„Tafel-Abzocker“ – eine Gegendarstellung

Der nachstehende Artikel im Extra-Tipp war bestens geeignet, nicht nur bei mir ( man beachte die Kommentare) Empörung und Zorn auszulösen.
Worum geht’s?

Im Artikel werden „Kunden“ der Tafel Offenbach angeprangert, bei einer weiteren Einrichtung 2x monatlich zusätzlich noch für Lebensmittel anzustehen. Dies wird u.A. mit so netten Worten wie „Abzocker, abgreifen, den Hals nicht vollkriegen“ beschrieben.

http://www.extratipp.com/news/aufreger/tafel-abzocker-hartz-iv-empfaenger-ergaunern-kostenlose-lebensmittel-3221970.html

Hier zunächst ein paar Zitate:

„Während die meisten Hartz-IV-Empfänger brav und dankbar ihre Tüten bei der Offenbacher Tafel abholen, haben einige eine miese Masche entwickelt, um sich mehr zu ergaunern, als sie brauchen.“

(…) Dennoch können einige wenige Hartz-IV-Empfänger offenbar den Hals nicht voll genug kriegen. Sie holen sich erst ihre Ration bei Sparr und gehen dann nochmal zur katholischen Gemeinde St. Elisabeth (…)

(…) ärgert sich aber vor allem darüber, dass einige wenige Betrüger alle Tafelkunden in Verruf bringen (…)

(…) Denn was machen Hilfsbedürftige mit so vielen Lebensmitteln, die kurz vor dem Ablauf stehen? Edith Kleber, weiß: „Verkaufen kann man das nicht, aber tauschen.“ Etwa gegen Alkohol und Zigaretten.

Im Gespräch mit Frau Woyciechkowski – Leiterin der Lebensmittel-Ausgabe „Lisbeth-Korb“…

…zeigte sich diese empört über die unsachlichen, teils wider besseren Wissens getätigten Aussagen im Artikel. Der Redakteur Reinartz suchte einige Wochen vor Erscheinen des Artikel die Ausgabestelle St. Elisabeth auf. Ihm wurde erklärt, dass durchaus eine Kontrolle der Bedürftigkeit vorgenommen würde, etwa in Form von Vorlage des Leistungsbescheides SGB2/SGB12, eines Rentenbescheides in geringer Höhe oder eines Wohngeldbescheides.
Im Artikel jedoch findet sich darüber kein Wort.Vielmehr heißt es da, man „sei nicht bereit, die Kunden zu kontrollieren“.
Absurd und lächerlich befindet Frau Woyciechkowski den Vorhalt „des Abgreifens“. Zum Einen findet die Lebensmittelausgabe in St. Elisabeth nur 2x monatlich statt, zum Anderen wisse man sehr wohl, dass es sich bei den Lebensmitteln lediglich um kleine Zugaben handele. Das Aufsuchen der Tafel in der Krafftstrasse sei kein Ausschlußkriterium, denn häufig sind die Lebensmittel bereits „grenzwertig“, der „Kunde“ müsse insbesondere bei Obst und Gemüse große Anteile wegschneiden.
Von, O-Ton im Artikel, „mit vollen Tüten von dannen ziehen“, könne wahrlich keine Rede sein.

Konkurrenzgedanken…

…oder Profilierungsgehabe, die Frage stellte sich mir, als ich den Artikel im Extra-Tipp las. Dementsprechend hakte ich bei Frau Woyciechkowski nach, wie in St. Elisabeth das Spendenaufkommen ist.
Sie erklärte mir, dass etwa 250 Menschen von den Spenden „profitieren“. Im Gegenzug gibt es (anders als bei den regulären Tafeln) lediglich 6 regelmäßige Spender. Diese sind drei Wochenmarktbeschicker, der Hit-Markt, der Bio-Discounter Denn’s und Glockenbrot. Ebenso regelmäßig kauft St. Elisabeth zusätzlich Lebensmittel ein.
Frau Woyciechkowski verweist zudem auf die Ausgabestellen in Bensheim, Alzey und Bingen, welche 2x wöchentlich geöffnet haben.Sie sieht in den Äußerungen der Tafel“Chefinnen“ Sparr (Offenbach) und Kleber (Frankfurt) einen für sie nicht nachvollziehbaren Konkurrenzgedanken und resümiert treffend:
“ Es ist schwachsinnig, im „Tafelgeschäft“ konkurrieren zu wollen, wie es offenbar die Intention der Damen Sparr und Kleber ist. Das Beste wäre, wenn man uns überhaupt nicht bräuchte!

Der Dealer wartet nicht auf die Bezahlung mit abgelaufenen Lebensmitteln…

…so kommentierte Frau Woyciechkowski die aus unserer Sicht halt-und hirnlose Darstellung, dass die Spenden gegen Alkohol und Zigaretten getauscht würden.Auch dass vor geraumer Zeit behauptet wurde, „man tausche auch gegen Drogen“, empört Frau Woyciechkowski.Diese (von Frau Kleber auch bereits früher geäußerten) Ansichten diskreditiere nicht nur die Tafel“kunden“, sie sei zudem schlicht realitätsfremd.
Dem kann ich mich nur anschließen…

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5 Kommentare zu “„Tafel-Abzocker“ – eine Gegendarstellung

  1. Emil, ich weiß nicht, ob es justitiabel ist…das zu prüfen muss ich derzeit auch anderen Mitmenschen überlassen (so sie das wollen) denn mir geht es nicht besonders gut und ich muss mit meinen Kräften ziemlich haushalten.
    Es wird morgen schon eine Art „Gewaltakt“ für mich, bei St. Elisabeth, Essen & Wärme und vor dem Jobcenter Unterschriften für die Petition zur Abschaffung von Sanktionen zu sammeln.

    Carola, es gibt Deinen Kommentaren (im Extra-Tipp wie auch hier) eigentlich nichts mehr hinzu zu fügen.
    Ich habe den Artikel und die Gegendarstellung aus dem „Interview“ mit Frau Woyciechkowski sowohl auf meiner Facebook-Seite, auf der vom Bistum Mainz und hier verbreitet, und ich habe ihn dem Chefredakteur des Extra-Tipp zugesandt. Dieser meinte ja in einem seiner Kommentare, seine Zeitung habe keinerlei Problem mit dem Veröffentlichen von Gegendarstellungen.
    Ich bin gespannt…

    • justitzabel ist es …aber , sind wir doch ehrlich , es interessiert keine s…und deswegen dürfte die ganze sache wegen manglendem öffendlichen interesse im „nirwana „verschwinden , dafür wird man keine steuergelder verschwenden .

      naja…also, da müsste man ja jeden tag anzeige wegen volksverhetzung /“übler nachrede „…verunglimpfung stellen , gegen die öffendlch -rechtlichen medien genauso wie gegen die privaten 😦

      also, „aussichtsreich “ is was anderes …:(

      lalso bleibt nur, derartige „geistige ergüsse „als das in den kommentaren zu brandmarken , was sie sind -„schund&schmutzliteratur 🙂 „(ein begriff aus der DDR , der westliche presseerzeugnisse bezeichnete )

      naja…was mir auch so aufstösst :

      da wird der angeblch so schwunghafte tauschhandel angeprangert ..naja, ich sage mal so :

      es ist die älteste methode , waren /dienstleistungen den besitzer wechseln zu lassen und ich denke, gerade bei menschen , die nicht über die nötigen barmttel verfügen , ist es ein „muss „..will man einen gefallen /ne dienstleistung „honorieren „auch schon , um nicht als „geber der dienstleistung „in den verdacht zu geraten , man arbeitet schwarz und den „dienstleistungsnehmer „nicht zu beschämen , weil er geld nicht aufbringen kann , aber auf die dienstleistung auch nicht verzichten kann und auch will !…

      naja…und solche „tauschgeschäfte „sind ja de „schmiere „im „getriebe“der gesellschaft (im grossen stil isses dann korruption …und wird auch gerne genossen /angenommen )..nur, bei den armen wird sie kriminalisiert , bis hin zur „erlangung geldwerten vorteils „..der unterstellung von „sozialbetrug „/“schwarzarbeit „…jeder tut es ..nur, die armen dürfens nicht ..warum ?weil das „tauschmittel „aus spenden stammt ?na und….es würde ansonsten WEG GEWORFEN !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

      wobei ich eher nicht glaube, das „tafeläpfel „(welch wortspiel …also, äpfel von der tafel )ihren besitzer gegen einen haarschnitt wechseln ….aber, velleicht ist ein brot hilfreich , weil de nachbarin wieder mal ihr brot vergessen hat ..naja, aber auch hilfe ist ja bekanntlich bei armen menschen unter strafe gestellt , besonders der empfang von hilfe .., denn sie könnten ja einen vorteil durch gute nachbarschaft haben , welches ja der (gewünschten )isolerungtendenz entgegen steht und dabei hat sich der staat solche mühe gegeben , durch nicht ausreichende regelsätze die gesellschaftliche teilhabe zu minimieren..den anblick von armut aus den strassen /cafes /museen.usw…zu verbannen ,,,und das unterwandern die armen und helfen sich gegenseitig …das geht doch gar nicht !!.

      ja, jeder soll für .sich allein leiden /sterben :(.

  2. naja…was ich von diesem herrn reinertz halte , habe ich ja schon auf der kommentarseite geschrieben ..investikativer journalismus sieht anders aus..aber, ihm sei verziehen ,in so fern , das er ja von oben aus seinem „elfenbeiturm „des wohlstandes blickt ..also, bleibts dabei :

    er ist ein „sprachrohr „welches ungefiltert „trötet „was ihm vorgetrötet wird…das machts nicht besser, ist klar , aber verständlicher !

    allerdings ..die beiden damen der „tafel „, die ja den direkten kontakt zu ihrer „klientel „haben dürften (oder auch nicht …immer schön abstand wahren , gelle ?) sind für mich der innbegriff einer völligen fehlbesetzung …und das machen sie auch noch öffendlich und dokumentieren das ..denn zu ihrer „kundschaft „gehören sicher nicht nur „junkies „und „alkis „(is nich mein wortschatz )..sondern auch alte /frauen &männer , die allein erziehen …obdachlose und menschen in anderen sozialen notlagen , die es ja noch neben alkoholabusus und drogenkonsum geben soll !

    was WOLLEN sie wissen , über die ursachen der sozialen notlagen ???

    und man kann sich vorstellen , so wie die „führungsetage „dieser „tafel „über ihre „kunden „ÖFFENDLICH schwadroniert , so wird auch das personal nicht anders denken …der „gruppenzwang „des denkens wird da wohl um sich greifen !

    diese kaltherzigkeit ist ja symptomatisch für unsere gesellschaft …allerdings scheint mir hier der sinn /zweck des ehrenamtes (oder bezahlt ???) der beiden damen ein anderer zu sein …naja, man sitzt ja an der quelle und es ist ja kein geheimnis, wo die gelegenheit , da auch die diebe (alles reiner zufall und spekulation , ja, ja ).

    hm…es ist zu fragen , ob dieser artikel und seine nun wahrlich nicht gute „publicity „dem „tafelverband „nicht „aufstösst „…man sollte ihn mal der hauptgeschäftsstelle zukommen lassen …naja, der „tafelverband „ist ja auch an einem guten image interessiert …hm…ich KÖNNTE mir vorstellen , wenn man dran bleibt …..denn so ein artikel beschmutzt den ruf derer , die wirklich, mit innerer hingabe ihre stelle bei den „tafeln „ausfüllen , in dem glauben , elend zu mildern /zu helfen (ja, solche menschen gibt es )obwohl „tafeln „in so einem reichen land wie deutschland, welches aus dem „stehgreif „mal e paar banken rettet ..eigendlich überflüssig sein sollten , was sie nicht werden und die aussicht , das sie es jemals (in absehbarer zeit werden )schwindet dahin …mit der GroKO sowieso , es ist eher damit zu rechnen , das „tafeln „nochmal nen richtigen „boom „erleben werden (nur , die spender werden weniger , denn sie haben das geschäft für sich entdeckt , was ecken mit drastisch reduzierter ware ,kurz vorm mindeshalbarkeitsdatumsablauf in supermärkten , bezeugen. auch kleinstspendern wie bäckern wirds schwer gemacht ..naja, werfen sie die backwaren weg , müssen sie keine steuern zahlen …geben sie sie an die „tafeln „oder verbilligt an ihre kunden weiter …

    http://uhupardo.wordpress.com/2012/07/19/lebensmittel-spender-mussen-steuern-nachzahlen/

    http://www.focus.de/finanzen/steuern/steuer-irrsinn-tafel-fuerchtet-um-lebensmittel-spenden_aid_784858.html )

    die „schlinge „um die mittellosen (egal aus welchem grunde )zieht sich immer mehr zu …jede erleichterung wird systematisch zu einer erschwernis umgebaut …nun ja, wo die „reise „hin geht …hm, erinnerungen an gehörtes aus dem geschichtsuntericht machen sich bei mir breit , ich denke, der charakter des systems tritt immer mehr zu tage !

    und trotzdem gibt es menschen , die überzeugt sind , im ehrenamt etwas zum besseren zu wenden und was wirklich gutes zu tun und dieser artikel beschmutzt deren guten ruf /ihre arbeit …die beiden damen sollten sich schämen (was sie nicht machen werden , denn „schämen „setzt „schamgefühl „vorraus und das sie das nicht haben , haben sie mit dem artikel bewiesen..denn herr reinertz hat das gedankengut ja ungefiltert in die welt posaunt , weil er meinte , die damen seien im recht …die armen schafe in einem rudel von wölfen 😦 😦 😦 )

    und da fällt mir ein :(ein klassiker der DDR-literatur und des DDR-films )

    http://kinox.to/Stream/Nackt_unter_Woelfen.html

  3. die frage ist , ob die beiden damen sparr /kleber an dieser stelle richtig sind , wenn sie so ein menschenverachtendes bild ihrer „klientel „haben ?

    welche intention haben sie, um an dieser stelle ehrenamtlich zu wirken ?

    vielleicht wären sie in einem tierheim besser aufgehoben(wenn sie partout ehrenamtlich wirken wollen ) , denn die meisten menschen haben zwar mitleid mit tieren , aber eher weniger „mit leiden „mit ihren nächsten /menschen .

    „Der Dealer wartet nicht auf die Bezahlung mit abgelaufenen Lebensmitteln“

    der satz hat mich (bei der vorstellung der praktischen umsetzung ,irgendwie belustigt ..obwohl, „lustig „ist das nicht ..ich habe mir vorgestellt , da steht ein „tafelkunde „mit „angegangenen äpfeln /salat …und ner grünen gurke 🙂 und ein potentieller abnehmer tauscht das gegen ne flasche schnaps (die schon preislich höherwertig sein dürfte )…sowas von unreal (jedenfalls für meine vorstellungswelt )..aber, auch da sieht man das menschenbild ..“kroppzeug „im schwunghaften handel mit allem , was nicht „niet ,-und nagelfest „ist , gegen alles was „dröhnt „…:(

    da ist mir doch gestern dieser link in die hände gefallen

    ..http://de.wikipedia.org/wiki/Jenische

    naja…..

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