Viele Hartz-IV-Empfänger laut Studie psychisch krank

(Vorsicht: Biss-ich!)

„Hartz-IV-Empfänger leiden einer Studie zufolge viel häufiger an psychischen Erkrankungen als Berufstätige. Bei über einem Drittel der Bezieher von Arbeitslosengeld II wurde innerhalb eines Jahres mindestens eine psychiatrische Erkrankung festgestellt, wie aus einem in Nürnberg veröffentlichten Forschungsbericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht.“ (Quelle)

Da haben wir es wieder. „Vermittlungshemmnisse“ wohin man schaut. Die Hartzer sind nicht nur bildungsfern, faul, vermehren sich für´s Kindergeld wie die Karnickel, schmarotzen und saufen gern, viele sind auch noch krank im Kopf.

Das IAB ist eine Abteilung der Bundesagentur für Arbeit, das sollte man wissen. Dieses „Forschungsinstitut“ ist damit selbstverständlich alles andere als unabhängig. Die BA untersteht dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales, also Frau von der Lügen. Da kommt dann natürlich nichts als die Wahrheit raus.

Wenn sich die Zahl der Langzeiterwerbslosen partout nicht wirklich verringern will, muss doch wer Schuld sein. In so einem Fall bekommt das IAB den Auftrag herauszufinden, dass es – welch Wunder – die Erwerbslosen selbst sind. Das Dumm, das Faul, das Sonstwas haben wir durch. Leider nutzen sich solche Erklärungen mit der Zeit ab, darum muss ab und an etwas Neues her. Heute ist es halt mal der Sprung in der Schüssel. Demnächst findet das IAB möglicherweise heraus, dass Hartz-IV-Empfänger viel öfter inkontinent sind als Berufstätige. Dann wird die Sache noch klarer. Kein halbwegs vernünftiger Arbeitgeber stellt schließlich grenzdebile, faule und geisteskranke Bettnässer ein.

Nein, es ist natürlich nicht die Erwerbslosigkeit selbst, die Erwerbslose krank macht. Es ist nicht das gesellschaftliche Stigma, nicht die schäbige Behandlung in den Erwerbslosenverwaltungsbehörden, nicht die an Sterbehilfe grenzende finanzielle Ausstattung von Hartz-IV-Empfängern.

Zitat aus dem Artikel: „In ihrer Untersuchung plädieren die Forscher für mehr Unterstützung und Förderung der Betroffenen. So erscheine es beispielsweise mit Blick auf die Jobcenter „hilfreich, die personellen Voraussetzungen für eine möglichst adäquate Betreuung von Personen mit psychischen Beeinträchtigungen zu verbessern“.“

Der Metzger als Tierarzt. Vor dieser „Betreuung“ kann einem nur grauen.

Advertisements

„Hartz4“ von A bis Z – Widerspruchsfrist versäumt ? hier Ü wie Überprüfungsantrag

Wie schnell kann es geschehen: Mensch hat den Kopf voller Sorgen, ist überbelastet oder oder…ruckzuck ist die Widerspruchsfrist um.

Ärgerlich ist es, aber dennoch ist „der Zug noch nicht abgefahren“ 😉
Es gibt im Sozialgesetzbuch dann noch eine Möglichkeit, gegen unrichtige Bescheide (belastende Verwaltungsakte generell) vorzugehen. Diese Möglichkeit ist

Der Überprüfungsantrag gem. § 44 SGB X

Sehr schön erklärt, was genau zu tun ist, ist es hier -> http://www.brd-sozial.info/Ratgeber/ratgeber-ueberpruefungsantrag-nach-s-44-sgb-x-fuer-leistungen-des-sgb-ii.html

 

„Hartz4“ von A -Z hier D wie Datenschutz

Sozialdaten sind sensible Daten. Wäre es der Wunsch des Betroffenen, dass sein Vermieter, die Nachbarn und wer sonst auch immer diese Daten erfahren, könnte und würde er im nächsten Supermarkt einen Aushang machen…

Leider nehmen es „die Behörden“ mit dem Datenschutz oft nicht genau, verstoßen oftmals (wissentlich) gegen Datenschutz und Sozialgeheimnis – ein Vorgehen, welches durchaus auch strafrechtliche Relevanz haben kann – Weiterlesen

„Hartz4“ von A – Z hier: M wie Mehrbedarf

Im gesetzlichen Rahmen ist festgelegt, dass zusätzlich zur Regelleistung ein bestimmter Personenkreis Anspruch auf sogenannten Mehrbedarf erheben kann.

Dies betrifft z.B. werdende Mütter ab der 13. Schwangerschaftswoche, Alleinerziehende von Minderjährigen, ein Teil der behinderten Menschen , Personen, die aus medizinischen Gründen kostenaufwändigere Ernährung benötigen und Menschen, die ihre Warmwasserbereitung mit Strom herstellen. Der Mehrbedarf ergibt sich, mit Ausnahme der Warmwasserregelung, prozentual  aus der maßgeblichen Regelleistung.

Eine sehr gelungene Seite, die Dir Überblick verschafft und aufzeigt, ob Dir Mehrbedarfe zustehen und wenn ja, in welcher Höhe, findest Du

HIER

„Hartz4“ von A -Z hier G wie Grundsicherung (Sozialhilfe)

Grundsicherung ist der übliche Begriff, der sowohl für Leistungen nach SGB 2 (Hartz4) steht als auch für Leistungen nach dem SGB 12 (hier klicken zum kompletten Sozialgesetzbuch 12)

Der Unterschied liegt darin, ob der arme Mensch erwerbsfähig ist – SGB 2 – oder nicht, dann SGB 12.Details wie der Anspruch von Mitglieder der Bedarfsgemeinschaften, in denen ein Mitglied „Hartz4“ bezieht, klammere ich an dieser Stelle aus – die Seite soll dem ersten, verständlichen Überblick dienen.

Wer hat Anspruch auf Leistungen nach SGB 12 ?

Dieses Gesetzbuch unterscheidet zwischen Kapitel 3 und Kapitel 4.

Nach SGB 12 Kap. 3 erhalten unter Anderem Menschen Leistungen  auf Antrag, die die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben und voll erwerbsgemindert auf Zeit (!) sind. Die Leistung ist schlicht Sozialhilfe und betrifft u.A. alle Erwerbsminderungsrentner, bei denen die Rente zunächst befristet bewilligt wurde.  Der § 19 SGB 12 definiert es so: Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem Dritten Kapitel ist Personen zu leisten, die ihren notwendigen Lebensunterhalt nicht oder nicht ausreichend aus eigenen Kräften und Mitteln, insbesondere aus ihrem Einkommen und Vermögen, bestreiten können.

Nach SGB 12 Kap.4 greift die Grundsicherung für Menschen, die das Rentenalter erreicht haben und dauerhaft (!) erwerbsgeminderte Menschen (Erwerbsunfähigkeitsrente bis zum Eintritt in die Altersrente unbefristet).

Wo ist der Unterschied zwischen Grundsicherung/Sozialhilfe und „Hartz4“ ?

Die Regelleistung (derzeit 374.-€ für Singles) und die Mietobergrenzen sind identisch. Die wichtigsten (nicht die einzigen!) Unterschiede liegen in

Schonvermögen, Unterhaltsverpflichtung von Angehörigen und Zuverdienstmöglichkeiten.

Das Hartz vier Schonvermögen ist vom verwertbaren Vermögen eines Hartz IV 4 ALG II Empfängers abzuziehen, so hat jedes Mitglied einer Bedarfsgemeinschaft einen Mindestfreibetrag von 3.100 Euro, bzw. 150,- Euro pro vollendetem Lebensjahr, wobei der maximale Freibetrag für jeden Erwachsenen Hartz 4 Hilfebedürftigen einer Bedarfsgemeinschaft bei 9.750 Euro liegt.Dazu pro Bedürftigem noch einmal 750,- Euro für notwendige Anschaffungen.

Nicht so im SGB 12 !

Hier liegt das Schonvermögen gem. den Verordnungen zu § 90 SGB 12 bei Leistungs empfängern nach Kap. 3 –
 Sozialhilfe – bei nur 1600.-€

Bei Grundsicherung im Alter sind es 2600.-€.
Detailliert nachzulesen hier

Anders als im SGB 2 fordert das SGB 12 Unterhaltszahlungen von leistungsfähigen Verwandten ersten Grades ein.

Auch hier wird unterschieden zwischen Kap. 3 und Kapitel 4. Bei Sozialhilfelebeziehern nach  Kap. 3 kann es also durchaus sein, dass die 70jährige Mutter Unterhalt leisten muss für ihr 50jähriges „Kind“, welches beispielsweise befristet in EM-Rente ist und diese mit Sozialhilfe aufstockt! Hier ist der Selbstbehalt (hier gut beschrieben)
des Herangezogenen zu beachten!

Bei Leistungen nach Kap. 4 greift die Unterhaltspflicht erst ab einem Jahreseinkommen von 100.000€

Zuverdienst lohnt sich kaum bis nicht!

Anders als im SGB 2 verbleiben lediglich 30 % des Zuverdienstes beim Hilfbedürftigen. Es gibt keinen Grundfreibetrag, ab dem ersten Euro wird angerechnet!

 

„Hartz4“ von A bis Z – hier Z wie Zeitarbeit

Die sog. „Entfesselung der Zeitarbeit“, maßgeblich mitgetragen von Wolfgang Clement – ja, genau der mit dem Pamphlet, in welchem er  vor einer Terminologie nicht zurückschreckte, die auch dem „Stürmer“ gewiss zu Ehre gereicht hätte – ist und bleibt eine Schande.

Unsichere Arbeitsverhältnisse, Löhne, die diesen Namen nicht verdienen, Ausgrenzung…die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Von den ca. 600.000 „freien Arbeitsstellen“ ( da sind übrigens auch die Ein-Euro-Jobs mitenthalten!) entfallen die knappe Hälfte auf diese prekäre Beschäftigungsform, so eine etwas veraltete  Statistik hier

In der Realität sieht es freilich noch anders aus. „Stellenangebote“ – WENN der Arbeitssuchende sie denn von seinem Vermittler erhält – sind für den Leistungsbezieher von Grundsicherung nach SGB 2 (vulgo „Hartzer“) nahezu ausschließlich in der Leiharbeit angesiedelt. Auch die sog. Jobbörsen sprechen Bände…

Was also tun? Was, wenn mensch die Lüge vom „Klebe-Effekt“ (Übernahme durch das Entleiher-Unternehmen) durchschaut hat? Wenn mensch nicht 40 Stunden in der Woche malochen will, um dennoch am Monatsende als „Aufstocker“ beim „Amt“ vorsprechen zu MÜSSEN?

Gründe, die Zeitarbeitsunternehmen (vulgo „Sklaventreiber“) für sich abzulehnen, gibt es mannigfach. Hier muss jedoch jeder Einzelne entscheiden, ob er diese prekären Jobs nun annehmen will oder ob er nicht besser auf Abwehrstrategien sinnt. Mir steht ein Urteil über diese Entscheidung nicht zu und ich möchte diesbezüglich  auch keine Diskussion lostreten.

Ich möchte lediglich denjenigen  Lesern meines Blogs , die für sich den Entschluss gefasst haben : Zeitarbeit, nein danke ! eine recht kompakte Seite zeigen.

http://www.elo-forum.org/zeitarbeit-firmen/

Vor Anwendung der dort genannten Tipps und Abwehrmöglichkeiten bitte ich aber herzlich darum, das eigene Gehirn einzuschalten 😉 und ggfs. weiter zu recherchieren. Denn auch im Netz gilt: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Das gilt auch für so manchen Rat…aber Einiges da ist wirklich Gold wert

 

„Hartz4“ von A bis Z – hier H wie Hausbesuch (oder Heimsuchung )

Ja, er ist schon sehr besorgt, der sog. „Vater Staat“. Die Besorgnis geht soweit, dass er häufig – nur aus Sorge, versteht sich 😉 – kontrollieren möchte. Nun könnte man meinen, ein guter Vater sorge sich eben um seine Kinder und schieße dabei auch einmal über das Ziel hinaus, nachvollziehbar und verständlich.

Doch gilt die Sorge des Vater Staat denn überhaupt seinen „Kindern“,  Hartz4 betreffend, den Leistungsbeziehern ?

Nein!

Die „Sorge“ gilt auch hier nur Einem:  Dem Geld, welches er -viel zu knapp bemessen – den Leistungbeziehern zubilligt. In dieser Besorgnis stellt er alle Bezieher unter Generalverdacht, das bißchen Staatsknete zu Unrecht zu beziehen und schickt seine Schergen los,  um überprüfen zu lassen, wie es um die häuslichen Umstände bestellt ist.

Dieser Vorgang wird dann als „Hausbesuch“ oder amtsdeutsch „Bedarfsermittlung“ bezeichnet. In Wahrheit ist es nur ein weiteres Instrument, Kontrolle über die Leistungsbezieher zu haben, sie zu verunsichern und zu verängstigen. Weiterlesen

„Hartz4“ von A bis Z – hier: B wie Beistand

Unfreundlichkeit, Abwimmeln, ungebührliches Verhalten, „dumme Sprüche“ bis hin zu handfesten Beleidigungen, Auskunftsverweigerung, unzureichende Beratung – das sind die häufigsten Kritikpunkte von Betroffenen, wenn es um das Verhalten der Jobcenter/Sozialamts – Mitarbeiter geht. Leider sind diese Dinge nie (gerichtsfest) beweisbar, wenn der „Kunde“ die Behörde allein aufsucht.Daher gilt als „Faustregel“

Geh‘ nie allein, sonst machen sie Dich ein

Das Recht, eine (mehrere) Person(en) des Vertrauens zum Termin mitzubringen, findet sich im

§ 13 SGB 10


Ein Beistand ist also eine Person des Vertrauens, die nicht für,  sondern zusammen mit der/dem Betroffenen auftritt. Ein Beistand kann Hilfen geben zur Formulierung, in Sachfragen und in Rechtsfragen. Das vom Beistand Vorgetragene gilt wie von dem Betroffenen geäußert, sofern dieser nicht unverzüglich widerspricht. Der Beistand muss aber nicht zwingend sachkundig sein. Die zunächst wichtigste Aufgabe ist es, als Zuhörer dabei zu sein und ein Gesprächsprotokoll zu führen. Sollte es zu Entgleisungen ect. seitens der Mitarbeiter kommen, hat der Beistand dazu eine wichtige Zeugenfunktion. Weiterlesen

„Hartz4“ von A bis Z – hier: W wie Wohnungskosten (Kosten der Unterkunft/KdU)

Um kaum ein Thema wird vor bundesdeutschen Sozialgerichten mehr „gestritten“ als um die sog. Angemessenheit der Wohnung für Leistungbezieher.

Dies ist zunächst einmal der Tatsache geschuldet, dass für die „Kosten der Unterkunft“ grundsätzlich die Kommunen zuständig sind. Diese sehen in -teils schon lächerlich realitätsfernen- Mietobergrenzen = MOG  natürlich ein hohes Einsparpotential, zugunsten der permanent klammen kommunalen Kassen und zu Lasten des leistungsbeziehenden Mieters (oder jenem, der Wohnraum anmieten will oder muss)

Da jede Kommune hier ihr eigenes Süppchen kocht – häufig genug unter Mißachtung höchster Sozialrechtsprechung – kann ich an dieser Stelle nicht mit gutem Gewissen „Pauschalratschläge“ erteilen. Weiterlesen

„Hartz4“ von A bis Z – hier R wie Ratgeber

Neben den von mir bereits empfohlenen ( und/oder angewandten ) Internetseiten bzw. Foren, möchte ich hier gerne jedem Interessierten oder Betroffenen die folgenden Ratgeber an’s Herz legen (es gibt natürlich viel mehr Fachliteratur, aber zur „Selbsthilfe“ scheinen mir die beiden genannten aufgrund ihrer Verständlichkeit für den Anfang als am besten geeignet):

 

Der gut verständliche Ratgeber richtet sich direkt an Leistungsberechtigte.  Geldwerte Tipps und Ratschläge stehen im Vordergrund. Die KOS war an der Überarbeitung maßgeblich beteiligt.

Der Ratgeber berücksichtigt die gesetzlichen Änderungen der jüngsten Hartz-IV-„Reform“. Ausführlich wird auf das sog. Bildungspaket sowie die Änderungen bei den Unterkunftskosten eingegangen. Geplante Änderungen im Rahmen der sog. Instrumentenreform sind ebenfalls enthalten.

Dieser neue DGB-Ratgeber, den Angelika Klahr von der KOS überarbeitet hat, ersetzt den bisherigen Ratgeber der KOS „ALG II – Wissen und Tipps für Betroffene“. Weiterlesen

„Hartz4“ von A – Z hier A wie Antrag

Wer sich zum ersten Mal in einem Jobcenter einfindet, um einen Antrag auf Leistungen zu stellen, wird sich vermutlich von der Menge der Formulare und den zu erbringenden „erforderlichen“ Nachweisen zunächst einmal wie erschlagen fühlen.

Vieles von dem, was die Mitarbeiter als „erforderliche Nachweise und Unterlagen“ deklarieren, sind nicht notwendig. Dazu gehören unter anderem die Kopien des Personalausweises, der Krankenversicherungskarte und der Bankkarte. Lehnt der Antragsteller es ab, diesen rechtswidrigen Forderungen nachzukommen, ist zumeist der erste Stress vorprogrammiert

Daher gilt bereits für den Tag der Erstantragstellung: Nie allein zur Behörde gehen, eine Person des Vertrauens als Beistand nach § 13 SGB 10 mitzunehmen ist IMMER sinnvoll. Mehr zum Thema Beistand unter B

Der  Seite gegen-Hartz4  mit verbindlichstem Dank dafür entnommen, hier weitere Tip’s zum Thema Antrag Weiterlesen

„Hartz4“ von A bis Z – heute E wie Eingliederungsvereinbarung

An erster Stelle hier ein link zu einer, wie ich finde, sehr guten und umfassenden Beschreibung:

Was ist eine EinV? Muss ich unterschreiben? Welche Pflichten dürfen mir auferlegt werden? Ich empfehle „auswendig lernen“ 😉

http://www.elo-forum.org/eingliederungsvereinbarung/76689-eingliederungsvereinbarung-egv-man-darueber-wissen-sollte-update.html#post887512

Für den ersten groben Überblick das Nachstehende:

Das wichtigste „Instrument“ des so oft postulierten „Fördern und Forderns“ ist die sog. Eingliederungsvereinbahrung (EinV oder gern abgekürzt EGV). Weiterlesen

„Hartz4“ von A bis Z – hier S wie Sanktion

In kurzer Zeit -so hoffe ich zumindest 😉 – wird es mir gelungen sein, ein vollständiges Stichwortverzeichnis der allernotwendigsten Begriffe rund um das SGB 2 erstellt zu haben. Erklärungen und Tip’s zum Umgang mit dem (A)Sozialgesetzbuch werden sukzessive mitgeliefert, alphabetische Sortierung folgt dann auch.

Heute:

S wie Sanktion

Sanktionen nach SGB II § 31 sind rechtlich nur zulässig, wenn:
– der zugrunde liegende Verwaltungsakt rechtmäßig war,
– ein in § 31 Abs. 1 SGB II genannter Grund für die Pflichtverletzung vorliegt
– zuvor eine Anhörung nach § 24 SGB X durchgeführt wurde,
– kein wichtiger Grund für die Pflichtverletzung nach § 31 Abs. 1 S. 2 SGB II vorlag, der die Pflichtverletzung entschuldigt.

Beispiele für wichtige Gründe sind in SGB II § 10 und der Handlungsanweisung dazu aufgeführt.
Diese Gründe sind jedoch nicht abschließend, d.h. es können auch weitere Gründe wichtig sein, was immer eine Einzelfallprüfung erfordert

nachgebessert: Seit 2011 geügt, dass der Betroffene „Kenntniss“ über die Rechtsfolgen hatte. Eine zuvor erfolgte schriftliche Belehrung ist nicht mehr zwingend notwendig, allerdings sind an diese „positive Kenntniss“ klare Vorgaben geknüpft, siehe
„Das BSG hatte in der jeweils erforderlichen RFB eine wichtige Voraussetzung für den Eintritt von Rechtsverlusten gesehen (z.B. vom 1.6.2006 – B 7a AL 26/05 R). Das soll jetzt nicht mehr gelten…Damit Leistungsberechtigte zukünftig sicher erkennen können, welche Folgen ihr Tun oder Unterlassen haben kann, muss jetzt in jedem Einzelfall ermittelt und festgestellt werden, dass der/die LE die für den jeweiligen Fall gültige Rechtsfolge kennt. Ein >>Kennen-Müssen<<, also eine grob fahrlässig verschuldete Unkenntnis, genügt für das Tatbestandsmerkmal Kenntnis der Rechtsfolgen in § 31 Abs. 1 Satz 1 SGB II nicht.

Die allgemeine >>Kenntnis von möglichen Rechtsfolgen<< reicht für eine Sanktion nicht aus. Kenntnis im Sinne von § 31 Abs. 1 Satz 1 SGB II liegt nur vor, wenn die konkret die drohende Rechtsfolge umfasst“.

 

Bei erheblichen Sanktionen, die zudem erkennbar ungerechtfertigt sind, sollte man schr. Widerspruch dagegen einlegen und gleichzeitig beantragen, dass der Widerspruch aufschiebende Wirkung gegenüber dem Kürzungsbescheid haben soll. Im Widerspruchsverfahren heist das konkret „Aussetzung der Vollziehung“ und ist in § 86a Abs. 3 SGG geregelt.
Denn das Problem bei Widersprüchen ist, dass gemäß § 39 SGB II Widersprüche keine aufschiebende Wirkung haben, d.h. selbst eine rechtswidrige Sanktion darf vom Amt durchgeführt werden.
Sollte die ARGE dem Antrag auf Aussetzung der Vollziehung ablehnen oder nicht bearbeiten, sollte man die aufschiebende Wirkung des Widerspruches gegenüber dem Kürzungsbescheid beim Sozialgericht als Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz stellen.
Wenn die aufschiebende Wirkung bzw. Aussetzung der Vollziehung angordnet wurde, darf die Sanktionen nicht angewendet werden.

Es darf nur das ALG II (Regelsatz + Mehrbedarf + KdU) der Person gekürzt werden, die sich der Pflichtverletzung nach § 31 SGB II schuldig gemacht hat. Jede Person hat einen Individualanspruch auf ALG II, man kann und darf somit dem „Mann“ nicht sein ALG II kürzen, wenn sich die „Frau“ einer Pflichtverletzung nach § 31 SGB II schuldig gemacht hat.
Der Kürzungsbetrag bemisst sich nach „der für den erwerbsfähigen Hilfebedürftigen nach § 20 maßgebenden Regelleistung“, d.h. also, die 10% oder 30% werden von dem lt. § 20 zustehenden Regelsatz, unabhängig davon wieviel Regelleistung man tatsächlich erhält.
Wenn man z.B. nur ergänzend 50€ ALG II erhält, einem nach § 20 ein Regelsatz von 316€ zustehen würde, würde der Sanktionsbetrag trotzdem auf der Basis von 316€ berechnet, was bei einer 30% Sanktion einen Betrag von 95€ ausmacht.
Da man aber tatsächlich nur 50€ ALG II erhält, können auch nur diese 50€ gekürzt werden und nciht die 95€. Die Sanktion kann und darf Aufgrund des Individualanspruchs auch nicht auf das ALG II des Partners ausgeweitet werden, nur weil das für den sanktionierten Hilfeempfänger tatsächlich gezahlte ALG II geringer ist als der Sanktionsbetrag.

Wenn man mit mindestens einem minderjährigen Kind in der BG lebt, hat man bei einer Sanktion einen Rechtsanspruch auf ergänzende Sachleistung.

Quelle http://hartz.info/index.php?topic=20.0

Wenn Sanktionen den Bereich KdU (Miete) berühren, wichtig zu wissen:

LSG NRW, Urt. v. 22.03.2012 – L 6 AS 1589/10 – Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtsfrage zugelassen

Abweichung von dem Prinzip der Aufteilung der Unterkunftskosten nach Kopfzahl, da Sippenhaftung im Falle einer Sanktion bei den Kosten der Unterkunft dem Sozialrecht fremd ist.

Dazu bereits:

LSG Niedersachsen-Bremen, Beschl. v. 08.07.2009 – L 6 AS 335/09 B ER – rechtskräftig

Keine Sippenhaft für Hartz 4 Empfänger.
Bei Wegfall von ALG-2 eines in Bedarfsgemeinschaft lebenden Hilfebedürftigen durch Sanktion sind Unterkunftskosten an übrige Mitglieder zu erbringen.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an den „Kollegen“ WV, der mich liebenswürdigerweise mit der aktuellen Rechtsprechung versorgt 😉