Schreibblockade…oder die zwei Seiten einer Medaille

Rien ne va plus – nichts geht mehr.

Obgleich es genügend Themen gibt, über die sich das Schreiben lohnen würde, obwohl (oder vielleicht:weil?) mich sehr viele Gedanken und Gefühle umtreiben…ich bekomme das Alles derzeit nicht in Worte gefasst.
Klar, ich habe über die Hintergründe meiner Blockade versucht zu reflektieren, zumindest oberflächlich lässt sie sich für mich auch erklären….aber wie heißt es doch so schön:

Ein Anwalt, der sich selbst vertritt, hat einen Idioten zum Mandanten 😉

… will heißen, ich denke, dass eine neutrale Einschätzung von und durch sich selbst nicht wirklich möglich ist.
Oberflächlich betrachtet macht es mir derzeit am meisten zu schaffen, dass Dinge, die positiv angedacht sind, immer eine Kehrseite haben. So kann beispielsweise also durchaus aus einem geäußerten Lob Schaden erwachsen. Aber – Bei allem Wissens um die Wichtigkeit des Achtsamseins:
Wenn ich selbst beim Bloggen Obacht geben muss, um zu vermeiden, dass wohlwollende Worte  sich nicht nachteilig auf die Beschriebenen auswirken, wenn liebevoll angedachte Handlungen Anderen zum Nachteil gereichen können…wie kann ich dann noch unbefangen Schönes schildern?
Wie noch spontan handeln und darüber schreiben?
Verkehrte Welt irgendwie…

Der Othelloeffekt…

…tut sein Übriges noch dazu.Der Begriff bezieht sich ursprünglich auf falsch interpretierte Reaktionen bei Verhörsituationen. Seinen Namen erhielt er, weil Othello die Verzweiflung Desdemonas als Schuldeingeständnis ihrer Untreue wertete.
Othello schlußfolgerte falsch, der Rest ist Geschichte.
Dieser Othelloeffekt lässt sich häufig beobachten. Eine Handlung (oder Nichthandlung), eine Ausdrucksform wie Mimik ect. ist vom Ausführenden völlig anders angedacht, als sie beim Gegenüber ankommt.
Zwar ist die Emotion als solche sichtbar/wahrnehmbar, was aber die Ursache ist für diese Emotion (auch Handlung/Nichthandlung ff) kann der Andere zunächst nicht wissen.
Das Gegenüber  interpretiert die eigenen Emotionen, Befindlichkeiten in diese Handlung (oder Mimik, Gestik ff) hinein, wertet die Handlung dann dementsprechend und reagiert…meist negativ.
So starb nicht nur -unschuldig- Desdemona, so zerbrechen auch heute noch Beziehungen, Freundschaften u.Ä.
Die einzig logische Handlung ist daher für mich, derzeit weitestgehend die Finger von der Tastatur zu lassen, denn weder macht es Spaß, positive Äußerungen zu unterdrücken (s.o.) noch bin ich momentan vor dem Othelloeffekt wirklich geschützt…
Da halte ich es wohl doch besser damit, mir die Worte Orson Welles – hier im übertragenen Sinne – einmal mehr zu Herzen zu nehmen

Viele Menschen sind gut erzogen, um nicht mit vollem Mund zu sprechen, aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun.“

und zu schweigen…

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27 Kommentare zu “Schreibblockade…oder die zwei Seiten einer Medaille

  1. Manche Menschen mögen, zumindest auf den ersten Blick, argumentative Höchstleistungen vollbringen können; und doch durchschaut man recht schnell, dass „über etwas bescheid wissen“ noch lange nicht gleichgesetzt werden kann mit der Essenz wirklichen Verstehens, für die dieses Scheinwissen dreist ausgegeben wird. Derartige Selbstgefälligkeit, gepaart mit tatsächlicher Unwissenheit, welche durch eine geschliffene Rhetorik versucht wird zu verschleiern, um seinen eigenen Arsch zu erhöhen- das ist wirkliche Überheblichkeit…jedoch:

    „Ich mag verdammen was du sagst, aber dass du es sagen darfst, dafür würde ich mein Leben geben.“

  2. Zunächst herzlichen Dank an die Diskutanten hier, so ganz allgemein.
    Auf Dich, lieber Holdger und auf „undinE Fre“ möchte ich nun doch etwas näher eingehen.
    Holdger, ich finde es wunderbar, dass Du treffsicher die „Aussage hinter dem Spruch“ erkannt hast, obschon Du Dich wenig mit Buddhismus beschäftigt hast, wie Du selbst schriebst. Auch Gudrun (newswatch4you) hat erkannt, dass Du „erkannt“ hast 😉
    Deswegen Euch beiden ganz lieben Dank dafür, dass Ihr die Erläuterung des „Spruchs“ aus Eurer jeweiligen Sicht und mit Euren eigenen Worten geschrieben habt…das wäre, da ICH die „Notwendigkeit“ betonte, nämlich meine Aufgabe gewesen.
    Aber ich war einfach nicht in der Verfassung dazu, zudem wart Ihr sehr schnell mit Eurem Kommentar.
    Warum Erläuterung überhaupt? Die Worte von „undinE Fre“ waren ja mir zugedacht.
    Berechtigte Frage des Kommentators/der Kommentatorin , dessen/deren Anagramm im Nick mir erst jetzt verständlich wurde, nachdem ich darauf hingewiesen wurde 😉
    Es ist wohl eine meiner noch immer verhafteten Macken, dass ich denke, auch hier im Blog dafür Sorge tragen zu müssen, niemand möge sich verletzt fühlen, verunsichert, vor den Kopf gestoßen oder was weiß ich.
    Es war einfach nur mein Gefühl, dass der „Spruch“ – so ganz nackich – total mißverständlich wirkt und auch irgendwie abstoßend, also für „irgendwie unangenehme Gefühle“ bei dem ein oder anderen Leser sorgen könnte.
    Wäre ich fitter, hätte ich nicht um Erklärung ersucht, ich hätte sie einfach ergänzend selbst geschrieben…

    Break: Und schon wieder ist das eingetroffen, was eigentlich hier Thema war – Nichts ist möglich, nimmt man nicht Unangenehmes mit in Kauf, nicht mal mehr schreiben, dass man nicht schreiben kann.

    Lieber Holdger, ich weiß nicht, warum Dir Überheblichkeit ect. unterstellt wird. Deine Denk-und Schreibweise entspricht klar dem linksintellektuellen Politologen, der Du ja auch bist.
    Aber sie ist – und SO durfte ich Dich kennenlernen – ebenfalls empathisch und mitfühlend!
    Nun bist Du ja mittlerweile leider bereits sehr erprobt darin, mit „Mißverstehern“ zurecht kommen zu müssen.Das ändert nichts daran, dass es mir in der Seele weh tut, wenn Menschen ohne offensichtlichen Grund andere Menschen verletzen, und sei es auch „nur“ aus Unachtsamkeit.

    • Hallo Undine,
      ich selbst weiß , woher/von wem dieser Ausspruch stammt und vor allem, was er bedeutet.
      Ob er aber jenseits jeglicher Erklärung einfach mal so als Kommentar auskommt, wage ich doch zu bezweifeln…
      Wäre daher nett, wenn Du das Ganze etwas vertiefen könntest, Leser jenseits buddhistischer Ausrichtung werden es Dir gewiss danken

      • wenn Du fühlst was es bedeutet, dann wirst Du auch Deine Lösung finden. „Wissen“, „Erklärung“ – wozu? Es ist für Dich – niemanden sonst.
        Kein Rat (erst recht kein „Befehl“ 😉 ) sondern eine Aufgabe die Du sehen (und lösen) kannst oder auch nicht.
        (für Leser „jenseits buddhistischer Ausrichtung“ gibt es andere Aufgaben)

        ps undine fre ist ein Anagramm

    • Ich bin fest davon überzeugt, daß „undinE Fre“ das kleine Zitat nett gemeint hat, aber ich frage mich, ob es in Deiner Situation, liebe Ellen, im Augenblick sehr hilfreich ist.

      Obwohl ich kein Buddhist bin und mich im Buddhismus nur äußerst begrenzt auskenne, glaube ich erahnen zu können, was die Aufforderung auszudrücken versucht und – wichtiger noch -, daß dieses Zitat Dir in Deiner derzeitigen Situation etwas helfen sollte.

      Ich fühle mich aber eher unwohl dabei.

      Das mag zum einen darauf zurückgehen, daß ich Befehlssätze – egal welcher Art und mit welcher guten Motivation formuliert – eh nicht mag.

      Dann, daß ich aus meinen Kindertagen ein bißchen gebranntes Kind bin, was solche – ich bitte jetzt etwas um Nachsicht – „Sprüche“ betrifft. Ich kenne sie vor allem aus Pfarrersmund, da gingen sie mir schon immer auf den Geist, diese allverwendbaren Weisheiten in Befehlsform.

      Konkret, im vorliegenden Fall, mag ich diese Aussage aber auch des „Tötungsbefehls“ wegen nicht (obwohl mir klar ist bzw. klar zu sein scheint, daß dieses „Töten“ hier durch und durch metaphorisch gemeint sein dürfte; wieso dann aber diese mordlustige Schärfe? Wie gesagt: selbst als Metapher mag ich diese „Tötungsfantasien“ nicht.).

      Am wichtigsten aber, nach meiner bescheidenen Prüfung, ist für mich das Folgende, was mich unbehaglich bleiben läßt bei diesem Satz:

      Wenn ich mich bei der Deutung dieses Satzes nicht ganz gewaltig irre, ist doch wohl gemeint, daß ein jeder und eine jede seinen/ihren Weg finden möge ohne den Gehorsam gegenüber einer anderen Person, selbst wenn diese eine von einem selber sehr anerkannte und zu Recht anerkannte ‚Autorität‘ ist.

      Zu werden, der man ist, das möge ein jeder und eine jede für sich selber herausfinden, ohne Weisheitsdiktate einer anderen Person, und sie oder er mögen tun, was zu tun ist, um wieder zurückzufinden zur Selbstwiedergesundung, indem ein jeder und eine jede durchs Auffinden der eigenen Weisheit diesen guten Weg herauszufinden versuchen. Pointiert also: der eigentliche Rat dieses Rates „Töte Buddha…“ lautet nach meinem Eindruck im Klartext: folge dem Rat, keinem Rat eines anderen zu folgen, und sei dieser andere auch noch so weise oder noch so klug für Dich! Selbstverständlich: mit diesem Rat kann ich sehr einverstanden sein!

      Aber: der zitierte Spruch – scheint mir – birgt die Gefahr, etwas zu verkennen und einen selber doch auf ein verkehrtes Gleis schieben zu wollen:

      ‚Eigentlich‘ – so meine halbwissende Interpretation dieses Satzes! – soll doch wohl mit diesem Befehlssatz ausgedrückt werden: Hüte Dich, andere zu Deinem „Guru“ oder sonstwas zu machen, heißt also: hüte Dich vor Deiner eigenen – ich drücke das jetzt mal etwas überscharf aus – womöglich allzubereitwilligen Unterwerfungsbereitschaft, wenn Du an einem anderen Klugheit oder Weisheit wahrzunehmen glaubst. Erstmal richtig, diese Maxime, so scheint mir. Aber:

      Völlig unklug/unweise kommt mir dann aber das Tätigkeitswort „töten“ vor (jetzt auch fernab des mörderischen Charakters dieses Tätigkeitswortes). Nein, nicht „Töten“ oder „Abwehr“ oder „Kampf“ scheint mir da der kluge oder weise Weg, sondern erstmal – mit aller Ruhe, Offenheit und Gelassenheit – diesen Wunsch und dieses Bedürfnis nach Hilfe und Rat von außen und oben bei sich selber zuzulassen, mit klarer Selbstgewogenheit auch, und dieses – sehr verstehbare und zutiefst menschliche Bedürfnis -, so man es bei sich wahrzunehmen glaubt, nicht gemäß dieses Tötungsbefehls abzuwehren und wegzufighten, sondern durch ein sanftes, freundliches Selbstverstehen hindurch allmählich aufzulösen – mit Selbstwertschätzung, mit wiedererstarkendem Vertrauen in die eigenen Ressourcen undsoweiterundsofort.

      Kurz: in diesem Befehlssatz wird mir zu sehr „gekämpft“, es entsteht für mich allzustark die Vorstellung einer „Außenfront“ und einer „Gegnerschaft“.

      Das alles aber verhindert eher, nach meiner Erfahrung, Selbsterkenntnis und allmähliches Auflösen eigener Abhängigkeiten und Abhängigkeitsbedürfnisse.

      Tatsächlich, wenn ich diesen Satz umzuformulieren hätte, würde ich wohl eher formulieren:

      „Begegnest Du unterwegs einem Buddha, lade ihn zum Tee ein und sprich mit ihm – in Augenhöhe! Denn letztlich gibt es nur einen einzigen wirklichen Experten für Dich: das bist Du selbst! Und die größte Weisheit des ‚Buddhas‘ in dieser Situation dürfte sein: Dir zuzuhören, mit Wertschätzung, Wohlwollen und Loyalität, nicht aber Dich zuzuquatschen – und sei es auch nur mit einem einzigen Satz.“

      Und dann fegt beide, meinetwegen, beide gemeinsam und in aller Ruhe den Hof. 😉

      • ich denke es macht wenig Sinn, sich Zen mit den Augen, dem Denken und Fühlen westlicher Philosophie, political correctness und sogar Überheblichkeit nähern zu wollen.
        Es gibt viele Wege, da ist es weder „nett gemeint“ noch „sehr hilfreich“ einen möglichen! als „Spruch“ im Sinne einer „allverwendbare(n) Weisheit“ oder gar als „mordlustige Schärfe“ und „Tötungsphantasie(n)“ zu diffamieren nur um dann, nach diesem (weiter geführten) Exkurs in political correctness, diesen Weg, ganz im Sinne alter westlicher Tradition und neuer Spiritualität, doch wieder als „Rat“ zu interpretieren und zu einer Absurdität umzuformulieren – „…folge dem Rat, keinem Rat eines anderen zu folgen…“ oder gar alte Muster „…dieses Bedürfnis nach Hilfe und Rat von außen und oben (sic!) bei sich selber zuzulassen…“ zu empfehlen.
        Belassen wir es dabei, Du musst Zen nicht verstehen, ein Weg – ohne Führer (und Wecker 😉 ), denn diese Aufgabe war ja auch nicht für Dich bestimmt.

        • Schade, daß Du meinen Versuch, mich in diesen Satz einzufühlen und mich in ihn hineinzudenken, als Annäherung zur Überheblichkeit, als Diffamierung, als Umformulierung in eine Absurdität wahrgenommen hast!

          Da ich das alles ganz anderes empfinde und sehe als Du, lassen wir’s dabei.

  3. (Zit.): „ich bekomme das Alles derzeit nicht in Worte gefasst“…

    … und haut denn so’n Text mit Katharsis und so, in den Blog, …Boah Ey ?!
    🙂

    na, wenn dein „Enkelkind“ schon gross waere, wued‘ ich ja sagen: „jezz jehste aba ma‘ mit’m Kleenen vor de Tuere un‘ koofst Eis fuer zwee !“
    🙂

      • Juttt !

        brauche naemlich mal deinen Expertenrat wegen:
        „nicht-unterschriebener EGV => VA => Sozialgerichtklage-Howto“

        Biete jeweils ein grosses Eis mit Sahne fuer Mutter, Kind und „Oma“ !!!

        Are you ready to go ???

    • Cool, gut interpretiert :).
      Das Wort „töten“ wird in dem Spruch nur deshalb verwandt, weil es darum geht, jedes, aber auch jedes „Bild“ zugunsten der Wahrheit zu löschen. In der letzten Konsequenz bedeutet das: Auch der höchste Lehrer ist, wenn man nur seiner Person folgt, ein Bild, das letztlich die Erleuchtung selbst verhindert. Deshalb muss es radikal weg.
      Töten ist ausschließlich sinnbildlich gemeint. Höchstes Erkenntnisziel ist, zu verstehen, dass jedes Teil alle Teile enthält – Dualität ist eine Illusion. Solange man – egal wovon – noch irgendwie getrennt ist, hat man nicht verstanden. Das geht bis zur letzten Konsequenz: der von Leben und Tod. Deshalb die radikale Formulierung.
      Wenn beide Buddhas zusammen den Hof kehren, ist keiner des anderen Meinungsbildner und keiner in Gefahr, das Ziel aus dem Auge zu verlieren; alles bestens. Bis es soweit ist, wird übrigens auch ein guter Lehrer mit seinem Schüler immer auf Augenhöhe debattieren – das gehört zur buddhistischen Kultur.

      • Ich danke Dir zunächst einmal ganz herzlich für die Erläuterung.
        Bitte versteh‘, dass ich mehr dazu als „Gesamtkommentar“ zu verfassen versuche, um sowohl auf Holdger als auch auf „undinE Fre“ einzugehen.

  4. Hallo Ellen,
    ich hatte 12 Jahre lang eine komplette Schreibblockade – kann dich gut verstehen. ALs ich dann wieder anfing, war es auch erstmal ziemlich holprig. Jetzt habe ich aber das Gefühl, es geht wieder. Mal eine Frage: Schreibst du deinen Blog eher für dich oder eher für Andere? Wenn du schon beim Formulieren immer drüber nachdenken musst, wer das Ergebnis vielleicht in die falsche Kehle bekommt, läuft aus meiner Sicht grundlegend etwas falsch.
    Ich schreibe meinen Blog eben deshalb, weil ich darin keinem Zwang unterliege (außer dem, grundsätzlich achtsam zu sein und mich im Rahmen geltenden Rechts zu bewegen, natürlich). Ich muss keine allgemeine Unternehmenslinie bedenken, ich muss mich an keine politische Richtung halten und ich muss meine Einstellung nicht mit Vorgesetzten diskutieren. Ich kann das Thema wählen, das ich grade wichtig finde.
    Wenn das Ergebnis dann jemand nicht passt – so what. Mir passt auch vieles nicht, was ich lese. Das ist Teil der Meinungsfreiheit. In einem Forum kann das wieder anders sein – deshalb würde ich auch keines einrichten wollen. Aber ein Blog? Das ist doch dein ur-eigenes DIng!
    Wie wäre es, wenn du einfach mal in dich hineinhörst, was genau du dich grade scheust, zu formulieren. Dann schreib es einfach auf – ohne Pause und ohne nachzudenken. Erst wenn es fertig ist, überprüfe es, ob du dich damit rechtlich korrekt verhältst und ob du achtsam genug warst, alle wichtigen Aspekte zu berücksichtigen.
    Und dann lass es los. Niemand ist gezwungen zu lesen, was du schreibst …. also?

    Lieben Gruß
    Gudrun

  5. Liebe Ellen,

    es kann sein, daß zur gleichen Zeit, als Du Deine fast schon verzweifelten Zeilen ganz oben geschrieben hast, ich auf http://www.hinter-den-schlagzeilen.de auf Dich und Deine Website positiv hingewiesen habe. Schau doch mal nach, in meinem Kommentar zu dem „Manifest für die spirituelle Befreiung“, heute um 16.25 Uhr veröffentlicht. Da ahnte ich jedenfalls von Deinem „Blockade“-Artikel noch nichts.

    Nebenbei: ich finde gut, daß Du genau diese Blockade zum Thema eines Textes gemacht hast. Das ist nach meiner Erfahrung – übrigens auch mit anderen Menschen – nicht der schlechteste Weg, eine solche Blockade auch wieder zu überwinden. (= Habe langjährige Erfahrungen als Schreibgruppenleiter.)

    Und wenn Du Dich etwas vertiefter einlassen willst auf die „Spiritualitäts“-Diskussion auf ‚unserer‘ Website: Du wirst sehen, daß seit ein paar Tagen nicht zuletzt auch ich da einige Merkwürdigkeiten auszuhalten gehabt habe. Auch Moni und Gabriele schrieben oben sehr zutreffend darüber. Das Internet mit seiner Anonymisierungsmöglichkeit lädt sehr viele Zeitgenossen zur Mitdiskussion ein, darunter auch manche, denen es offenkundig schwerfällt, mit den Sachthemen, mit sich selber und mit den Diskussionspartnern gut umzugehen.

    Du kennst ja schon seit längerem meinen kleinen Spruch dazu:

    „Wem zur Sache nichts Rechtes mehr einfällt, fällt zur Person immer noch etwas Unrechtes ein.“

    Sei lieb von mir gegrüßt!

    • Hallo Gudrun,
      Du hast mich nachdenklich gemacht, danke dafür.
      Der Blog war in seinem Ursprung „doppelbödig“ angedacht:
      Einmal sollte er schwerpunktmäßig die Unsäglichkeiten des „Sozialsystems“ aufzeigen (wie so viele andere Blogs auch), er sollte Betroffenen als Hilfestellung dienen (durch verifizierbar „Rechtliches“) und praxisorientiert sein. Daneben sollte Mut machen, sich zu wehren.
      Insofern war er durchaus (auch) für „Andere“ gedacht.
      Meine eigenen Gedanken, Gefühle habe ich zumindest versucht, davon zu trennen und den Unterschied zwischen „Fakten“ vs. „meine Meinung/meine Gefühle“ auch deutlich erkennbar zu machen.
      Da dieser Blog schwerpunktmäßig auf Sozialkritik unter dem Gesichtspunkt Humanismus ausgelegt ist, kam es aufgrund meines Tuns im „echten Leben“ auch immer wieder zu Schilderungen von Begebenheiten hier vor Ort.
      Häufig Anlass zu harschester, teils sehr polemischer Kritik von mir.
      Nur: Es gibt auch im Leben einer „Sozial-Aktivistin“ positive, angenehme und sehr menschliche Erfahrungen. Da möchte ich so manchesmal vor Freude förmlich platzen…und würde damit genau diesen „guten Menschen“ schaden.
      Mein „Lob“ wäre Anlass für deren Anpfiff,Angegriffenwerden ect. Vermeintlich Gutes hätte für diese Menschen negative Konsequenzen. Das möchte ich nicht verantworten…und halte es doch für falsch, schweigen zu „müssen“.
      Ich werde sehen, was nun wird…

      lG
      Ellen

      • Lieber Holdger,
        verzweifelt…ja, zumindest voller (Selbst)Zweifel.
        Daher habe ich auf Eurer Seite zum Thema „Spiritualität“ auch nur noch wenige, für mich abschließende, Zeilen verfasst.
        Hab ganz lieben Dank für Deine Worte, ich werde sehen, ob und wann ich innerlich nicht mehr so blockiert bin.
        Bin halt älter, da braucht es wohl seine Zeit… 😉
        herzlichst
        Ellen

      • Ja, ich verstehe den Spagat. Andererseits hast du nirgenwo so viel Freiheit wie in deinem eigenen Blog. Du kannst Themen verbinden, die sonst nicht verbunden werden – und du kannst erklären, warum du das machst. Wenn es dann immer noch nicht klar ist, kannst du getrennte Bereiche für Meckern und Lob einrichten. So ist doch genau auch das Leben – in Teilen könnte man in die Luft gehen wegen himmelschreiener Ungerechtigkeit, Bösartigkeit, Gier und einigem mehr, das man beobachtet – und in anderen ist man zu Tränen gerührt weil es trotz so eines Umfelds Menschen gibt, die uneingeschränkt lieben, bzw. sich engagieren können.

        Beides ist der Erwähnung wert, finde ich. Trenne es doch einfach klar erkennbar voneinander. Menschen denen es schaden würde, wenn ihr Name bekannt würde, kann man anonymisieren – damit fahre ich ganz gut.

        Und nochmal: Es ist nicht möglich, everybodies darling zu sein, ohne sich selber total zu verbiegen. Folglich steht eine Grundsatzentscheidung an. Ich habe für mich entschieden, das ich MEINEN Blog schreibe, und zwar zuerst mal für mich selbst. DIe Themenmischung ist dementsprechend. 😉 Mein Umfeld, das weitestgehend nur die eine oder die andere, praktisch nie aber meine beiden Seiten kannte, ist irritiert.
        Ich selber fühle mich einfach nur frei.

        In Sachfragen lasse ich mich selbstverständlich gern korrigieren, nicht aber in der Grundsatzentscheidung.
        Das ist MEIN Blog. ICH bezahle ihn, ICH schreibe ihn.

        Als ich noch hauptberufliche Redakteurin war, lief das ganz anders. Es gab nicht nur einen „Fraktionszwang“, ein erzkonservatives, katholisches Umfeld, einen schwer berechenbaren Verleger, ständige Probleme mit dem zur Verfügung stehenden Platz und enormen Zeitdruck. Es gab auch das typische Mann-Frau-Problem nach dem Motto: Männer sind klug und rational, Frauen sind nicht belastbar und emotional. Es gab Ärger mit Lesern, bzw. Werbekunden, die abbestellten, wenn sie sich nicht wunschgemäß dargestellt sahen. Und ich habe mich immer wieder geärgert, dass ich mich Themen, die ich für wichtig hielt, nicht ausreichend lange und ausführlich widmen konnte.

        Jetzt bin ich frei. Ich will keinen Gewinn machen. Natürlich möchte ich anderen dienen, indem ich auch HIlfestellungen gebe. Ich möchte auch die Leute schützen, über die ich manchmal sehr persönlich schreibe und nenne teilweise ihre Namen nicht. Da hört es dann aber auf. Wenn sich jemand über mich aufregen will – bitteschön. Tangiert mich peripher.

        LG Gudrun

  6. Danke für Euer Mitgefühl.
    Leider ist sogar direkt nach Erscheinen dieses Beitrags derselbe in eine falsche Kehle gekommen…aber o.k., es macht wenig Sinn, darüber zu klagen.
    Das Wort von Erich Kästner “ Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es“ erscheint mir in zwiespältigem Licht, denn offenbar ist es nicht möglich, „Gutes“ zu tun, ohne damit irgendwem letztendlich doch zu schaden…es gibt leider kein ying ohne yang.

  7. Das alles war mit ein Grund, warum ich nach 12 Jahren mein Forum für Angehörige von Suchtkranken, schweren Herzens geschlossen habe. Jedes Wort wurde auf die Goldwaage gelegt und leider nur zu oft kam Geschriebenes beim Empfänger falsch an. In Zeiten des Internet ist das persönliche Gespräch einfach untergegangen und es ist nun mal so, dass viele glauben man sei im Netz anonmym und könne sich alles erlauben. Jeder fühlt sich sofort angegriffen und gut gemeinte Ratschläge werden völlig falsch interpretiert.
    Muß dir ehrlich sagen, dass nach Aufgabe meines Forums eine große Last von meinen Schultern ist und ich würde es auch heute nicht noch einmal machen. Kann dich also sehr gut verstehen.
    Lass einfach mal sacken und nimm dir Urlaub von deinem Blog.

  8. Liebe Ellen,
    der Kopf ist voller Gedanken die raus müssten, aber in welcher Form es ist einfach eine Blockade da, ich habe das nun schon eine Weile und komm nicht weiter.
    Es ist im weitesten Sinne wie du es beschreibst, ist man freundlich im Ausdruck, kommt auf Garantie von irgendeiner Ecke, willst dich wohl anbiedern, das klingt aber zahm. Macht man es anders weil es in einem selbst so rumort, dass man sich davon befreien muss, kommen nach dem Schreiben dann die Gedanken, wann kommt so ein amtlicher Brief meist in braun, das heißt ja dann irgendeiner fühlt sich getroffen und will dich dann in der Form kalt stellen.
    Ich denke mir zurzeit, dass es für mich besser ist mal zu pausieren, es gibt genug Baustellen im Leben bei denen uns auch keiner zur Seite steht, nehmen wir uns auch mal wichtig.
    Moni

    • Hallo Christof,
      diese „Kontrolle“ muss leider sein. Könnte jeder kommentieren, ohne dass ich die Beiträge vorher lese, stünde ich permanent mit einem Fuß im Knast.
      Als Blogbetreiber habe ich die Verantwortung, dass (beispielsweise)
      Keine Hetze betrieben wird
      rassistisches Gedankengut keine Verbreitung findet
      keine unseriösen Werbelinks gesetzt werden…Aufzählung unvollständig.
      Neben der rechtlichen Seite gibt es aber auch zwischenmenschliche Gründe:
      Beispielsweise Beiträge, die bestimmte Leser verletzen (sollen), die ohne verifizierbaren Nachweis Behauptungen über Menschen darstellen haben dazu AUCH wieder strafrechtliche Relevanz (Verletzung der Persönlichkeitsrechte, Beleidigung, üble Nachrede ff)
      Daher ist es gewiss einsehbar, dass ich auf manuelle Freischaltung umgestellt habe.

      fG
      Ellen

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