Wer betrügt, der fliegt

 

Mit dem Slogan „Wer betrügt, der fliegt“ startete die CSU zum Beginn des Doppelwahljahrs 2014 eine Kampagne gegen Armutsmigration aus Osteuropa.
Dieser Art geistiger Brandstiftung kann mensch auf vielerlei Arten begegnen. Launig und schwarzhumorig ist eine Möglichkeit, von der gerade „im Netz“ viel Gebrauch gemacht wird.


Auch mir schossen da sofort einige bajuwarische Zeitgenossen durch den Kopf, seien es der „Gel-Gutti“

oder der FC-Bayernpräsident, hier ein BILD nach seinem Flug

Kein Stück witzig…

sind hingegen Ereignisse im Freistaat, die durchaus (auch) auf derartige und ähnliche geistige Brandstiftung zurück zu führen sein können.
Feuer im Asylbewerberheim Gmünden (Unterfranken)

Intelligent-eloquent, mit Biss ohne bissig zu sein…

…so möchte ich die Abhandlung zu diesem Thema bezeichnen, welche der von mir sehr geschätzte Autor Holdger Platta hierzu verfasste.
Auf diesem Weg nochmals herzlichen Dank für die Erlaubnis, diese veröffentlichen zu dürfen 🙂

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“Wer betrügt, fliegt”

Holdger Platta ©

 Gestern, jawohl, musste sogar ich einmal einen dieser ‚Businessliner’ nehmen, einen ‚Flieger’ von Hannover nach Berlin. Unaufschiebbare Familiensache, hier nicht weiter von Belang. Aber was traf ich da so alles auf diesem Flug in die bundesdeutsche Hauptstadt? Und was hörte ich da so alles? Ich füge hinzu: widerwillig genug!

 Nun, ich bediene mit meinem Bord-Service erstmal unser aller Augensinn.

 Fast nur Männer waren in diesem Flugzeug zu sehen. Und fast alle im Anzug, in hellen Hemden und edlen Schuhen, mit obligater Krawatte unter dem Hals. Nahkampfkleidung also der bundesrepublikanischen Geschäftswelt, Deutschlands Wirtschaftselite im feinen Zwirn. Und diese Gesichter! Können Gesichter aus Routine bestehen? Diese Gesichter konnten es. In einer Mixtur aus Eiseskälte und Höflichkeit, aus Glätte, Härte und Schlaumeierei. Das gibt es nicht? – Doch, das gibt es! Hier gab es das! Irgendwie trugen fast alle dieselben Gesichter. Nennen wir’s mal so, was ich da über den Schlipsen sah! Und was bitte teilte mir mein Hörsinn mit?

Selbstverständlich, viele der Herren waren bald mit ihren Laptops beschäftigt, versanken also rasch in eine abgeschlossene Lautlosigkeit. Doch viele andere redeten auch. Einige miteinander, einige in ihre Handys hinein. Und wieder und wieder vernahm ich da Halbsätze, Einzelwörter, hin und wieder auch klirrendes Lachen, kasernhofkurz – es gibt auch ein Lachen mit Händen an der Hosennaht! Hier hörte man es! -, gehorsamsgeil oder auch befehlsgewohnt. Zackig und auf Zack! Und das alles hörte ich da, die Wiedergaben sind gekürzt:

„Feindliche Übernahme“, „müssen wir reingehen“, „durchgezogen“, „Kaimaninseln“, „übers Limit getrieben“, „hatter dumm ausgesehen“, „im Vertrag bitte ganz hinten“, „Märchensteuer rausstreichen“, „dem schmeißen wir doch nicht noch unsere Caritas hinterher“, „rüberschieben nach Übersee“, „soll er selbst sehen“, „sind wir ein Wohltätigkeitsverein“, „Schweiz bitte nicht, auch nicht Luxemburg, Guernsey geht noch, am besten Bahamas…“

Seit diesem Flug weiß ich: die CSU hat Recht! – Nein, nicht so, wie sie es meint, nicht als Bestrafungsmaxime für Armutsmigranten aus Bulgarien, Rumänien oder sonstwo. Aber als Beschreibung alltäglicher Wirklichkeit über den Dächern unserer Republik:

Wer betrügt, fliegt!

 

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