MainArbeit Offenbach – Angst (?)

 

Nicht gegen den Stock errege ich mich, der mich schlägt und mir Schmerz bereitet, sondern gegen den, der ihn führt.
Ihn wiederum führt der Haß:
So gilt es, den Haß zu hassen.

Dieses wunderbare und in seiner schlichten Logik so hilfreiche Zitat des Dalai Lama hat mich bereits einige Male davor bewahrt, Opfer meines Zornes zu werden.
Zorn gegen Verblendete, gegen Dumm-Dreiste, gegen welchen „Täter“ auch immer.
So auch heute.

Harte Wochen…

intensivster Arbeit gingen dem heutigen Tag voraus. Auch privat und gesundheitlich sah es nicht eben rosig aus, dennoch durfte darunter die Unterstützung für Betroffene des unsäglichen „Hartz-Systems“ nicht leiden.
Positive Veränderungen allgemein hinsichtlich Erstausstattung darf ich (ohne jedwede Eitelkeit) durchaus auf meine Fahne schreiben, daneben wurden und werden „Einzelfälle“ intensiv begleitet, auch hier mit teils beachtlichen, positiven Auswirkungen.
Die ständige Konfrontation, die Stellvertreterdiskussionen machen dennoch müde, sie sind anstrengend und ließen auch meine Haut dünner werden.
Der heutige Tag war nach meinem Empfinden derart krass, dass ich das Erlebte runterschreiben muss, wenngleich ich bereits jetzt hundemüde bin (aber ich blogge derzeit ja eh zu wenig 😉 )

Ungeklärte Zuständigkeiten

Noch gestern war ein konstruktives Gespräch mit dem Arbeitsvermittler einer U25erin angesagt.
Wir kamen überein, dass die junge Frau (Maßnahmeabbruch, 100% Sanktion) zunächst hinsichtlich aktueller Erwerbsfähigkeit untersucht werden soll und aufgrund dieses „Mitwirkens“ der Sanktionszeitraum auf 6 Wochen verkürzt wird, mit Rückwirkung.
Ohne allzu sehr in’s Detail zu gehen (kann ich auch nicht, bin ja keine Psychologin) attestiere ich der Betroffenen hochgradige Mehrfachtraumata (aus ihren Erzählungen) und Depressionen (Attest liegt mir vor).
Heute nun wollten wir den WBA (Folgeantrag) abgeben und einen geringen Barvorschuss erwirken.

Die Leistungs-SB hatte – nach Aktenlage – jedoch entschieden, dass „aus ihrer Sicht“ eine Verkürzung des Sanktionszeitraums nicht angezeigt ist.
Für die Betroffene ein Schock, sie braucht dringend ihre Medikamente und ist restlos pleite.
Für mich nicht minder, denn ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier wieder einmal ein Exempel statuiert werden sollte, welches sowohl zulasten der Betroffenen geht als auch eine ziemlich fiese Aktion gegenüber dem Kollegen Arbeitsvermittler darstellt.
Unfassbar eigentlich, aus meiner Sicht unter Kollegen ein absolutes No-Go. Wenn der pAP eine Sanktion veranlasst, sollte es ihm und seiner Beurteilung auch obliegen, ob nun „mildernde Umstände“ vorliegen und er den Sanktionszeitraum entsprechend verkürzt.
Man kann Ermessen auch durchaus zugunsten eines Betroffenen auslegen, und in diesem Fall war es wirklich angezeigt.
Persönliche Befindlichkeiten (welche auch immer) einer weiteren Person dürfen diese verbindliche Zusicherung nicht einfach so aushebeln können.

Die Bereichsleitung mal wieder…

hat nach sofortiger Kontaktierung richtig reagiert, es bleibt bei der verkürzten Sanktion.An dieser Stelle danke dafür.
Dennoch, aus rein menschlich-kollegialer Sicht gesehen (ohne auf die Gefühle der der Betroffenen einzugehen):
Wie kann man einen Kollegen nur derart der Unglaubwürdigkeit preisgeben? Nur weil man selbst (weitestgehend ohne Kundenkontakt) ein Hardliner und Sanktionsbefürworter ist?
Peinlich ist hier ein noch harmloses Wort…

Security mit erhöhtem Aggressionspotential

Für mich war dieses divergierende Verhalten von pAP und SB nicht schlüssig, so habe ich ein Sanktions(rücknahme)Procedere auch noch nie erlebt.
Da ich mehrere Arbeitsvermittler kenne, welche mein Vertrauen verdienen (ja, die gibt es! 🙂 ) kontaktierte ich einen von ihnen sofort, da ich mich zunächst kundig machen wollte, ohne sofort wieder die Bereichsleitung einzuschalten (was schlußendlich doch erfolgte)

In der MainArbeit ist Handy-Verbot (gekennzeichnet und von mir übersehen mit Schildchen am Eingang in Bodennähe)
Die seit Beginn des Monats neu eingesetzte Sicherheitsfirma mit dem englischen Namen für Kraft 😉 sah sich auch sofort genötigt, mit lautstarker Unfreundlichkeit und sofortigen Drohungen („Hausrecht/Hausverbot“) zu „reagieren“.
Die Nähe, in welche der „Security“ zu mir aufrückte, war nach meinem Empfinden ebenso bedrohlich wie die leicht erhobene Hand und der Rest der Körpersprache.
Der Arbeitsvermittler konnte dem – seitens des Sicherheitsmenschen hochaggressivem – Dialog folgen, bevor ich das Gespräch beendete.

Angst

Irgendetwas in meinen Augen hielt den Sicherheitsmenschen wohl davon ab, körperlich übergriffig zu werden. Ich warnte ihn zwei Mal, dies nicht zu wagen…
Dennoch sitzt der Schock recht tief.
Mimik ( und Mikromimik ) diese Mannes sprachen ebenso Bände wie Körpersprache.

Nein, um mich habe ich keinerlei Angst. Was geschieht, geschieht…(kein ying ohne yang 😉 )
Ich habe Angst davor, dass aufgrund solcher „Begegnungen“ ein Betroffener „durchdreht“ und es an einer unbeteiligten Person auslässt.
Ich habe somit Angst um meine (potentielle) Klientel.
Ich habe auch Angst, dass solche Wesen wie dieser „Power-Mann“ Betroffene abhalten, ihr Recht einzufordern.
Ich habe Angst, dass es dann zu einem zweiten Fall Christy Schwundeck kommt.
Und nicht erst, seit ich weiß, dass es auch in Offenbach einen Fall gab, in welchem ein unendlich engagierter, sympathischer Arbeitsvermittler durch eine paranoide, zwischen SGB2 und SGB12 hin-und her geschobene, offenbar verzweifelte „Kundin“ in Lebensgefahr war, wird mir kotz-elend.
Denn auch die Tote aus Neuss ist mir im Gedächtnis…

Ich musste das Alles runterschreiben…

denn ich befürchte, dass (in Offenbach wie bundesweit) uns der dampfende Druckkessel bald, sehr bald um die Ohren fliegen wird.
Da werden weder mein „Mensch-Einfordern“ noch meine sachlichen/unsachlichen Beschwerden ( auch die Securities betreffend) etwas daran ändern.

Dieser Gedanke daran ist derzeit einfach nur grauenhaft…

 

 

 

 

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5 Kommentare zu “MainArbeit Offenbach – Angst (?)

  1. Puh, wo ist der Button „Gefällt mir nicht“?

    Zitat Ellen: „… auch eine ziemlich fiese Aktion gegenüber dem Kollegen Arbeitsvermittler darstellt.
    Unfassbar eigentlich, aus meiner Sicht unter Kollegen ein absolutes No-Go. Wenn der pAP eine Sanktion veranlasst, sollte es ihm und seiner Beurteilung auch obliegen, ob nun “mildernde Umstände” vorliegen und er den Sanktionszeitraum entsprechend verkürzt.“

    Erweitertes Stockholm-Syndrom? Wenn so ein PAPpiger arger Geselle eine Sanktion veranlasst, dann ist er schlicht eine besonders niederträchtige Kreatur. Er gehört verachtet und mit allen Mitteln bekämpft. Und so ein hochwohl geborener widerlicher Geselle soll dann auch noch huldvoll “mildernde Umstände” zugestehen dürfen? Ist Dir klar, liebe Ellen, dass damit weiterer Willkür Tür und Tor geöffnet ist?

    Natürlich ist der arge Leistungsmensch eine ebenso verachtenswerte Kreatur, aber zumindest verhindert diese Art „Gegenkontrolle“, dass der Sanktionsvermittler absolutistische Macht hat. Die Sanktionen als solches müssen weg/bekämpft werden. Was Du hier – sicher aus den besten Motiven – wünscht, führt aber letztendlich in genau die falsche Richtung. Wann wohl wird demnächst der unkontrollierte PAPpige Sonnenkönig einer Sanktionierten “mildernde Umstände” zugestehen? Wenn sie ihm einen bläst, gibt´s nur 6 Wochen Hunger und Elend statt 12 Wochen? Nein, das kann nicht der Weg sein!

    Zitat Ellen: „Und nicht erst, seit ich weiß, dass es auch in Offenbach einen Fall gab, in welchem ein unendlich engagierter, sympathischer Arbeitsvermittler durch eine paranoide, zwischen SGB2 und SGB12 hin-und her geschobene, offenbar verzweifelte “Kundin” in Lebensgefahr war, wird mir kotz-elend.“

    „Unendlich engagiert, … sympathisch“ … Paranoide „Kunden“ werden durch solche argen Schreibtischtäter erst gemacht. DAS sollte einen kotz-elend werden lassen. Ich habe keinerlei Sympathie für irgendeine dieser argen Kreaturen! Wer durch Mitarbeit in einer Behörde, die bedürftige Menschen mittels Sanktionen an Leib und Leben bedroht, das System stützt, dem gönne ich im Gegenzug auch eine kräftige Portion Lebensgefahr.

    Mit dem Fall Christy Schwundeck hat das imho ohnehin nichts zu tun. Denn der zeigte uns vielmehr deutlich, dass man auch ohne arge Gesellen angegriffen zu haben, einfach mal so abgeknallt werden kann.

    • Mein Kommentar tut mir schon wieder leid. Nicht dass ich etwas an den Kernaussagen zurückzunehmen hätte. Zu denen stehe ich. Aber in Bezug auf die Betroffene und auf Deine ständigen Bemühungen, für die Betroffenen das best Mögliche herauszuholen, war er wenig hilfreich.

      • Ist scho o.k., Frank, Du musst da nichts bedauern.
        Vielleicht ist es an mir, mein Menschenbild zu überarbeiten…offenbar bin ich hoffnungslos antiquiert.
        Mein Unverständnis gegenüber Gewalt im Allgemeinen wie im Besonderen (egal, wie ausgeübt) meine altmodische Vorstellung von Anständigkeit und Fairness, meine Auffassung vom grundsätzlich Gutem in (fast) jedem Menschen gehören anscheinend auf den Prüfstand…
        Angst um „die Menschheitsfamilie“ scheint ein alleweil schlechter Ratgeber, insbesondere, wenn sie sich mit ureigensten Ängsten vermischt…

        lG
        Ellen

        • Zitat von Ellen: „Mein Unverständnis gegenüber Gewalt im Allgemeinen wie im Besonderen (egal, wie ausgeübt) ….“

          Die (hier durch Gesten/Mimik angedrohte) körperliche Gewalt – die Dich nach meinem Eindruck halt doch besonders geschockt hat – ist auch nur eine Form der Gewalt, die einem in argen Ämtern täglich begegnet. Ich habe noch nie verstanden, warum so viele – auch betroffene – Menschen da einen Unterschied machen. Vielleicht deshalb, weil, wenn man physisch eins in die Fresse bekommt, (sich) das bei aller Mühe nicht mehr „wegerklären“ kann?

          • Ja und nein, Frank.
            Physische Gewalt kann sogar „weniger schlimm“ sein als psychische.
            Mir ist jedwede Gewalt ein Gräuel, das Erklärungsmuster (aus meiner Sicht der sog. Verblendung) ist auf beides anwendbar.
            Dass mich nun die Aggressivität des Sec. so sehr berührte/schockte, hängt ausschließlich mit mir zusammen, besser gesagt, mit der Erkenntniss, zu der ich gelangte:
            Ich bin (trotz „verstehen/verzeihen/erklärenkönnen“ aus meiner Sicht) offenbar doch noch nicht ganz durch mit früherem Eigenerleben diesbzgl.
            Innerer Friede also nur bedingt, hier in Anwendung auf die (früheren) Peiniger. Dennoch ist da ein Rest von Angst, von dem ich dachte, es gäbe ihn nicht mehr…

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