Vom sterbenden „Wir“

Auslöser für diesen Artikel ist das nachstehende Video.
Sein Wahrheitsgehalt ist natürlich für mich nicht überprüfbar, dennoch bin ich mir sicher, dass es sich um kein Fake handelt. Dieses Video ist ein Abbild – leider kein Zerrbild – dessen, was „überall in der Welt“ geschieht. Es ist ein Symbol für den zunehmenden Verlust an Mitgefühl, ein Ausdruck dafür, dass das „Wir-Gefühl“ im Sterben liegt…

Vielleicht ist eine Warnung angebracht, gerichtet an die sensiblen Leser dieses Blogs. Ich selbst war nach diesem Clip tränenüberströmt und fühle mich hilf/machtloser denn je…

https://www.youtube.com/watch?v=IgtzQH5cuSg

Schrei in der Brandung

Es gibt viele, wundervolle und engagierte Menschen auf diesem Planeten. Und doch kommt es mir so vor, als sei ihr aufrechtes, mitfühlendes Handeln zu vergleichen mit einem Menschen am Meer, der gegen die tobende Brandung anschreit…ihm reißt der Wind den Atem weg, als habe er nichts zu sagen und sollte doch besser schweigend resignieren.
Nun sind Wind und Meer ja natürliche Gegebenheiten und es erscheint gewiss ein wenig „töricht“, als kleiner Mensch gegen die Naturgewalten anbrüllen zu wollen.
Anders hingegen bei all den unsäglichen, menschverursachten Zuständen. Hier wäre ein „Wir“, ein quasi Herunterbrechen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, ein danach erfolgendes vereintes, entschlossenes Handeln bestimmt nicht sinnlos.
Die Realität sieht leider anders aus…

Der kleinste gemeinsame Nenner…

…ist der des fühlenden Wesens. Niemand will leiden, kein Lebewesen fühlt gerne Schmerz (gewisse sexuelle Spielarten einmal ausgenommen). Warum, wenn diese schlichte Wahrheit doch jedem Menschen bewusst ist, handeln „wir“ nicht dementsprechend?
Warum scheint das Leid des Anderen unwesentlicher als unser eigenes?
Warum hat die goldene Regel „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg‘ auch keinem andern zu“ als „Spruch“ so viele Jahre überlebt und ist dennoch mehr und mehr bedeutungslos geworden?

Im Kleinen wie im Großen

Die Egozentriertheit hält viele (immer mehr?) Menschen offenbar davon ab, den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zu wagen.
Das Ich gewinnt zunehmend an Bedeutung, während das Wir dahinsiecht.
Und alles Engagement scheint nur ein Tropfen auf den heißen Stein…sieht man nach Sudan, beispielweise. Sam Childers kämpft dort für die kindlichen Opfer des „früheren“ Krieges, ein Engagement, das seinesgleichen sucht. Und doch herrscht dort erneut wieder Krieg…was die Arbeit Childers an ein perpetuum mobile erinnern lässt.
Oder nehmen wir Jane Goodall .
Ihr Engagement für Menschenaffen, für eine humanere Forschung und für den Erhalt des Lebensraumes von Primaten sucht seinesgleichen. Und doch:
Für Palmöl sind in Indonesien bereits viele Millionen Hektar Regenwald zerstört worden. Und diese Entwicklung geht weiter – angeheizt auch durch die Nachfrage von Konzernen wie Unilever. Dieser Palmöl-Boom hat maßgeblich zum dramatischen Rückgang der Orang Utan-Population in Indonesien beigetragen. Schätzungen des WWF gehen davon aus, dass innerhalb eines Jahrhunderts drei Viertel der Population ausgestorben sind und bis heute nur noch 50 000 Tiere überlebt haben.

Und hierzulande ?

Jeder gegen jeden, davor schützen offenbar weder Intelligenz noch Intellektualität.
Mit Besorgnis las und lese ich von den gegenseitigen Angriffen und Zerfleischungen, welche der Friedensbewegung mittlerweile innewohnen. Welch Widerspruch in sich…
Die offenkundige Sturheit gewisser „Alt-Linker“ erschreckt mich zusehends. Gerade hier hätte ich mir differenzierteres Denken und Handeln gewünscht. Für Interessierte hier ein aus dieser Sicht wohltuender Artikel zum Thema In Bewegung geraten

Und selbst in den kleinsten Zellen dominiert der Ichling mittlerweile. Da wird Kritik Angriff gleichgesetzt, es wird mit Boshaftigkeiten „gekontert“, häufig wohlwissend, wie sehr dadurch das Gegenüber verletzt wird. Aber das ist dem egozentrierten Menschen völlig schnuppe, denn nicht er, vielmehr „nur“ der „Andere“ leidet gegebenenfalls…also g’schissen drauf.

Es ist und es macht krank

Offen gestanden fällt es mir zusehends schwer, mein Prinzip des Seesterne retten aufrecht zu erhalten. Klar, mein Verstand und mein Gefühl sagen mir, dass es jeder ehemalige Kindersoldat (Childers), jeder gerettete Primat (Goodall) wert ist, für ihn gekämpft zu haben.
Das gilt dem Grunde nach auch für mein Tun (ohne mich jetzt mit den genannten Helden auch nur im Ansatz vergleichen zu wollen!).
Jeder einzelne Leistungsbezieher, welcher nicht sanktioniert wurde, welcher nicht (mehr) obdachlos ist, ist es wert, sich für ihn engagiert zu haben.
Einfach, weil es fühlende Wesen sind…
Und doch erscheint mir das ganze System mittlerweile wie eine Ansammlung riesiger Hamsterräder, in denen die mitfühlenden, engagierten Menschen rennen und rennen.
Zwischendurch kleben sie dann Pflästerchen auf die blutenden Wunden Einzelner, während zeitgleich Tausende und Abertausende neu verletzt werden…und nach diesen kurzen Stopps rennen sie weiter im Rad.
Irgendetwas läuft verflixt schief, und ein Ende scheint nicht in Sicht …

 

 

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8 Kommentare zu “Vom sterbenden „Wir“

  1. Leider vermute ich, liebe Ellen, daß es sich bei diesem furchtbaren Video-Mitschnitt aus China sehr wahrscheinlich nicht um eine Fälschung handelt.

    Die Furchtbarkeit dessen, was wir da fassungslos sehen müssen, hat aber auch einen gesellschaftlichen Grund – was mal wieder zeigt, was Gesellschaft aus einzelnen Menschen zu machen vermag. Das nimmt die Furchtbarkeit nicht weg, aber zeigt, daß wir – so schwer das mitunter fällt – auf den einzelnen Menschen sehen müssen u n d auf das, was ihn in seinem Handeln bestimmt. Ganz kurz nur:

    In China ist es üblich, daß der Helfer vor Gericht nachweisen muß, nicht der Schuldige zu sein. Jeder, der dem Kind geholfen hätte, wäre also der Gefahr ausgesetzt gewesen, als der Urheber vor Gericht zu kommen und – auch das kann fassungslos machen – für seine Hilfe zum Tode verurteilt und hingerichtet zu werden. Todesangst also, eingejagt von einem furchtbaren Rechtssystem, hält die Menschen ab, dem Kind zu helfen.

    Wenn ich das einmal rückbeziehen darf auf bestimmte Verhältnisse bei uns (nur in der Gestalt einer Andeutung gesagt, heute abend will sich ja wieder mal die Plaßberg-Runde mit diesem Thema befassen):

    Was bei uns immer mal wieder als „Gier“ (gemeint: „Habgier“) verhandelt wird – scheinbar also individueller Charaktermangel ist, nichts sonst -, das hat auch seine Ursachen in einem Gesellschaftssystem, das eigentlich alle mit allen in ein System des Rivalisierens zwingt (oft bei Strafe des ökonomischen und/oder sozialen Untergangs für denjenigen, der da nicht mitmacht) und eigentlich für jeden Menschen sämtliche Grundlagen der eigenen Lebenssicherheit abhängig macht vom „Haben“ (ob das nun der Arbeitsplatz ist, die Lebensversicherung oder sonstwas).

    Ausführlichst dargestellt hat dieses Weggedrücktwerden in die Lebensweise des „Habens“ hinein (statt in die des „Seins“) ja Erich Fromm – dessen Buch dazu wiedermal nur dringendst als Lektüre empfohlen werden kann.

  2. Hallo Ellen,

    Du hattest in einem der letzten posts von Schreibblockade berichtet. Hat mich auch getroffen, hängt mit der Ukraine-Krise zusammen, all den damit verbundenen Offenbarungen, zu denen ich reichlich kommentiert un d mich fast völlig verausgabt habe, letztlich zunehmend frustrierter bis orientierungslos geworden bin.

    Deshalb heute nur kurz – der Verlust des WIR ist die zwangsläufige Entwicklung durch die Art von Globalismus, die uns big brother vorgibt. Eine der Perversionen daraus kennst Du sicher besser als ich – die ICH AG der aSPD, die dann bei der letzten BTW plakatierte, das WIR entscheidet. Gibt da unendlich viel zu diesem Thema.

    Gräben zu überwinden und sich nicht im Gestrüpp der Erbsenzähler zu verfangen und aufzureiben, ist einer der Schritte um zu versuchen aus diesem Dilemma zu kommen. Unsere Generation dürfte da eine besondere Verantwortung und Verpflichtung haben.

    JD, die ich immer bewundert und geachtet habe, ist tief gesunken. Mit ihrem aktuellen Wirken stellt sich ernsthaft die Frage, wessen Erfüllungsgehilfe sie sein/werden will.

    Die Montagsdemos mögen teilweise „krass“ besetzt sein, entscheidend ist aber das Ziel. Und in dieser Richtung macht die Linke, über die aSPD muß man nicht mehr ernsthaft diskutieren, bis auf flotte Sprüche kaum noch was. Teilweise biedern sie sich an den mainstream an oder sind in sogar in der Atlantikbrücke. So nicht meine Freunde!

    Ken Jebsen kann und sollte hinterfragt werden, aber er ist bei weitem nicht der Dämon zu dem ihn die hinstellen die sich als Linke propagieren. Stell mal sein aktuielles statement zu seinen Motiven ein und empfehle zudem sein Interview mit Willy Wimmer, einem CDU-Mann, Staatssekretär unter Kohl – sehr interessant für alle deren Horizont auch aufnahmefähig ist für Ansichten außerhalb von links.

    Melde mich später ausführlicher, z.Zt, sind die Dinge nicht so im Fluß – sorry.

    Lieben Gruß

    Carlo

    • Lieber Carlo,
      zunächst danke, ich fühle mich ein ganzes Stück weit von Dir „verstanden“.
      Ich habe mich bislang aus der gesamten Diskussion um die Friedensbewegung/Mahnwachen gänzlich herausgehalten und lediglich versucht, mittels Nutzung meines Verstandes mir mein eigenes Bild zu machen. Nunja, spätestens dadurch, dass ich Dein Video hier stehenlasse, habe ich mich nach Lesart gewisser Mitmenschen (welche ich, wie auch Du, grundsätzlich wertschätz[t]e) wohl auch als „NeuRechte“ positioniert 😦
      Auf FB fand ich dazu einen passenden Kommentar des Eifelphilosophen (mit welchem ich aufgrund seiner teils sehr drastischen Formulierungen nicht immer konform gehe, ihn aber als klugen Kopf respektiere und schätze) ->

      „Noch weiter so sorgfältig und gründlich gearbeitet, und Deutschland besteht nur noch aus 80 Millionen „Neurechten“ … und zwei ganz besonders edlen Ultrasuperlinken. Im Rahmen dieser edlen Aktion sind Krieg, Armut, Ungerechtigkeit und Kampf um die Menschenwürde zweitrangig.“

      Übelst, dass auch Inge Hannemann in Teilen als „NeuRechte-Versteherin“ diskreditiert wird, siehe FB-Seiten „Hannemann Watch oder Hallo Inge Hannemann“.
      Was soll ich noch sagen? Vermutlich haben die Menschen Recht, die mich als „naiv“ oder „Träumer“ wahrnehmen, fabuliere ich doch immer wieder mal davon, dass wir Menschen uns als die Gemeinschaft wahrnehmen sollten, die wir sind:
      Einen Teil des Planeten Erde, nicht mehr, nicht weniger. Und da es nun mal keinen „Plan(et) B“ gibt, wäre es gewiss nützlich, sich entsprechend respektvoll gegenüber jedweden Lebens zu verhalten. Goldene Regel und so…
      Aber derart Gedanken sind vielleicht zu spirituell…und damit habe ich mich vermutlich grad zum zweiten mal „geoutet“, als „Eso-Spinner“…die wiederum ja alle samt und sonders „neurechts“ zu verorten sind ;).

      Es macht mich einfach nur hilflos-traurig, was derzeit geschieht, es macht/e mich zudem weitestgehend sprach-und wortlos…im Wortsinne. Das betrifft auch das, was in der Ukraine geschieht resp. die einseitig-manipulative „Berichterstattung“ durch nahezu alle Medien…und die Gleichgültigkeit so vieler Mitmenschen

      • Hallo Ellen,

        kurz zu Deinem letzten Absatz – geht mir die letzen Wochen ident, durch und durch!

        Bin an einem Punkt, alle inneren Schranken beseitigt zu haben (ohne verwirrende Psychohilfe) und bin sicher, mittlerweile auch extern klar zu blicken. Und nun stellt sich wiederholt ein Gefühl ein wie Ohnmacht, Fassungs- und Worttlosigkeit, Blockade..

        Was mir jetzt spontan in den Sinn kommt liebe Ellen – unsereins ist essentiell angewiesen auf ein bedingungslos vertrauensvolles „Rückzugsgebiet“, Gleichgesinnte bei keineswegs stupider Harmonie. Dies kann mittels Internet bedingt funktionieren, ideal wären Gesprächskreise, Freundschaften, regelmäßig persönliche Kontakte. Wohl dem der sowas findet, daran mitwirkt, dessen Energie und Mut dürfte unbegrenzt sein. Hat man das nicht, erfolgt also alles aus eigenen Antrieb/Motivation und setzt sich so in Kontakt/Auseinandersetzung mit z.B. H4. Politik an sich, der gegenwärtigen Ukraine-Krise etc., fällst man stets wieder auf die Nase und krebst um einen wunden Pol. Und das ist verdammt nicht angenehm, da kannst Du noch so sehr Durchblicker sein oder anderen zu helfen/beraten wissen.

        Lieben Gruß

        Carlo

  3. Mir fällt dazu spontan das Lied von Bob Dylan ein: „Die Answer is Blowin‘ in The Wind“ …
    Und ein Satz, den ein Bekannter einmal sagte: „Wenn ich nur einem einzigen Menschen geholfen habe, so hat sich mein Leben gelohnt“.

    Es ist bedrückend, wenn man sieht, wenn andere Menschen nichts aus den Situationen lernen (so z.B. die SB der AfA beim Termin letzte Woche, wo ich als Beistand zugegen war).

    Und dennoch …. weitermachen!
    Der Dame, deren Beistand ich war, konnte ich auf jeden Fall helfen und einige unangenehme Dinge abbiegen bzw. unterbinden (mehrere Male musste ich eingreifen, da die SB viel zu bedrängend wurde bzw. Unzulässiges verlangte).

    Es wäre schön, wenn wir andere Menschen ändern könnten.
    Leider ist dies nicht der Fall. Die Entscheidung über eine Veränderung liegt immer bei der jeweiligen Person selbst.

    Wir können nur Denk-Anstöße geben, motivieren und inspirieren.
    Dann haben wir alles getan, was wir tun konnten.
    Es ist Energieverschwendung, sich danach noch Gedanken zu machen oder sich traurig zu fühlen, weil unsere Denk-Anstöße, Motivation oder Inspiration beim anderen nicht angekommen sind.

    Ellen, schreibst Du mir mal eine Mail? Deine bei mir vorhandene Mail-Addy scheint nicht mehr zu funktionieren …

    LG
    Ecem

    • Liebe Ecem,
      ich danke Dir herzlich für Deinen „Stubser“. Dem Grunde nach verhalte/denke ich ja genauso wie Dein Bekannter (Seesterne-Prinzip 😉 ) Vielleicht muss ich mir derzeit diesen Grundsatz mantramäßig mehrmals am Tag „selbst vorbeten“, um gegen die aufkommende Resignation, das Ausgebranntsein und die Müdigkeit anstänkern zu können.
      Mail bekommst Du, ist aber unverändert die, welche auch im Impressum steht
      glG
      Ellen

  4. Hallo Tara auch Ihre,Deine Tötigkeiten werden überall in der Welt durchgeführt,eine für mich und die meisten anderen Menschen ein wenig schwachsinnig die Unwissenheit der Menschen finanziell aus-zu-nutzen!!!

    • Christof, mit Verlaub, ich habe Ihren Kommentar leider nicht verstanden. „Meine Tötigkeiten“ ??? Sorry, können Sie das bitte irgendwie verdeutlichen? Danke dafür.

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