann diese jedoch einzeln bei ihm anfordern.

    ***

    V.i.S.d.P.: B.Tomm-Bub, 67063 Ludwigshafen, ogma1@t-online.de (Veröffentlicht am 04.10.2013, darf unverändert und vollständig in jeder Form frei weiter verbreitet werden.)

    • Hallo Burkhard,
      Stichwort „dürre Worte“…so ganz schlau werde ich aus dem ersten Teil Deines Kommentars jetzt echt nicht 😦
      Die Verbreitung Deines Aufrufs habe ich bisher aufmerksam mitverfolgt (sehr gut), ich wollte aber zuerst mal andocken an Deine Frage: Was kann man mit dem Wissen in der Praxis anfangen?
      Sind andernorts denn bereits weiterreichende Ideen eingegangen?
      Und wie wäre welcher Faden aufzunehmen?

      Zugegeben, ich bin ziemlich k.o. und stehe möglicherweise mit beiden Füßen auf dem Schlauch…

  3. Hinweis: Mensch kann auch als „Mitläufer“ (Mitgeher als Beistand nach § 13 (4) SGB 10) etwas tun. Ich habe hier im Umkreis auch meiner 5 oder 6 Leute, die ich jedesmal beim Gang zum JC HAL (oder der entsprechenden Stelle des SK) begleite. Das spricht sich rum, da ist dann immermal jemand anderes dabei. Und aus der ersten Person, die ich begleitete, wurde mittlerweile auch ein Mitläufer.

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