Das Charakter ABC – Heute K wie…

…die/der Korrekte

Ein kleiner Exkurs zuvor:

„Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“ (Adorno)

Meine Interpretation dieses Spruches ist: Wer im Kleinen, also in der Wahl seiner Mittel, immer anständig bleibt, für den der übergeordnete Zusammenhang – Sinn und Ziel – aber unbedeutend sind, handelt letztlich auch verantwortungslos.
So könnte man denn auch sagen, dass kein noch so „anständiges Verhalten“ eines Jobcenter-Mitarbeiters letztlich richtig sein kann, da seine Tätigkeit per se dazu beiträgt, ein falsches, weil zutiefst inhumanes System am Leben zu erhalten.
Über diesen Standpunkt zu diskutieren, ist jedoch hier nicht der richtige Beitrag, denke ich. Letztlich ist auch dieser Teil der „Mini-Serie Charakterbeschreibung“ nur eine (subjektive) Wiedergabe von persönlichen Erfahrungen…

Vorrang für die Sachlichen

Die/der Korrekte zeichnet sich bereits bei der ersten Begegnung durch  Sachlichkeit aus. Persönliche Befindlichkeiten (so sie vorhanden sind) kommen nicht zum Tragen, die Sachebene wird nicht verlassen.
Damit unterscheidet sich die/der Korrekte in wesentlichen Teilen schon einmal angenehm von den Kollegen, welche diese Professionalität  nicht beherrschen.

Sachlich korrektes Vorgehen bedeutet nun keinesfalls, dass das „amtliche Gegenüber“ ein Ausbund an Empathie sein muss. Das Gegenteil kann durchaus der Fall sein…aber letztlich suchen die Betroffenen ja auch keine Freunde in „ihrem“ Jobcenter.
Was sie hingegen völlig zu Recht erwarten dürfen, ist ein stringentes Vorgehen nach der Rechts/Gesetzeslage (die ist ohnehin schon schlimm genug). Und da sind sie bei der/dem Korrekten vergleichsweise „gut aufgehoben“

Wie im Finanzamt

So oder so ähnlich geht die/der Korrekte vor. Um die jeweilige Rechtslage  wissen diese Mitarbeiter meist Bescheid. Ist dies nicht der Fall, dann machen sie sich schlau. Dies liegt aus meiner Sicht auch darin begründet, dass es ihrem Charakter entspricht, sich „nichts nachsagen lassen zu wollen“. Ein Stück weit also lässt sich die/der Korrekte mit manch Finanzbeamten vergleichen.
Begegnungen mit solchen Menschen sind „naturgemäß“ nicht unbelastend (je nach Sachstand), jedoch nutzt der Korrekte seinen Status nicht aus, um sein Gegenüber zu erniedrigen, demütigen oder zu quälen.
Dazu fehlt ihm schlicht das Interesse, denn so, wie der Leistungsberechtigte im Jobcenter keine Freunde sucht, so hegt auch der Mitarbeiter keinen Wunsch, dem Gegenüber „menschlich näher zu kommen“. Doch mit etwas Glück addiert sich zur Korrektheit des Mitarbeiters auch noch ein wenig Mitgefühl…
Grundsätzlich gilt aber:
Die/der Korrekte will die übertragene Arbeit ordentlich erledigen, fertig.

Stichwort Finanzen

Die/der Korrekte arbeitet meist in der Leistungsabteilung, Zahlen und „Fakten“ liegen ihr/ihm doch ein wenig mehr als die ständige Konfrontation mit Arbeitssuchenden, deren individuellen Bedürfnissen  wenig Rechnung getragen werden kann (und soll).
Der korrekte Mitarbeiter braucht eine gewisse Klarheit und Verlässlichkeit, Zahlen und Gesetzestexte vermitteln diese Sicherheit.
Wie bereits geschrieben, auch ohne Verbeamtung könnte man – ohne Wertung in die eine oder andere Richtung- daher durchaus von einem „Beamten-Charakter“ sprechen.

Tipps zum Umgang mit den Korrekten

Viel gibt es nicht zu anzuraten. Die Begegnung mit dem korrekten Mitarbeiter sollte aber unbedingt frei von eigenen Emotionen sein, auch wenn es schwer fällt. Damit kann die/der Korrekte eher nicht ganz so gut umgehen, da sie/er eher ein Faktenmensch ist.
Daher ist es ratsam, sich (zumindest den eigenen „Fall“ betreffend)Faktenwissen anzueignen. Einem sachlichen Faktenaustausch ist der korrekte Mitarbeiter gegenüber nämlich durchaus aufgeschlossen, Fehlentscheidungen werden auch entsprechend korrigiert, sollten sie stattgefunden haben.
Auf die wenigen, vorhandenden Ermessensspielräume sollte man diese Mitarbeiter gelegentlich aber doch hinweisen… 😉 es lohnt sich meist, da sie diese a) manchmal nicht kennen und b) ohne Bewertung ihres Gegenübers ihre (dann häufig positive) Entscheidung fällen.
Das ganze findet dann in sachlich-friedlicher Atmosphäre und frei von Eitelkeiten statt…das ist alles Andere als unangenehm.

Kurzum, bezüglich dieser Mitarbeiter braucht es keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen. Nur leider sind auch sie eher „dünn gesäht“…
…und wenn ein MainArbeits-kundiger Leser jetzt vermutet, in diesem Artikel eine (irgendwie geartete) Anspielung auf ganz bestimmte Sachbearbeiter gefunden zu haben hat, dann hat er sich vermutlich nicht getäuscht 😉

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2 Kommentare zu “Das Charakter ABC – Heute K wie…

  1. Nachtrag: Die Beschäftigung mit den Charaktertypen -wie es beispielsweise in der Bioenergetischen Analyse geschieht- ist eine Möglichkeit, Vorwürfe und Verurteilungen fallen zu lassen. Es macht deutlich, das all unsere Handlungen, -auch unsere sogenannten freien Entscheidungen- folgerichtig und nicht so ohne Weiteres per Vernunft zu ändern sind. Und schon gar nicht bei dem Anderen!!!!!!
    Eine Autofahrerin hält vor einer Hinweistafel an. Klopft ein Obdachloser an ihrer Scheibe. Sie kurbelt die Scheibe herunter und der Obdachlose fragt, ob sie eine Zigarrette hat. Sie gibt ihm eine und fährt weiter. Nach einer Weile kommt sie wieder an so einer Tafel vorbei und wieder steht da dieser Obdachlose. Diesmal will er Feuer, was sie ihm gibt. Nach einer weiteren Weile kommt sie nochmals an so einer Tafel vorbei und sieht wieder diesen Obdachlosen. Sie kurbeld die Scheibe runter und fragt ihn, wie es den komme, dass er immer da steht, wo sie anhält. Sagt der Obdachlose: Wenn Du mir fünf Euro gibst, sage ich Dir, wie Du aud diesem Kreisverkehr herausfindest.

  2. Also handeln die meisten Menschen verantwortungslos! Denn wer unterstützt nicht zerstörerische Systeme? Es gibt für den Mitarbeiter des Amtes wohl kaum die Möglichkeit, seine Arbeitstelle Aufzugeben. Eher schon könnten Menschen der Erhaltung und dem Ausbau der Fleischindustrie kündigen. Oder???? Einem höchst zerstörerischem System!!! Und so leben wir, und so sterben wir im Widerspruch unserer lauthals verkündeten Ideale. Sind Meister der Verdrängung und werden Weltmeister im magischen Denken. Wir lassen und gefallen, dass – ohne angemessene Gegenleistung- fast die Hälfte unseres Arbeitslohnes für Steuer und Versicherung abgeht, und vom Rest nochmals ca. dir Hälfte für ein Bett unterm Po. Und wir erlauben anderen, dass sie das von der Allgemeinheit erwirtschaftete in dunkle Kanäle ableiten. Is nich schlimm! Der Jensnäherin in Bangladesch geht’s ja noch schlimmer. Is ja alles so relativ! Ich stell mir gerade mal die Mitarbeiter des Amtes als Erfüllungsgehilfe zum Glück vor. Die Obdachlosen könnten sich ja als buddhistische Gemeinschaft etablieren, all den Geistesgiften entsagen. Wer eigentlich unterstützt aus Sicht der Verantwortlichkeit dieses Harzviersystem? Und die hochgepriesene Tafeln? Sind wir jetzt wieder beim Krankheitsbegriff gelandet? Is nicht so einfach, das mit dem richtigen Leben! Jedenfalls nicht mit den Theoretischen Auslassungen darüber.

    “Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.” Also, kann es kein richtiges Leben geben! Denn, das Leben gründet – wie es Adorno in der Hauptsache im faschistischen Deutschland erlebt hat, und wie es heute unter der Prämisse kapitalistischen Gebarens zu erleben ist, im Falschen. Wenn ich nun davon ausgehe, dass – verkürzt gesagt- kapitalistisches Gebaren ebenso wie eine faschistische Ausbildung, einschließlich der ihnen zu Grunde liegenden Strebungen nach Selbstverwirklichung und kultivierten Mechanismen sowohl des Wachstums als auch der Lebenserhaltung, kaum vermeidbarer Bestand unserer Verirrungen bzw. Geistig seelischer Entwicklungsmöglichkeiten ist, gehört das Falsche zum richtigen Leben. Das sind die Bedingungen des Menschseins (Conditio humana), nicht nur unter kapitalistischen und faschistischen Verhältnissen. Also kann Adornos Erkenntnis nur als Herausforderung gemeint sein, ganz individuell, fern ab vom allgemeinen Befinden von Richtig und Falsch, nach dem Richtigen zu suchen. Mir scheint das die einzige Möglichkeit zu sein, eine heilsame Korrektur der Lebensart hin zu bekommen. Allerdings ist Adorno in seiner Ansprache im Grunde, wie die meisten Andere eben auch, nicht über einen –wenn auch Kunstvollen- „Guten Rat“ hinaus gekommen. Denn, er verliert kein Wort darüber, wie das denn zu schaffen ist. Und so sitzen „wir“, wie der Sohn des Kranken Königs ( in Das Wasser des Lebens)in einer Bergschlucht fest und können weder Vorwärts noch Rückwärts; Und „wir“ wissen nicht, welche Macht außerhalb der äußeren Mächte „uns“ gelehrt hat, unsere inneren Stimmen weder zu hören noch sie zwecks Einigung gegenüber zu stellen. Die Tragik des Lebens liegt auch in der nicht objektiv Beantwortbahren Frage, ob den jeder Mensch wie der König, durch seine Persönlichkeitsanteile , im Märchen als Jüngster Sohn sichtbar gemacht, eine zweite Chance hat, seine Wahrheit, das für ihn Richtige zu finden. Auch Parzival hatte diese Chance. Die Chance für Mitarbeiter des Amtes, für Dich Ellen als Blockbetreiberin, und für die Teilnehmer am Spiel der Aufklärung, verringert sich mit jeder Zusammenfassung von klar Beschreibbaren in beispielsweise „ Gesindel“, oder im Ansinnen, ein anderer müsse sich anders verhalten können, als er es tut.

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