MainArbeit – Vorsicht Jobbörse!

Die Geister, die ich rief …schon Goethes Zauberlehrling ächzte unter Unvorhergesehenem 😉

Nun, eigentlich müsste ich mittlerweile daran gewöhnt sein, dass in den ersten Wochen nach Erscheinen eines Presseartikels „MainArbeit/Vaudlet“ die Hilfeersuchen zunehmen. Diesesmal hat der Bericht über „Zwangskäufe“ ein sehr großes Echo ausgelöst. Die letzten Wochen waren entsprechend stressig, der Extra-Tipp wird nicht nur in Offenbach gelesen. Dementsprechend gab es auch Anfragen aus dem LK Offenbach und dem Main-Kinzig-Kreis.
Bedauerlicherweise scheiterten hier meine Versuche, diese Arbeit an Kollegen zu delegieren.
Kurzum, viel Arbeit – kaum Privatleben.

Insider?

Erfreulicherweise kommentierte in diesem Zusammenhang hier vor Kurzem ein mir persönlich nicht bekannter Leser zum Thema MainArbeit mit offenbar fundiertem (Insider?)Wissen.
Ich habe die nachfolgend kopierte Warnung noch nicht hinsichtlich „Wahrheitsgehalt“ überprüfen können, habe aber keinerlei Zweifel an dem Geschilderten. Dennoch (der guten Ordnung halber) muss ich darauf hinweisen, dass die Darstellung meinerseits ungeprüft ist.

Vorsicht – Jobbörse –

Auszug aus einem der insgesamt wirklich beachtenswerten (!) Kommentare von Joe Donner, verfasst zum Artikel Erstausstattung spezial

Zum Schluss noch eine weitere Information: jeder Kunde der Mainarbeit sollte
für die gesamte Dauer des Kontaktes peinlich genau auf seine persönlichen
Daten achten und das vor allen Dingen in Verbindung mit der Nutzung des Portals “Jobbörse – Mainarbeit”!
Die dort hinterlegten Daten sind zum einen ent
gegen der Zusicherung der Vermittler
nicht “intern und vor Zugriff geschützt”,

sondern sie werden auf der Portalseite eines Privatunternehmens veröffentlicht.
Zugang zu dieser Portalseite kann man sich anonym über eine Legenden-Mail
an die Bundesagentur für Arbeit leicht beschaffen -oder man geht in die Firma
nach Hanau, in der mit den persönlichen Profilen der Arbeitssuchenden ein Ge-
schäft als “Personal-Vermittler” gemacht wird. Die streuen die Profildaten mit der
Gieskanne in der Gegend mit der Hoffnung herum das sich irgendwann einmal
irgendein Firmenchef für irgendeinen Arbeitssuchenden interessieren könnte.

Eingliederungsvereinbarung und Jobbörse

Man möge mich bitte umgehend korrigieren, sollte ich jetzt Unrichtiges schreiben!
Aus meiner Sicht gibt es keine Rechtsgrundlage, die dem Betroffenen abverlangt, sich in einer Jobbörse registrieren zu müssen.
Der so beliebte § 66 SGB 1 (Mitwirkungspflicht) gibt dies nicht her. Wie jetzt der äußerst schwammige § 2 SGB 2 (Grundsatz des Forderns) diesbezüglich zu interpretieren ist…?
Zitat „Eine erwerbsfähige leistungsberechtigte Person muss aktiv an allen Maßnahmen zu ihrer Eingliederung in Arbeit mitwirken“
Ist der Eintrag in ein Online-Portal eine „Maßnahme“, welche eingefordert werden darf?
Oftmals ist in der(überwiegend nicht maßgeschneiderten)Eingliederungsvereinbarung die Jobbörse als „Angebot“ eingetragen, noch nie sah ich dies unter „Pflichten“ vermerkt.

Insbesondere aus datenschutzrechtlichen Gründen rate ich aus meiner Sicht von einem Eintrag in die Jobbörsen ab, denn:

Auch „anonym“ ist nicht anonym

Viele Jobbörsennutzer fühlen sich sicher, da ihr Profil auf Wunsch anonymisiert eingestellt wird. Leider ist es ein Leichtes, diese Anonymität auszuhebeln, wenn man es denn möchte.

Seit der Änderung der Nutzungsbedingungen der Jobbörse der Arbeitsagentur ist es dem Arbeitgeber möglich, Name und Anschrift des anonymen Stellensuchers zu erfahren, wenn er selber ein Stellenangebot aufgibt und das passende, anonyme Bewerberprofil durch das JC als VV erhält, siehe:

§ 10 Weitere Besonderheiten bei anonym veröffentlichten Angeboten

(1) Ein Arbeitgeber, der als Nutzer der JOBBÖRSE registriert wurde, hat die Möglichkeit, bestimmte Einzelheiten eines mit dem Status „anonym veröffentlicht“ in die JOBBÖRSE eingestellten Bewerberangebotes einzusehen, wenn er ein Stellenangebot in die JOBBÖRSE eingestellt hat, welches von der Bundesagentur für Arbeit betreut wird und einen Vermittlungsvorschlag erhalten hat. In diesem Fall kann der Arbeitgeber über die Seite „Bewerbungen“ alle Vermittlungsvorschläge einsehen und den Bearbeitungsstand der Bewerbungen abfragen. Auf diese Weise kann der Arbeitgeber Kenntnis des Namens, der Anschrift und der Kontaktdaten des Bewerbers erlangen, der sein Bewerberangebot „anonym veröffentlicht“ hat.
(2) Diese Daten darf der Arbeitgeber aber ausschließlich für die konkrete Stellenbesetzung nutzen und nicht an Dritte weitergeben. Ein Verstoß gegen diese Bestimmungen berechtigt die Bundesagentur für Arbeit, die betreffenden Angebote – ohne Benachrichtigung der Anbieter – zu löschen und den Zugang zur JOBBÖRSE zu sperren.

Quelle:
Nutzungsbedingungen – www.arbeitsagentur.de

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3 Kommentare zu “MainArbeit – Vorsicht Jobbörse!

  1. Das mit Anonymität ist immer problematisch, wenn alle Daten bei dem Anbieter oder Jobbörse liegen. Genauso ist es glaube ich bei Monster oder Xing. Es gibt aber vollstädning anonyme Jobbörsen wie htt://www.ogolu.com/de-de Der Vorteil ist natürlich, dass man keine eigenen Daten freigeben soll.

  2. Zitat: „Aus meiner Sicht gibt es keine Rechtsgrundlage, die dem Betroffenen abverlangt, sich in einer Jobbörse registrieren zu müssen.“

    Ich denke, an der Stelle muss man unterscheiden zwischen einer „aktiven Registrierung“, also einem Account mit Schreibrecht für den Erwerbslosen, und der bloßen Veröffentlichung des „anonymen Bewerberprofils“ auf jobboerse.arbeitsagentur.de durch arges Volk.

    Im ersten Fall kann mangels Rechtsgrundlage niemand gezwungen werden, sich so einen Account einzurichten.

    Im zweiten Fall ist die Sache schon schwieriger. Hier würde ich auch nicht von „Jobbörsennutzern“ sprechen. Grundsätzlich darf arges Volk Bewerberprofile veröffentlichen, auch gegen den Willen des Betroffenen:

    § 40 Allgemeine Unterrichtung; SGB III

    „(3) Die Agentur für Arbeit darf in die Selbstinformationseinrichtungen Daten über Ausbildungsuchende, Arbeitsuchende und Arbeitgeber nur aufnehmen, soweit sie für die Vermittlung erforderlich sind und von Dritten keiner bestimmten oder bestimmbaren Person zugeordnet werden können. Daten, die von Dritten einer bestimmten oder bestimmbaren Person zugeordnet werden können, dürfen nur mit Einwilligung der Betroffenen aufgenommen werden.“

    Das ist die Rechtfertigung/Rechtsgrundlage für den berühmten Satz in EGV und ersetzenden VA („Wir veröffentlichen Ihr Bewerberprofil unter http://www.jobboerse.arbeitsagentur.de„). Hier muss man schon sehr aufpassen.

    In einer EGV ist immer darauf zu achten, dass das Attribut „anonym“ enthalten ist. Ist es das nicht und der Betroffene unterschreibt die EGV, erteilt er damit eine pauschale Einwilligung nach § 40, SGB III.

    Bei einem ersetzenden Verwaltungsakt darf streng genommen nur absolut anonym veröffentlicht werden, da eine Einwilligung nie durch einen VA ersetzt werden kann. Eigentlich. Trotzdem sollte man jedem ersetzenden VA widersprechen, der das Attribut „anonym“ in diesem Zusammenhang nicht enthält.

    Richtig lustig wird es, wenn man nun die Nutzungsbedingungen der „jobboerse.arbeitsagentur.de“ betrachtet, denn das führt fast alles bisher geschriebene ad absurdum. (Btw. Ellen, woher hast Du das Zitat „Weitere Besonderheiten bei anonym veröffentlichten Angeboten“? Es handelt sich dabei nämlich nicht um § 6 sondern um § 10, zudem weicht auch der Text geringfügig ab.) Da die Anonymität durch die „Besonderheiten“ eingeschränkt wird, ist sie keine mehr. Anonymität gem. § 40, SGB III ist nicht einschränkbar.

    Lange Rede kurzer Sinn, es gibt aus rechtlicher Sicht nur eine legale Veröffentlichingsmöglichkeit des Bewerberprofils: Wenn das in einer unterschriebenen EGV ohne das Attribut „anonym“ vereinbart wurde.


    Kleiner Exkurs: Die Mitwirkungspflichten der §§ 60 ff., SGB I beziehen sich ausschließlich auf den Feststellung von Bedürftigkeit (dem Grunde und der Höhe nach). Bedürftigkeit ist aber völlig unabhängig von irgendwelchen Vereinbarungen innerhalb von EGV, Jobbörsen, etc, etc. …

    Arge Ämtler, die diese Mitwirkungspflichten immer wieder in völlig andere Zusammenhänge stellen, sind entweder Ingnoranten, die §§ 60 ff. gar nicht gelesen haben. Oder sie sind Dummköpfe, die zwar gelesen aber nicht verstanden haben. Oder aber sie sind miese Schufte, die bewusst Erwerbslose mit falschen Rechtsgrundlagen unter Druck setzen wollen.

    Über den schwachsinnigen § 2 (Grundsatz des Forderns) SGB II, der ein einziger „unbestimmter Rechtsbegriff“ ist, braucht man nun wirklich nicht reden. So ein Quatsch kommt eben zustande, wenn rot-grüne Zauberlehrlinge zur gesetzgeberischen Feder greifen.

    Um „alle Möglichkeiten zur Beendigung oder Verringerung der Hilfebedürftigkeit auszuschöpfen“, kann der erwerbsfähige Leistungsberechtigte – wenn das wirklich wörtlich gemeint ist – seinem argen Ämtler eins über den Schädel ziehen und sich dessen Brieftasche aneignen. 😉

    Motto:

    Walle! Walle, manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe, und mit reichem vollen Schwalle zu dem Bade sich ergieße.

    Und nun komm, du alter Besen! Nimm die schlechten Lumpenhüllen, bist schon lange Knecht gewesen, nun erfülle meinen Willen!

    O, du Ausgeburt der Hölle! Soll das ganze Haus ersaufen? Seh‘ ich über jede Schwelle doch schon Wasserströme laufen. 🙂

    Ein verruchter Besen, der nicht hören will! Stock, der du gewesen, steh doch wieder still! 😉

    • Danke Frank 🙂
      Die Idee, dass die Jobbörse im 3er verankert ist, kam mir nicht (ich brauche wohl dringend Auszeit)
      Den §en werde ich jetzt sofort ändern, ich war auf der Suche unter den Stichworten „Anonymität umgehen, Jobbörse“ – weil ich mich gut erinnerte, von diesem Schlupfloch früher gelesen zu haben und es gut zum Artikel passte – auf einen entsprechenden Beitrag in einem Forum 😉 gestoßen und leider ungeprüft übernommen (ich brauche wohl dringend Auszeit, Anm. die Zweite)
      Derart „Nachlässigkeiten“ sollten nicht vorkommen…

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