Klarstellung – Offener (Antwort)Brief an Dr. Schulze-Boeing

Vorbemerkung:
Unter Bezugnahme auf meinen letzten Artikel – den ich als Appell an die Mitarbeiter der MainArbeit andachte
schrieb mich noch am gleichen Tag der Geschäftsführer der MainArbeit Offenbach an.

Da ich mir nicht sicher bin, inwieweit ich bei der Verwendung des Originaltextes das Postgeheimnis bräche, lasse ich es sein.
Der verständige Leser wird meinem Antwortschreiben entnehmen können, um was es geht und warum ich erneut den öffentlichen Weg wähle.

Einmal mehr gilt aber auch jetzt:
Ich verantworte nur, WAS ich schreibe und NICHT, was hineininterpretiert wird!


Guten Tag, Herr Dr. Schulze-Boeing

zu Ihrer Mail vom 05.09.2014 sei das Folgende gesagt:
Zunächst einmal danke, denn ein gewisses Amüsiertsein hat sich beim Lesen umgehend eingestellt. Lächeln ist etwas sehr Angenehmes…
Es ist fast schon witzig, zu lesen, dass  sich einmal mehr bewahrheitet hat, was viele Mitmenschen bereits vermuteten:
Es scheint, als seien in Ihren Augen Erwerbslose – und demgemäß auch deren Fürsprecher/Beistände/Bevollmächtigte – intellektuell zumindest leicht unterbelichtet.
Diese Einstellung so unterschwellig  zu übermitteln, wie Sie es in der Mail an mich taten, zeugt von Intelligenz. Allerdings bemängelte ich auch niemals das Nichtvorhandensein von Intelligenz, vielmehr die Abwesenheit dessen, was einfache Gemüter wie ich unter Begriffen wie Mitgefühl, Anteilnahme, Empathie, Rechtskonformität ff verstehen…

In diesem Zusammenhang übrigens:
Seien Sie bitte versichert, dass meine Hinweise auf literarische Quellen, meine wiedergegebenen Zitate und Ähnliches keineswegs unter Zuhilfenahme „einer Zitatensammlung von den Wühltischen des Buchhandels“ entstanden und entstehen. Es mag für Sie kaum vorstellbar sein, aber i.d.T. bin ich des Lesens UND Verstehens – sogar von echten Büchern – mächtig, eine Fähigkeit, die leider nicht jeder hat.

Zum Kern Ihrer „Kritik“, hier das für mich einzig wirklich Relevante zuerst:

Ich verwahre mich auf das Schärfste gegen die Unterstellung, ich vergliche Jobcentermitarbeiter mit den Mördern und Schergen der Nazizeit!!

Das habe ich nie getan und werde es auch nie tun!

Da ich davon ausgehe, dass diese diffarmierende Unterstellung bzgl. meiner Person auch Ihren Mitarbeitern „zu Ohren kommen wird“ und diese dann -verständlicherweise – negative Reaktionen zeigen werden, ist meine öffentliche Stellungnahme daher unabdingbar!

Selektives Lesen, Zitate aus dem Zusammenhang reißen, das Alles macht keinen Sinn, es sei denn, man verfolgt mit dieser Taktik ein Ziel:
Das von mir vermutete Ziel hinter diesen ungeheuren Unterstellungen ist die Verächtlichmachung meiner Person.
Sie werden nachvollziehen können, dass ich nicht gewillt bin, Derartiges unter „grobem Unfug“ zu verorten!

Ich werde auf diese Vorhalte auch keineswegs eingehen, da ich davon ausgehe, dass Sie, Herr Dr. Schulze-Boeing, doch sehr genau wissen, auf was sich meine Anmerkung in Bezug auf Hannah Arendt’s Beobachtungen, den Eichmann-Prozess betreffend, bezog.
Es sei Ihnen an dieser Stelle lediglich noch ein Blick nach Bielefeld anempfohlen.
Setzen Sie sich doch einmal auseinander mit dem Thema GMF (Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit)
Und da ich ein hilfsbereiter Mensch bin, erleichtere ich Ihnen die Suche gerne mit einem passenden Link dazu
http://www.uni-bielefeld.de/ikg/projekte/GMF/WasIstGMF.html

 

Zu den anderen Einlassungen, wie den „unkalkulierbaren Wirkungen, die solche Hetzereien in den Gehirnen von latent gewaltbereiten Zeitgenossen haben können“, einige kurze Feststellungen resp. Fragen:
Wenn einerseits die Vermutung im Raum steht, dass selbst belesene Aktive/Erwerbslose ihre „Weisheit“ Zitatensammlungen vom Wühltisch entnehmen, wie erklärt sich dann die Annahme, dass gerade „solche Menschen“ mit Werken von Hannah Arendt, Klemperer ff je in Berührung kamen? Und dann gar auf diese, meine „vergleichende Hetze“ reagieren? Ist das nicht bereits ein Widerspruch in sich?

Zu den latent gewaltbereiten Erwerbslosen sei noch gesagt, dass – mit Verlaub – diese gebetsmühlenartig und seit Jahren immer wiederholte Unterstellung oder „Befürchtung“ zumindest mich mittlerweile sehr langweilt.
Selbst ausserhalb irgendwelcher Zusammenhänge mit den wenigen, äußerst bedauerlichen (!) Übergriffen auf Menschen (!), welche im Jobcenter arbeiten, werden Sie nicht müde, von der „latenten Gewaltbereitschaft“ zu fabulieren.
Nun weiß ich ja nicht, ob im Soziologiestudium auch, beispielsweise, Adorno oder Horkheimer gelehrt werden. Vermutlich ist das nicht der Fall.
Wie wäre es einmal mit, Herr Dr. Schulze-Boeing, einer Auseinandersetzung mit dem Thema „strukturelle Gewalt und ihre Folgen“ ?

Ihren abschließenden „Rat“ bzgl. „etwas mehr Nachdenken vor dem Schreiben und generell zu einer Mäßigung im Ton meiner Einlassungen“ halte ich nur für insofern kommentierenswert, als dass Sie es getrost meine Sorge sein lassen können, wie ich Erlebtes empfinde und schildere.
Im Gegensatz zu manchen Ihrer MitarbeiterInnen pflege ich zwar auch eine scharfe Zunge, jedoch ohne MENSCHEN strafrechtlich relevant zu beleidigen!
Ich weise lediglich auf miterlebte, teils gravierende Mißstände hin, das in einem der jeweiligen „Sache“ angemessenen, scharfen oder auch sehr scharfen Duktus!
Ich verstoße auch nicht gegen gültige Gesetze, sei es das SGB oder das StGB.
Auch Metaphern und Wort/Buchstaben“spiele“ mögen Ihnen vielleicht nicht gefallen, sie sind aber gedeckt von dem, was in unserem Grundgesetz als Meinungsfreiheit verankert ist.

Einen schönen Restsonntag wünschend verbleibe ich einmal mehr

Hochachtungsvoll

Ellen Vaudlet

 

 

 

 

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9 Kommentare zu “Klarstellung – Offener (Antwort)Brief an Dr. Schulze-Boeing

  1. bravo, an alle Schreibenden – allesamt hole in one´s. Zu SB – da fällt mir spontan die Kaugummiewerbung mit dem Antonio Banderas ein – SB ist das verschmäte Süße das nicht gegessen wird- wo ein fetter, überzuckerter kringel sich beleidigt äußert – ich will aber nicht gehen – da stellt sich glatt die Frage – ist SB überzuckert?
    also krank? auch meine persönlichen Erfahrungen lassen diesen Schluß zu!
    Da mir die Zusammenhänge mit den Regierungsverantwortlichen bis hin zu Herrn OB Schneider auch geläufig sind werde ich allerdings nicht nur hier bloggen sondern werde aktiv die Abwahl der Protagonisten zu jeder Gelegenheit betreiben und für die Unterstützung der Abwahl werben – wo immer ich kann.
    Großes Lob an Tamaras Blog, Thilenius und Co. – ihr seit echte Wiederstandskämpfer im Sinne eines – Che.
    Weiter so.

  2. Bei aller Achtung jedes Berührtseins, und jeder Reaktion und Gegenreaktion darauf, Alles in Allem findet hier ein unheiler Kampf gegen das Unheil statt. Die erste Frage die ihr mir nach Eurer Entrüstung zwecks Aufrüstung stellen könntet: Ob ich es denn besser machen kann? Lange Zeit, in der Rolle des Sozialpädagogen im Kampf für die Obdachlosen und gegen die Obdachlosigkeit und den Euch wohl bekannten Gegnern, konnte ich das nicht. Auch nach der Diaknose(ups. was habe ich noch mit der Diakonie zu tun?) Burnout hat es noch ne ganze Weile gedauert bis ich immer besser erkennen konnte, wann ich mich mal wieder in der Rolle des Don Quijot befand, oder, welche Kränkungen sich da Luft verschaffen wollten. Und immer wieder, und insbesondere, wenn meine Kräfte nachlassen, bemühe ich mich um entsprechender Selbstwahrnehmung, was recht schwierig ist, weil in meinen Aktionen eben auch meine nach außen drängende Potenzen sich befinden. Es ist also nicht leicht, den unheilen Kampf gegen das Unheil in konstruktive Aktionen zu wandeln. Unmöglich ist, kostruktive Aktionen so zu konstruieren, dass sie keinen Unheil verstärkenden Widerstand bewirken. Bewirken! Nicht erzeugen! So ist die Entrüstung und die Aufrüstung als Reaktion auf sie, letztlich ein Zeugnis des eigenen Vermögens, aus dem heraus eine Antwort auf das Vermögen des anderen oder der Gemeinschaft gegeben wird. Immer!?!?!? Immer insofern, als das Vermögen des Anderen , sein Vermögen zu stabilisieren oder wachsen zu lassen eben auch durch „Keineantwort“ bewirkt werden kann. Ich hoffe, dass ich deutlich machen konnte, dass wir -wir, in Anlehnung an Dein, Ellens, „Aufruf“ zu einem Wirgefühl- im Grunde mit unserem Vermögen gegen das Vermögen unseres Nachbarn oder wen auch immer, kämpfen. Und wenn wir nun bedenken, dass eines jeden Vermögen, also das, was er zu tun oder zu lassen vermag, sich aus der uns gleichen Bedingung ausbildet, gibt es keine Grundlage mehr dafür, dass eine anderer so ticken müsste, wie ich das tue. Dass ein anderer doch einsichtig sein müsste usw,. usw.. Dieser ganze Ballast fällt ab, wenn ich, auf Grund meines Vermögens freilich, derartige Erwartungen oder Verlangen gar, nicht mehr brauche. Und wie am Zustand unseres Sozialsystems, und am Elendin dieser Welt zu erkennen ist, verändern unsere Ansinnen an den Anderen kaum Wesentliches..

    Zu der gleichen Bedingung: Die gleiche Bedingung besteht zum ersten darin, dass jeder mit seiner ganz eigenen, also vorgegebenen Bedingung seiner Veranlagung nämlich, zurecht kommen muss.( wenn es gut geht, auch will). Aus esoterischer Sicht, auch noch damit, was ihm sonst noch mitgegeben ist. Zum Zweiten ist jeder gezwungen, sich in der Zeit der Hilflosigkeit und großen Abhängigkeit, von, in der Regel, seiner Ernährerin, auf seiner ganz idividuellen Weise auszugleichen und somit Verhaltensmuster auszubilden. Diese Muster machen einen Teil seiner Identität aus. Und wiederum ganz individuell tobt der Kampf zwischen Absicherung der Identität und deren Wachstum. Zum Dritten sind keinem die gleichen familieren und kommunalen Bedingungen gegeben.

    herzliche Grüße,
    Friedrich Peter

  3. An dieser Stelle aus gegebenem Anlass eine direkte Bemerkung zum Leiter/Geschäftsführer der Mainarbeit:

    Der arme Kerl hat doch schon so viel um die Ohren, da kann er doch beim besten
    Willen nicht immer alles, alle und jeden verstehen! Ansonsten verfährt er nach dem
    immer gleichen Schema: „mein Name ist Hase, ich weiss von nichts und bei dem
    was alles in meinem Kopf herumgeht, kann ich beim besten Willen nicht immer alles
    in der richtigen Reihenfolge kommunizieren -will heissen, immer dann wenn ich
    zu Recht wegen meiner Art oder (Un-)Fähigkeit massiv in die Kritik komme behelfe ich mit damit, einfach alles falsch zu verstehen und dementsprechend unsinnig zu beantworten. Bis mein Gegenüber meine Ausführungen sortiert hat, habe ich schon
    wieder für eine neue Disskussion die Grundlage geschaffen! (nennt sich anders-
    wo „Kohl-Schwäche“ -es gibt kein Fettnäpfchen an dem der davon Befallene vorbeigehen kann, ohne nicht auch hineinzutreten!).

    Von SB liegen bei verschiedenen Empfängern div. Schreiben vor die die jeweiligen
    Empfänger zu der Frage veranlasst haben was der geraucht oder eingeworfen haben könnte!

  4. „Da ich mir nicht sicher bin, inwieweit ich bei der Verwendung des Originaltextes das Postgeheimnis bräche, lasse ich es sein.“

    Schade. Manche sind des Anstandes kaum wert, mit dem Du ihnen begegnest. Doch es ehrt Dich, daß Du Deinen Anstand über deren Niedertracht stellst.

    Man soll Menschen an ihren Taten messen, dass mag sein. Aber auch an ihren Worten, denn die sind auch Tun, wenn diese Menschen einen Amtssessel wärmen.

  5. Wenn meine Vermutungen, darüber, welche Aussagen Herr Schulze-Boeing in seiner Mail gemacht hat, stimmen, so dürfte es sich bei einem Teil dieser Aussagen um strafrechtlich relevante Beleidigung und Verleumdung handeln – nicht nur gegenüber der Blogbetreiberin sondern gegenüber allen Erwerbslosen.

    Sollte dem tatsächlich so sein, wäre ggf. eine – ggf. gemeinschaftliche – Strafanzeige gegen Herrn Schulze-Boeing anzudenken.

    Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter sind dafür geschaffen worden, dass sie erwerbslose Menschen in vernünftige Arbeitsstellen vermitteln. Arbeitsstellen, bei denen der Mensch in Würde arbeiten und ausreichend Geld verdienen kann.

    Warum scheitern Agentur für Arbeit und Jobcenter an dieser, ihrer Aufgabe?

    An mangelnder Intelligenz oder „latenter Gewaltbereitschaft“ der Erwerbslosen kann es nicht liegen, da selbst viele gut ausgebildete Kräfte und Akademiker erwerbslos sind. Die Statistiken sprechen hier für sich.

    Mit seinen Aussagen disqualifiziert Herr Schulze-Boeing sich selbst als jemand, der für seine Stellung bei der BA völlig ungeeignet ist.

    1. Vom Dienstherrn gestellte Aufgaben (Menschen in vernünftige Arbeit zu bringen) sind zu erfüllen.
    2. Die Gesetze sind dabei zu beachten.
    3. Ein Dialog hat auf Augenhöhe stattzufinden.
    Scheinbar hat Herr Schulze-Boeing dies noch nicht begriffen.

    LG
    Ecem

    • Liebe Ecem,
      strafrechtlich relevant waren die Einlassungen nicht, dafür ist Dr. S-B zu intelligent. Alles (wie auch meine teils scharfen Formulierungen) ist von der Meinungsfreiheit gedeckt.
      Es ist eben nur bedauerlich, dass es offenbar keinerlei Willen zu einer (zumindest gewissen) Einsicht gibt. Ich bin mir sicher, er glaubt an das, was er sagt/schreibt…
      Ich vermisse – wie so oft – Ehrlichkeit.
      Kein „SchönSprech“, kein „NeuSprech“, kein Relativieren…einfach eine klare Stellungnahme und ein Bejahen der, nicht nur von mir, angeprangerten Mißstände.
      Aber so alt kann ich nicht werden, dies noch erleben zu dürfen…leider.
      glG
      Ellen

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