Essen – Ich trink ein Bier auf Hartz4

So witzig (gibt es doch auch ein Lachen, das gerne mal im Hals stecken bleibt) wie der Titel vermuten lässt, ist dieser Beitrag keineswegs.
Hintergrund ist der Vorstoß der Stadt Essen, alkoholkranke Menschen
mit Bier und Tabak als Belohnung zu „gemeinnütziger Arbeit“ heranziehen zu wollen.

Mit Speck fängt man Mäuse…

…so der O-Ton des Verantwortlichen Peter Renzel (Sozialdezernent CDU).
Zitat:
„…Unter Federführung der „Suchthilfe direkt Essen“, einer städtischen Gesellschaft, und in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter soll das Experiment nun auch in Essen ausprobiert werden. Zunächst sind zehn bis zwölf solcher „Gemeinwohlarbeitsplätze“ für Schwerstabhängige geplant. Die Ausgabe von Bier sei dabei nicht als Entlohnung zu verstehen, sondern diene nur „als Instrument, um die Menschen im Projekt zu halten“, betonte Renzel. „Sonst wären sie nicht in der Lage, die Arbeit auszuführen.“ Insgesamt soll die sich auf dem Willy-Brandt-Platz und zwei weiteren „neuralgischen Plätzen“ tummelnde Trinkerszene rund 100 Personen umfassen.

Der Christdemokrat erhofft sich zwar von dem Versuch einen „Einstieg in weitere Hilfen“, denn mit dem Projekt könne „bei den Klienten Vertrauen geschaffen werden“. Außerdem würde ihnen eine „feste Struktur“ gegeben. Gleichwohl handele es sich jedoch „in keiner Weise um ein therapeutisches Projekt“.

Vorrangiges Ziel sei es, die Vermüllung der Plätze zu reduzieren und Alkoholabhängige zu einem regelkonformeren Verhalten zu bringen…

Quelle und weiterlesen bei taz

Fassungslos

Ich habe kein anderes Wort für diese Idee, ich bin schlicht fassungslos.
Sieht man von der Tatsache ab, dass Strassen/Parkreinigung ohnehin eine originäre Aufgabe der Kommune ist und somit nicht ausgelagert werden darf an Maßnahmeträger (EinEuroJob und dergleichen), berücksichtigt man dennoch, dass eine „Entlohnung“ von 10.-€ + Bier + Tabak eine Schlechterstellung des „gemeinen EinEuroJobbers“ bedeuten würde, wäre der Einsatz vorweg schon einmal rechtswidrig.
Was in den Niederlanden als Projekt mit freiwilliger Teilnahme gut funktioniert haben mag, ist hier schlicht unmöglich, denn:Wo Jobcenter draufsteht, ist Freiwilligkeit de facto nicht drin!

Die Kommune als Drogendealer

Fakt ist: Alkohol und Tabak sind legale Drogen. Die Krankheit Alkoholismus noch zu unterstützen, in dem man mit schielendem Auge auf die kommunalen Finanzen (pro Mann/Tag werden 19.-€ veranschlagt) schwerst suchtkranke Menschen noch mit Suchtmitteln versorgt, ist aus meiner Sicht nur eines: Eine Perversion!
Pervertiertheit gehüllt in ein Neusprech-Mäntelchen, welches mit Worthülsen wie „als Instrument, um die Menschen im Projekt zu halten“ oder „Struktur geben“ wohlfeil daher kommt.
Ich zitiere den Kollegen Renner von der Obdachlosenhilfe:

Es ist schlichtweg inakzeptabel schwerst abhängige Alkoholiker mit Alkohol zur äußerst schlecht bezahlter Fronarbeit (1,25 / Std.) zu ködern, schamlos auszunutzen und sodann mit dem (schein-)heiligen Ausdruck eines Gutmenschen zu behaupten, dass es hier darum ginge, diesen Menschen Hilfe und Strukturen angedeihen lassen zu wollen. Dies ist an Scheinheiligkeit wohl kaum mehr zu überbieten! Würde es hier wirklich um das Wohl dieser -meist noch sehr jungen- Menschen gehen, würde man ihnen einen geeigneten Therapieplatz anbieten und dabei die vielen bürokratischen Hürden einmal außen vor lassen! Zuvor müsste man mit diesen Menschen vernünftige Gespräche führen um so einen Zugang zu ihnen aufzubauen und ihnen erklären, dass sie für uns – die Gesellschaft – wichtig sind! Gelingt dies, würden viele von ihnen einen Therapieplatz auch annehmen. Stattdessen werden sie nur ausgegrenzt und stigmatisiert. Und nun auch noch von zweifelhaften Suchthilfeorganisationen in trauter Eintracht mit den „Altvorderen“ der Stadt Essen auch noch in der vorgenannter Art und Weise ausgebeutet. Uns wird dabei speiübel!

Dem ist nichts hinzuzufügen!

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6 Kommentare zu “Essen – Ich trink ein Bier auf Hartz4

  1. „wäre ich die Erste, die Anzeige erstattet…“

    Na, nicht dass man dann auf deinem Computer demnaechst auch (hinterlegte) „KinderPornos“ findet…

    Du weisst wir leben in einem „Rechtsstaat“ …, frag‘ Herr Mollath !
    🙂

    zum Thema eine Rand-(!)-bemerkung:

    ICH weiss, dass JEDER Suchtkranke irgendwann DEN lichten Moment hat – auch im extremal „getune“-ten Zustand ! -, an dem er D-I-E Lebensentscheidung trifft, naemlich: so weiter machen; mit ALLEN Konsequenzen ! oder aufhoeren.

    Ergo:
    um so frueher der Suchtkranke an diesem Punkt kommt, desto besser…

    P.S.
    – NUR ER entscheidet, wann er aufhoert, nichts und niemand sonst !
    – Sucht ist der gescheiterte Versuch der SELBST-Medikation ! (Aussage eines faehigen Suchtberaters)

    – mir ist nicht entgangen, dass ein cHristDEMOkrat wieder ganz besonders cHristlich ist …

    • Hallo Ronald,
      na, jetzt gibst Du meiner Paranoia auch noch Nahrung 🙂
      Zitat Ronald:“…“wäre ich die Erste, die Anzeige erstattet…”
      Na, nicht dass man dann auf deinem Computer demnaechst auch (hinterlegte) “KinderPornos” findet…“

      Gestern gab es große Probleme rund um meinen Blog und „seltsame Vorkommnisse“ im Bereich Verbindung von Blog und Facebook.Eine technische Erklärung steht noch aus, die ganzen „Zufälle“ an einem Tag waren aber schon bemerkenswert.

      Was Du zur Sucht schriebst:Zustimmung aus meiner Laiensicht.
      Aber ich bin weder Profi noch selbst betroffen, von daher ein eher „unsubstantiiertes Ja“ 😉

      lG
      Ellen

      • „…große Probleme rund um meinen Blog und “seltsame Vorkommnisse” im Bereich Verbindung von Blog und Facebook“

        Vlt. zur Beruhigung:
        ich hatte sowas aehnliches auch: lange Verzoegerungen beim Seitenaufbau.

        Aber es schadet sicherlich nicht, wenn du einen „ComputerVersteher“ vor Ort in deinem Umfeld haettest, der ab und an mal nach Rootkits, etc. auf deinem PC sucht.

        Zur Not koennte ich da als gelernter „Computerversteher“ per remote administration rudimentaer(!) helfen.

        ggf. alles weitere per private mail oder Telefon.
        sind meine beiden Daten noch bekannt ? else PM an mich !

        vorab fuer zukuenftige Verbindungprobleme sei diese Seite empfohlen:
        http://www.heise.de/netze/
        dort „Übersicht Tools“, oben rechts, und dann „imonitor“ kann man sehen, ob es sich nicht nur um simple Stoerungen handelt, die mit deinem Rechner nix zu tun haben.

        auf http://www.heise.de/security/ stehen dann, insbes. rechts unter „Dienste“ weitere diverse Tools/Infotool zur Verfuegung …

        • ganz lieben Dank, dennoch:
          Ich bin in Sachen PC lernresisten/weiterbildungsunfähig 😉 Da nutze ich doch lieber Dein privates Angebot, herzlichen Dank dafür.
          Ich muss nur noch etwas Zeit finden…

          glG
          Ellen

  2. Meiner Meinung nach ist dieses Vorgehen der Stadt Essen und des Jobcenters Körperverletzung und somit strafrechtlich relevant.
    Wer traut sich, die Stadt Essen und das Jobcenter anzuzeigen?
    Natürlich sollte alles parallel mit dem entsprechenden Medienrummel einhergehen.

    • Hmm, diese Sichtweise ist interessant. Ich hoffe, dass sich dazu der Kommentator „Joe Donner“ äußert, er hat bereits an anderer Stelle betont, dass er so gaaar kein 😉 juristisches Fachwissen hat.
      Sollte dieser oder ein anderer Straftatbestand nachweisbar sein, wäre ich die Erste, die Anzeige erstattet…

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