Jahreszeiten

Gedanken eines Landeies zu Erntedank

Neulich saß ich mit einem Freund bei einem Glas Wein zusammen. Es war früher Abend, der Himmel ein wenig bewölkt und die Sonne stand schon knapp über dem Horizont. Die Tage werden kürzer, der Sommer hat wohl nun endgültig sein Ende gefunden.

Der Freund fröstelte leicht und begann von einem Urlaub auf den Kanaren zu erzählen. Er würde gerne da leben, wo immer ein wenig Sommer und nie richtig Winter ist. Ich war noch nie auf den Kanaren, stelle mir einen Urlaub dort durchaus reizvoll vor. Aber wirklich dort leben, … ich weiß nicht. Natürlich geht es mir auch ein wenig wie dem Freund. Ein schöner Sommer geht zuende, da kommt schon mal der „Blues“.

Trotzdem möchte ich nicht in einem Land „ohne Jahreszeiten“ leben. Alles immer annähernd gleich, fast Einheitsbrei. Mag ich nicht. Wie soll man sich an einem schönen Sonnentag erfreuen, wenn die Sonne fast immer scheint? Wie an Wärme, wenn es immer warm ist? Nein. Jede Jahreszeit hat ihre Berechtigung, die Natur hat das bei uns schon ganz gut eingerichtet.

Den Sommer habe ich sehr genossen, war viel draussen an der frischen Luft, habe an vielen Abenden unzählige Würstchen und Baked Potatoes auf dem Grill zubereitet. Und mit Freunden bei einem Glas Wein und netten Gesprächen in die verlöschende Glut des Grills geschaut. Nun ist Abwechslung dran.

Es ist seit Tagen windig, erste Blätter, noch grün, werden heruntergeweht. Schon seit einer Woche bin ich damit beschäftigt, Zwetschgen, vom Baum im Garten geerntet, einer sinnvollen Verwendung zuzuführen. Trotz des kalten Frühjahrs ist die Ernte gut. Auch das in bescheidenem Umfang selbst angebaute Gemüse ist besser gediehen als ich dachte. Tomaten werden zu leckeren Soßen verkocht, aus Bohnen wird deftiger Eintopf, anderes Gemüse wird auch verarbeitet und alles portionsweise eingefroren. Heute ist Erntedank. Ich danke keinem Gott für irgendwas, aber ich bin zufrieden.

Die Blätter an den Bäumen werden bald richtig bunt. Ich mag den Herbst. In den nächsten Wochen werden die Äpfel reif sein. Auch die Ernte wird anständig.

Im Winter werde ich hoffentlich durch´s Fenster Schnee sehen und mich freuen, dass ich im Warmen sitzen kann. Spaziergänge machen, mich an einer Tasse Tee mit einem Schuss Whisky wieder aufwärmen. Die Zeit genießen, in der auch der Garten eine Pause macht. Im Fernsehen wird Wintersport laufen, ich werde lecker kochen und meine Ernte nach und nach aufbrauchen. Vieleicht besuche ich den Weihnachtsmarkt auf einen Glühwein. Ich mag auch den Winter.

Silvester werde ich, wie immer, wie damals als kleiner aufgeregter Junge erwarten. Feuerwerk. Herrlich! Danach wird wieder das ganze Dorf – warm eingepackt – auf den Beinen sein und sich gegenseitig „Prost Neujahr!“ zurufen.

Und dann geht es schon bald wieder Richtung Frühling. Die Natur sammelt Kraft. Schon Ende Februar werden sich die ersten Frühblüher zeigen. Und es ist an der Zeit, die ersten Setzlinge aus Samen vorzuziehen. Bald werden die ersten Bäume blühen …

Doch, ich bin schon zufrieden mit unseren Jahreszeiten. Will nichts anderes. Aber auf´s Wetter schimpfen kann ich trotzdem verdammt gut. 😉

©/Autor: Frank

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5 Kommentare zu “Jahreszeiten

  1. Lieber Frank,
    diese kleine Geschichte hat mich ungeheuer berührt und mein Herz gewärmt.
    Ich hatte sofort ein buntes und höchsterfreuliches Kopfkino!
    Danke.

    Es sind die oftmals die einfachen Dinge im Leben, für deren Schönheit wir unempfänglich werden. Es sind die schlichten Genüsse (Auge, Ohr, Nase und Geschmacksknospen) an denen wir vorbeihasten.
    Alles in der Natur ergibt irgendwo einen Sinn. Dass er sich uns Menschen nicht immer erschließt, nun, dafür kann die Natur freilich nichts 😉
    Werden, bestehen und vergehen…ein ewiger Kreislauf, das Leben.
    Ist der, der diesen Kreislauf an- und wahrnimmt, die Natur als (nahezu) perfektes Ensemble annimmt, dem (oft verzweifelt gesuchten) Sinn des Lebens nicht vielleicht schon viel näher, als er selbst glaubt??
    Das, was Du beschriebst, ist aus meiner Sicht der essentielle Bestandteil für ein „schönes Leben“. Im Einklang, in Respekt mit/vor der Natur.

    Ich gebe zu, ein klein wenig „neidisch“ (trifft es nicht wirklich, mir fällt aber kein besseres Wort ein) bin ich auch auf Dich.
    Denn das Leben in der Stadt (und speziell Offenbach 😦 ) hat mit diesem natürlichen Gefühl, welches Du so eindrucksvoll beschriebst, nichts zu tun. Selbst die Jahreszeitenwechsel sind in der graubetonierten Tristesse nurmehr an unterschiedlichen Temperaturen zu erkennen…
    Aber ich arbeite daran, nächstes Jahr ebenfalls ein Landei zu werden 🙂

    • Zitat von Ellen: „Aber ich arbeite daran, nächstes Jahr ebenfalls ein Landei zu werden :)“

      Ja, ich erinnere mich, da war was. Mit dieser „Tausch“geschichte, oder? Was ist denn daraus geworden?

  2. Ich bin dieser tage durch ein waldstueck gefahren und habe da eine behausung eines obdachlosen entdeckt, die vorher nicht da war.
    Dieser mensch kann nicht aus einem warmen wohnzimmer herraus, mit ner tasse tee in der hand, dem flockenwirbel zusehen..er muss in dem selben leben/schlafen..

    Ich will an die vielen menschen erinnern, die nicht die selbstverstaendlichkeit einer warmen wohnung haben, weil sie sie sich, aus was fuer gruenden auch immer, nicht (mehr) leiste koennen und es werden immer mehr.

    Und..es kann jeden treffen, obdachlos zu werden!!!!

    • Hallo Carola, ich wertschätze das Dach über dem Kopf durchaus, darum schrieb ich auch „… und mich freuen, dass ich im Warmen sitzen kann.“ Weil so viele Dinge, die man früher selbstverständlich glaubte, „plötzlich“ für nicht Wenige nicht mehr erreichbar sind, seh ich meinen bescheidenen „Wohlstand“ mit anderen Augen.

      Keine Ahnung woran es liegt, hier in meiner ländlichen Gegend sehe ich sehr wenige Obdachlose. Werden hier tatsächlich weniger Menschen obdachlos? Oder zieht es obdachlos gewordene Menschen eher Richtung Stadt, weil dort die Chance auf ein Auskommen größer ist?

      Ich sehe mich auch privilegiert, wenn ich an die vielen Städter – in vergleichbarer finanzieller Lage wie ich – denke, die in einer Betonwüste am Rande der Stadt in einer trostlosen Platte leben, weil alles andere für sie unbezahlbar geworden ist.

      • Lieber frank,

        Ich wollte nicht zum ausdruck bringen, das ich meine, du weisst die geschenke des lebens nicht zu schaetzen..davon gehe ich aus, das die meisten, in unserer lage sich bewusst sind, das vieles eben nicht selbstverstaendlich ist und man taeglich dafuer eintreten muss/soll, das es selbstverstaendlich wird.

        Ich wohne auch im laendlichen raum und hier sind viele mechanismen noch einigermassen intakt die woanders schon lange kaputt sind, zb.in meinem ort sind die meisten miteinander verwandt..vielleicht ein grund, warum einen hier die armut, die es sicher hier auch gibt, nicht ins gesicht schlaegt, wie in ballungsgebieten..hier is armut diskreter/verschaemter..hier laesst man seinen verwandten vielleicht nicht offensichtlich arm sein, ne frage der ehre/des guten namens???
        /

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