Charakter-ABC / Heute: U wie…

…Die/Der Unfähige
– Zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen –

Herr (oder Frau) Unfähig ist häufig ein sogenannter „Quereinsteiger“. Der Mangel an Wissen hält diesen Menschen aber weder davon ab, die ihm aufgetragenen Arbeiten „irgendwie“ bewältigen zu wollen, noch hält dieser Mangel ihn an, fachliche Defizite durch Nachfragen oder gar Einfordern von Einweisungen zu beheben.
Wozu auch?
In seiner früheren Tätigkeit bei der Telekom, der Post oder ähnlichen Unternehmen fiel das Hindurchlavieren ja auch niemals auf…

Für seine Kunden bedeutete dies seinerzeit, dass diese dann eben wochenlang auf einen neuen Telefonanschluss warten mussten. Ärgerlich zwar, aber nicht lebensbedrohlich.
Anders hingegen bei seinen heutigen „Kunden“: Für diese Menschen ist Herr (oder Frau) Unfähig eine latente Gefahr, ein dauerhaft über dem Kopf schwebendes Damoklesschwert.
Arbeitet Unfähig in der Leistungsabteilung des Jobcenters, so trifft er u.A. auch Entscheidungen, welche – anders als bei einem beantragten  Telefonanschluß – über „essen oder nicht“ oder über „obdachlos oder nicht“ bestimmen.

Ein verschlampter Antrag (im Büro von Unfähig oft unter diversen Aktenbergen verborgen) bedeutet: Keine Leistung zum kärglichen Überleben.
Freilich würde Unfähig die Unfähigkeit aber niemals eingestehen. Da wird es sich dann doch recht einfach gemacht: Der „Kunde“ muss eben neu beantragen…und eine Vorschusszahlung lehnt Unfähig ab, denn letztlich ist er unfähig zu erkennen, dass dem Notleidenden diese Leistung zusteht.

Auch eine Ablehnung – geschrieben aus völliger Unfähigkeit, die simpelsten Rechenwege nachvollziehen zu können – für eine dringend benötigte Wohnung kann (und wird oft) in die Obdachlosigkeit führen.
Das tangiert Unfähig aber nicht, denn er ist schließlich unfähig…auch zur Selbstkritik.
Hier ähnelt er deutlich dem Kollegen G (= gleichgültig).Beide haben eine Gemeinsamkeit: Das Desinteresse gegenüber „ihrer Kundschaft“

„Schuld“ an Unfähigs Unfähigkeit trägt nicht er selbst, schuld sind immer „die Anderen“.
Zunächst einmal ist der Erwerbslose schuld…hier trifft es sich übrigens gut, dass seit der Einführung von „Hartz4“ ohnehin immer und grundsätzlich die Betroffenen schuldig sind.
An ihrer Situation, am Wetter und vermutlich auch am Untergang der Titanic.
Nach neoliberaler Lesart ist Erwerbslosigkeit eben identisch mit Schuldigsein, das sitzt fest in den Köpfen der allermeisten Jobcenterbediensteten.Und leider nicht nur in diesen…
Klappt es dann ausnahmsweise doch einmal nicht mit derlei Schuldzuweisung, lässt sich das eigene Versagen also nicht wie gewohnt dem „Kunden“ anlasten, dann waren es eben der Kollege, die Urlaubsvertretung, die Mitarbeiter der Poststelle, der Briefträger…und zur Not der Computer.
Einen aber trifft kein Verschulden: Unfähig selbst.

Unfähig wurstelt sich irgendwie durch, die Kollegen und die Teamleiter haben dann mitunter auch ihren „Spaß“.
Sind sie es doch, die oftmals das ausbügeln müssen, was Unfähig zuvor an Mist veranstaltet hat.
Das mag zwar intern bisweilen als unangenehm empfunden werden, in der Aussenwirkung wird dies aber niemals zum Tragen kommen.Korpsgeist gibt es nicht nur unter Uniformträgern…

Stichwort Aussenwirkung:

Trifft eine sachkundige Person auf Unfähig und versucht, beispielsweise, einen deutlichen Hinweis auf eklatante Fehler zu geben, dann bleibt Unfähig nicht nur weiterhin unfähig, nein, jetzt addiert sich Ungehaltensein hinzu.
Ein kleines Beispiel dazu aus meinem Erfahrungs-Schatzkästchen:

Anno 2011 in der Leistungsabteilung der MainArbeit

Die hochschwangere Betroffene wollte von ihrem gesetzlich verankerten Recht auf Hinzuziehens eines Beistands (meine Person) Gebrauch machen.
Ihre Leistungs-SB verweigerte dies vehement. Meiner „Funktion“ gerne nachkommend, erklärte ich ruhig, dass gemäß § 13 SGB X (Zehn) ein Beistand zuzulassen ist (die Erwähnung der Ausnahmetatbestände ließ ich aussen vor, da ich sowohl geistig gesund, volljährig und nicht unter dem Einfluß von Alkohol/Drogen war 😉 , desweiteren hätte dies wohl zur völligen Überforderung dieser Fachkraft geführt)
Die im Brustton der Überzeugung geäußerte, empörte Entgegnung Frau Unfähigs war (O-ton, den werde ich wohl nie vergessen)

„SGB Zehn giltet hier nicht, hier ist das SGB Zwei“
6 Jahre! nach Einführung der „Hartz-Gesetze“. Unfassbar unfähig.

Fazit

Unfähig ist latent gefährlich.
Nicht aus Boshaftigkeit, nicht aus Sadismus, nicht aus anderen,niederen Beweggründen heraus, „nur“ begründet in der Unfähigkeit.
Da es sich im Jobcenter nahezu immer um Existenzielles dreht, spielt es auch kaum eine Rolle, welche Position Unfähig inne hat.
Ob als pAP unfähig, adäquate Arbeitsangebote zu unterbreiten (und das Nichtgehorchen/bewerben des „Kunden“ zu sanktionieren, denn DAS hat Unfähig nun doch verinnerlicht) oder ob als Leistungs-SB – der Betroffene kann niemals unbesorgt davon ausgehen, das ohnehin unzureichende Existenzminimum auch pünktlich und ungekürzt zu erhalten.

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Und morgen öffnet sich das dritte Türchen dieses speziellen „Adventskalenders“: Der Auftritt des B.
Die angenehmen/angenehmeren Charaktere müssen sich leider noch in Geduld üben, bis sie sich hier wiederfinden. Ihnen bleiben die Sonn-und Feiertage vorbehalten… 🙂

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