Tod, Angst und „prophetische Träume“

Ein Vorteil, wenn man es so nennen mag, an der buddhistischen Einstellung ist, dass das „irdische“ Dasein als eine Art Übergangslösung zu betrachten ist, der Tod nicht den Abschluss bildet. Etwas flapsig habe ich früher gesagt, dass das Vergehen eines Lebens wie ein Kleiderwechsel zu sehen ist, da ja lediglich die aktuelle (fleischliche) Hülle abgelegt wird, auf dass sich die „Seele“später im neuen Gewand wieder findet.

Aus der Distanz heraus gesehen, als Nichtbetroffene/r und als rationaler Anhänger der Lehre des Buddha ist es leichter, mit dem Thema Tod/mögliche todbringende Erkrankung umzugehen.
Und als Betroffener?
Nun, mir wurde vor geraumer Zeit die Fehldiagnose Lungenkrebs mitgeteilt. Mich erzürnte zwar die äußerst unsensible Art der Übermittlung, mit der vermeintlichen Tatsache als solcher konnte ich jedoch verhältnismäßig gut umgehen.Geboren werden, leben, sterben…ein natürlicher Kreislauf, den ich für mich selbst längst als völlig normal und keineswegs erschreckend angenommen habe.

Heute jedoch, genauer gesagt vor wenigen Stunden, erfuhr ich, dass mein Sohn mehrere Tumore auf der Zunge hat.
Da er seit geraumer Zeit über unerträglichen Druck im Kopf und permanenten Schwindel klagt, weder Augenarzt, Orthopäde, HNO fündig wurden und vom konsultierten Neurologen eine computerdiagnostische (CT) Abklärung verweigert wurde, wies ihn der heutige Behandler dem CT zu.
Auf der Überweisung steht: Verdacht auf Hirntumor.

Noch ist nichts abgeklärt, weder die Diagnose, noch ich…

Ich wünschte, ich könnte auch nur annähernd so rational mit diesem Verdacht umgehen wie seinerzeit mit der mir gestellten Diagnose, die sich ja erst später als Fehldiagnose entpuppte.
Es gelingt mir nicht…

Noch dazu kommt (und jetzt ist es mir merde-egal, ob irgendwer mich für völlig durchgeknallt hält) dass die weibliche Linie unserer Familie manches Mal „Dinge“ wahrnimmt/“sieht“/weiß, die so nicht gewusst werden können. Oder aber Dinge träumt, die später so oder ganz ähnlich eintreffen.
Meine Großmutter träumte u.A. vom Tod ihrer augenscheinlich kerngesunden Nachbarin, der kurze Zeit später eintrat…ich schreibe also nicht von psychologisch erklärbaren Phänomenen, sich selbst erfüllender Prophezeihung oder Ähnlichem.

So träumte ich vor Kurzem davon, dass ich im Jobcenter dem Arbeitsvermittler die Todesanzeige meines Sohnes auf den Tisch legte mit den Worten: „Jetzt können Sie die Akte schließen.Zufrieden?“
Der vorhandene, sehr rationale Anteil in mir erklärte diesen Traum damit, dass die vorausgegangenen, belastenden und zukunftsbeeinflussenden Handlungen dieses AV ursächlich waren für einen solchen Traum.
Dass meine Enttäuschung, mein Zorn über dessen unsägliches Vorgehen sich eben auf diese Art Bahn brachen.Dass auch die Sorge um die schlechte Gesundheit meines Sohnes maßgeblich Schuld an derartigen Träumen hat.
Eine sehr liebe Freundin, der ich von diesem, mich umtreibenden Traum erzählte, sah es genau so.Nur, ihr erzählte ich eben nichts von diesen merkwürdigen „Phänomenen“, die es seit Generationen in meiner Familie gibt…
Hirn einschalten, sachlich bleiben.Alles logisch, alles rational. Nur nichts Prophetisches, Irrationales…alle Phänomene lassen sich doch prima über die Psychologie erklären, nicht wahr? Nunja, zumindest ist die Ratio ein hilfreicher Krückstock, wenn die Angst groß ist…so wie seit 18.00 Uhr bei mir…

Und an Ratio halte ich auch fest. Bis zum 30ten. Bis ich das CT-Bild sehe…und danach hoffentlich auch.

Bitte seht mir diesen Beitrag, trotz dem ihm innewohnenden „Belastungsfaktor“ nach. Ich musste es mir von der Seele schreiben…

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8 Kommentare zu “Tod, Angst und „prophetische Träume“

  1. Hallo Du liebe. Meine Anteilnahme hast Du auch, eh kloa. Wenn der Sohnemann auch nur halbwegs nach Dir geraten ist wird er wissen, daß einen keinen Grund zur Furcht gibt. Und bald wird es Menschen brauchen, die Gier und Furcht schon vor ihrer Geburt hinter sich gelassen haben. Da dies nicht eilig ist, hat er vielleicht noch viele Jahre in dieser seltsamen Zeit, und Du mit ihm.

  2. ich schicke dir alle meine liebe liebe ellen
    ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr mich dieser beitrag geschockt hat. nicht weil, du ihn geschrieben hast, sondern wegen des inhalts. es tut mir in der seele weh das lesen zu müssen.
    ich drücke euch beiden alle daumen das es gut ausgehen wird, aber das auch die ursache für die gesundheitlichen probleme deines sohnes gefunden werden!

    bitte halte uns auf dem laufen. meine gedanken sind bei euch!

    fühl dich umarmt

    xxxx

    • Herzlichen Dank liebe Helen
      ich versuche, meine Kraft zu bündeln, irgendwie…
      Frank hat da Recht, NOCH besagt das Alles ja nichts Schlimmes, es bleibt abzuwarten.
      Aber irgendwie stehe ich doch völlig neben mir
      Zum Jahreswechsel wissen wir alle mehr

      • distanz zu wahren, wenn es um das eigene kind geht, ist sehr sehr schwer.
        versuche trotzdem es nicht ganz so nah an dich ran zu lassen, vertraue das es gut wird! du brauchst kraft für ihn!

        wenn du mich brauchst, ruf an!

  3. Zitat: „Noch dazu kommt (und jetzt ist es mir merde-egal, ob irgendwer mich für völlig durchgeknallt hält) dass die weibliche Linie unserer Familie manches Mal “Dinge” wahrnimmt/”sieht”/weiß, die so nicht gewusst werden können. Oder aber Dinge träumt, die später so oder ganz ähnlich eintreffen.
    Meine Großmutter träumte u.A. vom Tod ihrer augenscheinlich kerngesunden Nachbarin, der kurze Zeit später eintrat…“

    An der Stelle brauche ich keinen wie auch immer gearteten Glauben, ich WEISS, dass es solche Wahrträume gibt. Mir ist eine derartige Geschichte einmal begegnet. Ich habe keine „seherischen“ Fähigkeiten. Ich war Beobachter und Zeuge. Wirklich „glauben“ und verstehen kann ich es bis heute nicht, aber es ist unumstößlicher Fakt, dass mir am 30.08.1997 von einer Frau (meine damalige Lebensgefährtin) ihr (Todes-)Traum der letzten Nacht erzählt wurde: Es ging um eine sehr prominente Persönlichlkeit. Am 31.08.1997 verunglückte diese Persönlichlkeit dann tatsächlich tödlich.

    Dennoch:

    Zitat: „Hirn einschalten, sachlich bleiben.Alles logisch, alles rational.“

    Was die Großmutter konnte (die Mutter erwähnst Du nicht), muss nichts mit Dir zu tun haben. Und selbst wenn es das hätte (hattest Du schon derartige Erfahrungen?), kann man daraus keine bestimmten Schlüsse ziehen. Die „weibliche Linie der Familie“ hat sicher nahezu jede Nacht geträumt … und knapp unter 100% dieser Träume haben sich gewiss nicht bewahrheitet.

    Der Überweisungsgrund „Verdacht auf Hirntumor“ bedeutet NICHT (das kann ich aus langjähriger beruflicher Erfahrung in einem statistisch-medizinischen Bereich mit reinem Gewissen sagen), dass der Überweiser tatsächlich diesen Verdacht hat. Hier geht es zunächst um eine Differentialdiagnose.

    Bis zum 30.12. muss bis zum CT-Ergebnis gewartet werden? Das ist trotz aller Ratio verdammt hart. Ich bin zwar Atheist, aber eine (ebenfalls nichtkatholische) Freundin hat in einer näherungsweise vergleichbaren Situation in einer Klosterkirche Ruhe und inneren Frieden gesucht und gefunden.

    • Danke herzlich, Frank.
      Nur kurz zu den Fragen:
      Von meiner Mutter weiß ich dahingehend nichts, von Oma und Uroma schon.
      Und ja, auch ich habe einige wenige Male weit nach, etwas häufiger während der Pupertät solche „Dinge“ erlebt. Das letzte Mal vor 8 Jahren, es war beunruhigend und – nachdem ich auf das Geträumte „hörte“ – hilfreich, entpuppte sich als wahr.
      Das Ergebnis muss jetzt abgewartet werden, in mein tröstliches Wat kann ich leider nicht, da kein Katzensitter vorhanden und ich natürlich „parat stehen“ will, denn auch erwachsene Söhne können ggfs von jetzt auf gleich ihre (vermeintliche?) Gelassenheit verlieren und eine Schulter brauchen…
      2 Wochen sind lang, bei mir dauerte es damals 1 Woche (allerdings nicht CT, vielmehr Gewebeprobeanalyse oder wie sich das nennt)
      Aber es sind halt Feiertage, ich kann es nicht ändern…

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