Kalt, kälter, Jobcenter Wetterau

 

Mitarbeiter der MainArbeit Offenbach mögen vorübergehend aufatmen 😉 diesen (und vermutlich noch weitere) Artikel „widme“ ich dem Jobcenter in Friedberg. Und zeitgleich an mehreren Prangern  Kritiken zu arbeiten, überfordert mich doch ein wenig…

Eine liebe Freundin bat mich um Hilfe für einen Bekannten.
Der junge Mann (grad mal ü20 Jahre) lebte bis vor einem 3/4 Jahr mit seinem Bruder und den Eltern zusammen. Der familiäre Hintergrund war – mit aller Vorsicht – als „angespannt“ zu bezeichnen.
Die Eltern trennten sich, der Vater ist irgendwo in Bayern auf Arbeitssuche. Die Mutter der jungen Männer suchte sich eine kleine Wohnung und blieb als Einzel-BG im Leistungsbezug, ein Sohn zog später zu ihr, da es mit dem Vater überhaupt nicht funktionierte.
Die Mutter war zu diesem Zeitpunkt bereits an Krebs erkannt, entdeckt wurde dies, als dieser bereits gestreut hatte.Binnen kürzester Zeit wurde sie zum bettlägerigen, inkontinenten Pflegefall, verfiel zusehends.

Den Tod vor Augen

Der Sohn sah seiner Mutter quasi täglich beim allmählichen Sterben zu, diese Belastung führte dazu, dass er keine Kraft mehr fand für seine Ausbildung, es folgte dann die Kündigung während der Probezeit.
Schlußendlich übernahm er die Pflege der Mutter in weitestgehend allen Bereichen. Die EinRaumWohnung bot keinerlei Rückzugsmöglichkeit, das Pflegebett der Mutter, der Roll-und der Toilettenstuhl teilten sich den einen Raum mit der Matratze (!) des Jungen, einem Schrank und weiterem, eher kärglichen Mobiliar.
Laut Mietvertrag soll die Wohnung 32 m²  vorhalten, ich bezweifle das erheblich.
Mit etwas Phantasie dürfte den Lesern nun ein entsprechendes Bild vor dem geistigen Auge erscheinen…
Am ersten Weihnachtstag 2013 verstarb die Mutter.

Gesetz ist Gesetz – und das Gesetz sind wir

Am 7.1.14 sprach der junge Mann im Jobcenter Wetterau/Friedberg vor. Trotz detaillierter Schilderung der Lebensumstände, trotz Hinweis auf den kurz zurück liegenden Tod seiner Mutter, trotz, dass selbst ein Blinder sieht, dass dieser junge Mensch keinerlei Kraft mehr hat, trotz, dass er deutlich kommuniziert hat, dass alles (Beisetzung, Behördengänge ect) ausschließlich an ihm hängt:

Direkt bei Antragstellung (!!!) wurde ihm eine Eingliederungsvereinbarung zur Unterschrift vorgelegt! Kein Profiling, keine Feststellung der Erwerbsfähigkeit, nichts, nada, niente! Aber ein Vortrag wurde ihm gehalten, dass er sofort eine 100%ige Leistungskürzung erhielte, würde er nicht unterschreiben und käme er den Pflichten nicht nach! Acht Bewerbungen noch für Januar, zwei Vermittlungsvorschläge (davon einer im 3-Schicht-System) zusätzlich ausgehändigt.
Auf meine Frage, wie der Vermittler reagiert habe bei der Schilderung der vorangegangenen und derzeitigen Belastung erhielt ich die Antwort: „Er sagte nur, dass ich mich an das Gesetz halten müsse, der Rest täte hier nix zur Sache“

Ich weiß nicht, was mich zorniger macht…

ist es die kaltschnäuzige, menschenverachtende Art und Weise wie hier mit einem trauernden, rat-und hilflosen jungen Menschen umgegangen wurde? Ist es der Gedanke daran, dass dieser Mitarbeiter noch vielen weiteren Menschen genauso gegenüber treten wird?
Oder ist es die Tatsache, dass hier Rechtsbrüche bis zum Exzess betrieben werden?
Man lasse es sich auf der Zunge zergehen:
Der Antrag auf Leistungen wurde noch nicht einmal abgegeben!
Hierfür wurde ein Extra-Termin für den 16ten Januar zugeteilt! Aber dennoch eine EGV unterjubeln, das nennt man da „gesetzestreu“!De facto ist der Leistungsanspruch noch völlig unklar, die Erwerbsfähigkeit ebenso – beides aber ist zwingend Voraussetzung, um eine EinV/EGV anbieten zu dürfen.

Die MainArbeit als Schule

Ich werde den jungen Mann am Donnerstag begleiten und mir ein Bild dieses Mitarbeiters machen. Den Namen der Teamleitung habe ich und je nachdem, wie man in meiner Anwesenheit mit dem Jungen spricht, werde ich diese aufsuchen.
Sollte „man(n)“ an  Rechtswidrigkeiten festhalten, gibt es dort noch einen Standortleiter, und/oder das Kundenreaktionsmanagement
Und wenngleich eher „3 x F“ = formlos, fristlos,fruchtlos…so gibt es den Weg der Fach- und der Dienstaufsichtsbeschwerde.
Ich bin gespannt, wer die „besseren Nerven“ hat: Der MainArbeits-erprobte Beistand 😉 oder ein Wetterauer SB.

to be continued…

 

 

 

 

 

 

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12 Kommentare zu “Kalt, kälter, Jobcenter Wetterau

  1. Das Herrufen des Laechelns beim Blogbetreiber war *bewusst* beabsichtigt.

    Ein Um-oder Rueckgaberecht fuer „Nur’s“ besteht/bestand nicht.

    Der Blogbetreiber hat durch seinen Blog dazu beigetragen, dass er das Herrufen des Laecheln selbst provozierte bzw. sich dessen bewusst sein musste, indem er zur Beteiligung am Blog aufrief.

    Der „Vervielfaeltigung“/der „Weitergabe“ des/eines Laecheln und Dergleichen, z.b. an dem Thread-Gewidmetem zwecks „NOTwendigem Mind-Shifting“, sollte damit angeregt werden !

    Serious:
    ======
    Someday the world will need a hero, and you might be all we have.
    Be ready.

    (geklaute mail signatur, John LinVille, Linux-Mailing-Lists)

    • mein blog eintrag vom 17.01.2014, 19:09 gehoert unter Ellens’s Letztem ( 16. Januar 2014, 15:08) sortiert, sonst werden die „Nur’s“ nich‘ klar…

  2. Für den Termin liebe Ellen wünsche ich dir Durchsetzungskraft, Durchhaltvermögen und einen Betroffenen der mitzieht, denn so sollte ein SB nicht durchkommen. EinV abschließen ohne Leistungsbezug und weitere solche Spielchen, diesen Kerl sollte erheblich der Kopf u. das Gehirn gewaschen werden.
    Bei einem ähnlichen Fall ist bei uns die Sachbearbeiterin ganz schön ins Straucheln gekommen, sie hatte einer jungen Frau, deren Mutti 2 Tage bevor der Termin im Jobcenter war, nach deren Bitte sie solle doch den Termin abbrechen, knallhart gesagt „kann ich vielleicht dafür, dass die Mutter gestorben ist“. Der Termin wurde dann von der Betroffenen abgebrochen u. als wir bei dem nächsten Termin mit vor der Türe standen, fand er sofort beim Fallmanager statt, die Betroffene war U25 und da sind ja die Bandagen noch härter in diesem Entschuldigung „Scheißsystem“.

    • Danke Moni.
      Zum heutigen Termin werde ich (vermutlich heute Nacht) noch schreiben.Vorab nur soviel: Es war ein Wechselbad der Gefühle und es wird wohl zu einer heftigen, rechtlichen Auseinandersetzung kommen…

  3. Hallo Ellen,

    bin letzte Woche Woche zufällig auf deinen Blog aufmerksam geworden und nehme zunächst eher als Leser teil – Hochachtung für deine Haltung und dein Engagement !

    Melde mich später mal direkt.

    Für heute spontan – warum tut sich der junge Mann das JC derart an nach den vorgelagerten Grenzerfahrungen mit Ehescheidung der Eltern und Pflege der Mutter?

    Das ist hochriskant!

    Kann er nicht einen Psychiater oder Psychologen, der auch Dr. med. ist, aufsuchen und sich vorerst AU schreiben lassen. Im Regelfall wird dies für wenigstens 3 Monate erfolgen und diese Zeit benötigt er auch als Minimum um wieder halbwegs auf die Beine zu kommen. Besteht keine Möglichkeit in diese Richtung, bei der das JC zwar Leistungen erbringen, aber vorerst nicht drangsalieren kann?

    Lieben Gruß

    Carlo

    • Hallo Carlo,
      danke für Deine Worte.
      Was eine AU-Meldung betrifft, uneingeschränktes JA. Da die Beisetzung nächste Woche ist, rechne ich (spätestens) danach mit einem vollständigen Zusammenbruch. Ich werde morgen mit dem Betroffenen das weitere Vorgehen besprechen und denke, dass er mit dem, wie von Dir angeratenem Vorgehen, einverstanden ist. Da wir uns erst Montag kennenlernten, wollte ich da nicht mit der Tür in’s Haus fallen, in so dramatischen Lebensabschnitten gilt es, supersensibel drauf zu achten, als Helfer nicht „übergriffig“ zu werden…
      lG
      Ellen

  4. Zit.:
    „Und zeitgleich an mehreren Prangern Kritiken zu arbeiten, überfordert mich doch ein wenig…“

    Na, HOLLA, der Schlusssatz steht da aber im Widerspruch
    – wohl ’ne Tuete „Power“ zu Weihnachten gekriegt, wa ? –

    Frohes neues Jahr eruebrigt sich da ja, fast …

    • Na, dette war mal wieda ein typischer Ronald, wa 😉
      Moin,
      ich sag’s mal so: Die großen Tüten Power waren ausverkauft, ich muss mit der mittleren gut haushalten 🙂
      Nee, ernsthaft jetzt, die Hilfestellung und Begleitung zur MainArbeit ect geht natürlich weiter, die Betroffenen sind derzeit aber alle „meine Bestandskundschaft“ (Hilfe, was für ein blödes Wort…). Dementsprechend geschehen da keine nennenswerten Schweinereien (mehr) 🙂 🙂
      Die Arbeit als solche ist/wäre auch nicht die Überforderung, es ist meine Emotionalität, dich mich in solchen Härtefällen dann Kraft kostet. Denn zuviel Mitgefühl/Zorn ect. darf ich weder „im Amt“ noch bei den Betroffenen heraushängen lassen, das wäre dann nicht mal mehr „semi-professionell“ und wenig hilfreich für die Betroffenen.

      • Zit.:
        „Na, dette war mal wieda ein typischer Ronald, wa“

        na irgendwie muss ich dich ja bei der LEBENSWICHTIGEN ARBEIT – dass ist ernst gemeint ! – unterstuetzen !!!!!

        so typisch ich das halt (nur) kann…

        • das „nur“ nimm bitte einfach zurück, Ronald 🙂
          Menschen, die andere Menschen zum Lächeln bringen, leisten ebenfalls Wertvolles!Und Du bringst mich immer wieder dazu 🙂
          Ohne positives, rückenstärkendes feedback wären die Zustände kaum mehr erträglich…

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