Offenbach/bundesweit: Das Jobcenter der Zukunft – Versuch einer Analyse

Aus Harald Thomés Veröffentlichungen entnahm ich die nachfolgend verlinkte Stellungnahme des sog. „Bundesnetzwerk Jobcenter“.
Sprecher dieser Bundesarbeitsgemeinschaft ist der Geschäftsführer des hiesigen Jobcenters MainArbeit
,Dr. Schulze-Boeing, sattsam bekannt als Befürworter der Agenda2010 und als überzeugter Freund des Workfare
Daneben brilliert er noch durch Euphemismus und neoliberale Neusprechworthülsen,Empathie sucht man(n) /frau hingegen eher vergeblich.
Das mal so als einführende Worte… 😉

So verwundert es kaum, dass diese Stellungnahme  sehr deutlich zeigt, wer hier federführend war. Unter dem Deckmäntelchen der Vereinfachung, geschickt verbrämt mit Begriffen, von denen man fast glauben könnte, das Interesse am Wohl der Menschen sei ein echtes, kommen Vorschläge daher.
Vorschläge, die weitestgehend in die Kategorie der „Verschlimmbesserung“ passen…

Back to roots 😉 – Der EinEuroJob

Zitat:
…Teilweise wurden aber die Handlungsmöglichkeiten einer kommunal ausgerichteten Integrationspolitik verschlechtert.So etwa bei den Arbeitsgelegenheiten nach §16d SGB2 (Anmerkung: EinEuro Job), die nur noch unter sehr restriktiven Bedingungen einsetzbar sind. Hier sind Lockerungen und eine Rückkehr zum bereits zuvor erreichten Stand notwendig.
…auch die in der Praxis kaum umsetzbaren strengen Kriterien der Wettbewerbsneutralität und der Zusätzlichkeit sollten gelockert werden…

Es ist bekannt, dass EEJ’s nie in ein ordentliches, geschweige -ordentlich bezahltes- Beschäftigungsverhältnis führen.
Wohl aber dienen sie, wenn schon nicht dem Erwerbslosen, so doch den Trägern, den Vereinen, den gGmbH’s und wie die Nutznießer sonst noch zu bezeichnen sind.
Und sie dienen natürlich der (insbesondere auch von Herrn Dr. S-B so geliebten) statistischen Aufhübschung. Ein Schelm, der…

Die Kultur der Wertschätzung

Die komplette Stellungnahme hindurch zieht sich der rote Faden vermeintlichen Interesses am Wohle der Mitarbeiter. Nunja, ich kenne zumindest die Situation vor Ort sehr genau und schlussfolgere daraus, dass hier Euphemismus bis zur Grenze des Erträglichen betrieben wird.
Das Wohlergehen des „kleinen“ SB, pAp oder Arbeitsvermittler interessiert nämlich die Geschäftsführung in etwa genau so sehr, wie der berühmte Sack Reis in China…
Konstruktive Kritik aus dem Inneren wird ausgesessen, die Kritik von aussen als gegenstandslos dargestellt.
Wie so oft im Leben vermisse ich auch hier etwas Elementares: Ehrlichkeit

Boni und co.

Neben diverser Nebelkerzen zur Verbesserung der Arbeitssituation wird eine Forderung relativ deutlich, Zitat:
die Möglichkeit zur Gewährung von Zulagen und Prämien durch die Geschäftsführungen und Leitungen auf die spezifischen Erfordernisse dieser Organisationen zugeschnittenen Maßstäben soll deshalb deutlich ausgeweitet und harmonisiert werden…

Tja, so isses halt in der freien Wirtschaft, wer sich um die Firma verdient macht, erfährt oft auch monetäre Vorteile.
Doch halt – ich habe soeben völlig vergessen, dass es sich bei den Jobcentern ja nicht um Wirtschaftsunternehmen handelt 😉 .
Sie sind ja eigentlich „Behördenersatz“, in welcher die Mitarbeiter zudem die Legislative/Judikative/Exicutive in Personal-Union darstellen.
Hier im Sinne des Arbeitgebers der Statistik und der Volksverdummung erfolgreich zu sein bedeutet keineswegs, auch den Erwerbslosen dienlich zu sein.Das Gegenteil ist der Fall (Beispiele gerne auf Nachfrage, sonst ufert das hier aus)

Immer wieder gern genommen: Kosten der Unterkunft pauschalieren

Auch das würde zur Arbeitsvereinfachung beitragen.Soweit, so gut. Nur, wer jetzt glaubt, dass die Pauschalen -durch die jeweiligen Kommunen festgelegt- realistisch sein würden, der glaubt gewiss auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet 😉
Festsetzung nach Kassenlage, das ist nicht nur in Offenbach bis vor einem Jahr der Fall gewesen und genau so würde es vielerorts dann wieder (nur eben pauschal) praktiziert.
Auch hier hieße es dann, sich von allem „Erkämpften“ zu verabschieden, zurück auf los und auf zum erneuten Marsch durch die Instanzen…

Fazit

Nehme ich die Perspektive der Erwerbslosen ein, schrillen laut und deutlich Alarmglocken.
Versuche ich mich in einen Mitarbeiter zu versetzen, fühlte ich mich ob des Schön-Sprech einerseits und der Realität andererseits spätestens beim zweiten gründlichen (!) Lesen
– mit Verlaub – gnadenlos verarscht, Intelligenz und kritischer Verstand natürlich vorausgesetzt!

Die vollständige PDF zum Nachlesen JOBCENTER-der-Zukunft_END_22-01-2014_mit-Anhang-01

Euren Kommentaren sehe ich hier besonders gespannt entgegen… 😉

 

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5 Kommentare zu “Offenbach/bundesweit: Das Jobcenter der Zukunft – Versuch einer Analyse

  1. Guten Morgen,

    ich kann sehr gut nachempfinden was einen MainArbeit-erfahrenen Menschen klaren Verstandes durch den Kopf gehen muss, wenn man sich die bereits nur
    noch als „kriminell rechtsbeugend“ zu wertenden „Empfehlungen“ und „Anweisungen“ eines bestimmten Herrn ansieht! Er erinnert fatal an eine unselige Figur einer vergangene Zeit in dessen Funktion als „rechtsprechender Vorsitzender“. Das war kein Recht, sondern gezielter Rechtsmissbrauch durch Rechtsbeugung!

    Im Zeitalter der GroKo, im wesentlichen mitgetragen von den Genossen (die übri-
    gens ausreichend Beispiele dafür in der Vergangenheit bei jeder Regierungsbe-
    teiligung gezeigt haben, dass ihr „füreinander einstehen und die Interessen des
    kleinen Mannes zu vertreten“ nur dann gilt wenn es um die eigenen Pfründe und späteren Pöstchen geht, lässt bei manchem innerhalb der Sklavenmühle „ALG-II“ die Hoffnung aufkommen mehr Rückendeckung „von oben“ für eigene Auslegungen
    der einschlägigen Gesetze zu erhalten. Allerdings zeigt die Geschichte auch, dass
    gerade solche Protagonisten als erste den Kopf einziehen und in Deckung gehen
    wenn sie Druck bekommen.
    Im Fall der betreffenden Herrn ist der Druck bereits kurz vor dem Siedepunkt, er
    hat es sich innerhalb Offenbachs bereits mit so vielen Personen verscherzt das
    auch seine SPD-Kumpel auf Bundesebene bald nichts mehr für ihn tun können/
    wollen. Den erwartet in Kürze eine Breitseite der Staatsanwaltschaft!

    Eine interessante Parallele: der Namensgeber und sein Herold lassen bei näherem
    Hinsehen nicht nur eine erschreckende Ignoranz gegenüber ihren Mitmenschen
    erkennen, sondern auch einen verdächtigen Hang zur ausgeprägtem Unrechts-
    bewusstsein! Allerdings lehrt uns auch die Geschichte in regelmässiger Wiederholung das es nur eine Frage der Zeit ist bis ein Diktator, der sich über dem Gesetz stehend wähnt und sich sein Recht selbst zuschneidet, durch die schikanierten Mitbürger nicht nur mit Schimpf und Schande verjagt wird, sondern häufig auch einen Kopf kürzer endet! Mal sehen wo es beim Diktator der Main- Arbeit endet.

    Übrigens Diktator: alle diese Herren können auf Dauer ihr Unwesen nur dann
    treiben, wenn sie sich zuvor aus der Menge der ansonsten schon als unbrauchbar
    Ausgesonderten (verkrachte Unternehmer, unfähige Verwaltungsmitarbeiter, denk-
    und fussfaule Postler etc.) gezielt DIE heraussuchen, die für eine vermeintliche
    Karriere unter den Diktatoren eigene „Macht“ missbrauchen und darüberhinaus
    empathieunfähig ohne eigenes Denken stur nach Schema F „nur ihre Arbeit
    machen“. Gerade auf solche „Pf…..“ habe ich, noch dazu wenn sie sich zu rechtsmissbräuchlichem Handeln mangels eigenen Denkvermögens hinreissen lassen, mein Augenmerk.

    Eine Schlussbemerkung: jede Revolution begann mit dem „Nein“ des Ersten!

  2. Was ich mich solcher Rhetorik bei diesen Herren (BundesAgentur f. Arbeit, etc.) immer wieder frage: „warum werden die nicht auch vom BDI bezahlt, wenn sie schon deren Parolen vertreten“

    Es erinnert – weil Arbeitnehmer aus ihren Beitraegen diese Herren bezahlen, die gegen deren ureigenen Interessen (z.B. Politik f. Lohndumping, etc.) agieren – an die Strafen f. Juden nach den Novemberprogromen.

    Maechtig perfide !

  3. Hallo Ellen,

    diese Art von Zukunft, die durch Wirtschaft, Medien und GroKo in nächster Zeit vermutlich weiter konturiert und umgesetzt wird, spiegelt an erster Stelle eine tiefe Geringschätzung bis Miß-/Verachtung der Betroffenen. Damit ist eigentlich alles gesagt und nichts kann mehr überraschen!

    Von diesem Tenor ausgehend, ist nicht zu erwarten, daß Stellungnahmen wie z.B. diese, das Wohl derjenigen zum Ziel haben, die >>Gegenstand<< derselben sind – s.a. Dein Kommentar dazu.

    Je geschliffener die Worte dieser "Heilsbringer", desto schäbiger die wahren Absichten!

    Ist so wie mit all den Reformen der letzten Jahre, die rückblickend betracht allesamt destruktiven Ergebnisse hervorgerufen haben. Oder kennst Du eine aus dem Sozialbereich, die für die Betroffenen von Vorteil war?

    Da steckt System dahinter!

    Was ich hier kurz umschrieben haben, wirst Du zweifelsfrei selbst kennen und die Folgen daraus durch Deine Tätigkeit intensiver erlebt haben. "Lediglich" selbst betroffen zu sein, kann einen/viele fix und foxi machen. Kenn das aus eigener Erfahrung und je tiefer man in die Analyse und Erkenntnis steigt, desto frustrierter kann es zumindest temporär machen.

    Kann von hier aus nur jedem meine höchste Anerkennung aussprechen, der in diesem Umfeld mental stabil bleibt oder wieder wird und zudem die Energie aufbringt, aktiv dagegen zu halten!

    Lieben Gruß

    Carlo

    • Hallo Carlo,

      Du hast Recht (um Deine Frage zu beantworten) jedwede Reform dieser unsäglichen Agenda – es waren wohl um die 60 – hat die Situation für die Betroffenen noch verschlimmert.
      Das hat System, das IST das System.
      Besonders perfide ist das „Spiel“, welches seit geraumer Zeit gespielt wird:
      Noch vor nicht allzu langer Zeit – oder sollte ich schreiben, in der Zeit vor Inge Hannemann 😉 ? – hat es niemanden interessiert, ob es den ausführenden Kräften „gut geht“.
      Das interessiert auch heute nicht, aber man arbeitet an der Aussenwirkung. Das tat der Wolf im Märchen übrigens auch, als er Kreide fraß… 😉
      Und die Macher können sich getrost darauf verlassen, dass dieses Spiel eher nicht durchschaut wird, Kritik aus den eigenen Reihen entsprechend eher ab denn zunimmt.

      Mentale Stabilität ist ein gutes Stichwort.
      Auch ich hatte eine Phase der Instabilität vor etwa 4-5 Jahren, als ich nicht nurmehr die Symptome sah, sondern ganz allmählich auch die Hintergründe begriff. Fassungslosigkeit,Angst und noch so einiges mehr zogen mich richtig runter, längerfristig. Dazu kam, dass mein eigenes Umwelt mich aufgrund meiner „warnenden Unkenrufe“ bereits für paranoid hielt, Rückhalt war da eher nicht angezeigt.
      Heute leistet man da Abbitte 😉 ich habe – leider – Recht behalten mit meinen dunklen Vorstellungen…

      Trotz regelmäßiger Tiefs (überwiegend erschöpfungsbedingt) nehme ich mittlerweile in Kauf , dass ich eben die Welt nicht retten kann. Aber irgendein kluger Kopf sagte einmal, wer nur einen Menschen rettet, der rettet die Welt.
      Nun weiß ich ja nicht, ob ich schon irgendwen gerettet habe (aus dem Gedankenspiel, was wäre passiert, wenn Du nicht…bin ich seit geraumer Zeit ausgestiegen) zumindest aber geholfen habe ich, so gut ich es vermochte.
      Dieser Gedanke gibt mir eine gewisse Ruhe und die Kraft, weiter zu machen.Und zu tun gibt es jede Menge…

      Der einzig wirkliche Konflikt, den ich mit mir herumschleppe ist der, dass ich es leid bin, mich positionieren zu sollen.
      Ich bin Mensch, punktum. Ich bin der Kriegsrhetorik (Gegenseite, Feind ect) derart überdrüssig, das kann ich gar nicht beschreiben.
      Wenn Menschen anderen Menschen schaden (wollen) und ich es verhindern kann, dann tue ich es ohne erst zu überlegen, ob ich mich dafür (temporär) mit „der anderen Seite“ verbrüdere.
      Das Schlimme daran ist, dass dies mir dann Mißfallen/Mißtrauen beider „Seiten“ einbringt.Dabei sind wir letztlich doch alle eine Menschenfamilie…den Erich Fromm dazu zitierte ich ja in einem andren Kommentar…
      Das Schlußwort überlasse ich einmal mehr Bettina Wegner 🙂 http://www.youtube.com/watch?v=kCHr7faDtu8

      glG
      Ellen

      • Liebe Ellen,

        herzlichen Dank für Deine offenen Worte. Du sprichst mir aus der Seele!

        Bin mental aber noch nicht soweit wie Du, zwar aus dem Gröbsten raus, aber es ist noch heikel. Hab ich erst diese Woche gemerkt, trotz aller mittlerweile gewonnenen Ein- und Durchblicke. Ist halt ein perfides „game“ das da gespielt wird, wobei ich H4 mittlerweile als nur noch ein Rädchen in einem riesigen Getriebe verorte, dessen vorgeschalteter Antrieb mit Hochleistungsölen geschmiert sein dürfte. Indes – ist alles eine Kopfsache, man hat vieles selbst in der Hand.

        Das mit dem nicht Positionieren machst Du völlig richtig. Ansonsten überwindest Du eher wenig und „sperrst“ dich zunehmend selber ein. Es ist ja nicht gleichbedeutend damit, keine Standpunkte zu haben!

        OK, muß gleich los zum Einkauf.

        Nochmals herzliches Dank und wünsche ein hoffentlich sonniges Wochendende in OF

        Lieben Gruß

        Carlo

        P.S. Bettina Wegner weckt bei mir Empfindungen wie ein Leuchtfeuer auf stürmischer See. Sie rüttelt durch und besänftigt gleichsam, schafft so eine besondere Form von Mut.

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