Der Vergleich: Hartz4 vs. NS-Zeit. Darf „man“ das?

Die Antwort auf die in der Überschrift gestellte Frage beantworte ich mit einem klaren
Ja.
Ja, wenn es sachlich bleibt und verifizierbare Fakten genannt werden.
Ja, wenn man nicht vergisst, dass es sehr wohl Unterschiede gibt (wobei sich Geschichte ja wiederholt, nur eben niemals 1:1).
Ja, wenn bei aller Betroffenheit nicht der Eindruck erweckt wird, das Leid der unzähligen Opfer des NS-Regimes  relativieren zu wollen.
Ja, wenn nicht unreflektiert mit der Gleichmachungs-oder der Nazikeule zugeschlagen wird.
Und ja, wenn sich ein Artikel in der Form mit der Thematik auseinander setzt, wie es der Autor Paul Duroy tat.
Einen ungleich längeren und sehr anspruchsvollen Aufsatz zu diesem Thema hat auch der sehr geschätzte Holdger Platta geschrieben.
Nach Rücksprache mit ihm werde ich diesen auf Anfrage dem geneigten Leser zur Verfügung stellen, so ich darf.

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Arbeitsscheu Agentur

Hartz IV Über die brandgefährlichen Implikationen “moderner“ Arbeitsmarktpolitik

“Erwerbsfaehige, die angebotene Arbeitsplaetze zweimal ohne berechtigte Gruende abgelehnt oder die Arbeit zwar aufgenommen, aber ohne stichhaltigen Grund wieder aufgegeben haben, sind der Gestapo zu melden. (…) Diese Menschen sind in polizeiliche Vorbeugehaft zu nehmen. Vor allem sind hier zu beruecksichtigen:
Landstreicher, Bettler, Asoziale, Zigeuner und nach Zigeunerart herumstreunende Personen (…), die gezeigt haben, dass sie sich in die Ordnung der Volksgemeinschaft nicht einfuegen wollen.“

Heinrich Himmler in einem Schnellbrief-Erlass am 1.6.1938, zitiert aus Peter Longerich-“Heinrich Himmler-Eine Biographie“

Der Leser mag nicht erschrecken, dass zum Auftakt dieses Eintrages ein derart streitbarer Charakter zitiert wird. Dieses etwas krude Auftaktzitat darf der Leser in einem beißend grellen Lichte lesen, wenn er bedenkt, dass die “moderne“ deutsche Arbeitsmarktpolitik anno 2011 weiterhin unbeirrt auf die massive Mobilisierung der von vornherein als “arbeitsscheu“ Verdaechtigten durch den Staat setzt. Dem “modernen“ Staat ist keine “Arbeits-Maßnahme“ (die sich bereits im “Dritten Reich“ haargenau so nannte) zu schade, den doch nach der reinen Lehre eigentlich muendigen, aber derzeit arbeitslosen Buerger zu schikanieren und zu maltraetieren. Der Hartz-IV-Empfaenger ist von vornherein verdaechtig und hat, ohne Chance auf eine faire Diskussion auf Augenhoehe, von allem Anfang an eine zweifelhafte Bringschuld. Eines der ersten Essentials, welches ihm der sogenannte Arbeitsvermittler beim Erst-Antrag beibringen wird, ist die Pflicht nach Sozialversicherungsgesetzbuch, dass er im Grunde unrechtmaeßige Leistungen bezieht, fuer deren Bezug er im Gegenzug unbedingt, schnellstmoeglich und unter maximaler Zumutung eine neue Arbeit zu finden hat.
Unterschwellig wird dem Sozialgeldempfaenger suggeriert, dass er vom gesunden Volkskoerper zehrt und somit (und das Wort ist “dank“ BILD und anderen Hetz-Blaettern wieder erstaunlich salonfaehig geworden): ein “Sozialschmarotzer“. Auch wenn kein Mitarbeiter der Agentur fuer Arbeit das derart explizit ausdruecken wuerde.

1938 hatte der “Reichsfuehrer-SS“ Heinrich Himmler eine famose Idee: zur Totalisierung der kurz vor dem Eintritt in den Krieg stehenden deutschen Wirtschaft gaelte es ALLE verfuegbaren Arbeitskraefte zu maximalisieren und auszuschoepfen. Ein Ansatz war auch, das Freisein von Arbeit zu einem Verbrechen qua definitionem auszuküren: wer also nicht arbeitete oder frei umherzog, wurde gebrandmarkt als “Asozialer“, als und dies durchaus woertlich: “Sozialschmarotzer“, ein gefaehrlicher Parasit am eigentlich gesunden “Volkskoerper“. Im Zuge dieser Bemuehungen schuf Himmler ein Projekt, dem er sich nun mit Feuereifer zu wandte: das sogenannte “Projekt“ mit der etwas krumm klingenden Bezeichnung: “Arbeitsscheu Reich“.

Menschen, die als “Asoziale“ stigmatisiert wurden, die nach heutigen Begriffen psychisch krank waren, wurden demgemaeß in KZ’s zur Zwangsarbeit eingezogen (eben den sogenannten “Maßnahmen“ und man beachte uebrigens wie inflationaer die Agentur fuer Arbeit diesen Begriff in ihren Info-Broschueren benutzt), sie waren vogelfrei und konnten jederzeit nach einem “Sondererlass“ (oftmals sogar ohne einen solchen aus reiner Willkuer) wegen Faulheit (!) erschossen werden.

Meine eigene Erfahrung mit der Agentur ist zB, dass ich damals, als ich mich fuer ein halbes Jahr selbst auf Hartz IV begeben und mir irgendwann die Schmach antun musste, meiner “Vermittlerin“ zu erklaeren, dass mir aus psychischen Gruenden das ganze Verfahren absolut gegen den Strich geht (ich hatte zuvor allerdings auch ganz offen, unbedarft und ueberzeugt politisches Widerstreben ins Rennen gefuehrt), sie mir erklaerte, ich muesse erkennen, dass ich fortan vorrangig den Fokus auf den Erwerb eines neuen Jobs zu legen habe oder auf klardeutsch uebersetzt:
„Dass es Ihnen angeblich psychisch nicht gutgeht, habe ich ueberhoert, Sie fauler Sack, suchen Sie sich einen Job und es geht Ihnen wieder besser.“

Ja, da habe ich sofort bei mir bemerkt: vielleicht ist aufgezwungene Arbeit doch ein wahres Therapeutikum, vielleicht macht Arbeit, zumal nach allen Gesetzen des Neoliberalismus, doch frei und unbeschwert. “Arbeit macht frei“, dieses ermutigende Spruchband koennte nach der bestechenden Alleinstellung der Arbeit doch ueber allen Agentur-Eingaengen stehen, so dachte ich mir.

Absolut gaensehauterregend ist die (wenn auch unbewusste) Kontinuitaet quasi-faschistischen Denkens, das hinter dieser Glorifizierung der Arbeit als politisch-soziales Allheilmittel steckt und die strenge und konsequente Sanktionierung bei Nicht-Beachtung des auferlegten Prinzips. Heutzutage fuehrt der Weg der sanktionierten Faulheit zwar nicht mehr ins Arbeitslager und zur Gestapo, sondern in die kalte Ueberlassenheit der Markt-Gescheiterten, man wird dann eben zum Paria, zum Ausgestoßenen, zum Vagabunden und Landstreicher. Man wird nur abgestempelt und von den Medien stigmatisiert und marginalisiert als asozialer Einzlfall, als Schaedling am bundesrepublikanischen und doch eigentlich so gesunden Volkskoerper. Vorzeige-Asoziale werden als gewuenschte Marionetten dieses Zerrbildes im Fernsehen vorgefuehrt, quod erat demonstrandum. Die wiederum schueren einen Zorn der immer so leicht zu erregenden Mittelschicht, die sich absolut bestaetigt sieht in ihrer beschraenkten Weltsicht: fuer sie ist der Hartz IV-Empfaenger per se asozial, die alleinerziehende Mutter, die “Leistung“ bezieht, eine arbeitsscheue Halbmutter, die schon das naechste asoziale Individuum auf Staatskosten heranzieht.

Besorgniserregend ist beim Blick auf die “moderne“ Arbeitsmarktpolitik der Bundesrepublik, dass der freie Buerger als souveraenes Individuum als Empfaenger staatlicher Transferleistungen von einem Moment auf dem anderen zum verwalteten und zur Disposition stehenden Objekt verkommt. Die Transferleistung ist ploetzlich nicht mehr “Wohlfahrt“ und somit eine saekularisierte Form staatlicher milder Gabe, sondern eine Art von Minimal-Alimentation, die von vornherein grobe Verdaechtigungen gegen das verwaltete Objekt, den Transferempfaenger, aussendet.
Zur Disposition steht der Transferempfaenger in ALLEN Belangen: fast jeder Job ist zunaechst einmal zumutbar, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er Leih-/Zeitarbeiter wird und von dem Personaldienstleistungsunternehmen nach freier Verfuegung hin und her disponiert wird und, sollte der Empfaenger partout nicht arbeiten koennen/wollen, steht er zur gesellschaftlichen Disposition: dann erfolgt die Leistungssperre, der unausgesprochene Ausschluss aus der Gesellschaft, die “dispositio“, die der Lateiner mit “Entfernung“ uebersetzt. Man beachte auch, dass “waste disposal“ im Englischen “Muelldeponie“ bedeutet. Der Mensch ist zu Muell geworden, seine Arbeitskraft erschoepft und womoeglich ausgebeutet, das nunmehr asoziale Element wird der kalten und “bereinigenden“ Hand des Marktes ueberlassen. Diesselbe Hand wischt den nunmehr Verfemten leichterdings an den alleräußersten Rand der Gesellschaft.[…]

weiterlesen auf

http://www.freitag.de/autoren/paul-duroy/arbeitsscheu-agentur

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6 Kommentare zu “Der Vergleich: Hartz4 vs. NS-Zeit. Darf „man“ das?

  1. Ich halte NS-Vergleiche nicht wirklich für angemessen, aus ganz verschiedenen Gründen, obwohl sie gar nicht zu vermeiden sind, wenn man die Worte eines Himmler mit der aktuellen Rechtslage der Bundesrepublik (und vor allem dem Handeln mancher Sachbearbeiter,m die Gesetze als unverbindliche Rahmenempfehlung erachten) vergleicht.

    Das NS-Regime war trotzdem ein durchorganisiertes System, ein mehr als übermächtiger Gegner, dem jeder einzelne Mensch restlos ausgeliefert war. Den Vertretern der staatlichen Macht war jeder ausgeliefert, ohne irgendeinen Möglichkeit sich zu wehren. Sicher muß man sich anschauen, wie dieses NS-Regime überhaupt möglich war, und was die Befehlsstrukturen und die Verantwortung des Einzelnen angeht, kann man per Milgram-Expirement durchaus auch Vergleiche zwischen dem 1000jährigen Reich und der Sonderrechtszone SGB feststellen. Trotzdem. Klare, fundierte Vergleiche sind meiner Ansicht nach sogar nötig, denn wenn es Parallelen zu diesem 3. Reich und unserer Gesellschaft gibt, dann gehören die ganz genau angeschaut.

    Ansonsten empfinde ich die „üblichen“ NS-Vergleiche eher als ermüdend denn als irgendwie bereichernd. Wir sind keine NS-Opfer. Wir haben einen anderen Kampf auszufechten als der Widerstand gegen die Nazis. Und wir haben ganz andere Möglichkeiten. Wir würden uns niemals mit diesen Widerständlern vergleichen, aber die, mit denen wir kämpfen, sollen mit den Opfern verglichen werden? Nee, ne?

  2. liebe Ellen,
    hier mal meine 2c, die ich nur deshalb dazugebe, weil ich weder mit Dir (weiss) noch mit Frank (schwarz) konform gehe. 😉
    (übrigens wertneutral als einmal die Summe bzw. das Fehlen aller Farben)

    Vorab – Du könntest/solltest Dich schon entscheiden, entweder Kommentare – dann leider evtl. auch weniger zustimmende, oder keine Kommentare. Das schont die Nerven aller, die dem Grunde nach zumindest Ähnliches wollen.

    Weder Deine apodiktische (nahezu keinen Widerspruch duldend sic!) Aufzählung noch der nahezu ebenso apodiktische wie durchaus auch verletzende Kommentar entsprechen meiner Auffassung zu dem Thema.
    Und um es komplett zu machen, auch der (auszugsweise) Aufsatz von Paul Duroy fällt in die gleiche Kategorie.
    Bereits die Gleichsetzung von KZ und Arbeits(erziehungs)lager ist völlig daneben und zeugt von einer tiefschürfenden Unkenntnis des Verfassers von der Geschichte.
    „…Menschen, die als ”Asoziale” stigmatisiert wurden, die nach heutigen Begriffen psychisch krank waren, wurden demgemaeß in KZ’s zur Zwangsarbeit eingezogen…“)
    Zwar gab es auch in den KZ´s (angegliederte) Arbeitslager, diese dienten, im Gegensatz zu den Arbeits(erziehungs)lagern, dem Zweck der Ausschöpfung der Arbeitskraft bis zum beabsichtigten! Tode – der Vernichtung.
    „Arbeitsscheue“, „Asoziale“ usw. kamen allerdings in „Schutzhaft“ und ff. in Arbeits(erziehungs)- und ähnliche Lager. Diese dienten NICHT der Vernichtung.

    Viel mehr stört mich daran aber die völlig unbeleckte, politische Gleichsetzung der beiden Systeme. So ist bereits in der „Bibel“ des Nationalsozialismus, „Mein Kampf“, die Ausrottung des lebensunwerten Lebens, sei es in Form der Ethnie – Juden und „minderwertige Rassen“ oder anderer Merkmale, Stichwort Euthanasie, beschlossenes Programm.
    Bei der massenweisen Verbreitung dieser „Bibel“ war es nahezu ausgeschlossen, dass „jemand“ „nichts gewußt hat“, das ist allerdings ein anderes Thema.
    Vergeblich suche ich allerdings in frühen und frühesten Papieren dieser Republik nach auch nur ähnlichen Vorhaben. Und selbst das SGB II gibt da nichts her.

    Mit anderen Worten – Nein, es ist nicht erlaubt die „Hartz4- mit der NAZI-Zeit zu vergleichen“ (mein Diktum 😉 ) jedenfalls nicht per se und auf dieser EBENE. Und zwar weder in Deinem noch in Franks Sinne.

    Das schließt jedoch teilweise Vergleiche nicht aus, bspws. die nahezu vollständige Ohnmacht vor staatlicher Gewalt inkl. der Bewachung (Sicherheitsdienst) und Abschottung (Telefonlisten und „nur mit Termin“) = Aberkennung bestimmter Bürgerrechte, zwar nicht neu, aber in dieser Form eben ein „deja vu“.
    Auch die Tolerierung „individuellen“ Fehlverhaltens von eindeutigen Gesetzesverstößen bis hin zu Häme, Willkür und Schikane gehört in diese Kategorie. Aber, bei allen Zweifeln an der Justiz, berechtigt durch viele Urteile die diese Abnormitäten eben nicht auftragsgemäß korrigieren, es bleibt immer noch dieser Weg. Den gab es „damals“ nicht, da auch die Justiz, z.T. sogar vorauseilend, systemkonform war. Das ist sie vom Grundsatz her immer und so auch heute, jedoch mit anderem Auftrag.

    Andererseits, wie Du ja noch? weißt, habe ich bereits sehr früh (2005/6), d.h. lange vor den jetzigen Verfassern, auf eine Dimension des SGB II hingewiesen, die erst jetzt von manchen „entdeckt“ wird – die Verpsychiatrisierung der „Kunden“.
    Zwar gab es schon zu Zeiten des AFG eine Einteilung in „Kategorien“ – z.B. gut oder weniger gut vermittelbar, die relativ offene Einstufung als „therapiebedürftig“ seitens einer Arbeitsvermittlung, z.T. selbst in Eingliederungsvereinbarungen ! festgeschrieben, gab es jedoch nicht.
    Unbeleckterweise findet sich das, Bereitstellung von Therapien, selbst in Papieren der Partei „die LiNKE“ zum Thema Arbeitsverwaltung bzw. Arbeitslosigkeit.
    Auch das, die themenfremde „Beurteilung“, ist folglich einen Vergleich im vorgenannten Sinne „wert“.

    Ein direkter Systemvergleich, und das ist es wenn ich diese mit jener „Zeit“ vergleiche, ist jedoch, selbst mit allen Einschränkungen im Sinne einer „political correctnes“, völlig daneben.
    Wer ähnliches möchte, muss sich schon die Mühe machen die faschistischen Tendenzen oder wie ich es nenne, den Sozialrassismus, aufzuspüren und zu benennen.

    • Lieber Anagramm-Freund 😉
      danke für Deinen Kommentar. Damit wäre ich auch schon bei Punkt 1 Deines Beitrags angelangt.
      Die Kommentarfunktion offen zu halten, erachte ich für richtig und wichtig. Kommentare helfen mir, zu lernen, vielleicht einen anderen Blickwinkel wahrzunehmen usw. Es gab viele, sehr hilfreiche Kommentare, Richtigstellungen oder auch einfach nur Hinweise auf von mir Gesuchtes (Dichter ect.)
      Derart „Rausreißer“ wie Franks letzte Einlassung sind aus meiner Sicht unangebracht, da bewusst verletzend und somit (im vorgenannten, positiven Sinne) sinnbefreit. Aber sollte ich deswegen auf Hilfreiches verzichten? Eher nein…
      Ich könnte rein theoretisch auch Derartiges einfach nicht freischalten, diese Option überlege ich mir noch…

      Hmm, ich fürchte, ich habe mit dem Begriff „apodiktisch“ ein kleines Problem (zumindest in Bezug auf meinen „Prolog“ hier)
      Die Einführung sollte, weil der Artikel von Duroy ohnehin sehr lang ist, „kurz und knackig“ bleiben. Es ist leider nicht meine Stärke, Wesentliches so zusammen zu fassen, dass keine Mißverständnisse auftauchen können. Klar war die Aufzählung, die leider auf den Leser apodiktisch wirken kann, lediglich meine ganz persönliche Meinung, dazu auch noch unvollständig.
      Mir ging es darum, darzulegen, dass kritische Gedanken und Vergleiche (ob angebracht in dieser Form oder nicht, sei zunächst dahingestellt) auch sachlich formuliert werden können. Dass es möglich ist, ohne aggressive Titulierungen auszukommen, ohne allzu große „Emotionslast aus Betroffenensicht“.
      Dass ein pauschalierendes „Alle JC-MA sind…“ oder ein „fragendes“: Wann bekommen die Elos den gelben Stern? nicht erforderlich sind, um sich dem Thema zu nähern.
      Du hast völlig Recht, wenn Du schreibst, dass sich die „Zeiten“ nicht per se vergleichen lassen.Dass es sehr wohl Unterschiede gibt (die diversen Feinheiten/Unterscheidungen, welche Du im Duroy-Artikel kritisiertes, waren mir SO nicht bekannt, leider)
      Ich begann, vor einigen Jahren, mir zu den „Anfängen“ resp. zu Paralellen, die MIR dazu auffielen, so meine Gedanken zu machen.Dies war, kurz nachdem ich die Tagebücher von V. Klemperer gelesen hatte…

      Wie dem auch sei, „Vergleiche“ sind gewiss immer problematisch. Wennes Dich interessiert, lade ich den Aufsatz von H. Platta hoch. Seine Ansätze treffen meine eigenen Gedanken ziemlich punktgenau, sind aus meiner Sicht (und DAS beeindruckt mich doch schwer) frei von Aggression und, wie ich finde, dennoch treffsicher…
      Vieles, bei dem „verständig nicke“, könnte ich selbst so nie formulieren. Man möge es mir nachsehen, ich bin halt noch immer Lernende, auch oder insbesondere, was den politischen Diskurs betrifft.
      Ich denke aber, es ist allemal besser, zu versuchen, sich zum Selbstdenker zu entwickeln (sich dabei zunächst zu „orientieren“ und dabei auch das ein oder andere Mal durchaus auch „knapp daneben zu liegen“)als bei einer negativ geprägten, „giftigen“ Geisteshaltung zu bleiben (oder den Denkapparat gar nicht zu nutzen und „denken lassen“)…war jetzt nicht! auf Dich bezogen, gelle.

  3. Der verlinkte Text von Paul Duroy trifft den Nagel ins Gesicht, aber wozu brauchte es den vorangestellten „Disclaimer“? Reichte nicht ein einfaches JA auf die in der Überschrift gestellte Frage? Ohne den folgenden krampfig-absurden Gesslerhut-Gruß?

    Zitat: „Ja, wenn es sachlich bleibt und verifizierbare Fakten genannt werden.“

    Ach was! Gibt es denn einen – wie auch immer gearteten – Disput, der auf Sachlichkeit und verifizierbare Fakten verzichten kann?

    Zitat: „Ja, wenn man nicht vergisst, dass es sehr wohl Unterschiede gibt (wobei sich Geschichte ja wiederholt, nur eben niemals 1:1).“

    Ist das nicht bei jedem geschichtlichen Vergleich der Fall? Hinkt nicht zwangsläufig jeder Vergleich ein wenig? Und kann trotzdem treffsicher den Finger in die offene Wunde legen, sofern man Gleiches mit Gleichem VERGLEICHT?

    Zitat: „Ja, wenn bei aller Betroffenheit nicht der Eindruck erweckt wird, das Leid der unzähligen Opfer des NS-Regimes relativieren zu wollen.“

    Was bedeutet „relativieren“? Ist übel schikaniert nicht gleich übel schikaniert, in den Tod getrieben nicht gleich in den Tod getrieben, tot nicht gleich tot, Opfer nicht gleich Opfer? Gibt es Opfer erster und zweiter Klasse?

    Zitat: „Ja, wenn nicht unreflektiert mit der Gleichmachungs-oder der Nazikeule zugeschlagen wird.“

    Reflektiert mit der Gleichmachungs-oder der Nazikeule zugeschlagen wäre ok? Btw. was ist eine Gleichmachungskeule?

    Zitat: „Und ja, wenn sich ein Artikel in der Form mit der Thematik auseinander setzt, wie es der Autor Paul Duroy tat.“

    Aber anders nicht. Jedenfalls nicht ohne gründliche Political-Correctness-TÜV-Prüfung.

    Ich muss an dieser Stelle zwangsläufig und erneut an Roberto De Lapuentes „Im Glaskasten“ denken:

    „Ich halte es indes für gefährlich, wenn man bei Vergleichen mit der NS-Zeit glaubt, man müsse da ganz zaghaft zu Werke gehen, um keine Gefühle zu verletzen. Eben nicht! Die Geschichte gibt uns die Möglichkeit, dieses Extrem heranzuziehen, um die Gegenwart vor einem Abgleiten in neue Barbareien zu bewahren, wenigstens um sie davor zu warnen. (…) Es ist nicht unsachlich, den Zeitgeist bei den Hörnern zu packen, um seine Schnauze ins Geschichtsbuch zu drücken. Es ist notwendig und sinnvoll.“

    • Ach Frank…
      warum kommst Du nicht umhin, mir wieder und wieder verbal auf’s Fressbrett zu boxen?
      Was bringt Dir das?
      Ich bin es müde, mich zu „rechtfertigen“ oder zu erklären, verbitte mir aber dennoch ausdrücklich den Gesslerhut!
      Denn:
      Mein Bestreben, Menschen nicht verletzen/schädigen zu wollen, hat verflixt und zugenäht nichts, aber auch rein gar nichts mit Untertanengeist zu tun!
      Es ist nicht in meiner Verantwortung, dass Dein Weltbild offenbar nur aus zwei (Nicht)Farben besteht, dass Du Dich dementsprechend lediglich in schwarz/weißer Denke einzubringen vermagst, wie es mir zusehends erscheint.
      Es hat auch rein gar nichts mit politicalc. zu tun, wenn ich Artikel wertschätze, die sich sachlich mit einer solchen Problematik auseinandersetzen. So sehr ich Sarkasmus auch liebe, er findet bei mir seine Grenzen, wenn er in voller Absicht (und daher nur dem Verfasser dienlich) dazu mißbraucht wird, fühlende Wesen zu verletzen.
      Ich bitte Dich daher herzlich und eindringlich, Dich ggf an all den Zeitgenossen „abzuarbeiten“, die Deine Häme, Deinen Spott und Deinen Zynismus aus Deiner Sicht!sich redlich verdient haben.
      Hierzu hast Du im www ausreichend Gelegenheit und „Opfer“.
      Meine Handlungen und Bestrebungen verdienen derart Einlassungen jedenfalls nicht.Ein kurzer Blick über Deinen (unterstellt: von Negativität geprägten) Tellerrand müsste genügen, um zumindest dies zu erkennen…

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